Sonntag, 27. September 2026
Franken im Fokus, die Welt im Blick.
Suchergebnisse
Search this site
497 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche
- Sachsen-Anhalt-Wahl: AfD bei 42,1 Prozent im Wahltrend
Zwei Wochen vor der Landtagswahl diskutiert der Nürnberg-Times-Podcast, warum die absolute Mehrheit rechnerisch möglich ist. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 kann die AfD nach dem Wahltrend vom 12. August 2026 stärkste Kraft mit deutlichem Abstand werden. Die Umfrage von wahlen.de sieht die AfD bei 42,1 Prozent, die CDU bei 22,9, die Linke bei 13, die SPD bei 6,6, die Grünen bei 4,6, das BSW bei 4,4 und die FDP bei 2,9 Prozent. Im Podcast von The Nuremberg Times diskutieren Moderator Kevin Kienle, Romy Singh und Paul Arzten, was diese Ausgangslage für die Regierungsbildung, für Ostdeutschland und für den bundesweiten Umgang mit der Partei bedeutet. Umfragen sind keine Wahlergebnisse — die Werte können sich bis zum Wahltag verschieben. Warum die absolute Mehrheit an wenigen Prozentpunkten hängt Für Paul Arzten ist der Ausgang der Wahl im Kern bereits entschieden: „Entweder schafft die AfD die absolute Mehrheit oder nicht. Das ist die einzige Frage, die noch ungeklärt ist für mich." Entscheidend ist dabei nicht der eigene Zuwachs, sondern die Fünf-Prozent-Hürde bei den kleineren Parteien. Scheitern SPD und Grüne, reichten der AfD nach Arzners Rechnung 42 bis 43 Prozent für die absolute Mehrheit der Mandate. Ziehen beide in den Landtag ein, wären rund 45 Prozent nötig. Hinzu kommt ein struktureller Vorteil: Die AfD mobilisiere Nichtwählerinnen und Nichtwähler besser als jede andere Partei, sagt Arzner — ein Mechanismus, den die demokratische Konkurrenz bislang nicht entschlüsselt habe. Was passiert, wenn die AfD in Regierungsverantwortung kommt? Bei 42 Prozent führt nach Einschätzung der Runde kaum ein Weg an einer AfD-geführten Regierung vorbei. Die Alternative wäre ein Bündnis aus CDU, SPD, Grünen und Linken — für Arzten politisch unrealistisch. Kevin Kienle hält es aus Demokratieverständnis für kaum vertretbar, der stärksten Kraft das Amt des Ministerpräsidenten zu verweigern. Auf die Hoffnung, Regierungsverantwortung werde die Partei entzaubern, setzt in der Runde niemand: Kienle verweist auf Donald Trump, dessen Rückhalt in der eigenen Partei trotz Kritik stabil geblieben sei. Konkret würde eine AfD-Regierung das Innenministerium und damit die Aufsicht über den Landesverfassungsschutz übernehmen — eine Behörde, die die Partei laut Podcast als rechtsextrem einstuft. Romy Singh nennt zudem den angekündigten Ausstieg aus dem Rundfunkstaatsvertrag und den Zugriff auf Kunst und Kultur als Felder, in denen „Pflöcke" eingeschlagen würden, die sich später kaum zurückholen ließen. Warum klassische Gegenstrategien versagen Singh zieht seine Diagnose aus einem Wahlkampfauftritt, bei dem der ZDF-Satiriker Fabian Köster den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund konfrontierte: „Die kriegst du weder inhaltlich noch kabarettistisch in irgendeiner Form gepackt." Ihr Fazit: „Mit der herkömmlichen Kommunikation werden wir diese Partei nicht klein bekommen. Wir werden sie auch nicht klein bekommen, indem wir die Inhalte dieser Partei kopieren." Ein Verbotsverfahren in Karlsruhe hält er inzwischen für politisch kaum noch durchsetzbar. Kienle setzt einen anderen Fokus: „Welche Politik sollten wir machen, damit die Bürger nicht zu einer AfD rennen?" Arzten verweist auf ein Glaubwürdigkeitsproblem, das über Programme hinausgeht: Wenn Wahlversprechen im Osten über Jahrzehnte folgenlos blieben — „Warum sollte das dann beim 21. Mal klappen?" Was der Blick nach Bayern und Schleswig-Holstein zeigt Als Gegenbeispiele nennen beide Bayern und Schleswig-Holstein, wo die AfD schwächer abschneidet und die Regierungschefs nach Singhs Einschätzung „klare Kante gegenüber der AfD" zeigen. Arzten Schlussfolgerung ist unspektakulär und langfristig: Politik beginne vor Ort, in Vereinen, Feuerwehren und im Ehrenamt — „klingelt mal zwei Jahre vorher bei den Nachbarn". Taktikaufrufe einen Monat vor der Wahl kämen zu spät. Den lokalen Bezug stellt Singh selbst her: Dass das Thema Kunst und Kultur in Nürnberg inzwischen im Referat des Oberbürgermeisters angesiedelt sei statt in einem eigenen Referat, zeige, wie stark Kulturpolitik als Hebel der Meinungsbildung verstanden werde.
- 200 Jahre Nürnberger Volksfest: Jubiläum am Dutzendteich
Das Nürnberger Herbstvolksfest beginnt am Freitag, 28. August, und läuft bis zum 13. September. Die Stadt begeht damit das 200-jährige Bestehen ihres Volksfests: Der Ursprung geht nach Angaben der Stadt Nürnberg auf das Jahr 1826 zurück, als in Nürnberg zu Ehren des bayerischen Königs Ludwig I. gefeiert wurde. Eröffnet wird das Fest von Oberbürgermeister Marcus König, der am 28. August um 17 Uhr das erste Fass ansticht. Das Gelände am Dutzendteich öffnet bereits um 14 Uhr, dem Anstich geht ein Festzug mit Vereinen, Musikgruppen und Schaustellern voraus. Der Eintritt auf den Festplatz ist frei; nach Angaben der Veranstalter stehen mehr als 150 Fahrgeschäfte und Verkaufsstände bereit. Über den regulären Betrieb hinaus setzt das Jubiläumsjahr zwei Schwerpunkte: eine historische Ausstellung ab dem 3. September und ein Artistenprogramm im selben Zeitraum. Beides deckt nur einen Teil der Laufzeit ab. Ein Fest, das deutlich älter ist als sein Festplatz Die runde Zahl verdeckt einen Ortswechsel. Zwar reicht die Tradition bis 1826 zurück, der heutige Volksfestplatz am Dutzendteich dient jedoch erst seit 1953 als Standort für die jährlichen Volksfeste. Das geht aus dem Geländeinformationssystem des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände hervor. Der Platz liegt auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, unmittelbar neben der Kongresshalle. Albert Speers Planung sah an dieser Stelle Kultur- und Ausstellungsbauten vor; weil dort der alte Tiergarten lag, wurde dieser 1939 an den Schmausenbuck verlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete die Stadt in diesem Bereich den Volkspark Dutzendteich ein. Das Jubiläum feiert also eine Festtradition, die im Lauf von zwei Jahrhunderten den Ort gewechselt hat – auf einem Gelände, dessen eigene Geschichte in Nürnberg bis heute Gegenstand von Debatten und Bauprojekten ist. Wie viele Ausgaben des Festes in diesen 200 Jahren tatsächlich stattgefunden haben und in welchen Jahren es ausfiel, geht aus den öffentlich zugänglichen Angaben nicht hervor. Ausstellungszelte, Artistenmast, zwei Feuerwerke Kern des Jubiläumsprogramms sind zwei Ausstellungszelte, die ab dem 3. September die Geschichte des Festes zeigen. Ausgestellt werden unter anderem historische Autoscooter-Wagen, Schaustellerfiguren, alte Orgeln, Traktoren und Miniatur-Jahrmärkte. Der Zugang ist kostenlos. Die zweite Neuerung ist ein 62 Meter hoher Artistenmast der Geschwister Weisheit. Die Artistenfamilie tritt nach Angaben der Veranstalter seit mehr als 125 Jahren auf; namentlich genannt werden Natalia und Max Rudolf Weisheit. Vom 3. bis 12. September sind ein bis zwei Vorstellungen täglich vorgesehen. Bei der Motorradshow „Über allen Köpfen“ fahren drei Motorräder gleichzeitig auf drei nebeneinander gespannten Stahlseilen über dem Publikum. Zum Programm gehört den Angaben zufolge außerdem ein Trompetensolo auf der Mastspitze. Dazu kommen mehrere thematische Tage. Am 30. August findet ein Kindertag statt, am 1. und 8. September Seniorennachmittage für Gäste ab 65 Jahren. An den Familientagen am 2. und 9. September gelten zwischen 14 und 21 Uhr halbierte Fahrpreise; dasselbe gilt nach Veranstalterangaben bei der Ladies' Night am 10. September. Am 4. September steht die „Nacht der 1.000 Lichter“ mit Musikfeuerwerk auf dem Programm, ergänzt um einen Blaulichttag mit Rettungs- und Einsatzkräften. Der 11. September ist als Steampunk-Abend angelegt, am 12. September folgt ein Oldtimertreffen. Das Abschlussfeuerwerk beendet das Fest am 13. September um 22 Uhr. Sonntags um 13 Uhr werden Volksfestführungen angeboten. Nebenan entsteht Nürnbergs teuerstes Kulturprojekt Das Jubiläum fällt in eine Phase, in der sich die Umgebung des Festplatzes baulich stark verändert. Die benachbarte Kongresshalle wird zum Kulturareal umgebaut. Vier der sechzehn Bausegmente sollen künstlerische Nutzungen aufnehmen – geplant sind 49 Atelierräume, Werkstätten, ein Tonstudio, 25 Bandproberäume und ein großer Tanzproberaum auf knapp 7.300 Quadratmetern. Sechs weitere Segmente nehmen das Staatstheater Nürnberg auf, während das Opernhaus saniert wird; der Zuschauerraum der Interimsspielstätte bietet Platz für 800 Personen. Die Gesamtkosten beziffert die Stadt auf 296 Millionen Euro, nach 211 Millionen Euro in der Schätzung von 2021. Als Gründe für die Steigerung nennt sie gestiegene Baupreise und eine längere geplante Nutzungsdauer des Ergänzungsbaus – 25 statt zehn Jahre. Auf den Theaterbau entfallen 85,5 Millionen Euro. Rund 210 Millionen Euro sollen voraussichtlich durch Fördermittel von Bund, Freistaat Bayern und Europäischer Union gedeckt werden. Die erste Vorstellung im Theaterbau ist für das vierte Quartal 2028 geplant. Zum Stand Dezember 2025 waren nach Angaben der Stadt rund 10.500 Kubikmeter Beton, 1.762 Tonnen Bewehrungsstahl und 245 Tonnen Stahlträger verbaut. Der 34 Meter hohe Bühnenturm steht noch aus. Für Volksfestbesucher hat die Baustelle eine unmittelbare Folge: Die Parkplätze an der Kongresshalle stehen wegen der Bauarbeiten derzeit nicht zur Verfügung. Die Veranstalter empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln; die S-Bahn-Haltestelle Dutzendteich liegt in Fußnähe. An ausgewählten Tagen fährt zudem die historische Straßenbahnlinie V kostenlos vom Hauptbahnhof – welche Tage das sind, ist bislang nicht ausgewiesen. Fahrradstellplätze an den beiden Haupteingängen sind gebührenfrei. Was das Fest kostet – und was offen bleibt Zu den Bierpreisen des Herbstvolksfests 2026 liegen bislang keine veröffentlichten Angaben vor. Ein Anhaltspunkt sind die Preise des Frühlingsfests, das vom 4. bis 26. April stattfand: 11,90 Euro für die Maß im Festzelt Papert und 6,00 Euro für das Seidla im Stad'l. Das Seidla lag damit 50 Cent über dem Vorjahreswert, der Literpreis entsprach dem Niveau des Herbstvolksfests 2025 von 11,90 bis 12,00 Euro. Ob dieses Niveau im Herbst gehalten wird, ist offen. Auch bei den Besucherzahlen ist die Datenlage unscharf. Stadt und Veranstalter sprechen von rund zwei Millionen Gästen pro Jahr, beziehen sich dabei aber auf beide Nürnberger Volksfeste zusammen. Eine separate Zahl für das Herbstvolksfest wird nicht ausgewiesen. Ob das Jubiläumsjahr höhere Besucherzahlen bringt, lässt sich vor Festbeginn nicht beurteilen. Faktenkasten: Herbstvolksfest Nürnberg 2026 Termin: 28. August bis 13. September 2026 Ort: Volksfestplatz am Dutzendteich Eintritt: frei Öffnungszeiten: Mo–Do 14–23 Uhr, Fr/Sa 14–24 Uhr, So und Feiertage ab 13 Uhr, Schlusstag bis 23.30 Uhr Eröffnung: Bieranstich durch Oberbürgermeister Marcus König am 28. August, 17 Uhr Angebot: mehr als 150 Fahrgeschäfte und Verkaufsstände Jubiläumsausstellung: ab 3. September, zwei Zelte, Zugang kostenlos Geschwister Weisheit: 3. bis 12. September, 62-Meter-Artistenmast Feuerwerke: 4. September („Nacht der 1.000 Lichter“) und 13. September, 22 Uhr Halbe Fahrpreise: 2. und 9. September (14–21 Uhr), 10. September (Ladies' Night) Anreise: S-Bahn Dutzendteich; Parkplätze an der Kongresshalle wegen Bauarbeiten gesperrt Hinweis: Tiere sind auf dem Gelände nicht zugelassen Quelle Bild: Stadt Nürnberg / Uwe Niklas
- US-Midterms 2026: Wenn Wahlkreise vor der Wahl entscheiden
Sieben Sitze trennen die Lager im Repräsentantenhaus — doch die Karten sind längst neu gezogen. Am 3. November 2026 wählen die Vereinigten Staaten einen neuen Kongress. Im Podcast „Servus USA" von The Nuremberg Times argumentieren Moderator Kevin Kienle und Host Romy Singh, die entscheidende Frage sei „eigentlich nicht, wer gewinnt, sondern nach welchen Regeln gespielt wird". Ihr zentrales Argument: Durch mitten in der Wahlperiode neu gezogene Wahlkreise gehen die Republikaner nach Rechnung der beiden mit einem Vorsprung von rund acht bis neun Sitzen in die Wahl — bevor eine einzige Stimme abgegeben ist. Wie viele Sitze brauchen die Demokraten für eine Mehrheit im Kongress? Im Repräsentantenhaus liegen derzeit sieben Sitze zwischen den Lagern: 219 Republikaner, 212 Demokraten, vier Mandate sind vakant. Im Senat ist die Rechnung enger. Von 100 Sitzen halten die Republikaner 53, die Demokraten 47; für eine Mehrheit reichen 51, weil bei Gleichstand Vizepräsident J. D. Vance entscheidet. Zur Wahl stehen im November 35 Sitze, davon 13 demokratische und 22 republikanische. Die Demokraten müssten also sämtliche eigenen Mandate verteidigen und vier hinzugewinnen — nach Kienles Einschätzung realistisch nur in North Carolina, Alaska, Maine und Ohio. „Ein Ausrutscher und da war's", sagt er. Der Vorsprung, der aus dem Kartenzeichnen kommt Das eigentliche Thema der Folge ist nicht die Stimmung, sondern die Geometrie. Texas hat sich laut Podcast fünf sichere republikanische Sitze dazugezeichnet, Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom mit fünf demokratischen gekontert. Florida legte vier nach, Ohio zwei, North Carolina und Missouri je einen. Unterm Strich, so Kienle, bleibe ein Vorsprung von acht bis neun Sitzen für die Republikaner. Sein Fazit: In den USA würden die Wahlkreise „von denen eigentlich gezogen, die drinnen gewinnen wollen". Singh nennt das eine „antidemokratische Komponente" — und geht davon aus, dass den Beteiligten das bewusst sei. Vor diesem Hintergrund relativiert sich der Umfragevorsprung der Demokraten. Rund sieben Punkte liegen sie in den Sonntagsfragen vorn; in einem derart polarisierten Land ist das viel, gegen neu zugeschnittene Wahlkreise aber womöglich zu wenig. Ein zweiter Faktor wirkt in die Gegenrichtung: Vier Dollar kostet die Gallone Benzin, vor dem Iran-Krieg im Februar waren es 2,98 Dollar. Acht von zehn Amerikanern sagen laut Podcast, das tue im Geldbeutel weh. Was den Wahlablauf selbst stören könnte Mehrere Konflikte laufen parallel zur Wahlvorbereitung. Das US-Justizministerium verlangte von den Bundesstaaten die Wählerverzeichnisse samt Geburtsdaten und Teilen der Sozialversicherungsnummern; die Bilanz vor Gericht lautet nach Angaben im Podcast 22 Verfahren, 22 Niederlagen — auch vor Richtern, die von Republikanern ernannt wurden. Ein Erlass, der die Post in die Kontrolle der Briefwahl einbinden soll, wurde am 12. August zum zweiten Mal gestoppt; eine Entscheidung des Supreme Court steht aus. Kienle verweist auf den Widerspruch, dass die Briefwahl rechts verteufelt werde, „trotzdem wählt auch ein Donald Trump per Briefwahl". Darüber hinaus formulieren beide ausdrücklich Spekulationen: Einschüchterung durch ICE-Beamte in der Nähe von Wahllokalen, Streit um die Auszählung von Briefwahlstimmen, außenpolitische Eskalation vor dem Wahltag. Kienle hält sogar einen ausgerufenen Ausnahmezustand für vorstellbar, der eine reguläre Wahl verhindern würde. Singh beschreibt die erwartbare Kommunikationsstrategie mit dem Schlagwort „Flood the zone with shit". Warum das in Nürnberg relevant ist Den europäischen Bezug stellt Singh selbst her. Die MAGA-Bewegung vergebe inzwischen Stipendien an Rechte in Europa, Elon Musk spende nach der aufgegebenen Idee einer dritten Partei wieder für die Republikaner. Vor allem aber sieht Singh einen Lerneffekt: „Die AfD schaut sich das alles ganz ganz genau an." Alles, was an Gewaltenteilung in den USA „in die Brüche geht, wird bei uns früher oder später auch in die Brüche gehen." Zugleich hält er fest, dass die Gerichte in vielen Fällen weiter funktionieren — ein Befund, aus dem er weder Entwarnung noch Resignation ableitet: Ein Land, das er für „moralisch bankrott" hält, weiter zu beobachten, sei anstrengend, aber „es ist auch keine Lösung, einfach nur wegzusehen".
- Palantir bei der Nürnberger Polizei — wer kontrolliert die Datenanalyse?
Die bayerische Polizei setzt die Analyse-Plattform VeRA seit knapp zwei Jahren ein — auch in Mittelfranken. Auf Anfrage von The Nuremberg Times hat das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) erstmals konkrete Angaben zum laufenden Betrieb gemacht: zur Zahl der Zugänge, zur Rolle des Herstellers Palantir und zur Protokollierung der Abfragen. Zugleich zeigt die Recherche, dass eine datenschutzrechtliche Prüfung des tatsächlichen Einsatzes bislang aussteht — und dass über Reichweite und Kontrolle des Systems politisch gestritten wird. VeRA — die "Verfahrensübergreifende Recherche- und Analyseplattform" — beruht auf Software des US-Unternehmens Palantir und führt bislang getrennte Polizeidatenbanken zusammen, um Verbindungen zwischen Personen, Orten und Vorgängen sichtbar zu machen. Rechtsgrundlage ist Art. 61a des Bayerischen Polizeiaufgabengesetzes (BayPAG); der Einsatz ist damit derzeit auf die Gefahrenabwehr beschränkt. Der Polizeiverband Mittelfranken mit Sitz in Nürnberg hat das System nach einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Benjamin Adjei (Grüne) mehrfach angeordnet. Der Bundestag hat die Entwürfe am 8. Juli 2026 in erster Lesung beraten; am 21. September 2026 sollen sie in einer öffentlichen Anhörung fachlich geprüft werden — in gut drei Wochen. Wofür die Plattform gedacht ist Aus Sicht der Sicherheitsbehörden schließt VeRA eine praktische Lücke. Die Polizei arbeitet mit zahlreichen getrennten Datenbeständen, die bisher einzeln durchsucht werden mussten. Die Bundesregierung beschreibt diesen Zustand in der Begründung ihrer Gesetzentwürfe als "unverbundenes Nebeneinander zahlreicher automatisierter Dateien und Datenquellen"; in einem der Entwürfe heißt es, die automatisierte Datenanalyse sei "ein zentraler Baustein, um die stetig wachsenden Datenmengen in polizeilichen Ermittlungsverfahren verarbeiten zu können". Befürworter im Bundestag argumentieren entlang dieser Linie. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph de Vries (CDU), sagte in der ersten Lesung, die Sicherheitsbehörden bekämen "die Werkzeuge, die sie eben im 21. Jahrhundert auch dringend brauchen"; nur so könne man Täternetzwerken "auf Augenhöhe" entgegentreten. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) nannte solche Befugnisse im Deutschlandfunk "überfällig": "Das Instrument ist doch nicht das Problem, sondern die Frage, wie man es nutzt und wie man es mit Regeln eingrenzt." Der Deutsche Richterbund begrüßte den Referentenentwurf in seiner Stellungnahme 9/2026. 410 Zugänge, anlassbezogene Anmeldung, kein KI-Einsatz Das BLKA, das die europaweite Ausschreibung durchgeführt hat und das System betreibt, beantwortete sieben Fragen zum laufenden Betrieb. Angebunden sind demnach sechs polizeiliche Quellsysteme: das Vorgangsbearbeitungssystem, das Fallbearbeitungssystem, der Fahndungsbestand INPOL-Land, der polizeilich lagerelevante Schriftverkehr, das Einsatzleitsystem und das Programm zur Bearbeitung von Verkehrsordnungswidrigkeiten. Für die Nutzung freigeschaltet sind nach Angaben des LKA bayernweit "215 Analysten/innen sowie 195 User" — zusammen 410 Zugänge. Eine Anmeldung sei nur anlassbezogen möglich: "Bei Anmeldung müssen anlassbezogen die gegebenen rechtlichen Merkmale einzeln ausgewählt werden, vorher kann auf die Plattform nicht zugegriffen werden." Zur Frage nach künstlicher Intelligenz stellte die Behörde klar: "Die aktuelle Rechtsgrundlage Art. 61a PAG schließt die Nutzung von Künstlicher Intelligenz aus. Eine Nutzung der in VeRA verarbeiteten Daten zum Anlernen von KI-Modellen findet nicht statt." Darin unterscheidet sich die bayerische Praxis vom Bundesvorhaben, das den KI-Einsatz unter Bedingungen ausdrücklich zulassen würde. Ein zentrales Prüfdokument bleibt allerdings unter Verschluss. Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) hat VeRA begutachtet und den Quellcode untersucht; die Kosten dafür beziffert die Staatsregierung auf 430.000 Euro. Eine Veröffentlichung lehnt das LKA ab: Das Gutachten sei "schon wegen der sensiblen Angaben zur IT-Infrastruktur der Bayerischen Polizei, als Verschlusssache eingestuft" worden und enthalte zudem "Geschäftsgeheimnisse der Fa. Palantir Technologies GmbH". Eine "auch auszugsweise Einsichtnahme" sei "rechtlich nicht zulässig und daher auch nicht vorgesehen". Die Rolle des Herstellers Auf die Frage nach dem Zugriff des Herstellers antwortete das LKA, das Projekt werde "derzeit im laufenden Betrieb in der Regel vor Ort durch Beschäftigte der Firma Palantir Technologies GmbH unterstützt". Alle externen Kräfte verfügten über eine abgeschlossene Sicherheitsüberprüfung. Die Daten lägen auf Servern im BLKA, "physikalisch getrennt vom öffentlichen Netz". Der Zugriff werde "namentlich bestimmten und sicherheitsüberprüften externen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Firma Palantir im Rahmen der erforderlichen Aufgaben gewährt" und umfasse "nach Einzelfallprüfung den Zugang auf die Test- und/oder auch Produktivumgebung im Rahmen des Fehler- und Releasemanagements". Notwendige Arbeiten im Rechenzentrum erfolgten "stets in Begleitung" von Vertretern der Projektgruppe VeRA. Die Möglichkeit, die Protokolldaten auszuwerten, sei gegeben. Wer die Abfragen prüft Wie eng die Nutzung überwacht wird, hängt an der Protokollierung. Nach Auskunft des LKA erfolgt die Dokumentation "systemseitig im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Protokollierungspflichten" nach Art. 61a Abs. 4 Satz 5 PAG. Die Protokolldaten würden ein Jahr lang gespeichert, und: "Die Auswertung erfolgt durch den jeweiligen Dienstvorgesetzten des abfragenden Polizeibeamten." Unabhängig davon stehe es dem bayerischen Datenschutzbeauftragten "jederzeit zu, Protokolldateiauswertungen vorzunehmen"; auf Antrag Betroffener seien Datenverarbeitungen nach Art. 65 PAG offenzulegen. Die spezialisierte externe Kontrolle des Echtbetriebs hat nach Auskunft der Aufsichtsbehörde bislang nicht stattgefunden. Der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz kontrolliere Datenverarbeitungen der Polizei zwar "regelmäßig, anlassbezogen und anlassunabhängig", schreibt seine Geschäftsstelle. Zum konkreten Einsatz von VeRA aber heißt es: "Im Zusammenhang mit dem konkreten Echteinsatz von VeRA hat noch keine datenschutzrechtliche Prüfung stattgefunden, allerdings ist eine solche beabsichtigt." Zeitpunkt und Umfang würden "erst zu gegebener Zeit festgelegt". Die Behörde verweist auf ihre ausführliche Stellungnahme im Gesetzgebungsverfahren zu Art. 61a PAG sowie darauf, dass ihr im Rahmen von Prüfungen alle erforderlichen Auskünfte und Unterlagen vorzulegen seien. Der Streit um die Reichweite: das Beispiel Mittelfranken Politisch umstritten ist vor allem, für welche Fälle VeRA genutzt wird. Art. 61a PAG kennt zwei Stufen: Absatz 1 erfasst besonders enge Gefahrenlagen — Leib, Leben, Freiheit, den Bestand des Staates oder kritische Infrastruktur. Absatz 2 erlaubt den Einsatz weiter gefasst, etwa bei Straftaten aus dem Katalog des § 100b StPO oder zum Schutz von Eigentums- und Vermögenswerten. Beide Stufen sind geltendes Recht; der Einsatz nach Absatz 2 ist rechtlich zulässig. Der Abgeordnete Adjei, der die Einsatzzahlen über Schriftliche Anfragen öffentlich gemacht hat, sieht in Mittelfranken eine Verschiebung. In der ersten Auflistung seien dort vier Einsätze dokumentiert gewesen — "zwei in klassischen Hochrisikobereichen nach Art. 61a Abs. 1 PAG, aber bereits zwei über die weiter gefasste Befugnis des Abs. 2". In der neueren Statistik kämen "zwei weitere Mittelfranken-Fälle hinzu – beide nach Abs. 2, darunter ein Fall zu Eigentums- und Vermögenswerten". Bayernweit laufe nach seiner Auswertung mehr als 60 Prozent der bekannten Einsätze über Absatz 2. Seine Bewertung: "VeRA ist längst nicht nur ein Werkzeug für absolute Ausnahmelagen. Es bewegt sich in Richtung polizeiliches Routineinstrument." Als Mitglied der Datenschutzkommission des Landtags kritisiert Adjei, dass die Staatsregierung keine systematischen Angaben zum Ermittlungserfolg mache: "Wer sensible Polizeidaten in dieser Tiefe zusammenführt, muss auch klare Erfolgskriterien, Dokumentation und Evaluation liefern." Sein nächster Ansatzpunkt ist der Vertrag mit Palantir, der nach Angaben des Innenministeriums bis April 2027 läuft: "Nach diesen Zahlen darf es keine automatische Vertragsverlängerung geben." Das Bayerische Innenministerium, das die Rechtsaufsicht ausübt und die zugrunde liegende Landtagsanfrage beantwortet hatte, ließ mehrere Anfragen zu diesen Punkten über mehrere Wochen unbeantwortet. Was der Bund ändern würde Auf Bundesebene verlaufen die Fronten ähnlich. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) verteidigt die Entwürfe: Sie zögen "klare und durch Gerichte kontrollierbare Grenzen für die neuen Werkzeuge", und Entscheidungen im Strafverfahren würden "immer von Menschen getroffen, nicht von KI-Agenten". Die Nürnberger Bundestagsabgeordnete Rebecca Lenhard (Grüne), Mitglied im Digitalausschuss und stellvertretendes Mitglied im Innenausschuss, hält dem entgegen, die Entwürfe schüfen "weitreichende Befugnisse, obwohl zentrale technische und rechtliche Fragen ungeklärt sind". Der Gesetzgeber dürfe "nicht zunächst eine möglichst breite Befugnis schaffen und die konkrete Ausgestaltung anschließend Behörden und Herstellern überlassen". Zum biometrischen Internetabgleich, für den die Anordnung der Staatsanwaltschaft genügen soll, sagt Lenhard: "Dass bei einem solchen Eingriff grundsätzlich die Staatsanwaltschaft und kein unabhängiges Gericht entscheiden soll, halten wir für nicht ausreichend. Es braucht einen Richtervorbehalt und eine deutlich engere Beschränkung auf besonders schwere Straftaten." Mit Blick auf den Anbieter sagt sie: "Palantir darf bei der Verarbeitung sensibler deutscher Polizeidaten nicht zum Einsatz kommen." Ob die Entwürfe die Anhörung im September unverändert überstehen, lässt Lenhard offen, verweist aber darauf, dass "selbst aus der SPD-Fraktion in der ersten Lesung angekündigt wurde, die Entwürfe Zeile für Zeile zu prüfen". Auch die Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden hatte die Vorhaben als in der vorgesehenen Form nicht mit den verfassungsrechtlichen Vorgaben vereinbar bezeichnet. Was die Justiz sagt — und was offen bleibt Wie konkret die neue Anordnungsbefugnis die Nürnberger Justiz treffen würde, ließ sich noch nicht klären. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth leitete die Anfrage an das Bayerische Staatsministerium der Justiz weiter. Von dort hieß es, die "genaue Ausgestaltung der Rechtsgrundlage, wie etwa die Regelung der Anordnungskompetenz", bleibe "dem weiteren Gesetzgebungsverfahren vorbehalten"; belastbare Angaben zum möglichen Fallaufkommen seien "derzeit nicht möglich". Die bayerischen Staatsanwaltschaften seien "sehr leistungsfähig" und würden "über den Einsatz des neuen Ermittlungsinstruments im Einzelfall entscheiden", sobald die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen seien. Für die Auslegung der Schwelle des § 98d StPO verwies das Ministerium an das Bundesjustizministerium, für Fragen zum bisherigen VeRA-Einsatz an das Innenministerium — da dieser "derzeit ausschließlich zur Gefahrenabwehr nach Art. 61a" zulässig sei. Mehrere Anfragen blieben über mehrere Wochen unbeantwortet. Das Polizeipräsidium Mittelfranken — als anordnende Stelle ein zentraler Adressat — stellte im Juli eine Antwort in Aussicht; zu einem Teil der Fragen fehlten noch zugelieferte Details. Bis zur Veröffentlichung dieses Beitrags ging sie nicht ein. Das Bayerische Innenministerium äußerte sich nicht. Auch der direkt gewählte Nürnberger Bundestagsabgeordnete Michael Frieser (CSU), stellvertretendes Mitglied im Rechtsausschuss, ließ eine Bitte um Stellungnahme unbeantwortet. Die Gesellschaft für Freiheitsrechte, die in Karlsruhe gegen Art. 61a BayPAG klagt, hatte ein Hintergrundgespräch angeboten. The Nuremberg Times bleibt an dem Thema dran — nicht zuletzt mit Blick auf die öffentliche Anhörung im Bundestag am 21. September 2026, bei der die Gesetzentwürfe fachlich geprüft werden. Grundlage: Schriftliche Antworten auf Presseanfragen von The Nuremberg Times an das Bayerische Landeskriminalamt, die Geschäftsstelle des Bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz, den Landtagsabgeordneten Benjamin Adjei (Grüne), das Wahlkreisbüro der Bundestagsabgeordneten Rebecca Lenhard (Grüne) sowie das Bayerische Staatsministerium der Justiz (nach Weiterleitung durch die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth), jeweils Juli 2026. Zahlen zu Einsätzen und Kosten aus der Antwort des Bayerischen Innenministeriums auf die Schriftliche Anfrage, Landtags-Drucksache 19/11697. Zitate aus der ersten Lesung des Bundestags (Hubig, de Vries) sowie von Herbert Reul nach Berichterstattung von AFP/Stuttgarter Zeitung und junge Welt vom 9. Juli 2026. Wörtliche Zitate aus Zuschriften an die Redaktion sind den jeweiligen Antworten entnommen. Anfragen an das Polizeipräsidium Mittelfranken, das Bayerische Innenministerium, den Bundestagsabgeordneten Michael Frieser (CSU) und die Gesellschaft für Freiheitsrechte waren bei Redaktionsschluss noch nicht abschließend beantwortet.
- 1. FC Nürnberg: Derbysieg in Fürth und Tabellenführung
Zwei Spiele, zwei Siege — im Sporttalk mahnen Paul Arzten und Theo Deinlein trotzdem zur Zurückhaltung. Der 1. FC Nürnberg führt nach zwei Spieltagen die 2. Bundesliga an. Auf das 3:0 gegen die SG Dynamo Dresden zum Auftakt folgte am 15. August 2026 ein 4:2 im Frankenderby bei der SpVgg Greuther Fürth. Im Sporttalk von The Nuremberg Times ordnen Moderator Paul Arzten und Sportexperte Theo Deinlein den Start ein — und warnen zugleich davor, aus zwei Ergebnissen eine Saisonprognose zu machen. Wie kam der Derbysieg des 1. FC Nürnberg in Fürth zustande? Nürnberg lag im 277. Frankenderby zweimal zurück. Felix Klaus traf für Fürth per Foulelfmeter (22.) und erneut in der 41. Minute, Piet Scobel (26., 74.) und Julian Justvan (45.+3, 54.) drehten die Partie. Der Wendepunkt lag jedoch beim Stand von 2:3: In der 63. Minute parierte Torhüter Jan Reichert einen zweiten Elfmeter von Klaus. Deinlein hält diese Szene für den entscheidenden Moment des Spiels. Reichert habe sich „unglaublich entwickelt", sagt er im Podcast — „der Mannschaft in dem Moment im Derby diesen Push zu geben, ist ja wie ein Tor quasi". Arzten, selbst früher Defensivspieler, bewertet die erste halbe Stunde kritisch, kommt aber zu einem klaren Urteil: „Am Ende hat der Klub gewonnen und das verdient." Klose, Kaderumbruch und die Grenzen der Euphorie Der zweite Strang der Diskussion betrifft die Struktur hinter den Ergebnissen. Nach dem erneuten Abgang mehrerer Abwehrspieler im Sommer sei die Skepsis groß gewesen, so Deinlein — die sportliche Leitung habe aber „mit wenig Transfermöglichkeiten wieder viele gute Spieler, gute Talente holen" können. Zugespitzt formuliert er den Preis dieses Modells: „Wenn ich jetzt mal zusammenzählen würde, welche Spieler wir entwickelt haben in den letzten Jahren, die alle in die erste Liga gegangen sind, könnten wir wahrscheinlich Champions League spielen." Auch Trainer Miroslav Klose profitiert von dieser Lesart. Arzten erinnert daran, dass Klose in der Vorsaison intern zur Disposition stand — nach drei Auftaktniederlagen und dem Pokal-Aus beim Regionalligisten FV Illertissen. „Klose hat gewackelt, stimmt, und hat sich aber rausgekämpft mit dem Team", sagt Deinlein; heute sei er auch als Trainer „eine gar andere Persönlichkeit geworden". Mohamed Ali Zoma, der beim 3:0 gegen Dresden alle drei Tore erzielte, gilt beiden als Ausnahmestürmer der Liga. Bemerkenswert ist, wie stark Deinlein gegensteuert. „So schnell man zwei Spiele gewinnt, kann man auch zwei Spiele wieder verlieren", sagt er und verweist auf die Abstiegskämpfe der vergangenen Jahre. Sein Fazit zum Saisonziel fällt entsprechend nüchtern aus: „Das Wort Aufstieg würde ich zum zweiten Spieltag nie in den Mund nehmen." Arzten widerspricht in der Zielsetzung und plädiert für die vorderen Ränge als realistische Marke — die Fixierung auf den Klassenerhalt richte den Blick unnötig nach unten. Der nächste Härtetest: Pokal in Köln, dann Bielefeld Die Belastungsprobe folgt unmittelbar. Am 22. August 2026 tritt der Club in der ersten DFB-Pokal-Runde beim Drittligisten FC Viktoria Köln an (15.30 Uhr), am 29. August folgt das Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (20.30 Uhr). Drittligisten in Pokalspielen zu unterschätzen, warnt Deinlein, sei ein klassischer Fehler: Für den Gegner seien solche Partien „immer das wichtigste Spiel der Saison quasi". Am Rande geht es um die neue Trikotkollektion: Deinlein hält das Auswärtstrikot für das beste seit Jahren, beim dritten Trikot bleibe die Farbkombination „Geschmackssache". Sein Schlusssatz fasst die Stimmung nach dem Derby zusammen: „Die Nummer eins in Franken ist der FCN." Quelle Bild: FCN / Uwe Niklas
- Lukas Küffner: Warum Nürnbergs Stadtrat nicht streamt
Bis zu 63.000 Euro im Jahr: An dieser Rechnung der Verwaltung scheiterte der Antrag von Einzelstadtrat Lukas Küffner. Der Nürnberger Stadtrat hat kurz vor der Sommerpause einen Antrag des Einzelstadtrats Lukas Küffner (Piraten/Humanisten) abgelehnt, seine Sitzungen künftig live zu streamen und aufzuzeichnen. Ausschlaggebend waren die von der Stadtverwaltung veranschlagten Kosten von 4.000 Euro je regulärer Sitzung. Abgelehnt wurde auch der zweite, nach Aussage der Verwaltung kostenneutrale Teil des Antrags: die Veröffentlichung jener Audioaufzeichnungen, die ohnehin bereits existieren — bislang aber nur von Stadtratsmitgliedern angehört werden dürfen. Für die Öffentlichkeit bleibt es damit bei den schriftlichen Protokollen. Was der Antrag vorsah Küffner hatte zwei Stufen beantragt. Die kleine: die vorhandenen Tonmitschnitte der Sitzungen freizugeben. Die große: Videoaufzeichnungen und ein Livestream von Stadtrats- und Ausschusssitzungen, abrufbar mindestens bis zur jeweils nächsten Sitzung. Sein zentrales Argument ist ein Zugangsargument. Der Stadtrat tagt mittwochs um 15 Uhr, Ausschüsse teils um neun oder zehn Uhr morgens — Zeiten, zu denen Berufstätige weder vor Ort noch am Bildschirm zuschauen können. „Deshalb finde ich, dass diese Aufzeichnungen ein sehr wichtiger Teil sind", sagt Küffner im Podcast von The Nuremberg Times. Andere bayerische Kommunen sind weiter: München etwa streamt und archiviert seine Sitzungen. Warum scheiterte der Livestream an den Kosten? Die Verwaltung beantwortete den Antrag laut Küffner auf vier bis fünf Seiten und legte konkrete Zahlen vor: 4.000 Euro pro Sitzung, 9.000 Euro für die längeren Haushaltsberatungen, hochgerechnet 54.000 Euro im Jahr ohne und 63.000 Euro mit Gebärdensprachdolmetschung. Küffner hält diese Summen für zu hoch — vor allem, weil sie auf einem einzigen Angebot beruhen. Man habe eine Firma gefragt: „hey, was kostet das, wenn ihr das Ganze für uns macht?" Alternativen zur teuren Dolmetschung seien nicht geprüft worden, obwohl er ausdrücklich danach gefragt habe; die Piratenpartei untertitele ihre Bundesparteitage seit Jahren live und kostenlos. Seine Konsequenz: „Da müssen wir natürlich Vergleichswerte auch einholen." In der Debatte sei aus der CSU vereinzelt Zustimmung zur Idee gekommen, aber nicht zum Preis. Ein weiteres Argument sei die Sorge gewesen, Videomaterial könne im Zeitalter generativer KI missbraucht werden — für Küffner wenig überzeugend: Wer sich wählen lasse, sei ohnehin auf Plakaten, Websites und in Zeitungen präsent. Der kostenlose Teil — und warum er trotzdem fiel Bemerkenswert ist das Abstimmungsergebnis zum Audio-Teil. Ursprünglich sollte die Verwaltung nur berichten, ohne Beschluss; Küffner drängte auf eine Abstimmung. Zuvor hatte er sich bestätigen lassen, dass eine Veröffentlichung bei Zweidrittelmehrheit zulässig sei und unter bestimmten Voraussetzungen „keinen Cent" koste. Der Antrag wurde dennoch abgelehnt — nach seiner Darstellung mit den Stimmen von CSU, SPD und, so seine Erinnerung, den Freien Wählern. Küffner sitzt ohne Fraktion im Stadtrat. Das kostet Mehrheiten, verschafft ihm aber Handlungsfreiheit: „Ich kann einfach einen Antrag stellen, ohne dass jemand anderes mir sagt, den Antrag kannst du jetzt nicht einreichen." Angebote, sich einer Fraktion anzuschließen, habe er vor der Konstituierung des Stadtrats gehabt und abgelehnt — auch weil eine Fraktionsmitgliedschaft keine Mehrheit garantiere, sondern zunächst den Fraktionsvorstand passieren müsse. Hoffnung liegt auf der Saal-Sanierung Einen Ausblick gab die Verwaltung dennoch: Der Sitzungssaal im Rathaus stammt in seiner heutigen Form etwa aus den 1990er Jahren und soll in den kommenden Jahren modernisiert werden. Dabei ließe sich die Technik gleich mitplanen — fest installierte Kameras, gekoppelt an die Mikrofonanlage, sodass automatisch nur die sprechende Person im Bild ist. Das löst nebenbei ein rechtliches Kernproblem: Gefilmt werden dürfen nur Stadtratsmitglieder, die zugestimmt haben. Küffner will bis dahin belastbare Vergleichsangebote sammeln und den Antrag im kommenden Jahr erneut stellen, möglichst gemeinsam mit anderen Fraktionen. „Ich hoffe, dass es in den nächsten sechs Jahren irgendwann mal einen Durchbruch gibt."
- Schulsystem Bayern: Der Streit um die Trennung nach Klasse 4
Warum der Freistaat bei Leistungstests vorn liegt, bei der Chancengerechtigkeit aber Schlusslicht ist. Sortiert mit zehn: Warum Bayerns Schulsystem so umstritten ist Bayern trennt Kinder mit zehn Jahren auf Mittelschule, Realschule und Gymnasium – so früh wie kaum ein anderes Bildungssystem in Europa. Im Podcast von The Nuremberg Times schlägt Moderator Romy Singh vor, den Übertritt um zwei Jahre nach hinten zu verschieben und die Jahrgangsstufen 5 und 6 als Übergangsphase mit individueller Talentförderung zu gestalten. Mit Kevin Kienle und Paul Arzten, der beruflich im Bildungsbereich arbeitet, diskutiert er, was Nürnbergs städtische Schulen bereits anders machen – und warum Bildung im bayerischen Wahlkampf regelmäßig verschwindet. Wie das bayerische Schulsystem aufgebaut ist Das bayerische Schulsystem ist dreigliedrig. Nach vier Jahren Grundschule wechseln Kinder auf eine der drei weiterführenden Schularten: Mittelschule, Realschule oder Gymnasium. Der Wechsel heißt Übertritt und findet nach der vierten Jahrgangsstufe statt, wenn die Kinder im Schnitt zehn Jahre alt sind. Grundlage ist das Übertrittszeugnis, das die Grundschule am Ende des vierten Schuljahres ausstellt und in dem sie eine Schulart empfiehlt. Wer die Voraussetzungen über die Noten nicht erreicht, kann den Probeunterricht besuchen. Durchlässig ist das System auf dem Papier — Wechsel nach oben sind möglich, in der Praxis aber selten. Warum ist die Trennung nach der vierten Klasse so umstritten? Weil sie früh entscheidet und schwer korrigierbar ist. Nach der vierten Jahrgangsstufe sind Kinder im Schnitt zehn Jahre alt; im OECD-Vergleich teilt nur Österreich ebenso früh auf. In Tschechien und der Slowakei erfolgt die Aufteilung mit elf, in den Niederlanden, der Schweiz und Belgien mit zwölf Jahren – der europäische Normalfall ist eine sechsjährige gemeinsame Schulzeit. Die Folgen lassen sich messen. Der Chancenmonitor des ifo Instituts und der Initiative „Ein Herz für Kinder" zeigt: Kinder aus Familien ohne Abitur und ohne hohes Einkommen besuchen bundesweit deutlich seltener ein Gymnasium als Gleichaltrige aus privilegierten Haushalten – und nirgends ist dieses Chancenverhältnis so ungünstig wie in Bayern und Sachsen. Zu den Empfehlungen der ifo-Forschenden gehört ausdrücklich eine spätere Aufteilung auf die weiterführenden Schulen. Romy Singhs Einwand im Podcast trifft damit einen belegten Punkt: Wer früh sortiert, sortiert entlang der Herkunft mit. Bei einer Zahl lohnt die Differenzierung. Die im Gespräch genannten „über 60.000" jungen Menschen ohne Schulabschluss decken sich mit einer CORRECTIV-Recherche vom Mai 2026, wonach im Schuljahr 2024/25 mehr als 64.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss verließen – in fünf Bundesländern lag die Quote über zehn Prozent. Bayern gehörte mit 6,6 Prozent allerdings zu den beiden niedrigsten Werten bundesweit. Der Freistaat verliert also nicht besonders viele Jugendliche ohne Abschluss; er verteilt die Chancen auf höhere Abschlüsse besonders ungleich. Beides gleichzeitig zu benennen, macht die Debatte präziser. Was die Runde aus ihrer eigenen Schulzeit mitnimmt Die persönlichen Bilanzen der Runde fallen ernüchternd aus. Paul Arzten beschreibt seine Schulzeit an einer Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen als sozialen Ort, nicht als Lernort: „ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss." Das gemeinsame Lernen über fünf Jahre habe schwächeren wie stärkeren Schülern genutzt – ein Freund sei erst gegen Ende der neunten Klasse aufgeblüht. Kevin Kienle wiederum ärgert sich rückblickend darüber, „wie wenig die Schule dich wirklich auf Arbeit und aufs Leben vorbereitet". Für die häufig zitierte Leistungsschwäche der Schülerinnen und Schüler sucht Arzten die Ursache an anderer Stelle: Man müsse darüber sprechen, „dass nicht die Qualität der Schülerinnen nachgelassen hat, sondern die Qualität der Ausbildung für die Lehrkräfte". Empirisch gestützt ist zumindest der Befund des Einbruchs: Im IQB-Bildungstrend 2024 verfehlten 34 Prozent der Neuntklässler die Mathematik-Mindeststandards für den Mittleren Schulabschluss – 2018 waren es 22 Prozent. Bayern erreichte dabei die bundesweit höchsten Mittelwerte, war vom Abwärtstrend aber ebenfalls betroffen. Der Vorschlag: Übertritt erst nach der sechsten Klasse Romy Singhs Vorschlag hält am gegliederten System fest, verschiebt aber den Zeitpunkt: Klassen 5 und 6 wären keine Grundschule mehr, sondern Übergangsstufen mit individueller Neigungsdiagnostik, Lernbegleitung und Talentklassen für früh Erkannte. Sein Argument gegen den Status quo ist zugespitzt ökonomisch: Wenn man Kinder schon so früh trenne, müsse die Spitzenförderung an den Gymnasien herausragend sein. „Das würde sich in Nobelpreisen niederschlagen", sagt sie – ihres Erachtens tue es das nicht. Arzten hält dagegen ein praktisches Risiko: In Berlin, wo die Grundschule sechs Jahre dauert, werben grundständige Gymnasien Schülerinnen und Schüler bereits nach der vierten Klasse über Aufnahmeverfahren ab. Übrig bleibe in den Klassen 5 und 6 eine Restgruppe mit entsprechender Erwartungshaltung. Singhs Urteil dazu: „gut gemeint und ganz schlecht gemacht." Was Nürnbergs städtische Schulen anders machen Hier wird die Debatte lokal. Nürnberg leistet sich städtische Schulen und damit Spielräume, die staatliche Schulen so nicht haben – vom naturwissenschaftlich-technologischen Profil des Martin-Behaim-Gymnasiums über das musische Labenwolf-Gymnasium bis zur Bertolt-Brecht-Schule in Langwasser. Letztere wurde 1975 als Gesamtschule Nürnberg-Langwasser gegründet; der Schulversuch Integrierte Gesamtschule endete 1994, seither arbeiten Mittelschule, Realschule und Gymnasium dort als kooperatives Schulzentrum unter einem Dach. Die Wilhelm-Löhe-Schule wird bis heute als evangelische kooperative Gesamtschule geführt. Das interessanteste Beispiel nennt Arzten mit der Michael-Ende-Schule in St. Leonhard: Seit dem Schuljahr 2016/17 erprobt die Grundschule dort die integrierte Ganztagsbildung, bei der Lehrkräfte und Horterzieherinnen in Tandems zusammenarbeiten – bayernweit einzigartig. Kinder haben damit mehrere Bezugspersonen statt einer. Was im Podcast unerwähnt bleibt: Der Freistaat kündigte die Förderung dieses Modells 2024 auf; die Nürnberger SPD-Stadtratsfraktion protestierte damals öffentlich, das Kultusministerium verwies auf den Modellcharakter und den hohen Ressourceneinsatz. Der kommunale Spielraum, den die Runde lobt, hängt also an Landesmitteln. Was im Lehrplan fehlt: Finanzbildung, Demokratie, KI Kevin Kienle verschiebt den Fokus von der Struktur auf die Inhalte: Finanzbildung, Steuererklärung, Demokratieverständnis, mentale Gesundheit im Umgang mit TikTok und Instagram, das Erkennen KI-generierter Inhalte. Arzten beschreibt, wie sichtbar unreflektierte Chatbot-Nutzung ausfällt – etwa wenn in einer Bewerbung der Platzhaltername stehen bleibt. Sein Bild dafür: „Das ist so, als wenn du ein Fahrrad hast, aber du weißt nicht, wie man Fahrrad fährt." Singh hält dagegen, Schule solle vor allem Rüstzeug vermitteln statt Praxiswissen zur Reproduktion. Am Ende steht ein Befund zur politischen Konjunktur des Themas. Bildung werde bei Landtagswahlen „immer so weg moderiert (…), so weg geframed (…) von der CSU", kritisiert Singh – und nimmt auch die Medien in die Pflicht, die den Fokus zu selten darauf legten. Bis zur nächsten bayerischen Landtagswahl 2028 bleibt dafür Zeit.
- Breite Gasse Nürnberg: Erster Bauabschnitt eröffnet
Die Stadt Nürnberg hat den ersten Bauabschnitt der umgestalteten Breite Gasse am 31. Juli 2026 offiziell eröffnet. Der fertiggestellte Abschnitt liegt zwischen Ludwigsplatz und Färberstraße. Er kostete rund 2,36 Millionen Euro, von denen etwa 1,37 Millionen Euro aus Fördermitteln stammen. Damit ist der erste Teil eines Vorhabens abgeschlossen, das die zentrale Einkaufsstraße nach dem Willen der Stadt zu mehr machen soll als einer Ladenzeile. Der zweite Bauabschnitt hat bereits am 15. Juni 2026 begonnen – früher als ursprünglich geplant. Abgeschlossen sein soll er nach Angaben der Stadt gegen Ende Juli 2027. Was im ersten Abschnitt entstanden ist Auf dem Stück zwischen Ludwigsplatz und Färberstraße wurde der Straßenbelag vollständig erneuert. Verlegt wurde ein hochwertiges Granitpflaster. Hinzu kamen neue Sitzbänke, Drehstühle und eine moderne Beleuchtung. Der Belag folgt einem Gestaltungsprinzip, das die Stadt für die gesamte Straße vorsieht: ein einheitliches Erscheinungsbild wie bei den Flächen am Weißen Turm – barrierefrei und langlebig. Ein spezieller Pflasterbelag soll Wasser länger speichern können. Das verbessere das Mikroklima und entlaste die Kanalisation, heißt es in der Projektbeschreibung. Der Beschluss und die Förderung Grundlage des Umbaus ist ein Beschluss des Stadtplanungsausschusses vom 13. Juni 2024. Finanziert wird das Vorhaben über das Bund-Länder-Programm „Lebendige Zentren", getragen von der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Bayern. Das Programm zielt allgemein auf die Aufwertung innerstädtischer Bereiche. Im Fall der Breite Gasse übernimmt die Förderung einen erheblichen Teil der Kosten des ersten Bauabschnitts – rund 1,37 der 2,36 Millionen Euro. Was die Straße künftig bieten soll Nach den Plänen der Stadt soll die Breite Gasse über den reinen Einkauf hinaus zum Aufenthaltsort werden. Vorgesehen sind Bereiche mit Sitzbänken unter Bäumen, Spiel- und Bewegungsangebote, erweiterte Gastronomieflächen sowie ein neues Beleuchtungskonzept. Aktionsflächen sollen Raum für Veranstaltungen und Aktionen des Handels schaffen. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Anpassung an das Klima. Geplant sind neue Bäume, verbesserte Baumstandorte, entsiegelte und versickerungsfähige Flächen für Regenwasser sowie Trinkbrunnen. Vorhandene Bäume sollen erhalten und eingebunden werden; neue Bäume erhalten nach Angaben der Stadt besonders widerstandsfähige Standorte. Kernstück ist ein durchgehender Aufenthaltsbereich zwischen Ludwigsplatz und Pfannenschmiedsgasse. Die Straße wird dabei funktional geteilt: Nördlich soll Platz zum Flanieren bleiben, südlich verläuft die Hauptwegeverbindung für Feuerwehr, Müllabfuhr und Lieferverkehr. Wie der zweite Bauabschnitt abläuft Der vorgezogene Start des zweiten Abschnitts hängt mit den laufenden Arbeiten am ehemaligen Schuh-Leiser-Gebäude zusammen. Zunächst wird die südliche Straßenseite bearbeitet, bis zur Winterpause. Im Frühjahr folgt die Nordseite, dort entstehen dann die neuen Baumstandorte. Zu den Kosten des zweiten Bauabschnitts und zu einer möglichen Förderhöhe für diesen Teil liegen in den öffentlich verfügbaren Projektinformationen bislang keine Angaben vor. Auch eine Gesamtsumme für das komplette Vorhaben wird dort nicht genannt. Sperrung der Färberstraße und Folgen für Anlieger Während der Bauphase kommt es zu Einschränkungen. Die Färberstraße wird zwischen Frauengasse und Brunnengasse ab Ende August 2026 voraussichtlich für sechs Wochen vollständig gesperrt. Betroffen sind auch die Anlieger entlang der Baubereiche: Außenmöbel, Warenauslagen und Mülltonnen müssen aus den Baufeldern entfernt werden. Wie die betroffenen Geschäfte in dieser Zeit erreichbar bleiben und welche Umleitungen im Detail gelten, geht aus den vorliegenden Projektinformationen nicht hervor. Einordnung: Umbau bei laufendem Betrieb Der Umbau der Breite Gasse fügt sich in eine Entwicklung, die viele Innenstädte durchlaufen: die Umgestaltung klassischer Einkaufsstraßen zu Flächen, die Aufenthalt, Gastronomie und Klimaanpassung stärker gewichten. Die Kombination aus entsiegelten Flächen, wasserspeicherndem Pflaster und zusätzlichen Bäumen ist dabei eine bei vergleichbaren Vorhaben verbreitete Antwort auf Hitze und Starkregen in dicht bebauten Zentren. Für Nürnberg bleibt der Umbau bis Sommer 2027 ein Vorhaben unter laufendem Betrieb: Der eröffnete erste Abschnitt ist bereits nutzbar, während im zweiten Abschnitt weitergearbeitet wird und die Färberstraße zeitweise gesperrt ist. Offen bleibt aus den bisher veröffentlichten Unterlagen, wie sich die Bauphase auf Umsätze und Frequenz im betroffenen Handel auswirkt. Quelle Bild: Stadt Nürnberg
- Nürnbergs Wasser: Ein Drittel kommt von der Donau
Der Deutsche Wetterdienst hat für Franken die zweithöchste Hitzewarnstufe ausgegeben. Für Dienstag gilt zwischen 11 und 19 Uhr eine Warnung vor extremer Hitze; die Lufttemperaturen sollen 30 bis 36 Grad erreichen, die gefühlte Temperatur über 38 Grad steigen. Ab Mittwoch erwartet der DWD mit westlicher Strömung Abkühlung auf rund 26 Grad. Zeitgleich ist in München die Allgemeinverfügung zur Wassernutzung ausgelaufen – jenes Bündel an Verboten, mit dem die Landeshauptstadt seit Mitte Juli auf den Verbrauch reagiert hatte. Am Montag kritisierte die Stadtratsfraktion ÖDP/Bündnis Kultur/München-Liste diesen Schritt als verfrüht. Nürnberg hat nie eine solche Verfügung erlassen. Nach Angaben des städtischen Referats für Umwelt und Gesundheit, die nordbayern.de Ende Juli veröffentlichte, reichen Trink- und Grundwasser weiterhin aus, um den Bedarf zu decken. Ein Sprecher erklärte zugleich, Trinkwasser werde in Zeiten abnehmender Niederschläge in Teilen Frankens zunehmend zum knappen Gut. Was München verboten hatte Die Verfügung galt ab dem 14. Juli und war bis zum 1. August befristet. Untersagt war die Entnahme von Wasser zum Befüllen und Betreiben privater Pools, Springbrunnen und Wasserspiele. Die Bewässerung von Gärten war zwischen 9 und 19 Uhr verboten, ausgenommen Tropfbewässerung sowie land- und forstwirtschaftliche Flächen. Das Gießen und Beregnen von Rasen- und sonstigen Grünflächen war ganztägig untersagt – hier galt eine Ausnahme nur für Sportplätze. Hinzu kamen ein Verbot der Fahrzeugwäsche außerhalb gewerblicher Anlagen, ein Verbot des Befeuchtens von Baustellen zur Staubminderung, ein Verbot des Abspritzens von Terrassen und Straßen sowie ein weitgehendes Verbot der Entnahme aus Oberflächengewässern, von dem lediglich das Schöpfen von Hand und die landwirtschaftliche Nutzung ausgenommen waren. Verstöße konnten mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Anlass war der Verbrauch. Im Mittel gibt München rund 300 Millionen Liter Trinkwasser pro Tag ab. Zum Zeitpunkt des Erlasses lag der Wert bei über 360 Millionen Litern, zuvor hatte er Spitzen von über 400 Millionen Litern erreicht. Oberbürgermeister Dominik Krause erklärte damals: "Der Wasserverbrauch ist in den vergangenen Tagen wieder deutlich angestiegen. Wasser ist unser kostbarstes Lebensmittel, lassen Sie uns damit sorgsam umgehen." Warum die Verbote endeten – und warum das kritisiert wird Am 30. Juli teilte die Stadt mit, sie werde die Verfügung nicht verlängern. Die Stadtwerke München bewerteten die Grundwassersituation als weiterhin angespannt, aber auf beherrschbarem Niveau; zudem sei mit Ferienbeginn ein deutlicher Verbrauchsrückgang zu erwarten. Nach Erlass der Verfügung war der Verbrauch auf durchschnittlich 330 Millionen Liter täglich gesunken. Krause verband die Aufhebung mit einer Einschränkung: "Der sparsame Umgang mit Trinkwasser bleibt aber weiter wichtig, denn die hohen Temperaturen und die anhaltende Trockenheit stellen nach wie vor eine Belastung dar." SWM-Geschäftsführungsvorsitzender Florian Bieberbach ergänzte: "Unsere Hangquell- und Grundwasserfassungen weisen aufgrund der viel zu geringen Niederschläge nach wie vor nur ein niedriges Wasserangebot auf." Genau daran setzt die Kritik an. Nach Berichten der Abendzeitung fordert die Fraktion ÖDP/Bündnis Kultur/München-Liste, die Beschränkungen wieder in Kraft zu setzen und zu verschärfen. Fraktionschef Tobias Ruff wird mit dem Satz zitiert: "Die Dürre macht keine Sommerferien." Ein vorübergehend geringerer Verbrauch fülle die Grundwasservorräte nicht wieder auf. Die Fraktion verweist zudem auf ein Fischsterben im Hüllgraben. Die Auseinandersetzung ist eine Münchner – aber die Frage dahinter stellt sich in jeder bayerischen Kommune: Ab wann greift man ein, und woran erkennt man, dass man wieder aufhören kann? Nürnbergs Wasser: zwei Drittel Franken, ein Drittel Donau-Lech-Dreieck Die Nürnberger Versorgung ist anders aufgebaut als die Münchner. Rund 70 Prozent des Trinkwassers gewinnt die N-Ergie nach eigenen Angaben aus eigenen Wasserwerken. Das größte Gewinnungsgebiet ist Erlenstegen/Eichelberg im Pegnitztal mit fast 100 Brunnen. Hinzu kommen die Gebiete Ranna I und II im Veldensteiner Forst, Krämersweiher mit vier Tiefbrunnen bis in 148 Meter Tiefe sowie Ursprung mit 18 Brunnen. Die verbleibenden 30 Prozent liefert der Zweckverband Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum über eine Fernleitung aus Genderkingen im Donau-Lech-Dreieck. Dort fördern drei Horizontalfilterbrunnen aus zwölf Metern Tiefe. Die durchschnittliche Tagesabgabe liegt bei rund 95.000 Kubikmetern und kann sich an heißen Tagen nahezu verdoppeln. Während der Hitzewelle im Juni 2026 erreichten die Verbrauchsspitzen laut der Berichterstattung von nordbayern.de das Niveau des Ausnahmesommers 2018. Die Fernleitung ist nicht die einzige Verbindung zwischen dem wasserreicheren Süden und dem trockeneren Norden Bayerns. Nach Angaben des bayerischen Umweltministeriums werden über den Main-Donau-Kanal und das Fränkische Seenland jährlich rund 150 Millionen Kubikmeter Wasser von Süd nach Nord übergeleitet; sie stützen in Trockenphasen die Regnitz und den Main. Diese Überleitung dient der Gewässerstützung, nicht der Trinkwasserversorgung. Der Freistaat meldet für Nordbayern 69 Prozent des normalen Niederschlags Der Niedrigwasser-Lagebericht des Freistaats vom 17. Juli – der zum Zeitpunkt der Recherche aktuellste abrufbare – weist für das laufende Abflussjahr ein bayernweites Niederschlagsdefizit von 32 Prozent aus. Für Nordbayern nennt der Bericht eine Niederschlagssumme von 385 Millimetern, das sind 69 Prozent des Mittels der Jahre 1971 bis 2000. Beim Grundwasser zeigen 80 Prozent der oberflächennahen Messstellen und Quellen niedrige Verhältnisse; 53 Prozent werden als "sehr niedrig" eingestuft. Bei den tieferen Grundwasserstockwerken sind es 74 Prozent, wobei der mittelfränkische Sandsteinkeuper nach Darstellung des Berichts besonders betroffen ist. Rund die Hälfte der Pegel liegt unter dem langjährigen Niedrigwassermittel. Die Prognose fiel eindeutig aus: Die folgenden vier Wochen seien zu warm und überwiegend zu trocken zu erwarten, mit einer weiteren Hitzewelle sei zu rechnen, die Niedrigwasserlage werde sich verschärfen. Bundesweit über 80 Kommunen mit Auflagen – aus Bayern nur München Eine bundesweite Übersicht vom 30. Juli zählt mehr als 80 Landkreise, Städte und Wasserversorger, die Entnahmeverbote verhängt, Bewässerungsauflagen erlassen oder zum Wassersparen aufgerufen haben. Schwerpunkte liegen in Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Aus Bayern führt die Aufstellung allein München auf. Für die mittelfränkischen Landkreise ließen sich in den ausgewerteten Quellen keine entsprechenden Verfügungen belegen. Wie viele Kommunen der Region unterhalb der Verbotsschwelle zur Sparsamkeit aufrufen, geht aus den vorliegenden Übersichten nicht hervor. Was passieren müsste, damit auch Nürnberg eingreift Das Verfahren ist gestuft. Sollte das Wasser in Nürnberg knapp werden, würde die Wasserbehörde nach Darstellung der Stadt zunächst zum Sparen aufrufen. Erst danach kämen behördliche Anordnungen oder Verbote der privaten Wassernutzung in Betracht – also jene Instrumente, die München im Juli eingesetzt hat. Ab welchem Verbrauchs- oder Pegelwert diese Schwelle erreicht wäre, hat die Stadt nicht beziffert. Eine eigene Mitteilung der Stadt Nürnberg zur Wasserlage ließ sich für Juli und August 2026 nicht auffinden. Ob die aktuelle Hitzeepisode eine Neubewertung auslöst, ist offen. Die Stadt setzt bislang auf Hitzeschutz, nicht auf Wasserrecht Wo Nürnberg handelt, geht es um die Folgen der Hitze für Menschen, nicht um die Ressource. Der städtische Hitzeaktionsplan wurde 2022 in den Ausschüssen für Umwelt und Gesundheit beschlossen und wird jährlich fortgeschrieben. Er umfasst 16 akute Maßnahmen, darunter ein Hitzetelefon des Seniorenamts, das ab 30 Grad geschaltet wird, die Zusammenstellung von Cooling Centern, Maßnahmen in Pflegeeinrichtungen und Kitas sowie die Versorgung mit Trinkwasser im öffentlichen Raum. In der Altstadt stehen fünf Trinkbrunnen. Im Juli beantragte die Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen–Volt, feste Wasservernebler an stark frequentierten Plätzen und Haltestellen zu prüfen, etwa an der Königstraße, am Melanchthonplatz sowie an Plärrer und Aufseßplatz. Bislang setzt die Stadt ein mobiles Gerät ein, das in diesem Jahr unter anderem beim Villa-Leon-Fest und beim Südstadtfest im Annapark aufgebaut wurde. Das Referat für Umwelt und Gesundheit prüft die Forderung. Die Fraktion betonte in ihrem Antrag zugleich, ein sparsamer und verantwortungsvoller Umgang mit Wasser bleibe unerlässlich. Der Zielkonflikt ist damit benannt: Kühlung im öffentlichen Raum verbraucht genau die Ressource, deren Knappheit sie mit erträglich macht. Seit Januar gilt ein neues Wassergesetz Zum 1. Januar 2026 ist in Bayern eine Novelle des Wassergesetzes in Kraft getreten. Sie schreibt den Vorrang der öffentlichen Trinkwasserversorgung vor allen anderen Nutzungen gesetzlich fest. Umweltminister Thorsten Glauber formulierte es bei der Vorstellung so: "Die öffentliche Trinkwasserversorgung muss immer Vorrang vor allen anderen Nutzungen haben." Eine Meldepflicht bei der Übertragung von Wasserentnahmerechten soll verhindern, dass Grundwasser kommerzialisiert wird; eine Privatisierung werde es in Bayern nicht geben, so Glauber. Zugleich führt die Novelle ein Wasserentnahmeentgelt ein, den sogenannten Wassercent: einheitlich zehn Cent je Kubikmeter Grundwasser bei einem Freibetrag von 5.000 Kubikmetern, nach Berechnung des Ministeriums rund fünf Euro pro Kopf und Jahr. Der Freistaat erwartet Einnahmen von etwa 70 Millionen Euro jährlich. Erhoben wird seit dem 1. Juli 2026. Praktische Wirkung entfaltet der gesetzliche Vorrang allerdings erst im Konfliktfall – wenn Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Industrie und Gewässerschutz gleichzeitig auf dieselben Reserven zugreifen. Genau diese Konstellation beschreibt der Niedrigwasserbericht für weite Teile Bayerns. Faktenkasten: Nürnbergs Trinkwasser in Zahlen 70 Prozent aus eigenen Wasserwerken der N-Ergie: Erlenstegen/Eichelberg im Pegnitztal (fast 100 Brunnen), Ranna I und II, Krämersweiher (vier Tiefbrunnen), Ursprung (18 Brunnen) 30 Prozent über eine Fernleitung des Zweckverbands Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum aus Genderkingen (drei Horizontalfilterbrunnen) rund 95.000 Kubikmeter durchschnittliche Tagesabgabe; an heißen Tagen nahezu das Doppelte Juni 2026: Verbrauchsspitzen auf dem Niveau von 2018 Eskalationsstufen: Sparappell → behördliche Anordnung → Verbot privater Wassernutzung Hitzeaktionsplan: seit 2022, 16 akute Maßnahmen, Hitzetelefon ab 30 Grad, fünf Trinkbrunnen in der Altstadt Bayern (Stand 17. Juli 2026): 32 Prozent Niederschlagsdefizit im laufenden Abflussjahr; Nordbayern 385 mm bzw. 69 Prozent des Mittels 1971–2000
- Hitze in Nürnberg: Wie belastbar die Infrastruktur ist
Die Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG) hält seit dem 29. Juli ein Notprogramm gegen die Hitze bereit: Der Schleifwagen ist rund um die Uhr im Einsatz, asphaltierte Streckenabschnitte werden mit Wasser besprüht, für den Fall einer Betriebseinstellung wären nach Angaben des Unternehmens 23 Busse für den Ersatzverkehr nötig. Anlass ist eine Prognose von Temperaturen bis über 30 Grad – und die Erfahrung des 27. Juni, als das gesamte Nürnberger Straßenbahnnetz zum Erliegen kam. Damit reagiert ein kommunales Verkehrsunternehmen mit Winterdienstfahrzeugen auf ein Sommerproblem: Zum Kühlen des Asphalts nutzt die VAG nach eigenen Angaben jene Wagen, die im Winter Salzsole ausbringen. Es ist die improvisierteste Form von Klimaanpassung, die derzeit in Nürnberg zu besichtigen ist – und zugleich die aufschlussreichste. Parallel läuft die Anpassung an anderer Stelle geordneter ab. Am 30. Juli nahmen Oberbürgermeister Marcus König und Heiko Linder, Leiter der Konzernkommunikation bei der N-Ergie, an der Ecke Königstraße/Klaragasse die erste Sprühnebelsäule der Stadt in Betrieb. Über den Sebalder und Lorenzer Reichswald wiederum ordnete die Regierung von Mittelfranken für Freitag, Samstag und Sonntag Luftbeobachtung an. Drei Vorgänge, drei Akteure, ein gemeinsamer Nenner. Was am 27. Juni geschah Der Auslöser des Netzstillstands war ein Baustoff, der bei Hitze seine Konsistenz verliert. Nach Darstellung der VAG löste sich die Füllmasse Bitumen infolge tagelanger sehr hoher Temperaturen und verteilte sich sowohl auf den Schienen als auch an den Fahrwerken der Straßenbahnen. Die Schäden entstanden am späten Nachmittag des Samstags, 27. Juni, in einer Kettenreaktion. Betroffen waren das gesamte Straßenbahnnetz und alle eingesetzten Fahrzeuge. Hinzu kamen sogenannte Blow-ups, bei denen die asphaltierte Straßendecke aufplatzt – die VAG nannte als Beispiel die Gugelstraße. Noch am Samstagabend stellte das Unternehmen den Straßenbahnbetrieb ein. Es gehe um Sicherheit, erklärte Tim Dahlmann-Resing, Sprecher des VAG-Vorstands, in der Mitteilung vom 29. Juni: „die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeitenden steht für uns jederzeit an erster Stelle." Busse und Taxis übernahmen vor allem auf den Außenästen und brachten Fahrgäste zu den U-Bahnhöfen. 55 Straßenbahnen mussten im 24-Stunden-Betrieb von Bitumen befreit werden, das sich an Weichen, Rädern, Radlagern und Bremsen festgesetzt hatte. Die Reinigungsarbeiten nahmen nach Angaben der VAG rund zwei Wochen in Anspruch. Ab Mittwoch, 15. Juli, waren alle Strecken wieder im Fahrgastbetrieb; zuletzt konnten die Linien 5 und 11 wieder bis zur Endstation Tiergarten fahren. Am darauffolgenden Wochenende fuhren die Straßenbahnen kostenlos – von der VAG als „kleine Wiedergutmachung" bezeichnet. Die Kostenangaben wuchsen im Verlauf. In ihrer Mitteilung vom 29. Juni bezifferte die VAG die Schäden der vorangegangenen Tage auf mehrere Hunderttausend Euro. Anfang Juli schätzten Fahrweg-Bereichsleiter Konrad Schmidt und Pressesprecherin Elisabeth Seitzinger die Kosten für die Arbeiten – ohne die eigene VAG-Manpower – auf grob 200.000 Euro. Am 13. Juli erklärte Seitzinger: „Wir gehen von Kosten in einem hohen sechsstelligen Euro-Betrag aus." Einnahmeausfälle waren darin nach ihren Angaben noch nicht eingerechnet. Eine abschließende Gesamtbilanz ist bislang nicht veröffentlicht. Das Notprogramm: Schleifwagen, Wasser, Sand Aus diesem Ablauf hat die VAG ein Maßnahmenpaket abgeleitet, das sie am 29. Juli bekannt gab. Der Schleifwagen ist rund um die Uhr im Einsatz, um Bitumenrückstände zu beseitigen. Asphaltierte Bereiche werden mit Wasser besprüht, „was für entsprechende Kühlung sorgt", wie es in der Mitteilung heißt. Wo nötig, stumpft Sand die klebrige Oberfläche ab. Gleise und Fahrzeuge werden engmaschig kontrolliert. Einzelne Bushaltestellen in Gleisbereichen können nicht wie gewohnt bedient werden; die VAG weicht auf Ersatzhaltestellen aus. Für einen Ersatzverkehr auf den Linien 4, 5, 6, 7, 8, 10 und 11 wären nach Unternehmensangaben 23 Busse nötig. Ein Servicetelefon ist rund um die Uhr geschaltet. Die Grenze zieht das Unternehmen ausdrücklich: „Sollte sich herausstellen, dass ein sicherer Straßenbahnbetrieb aufgrund der Hitze nicht mehr möglich ist, werden wir ihn einstellen." Eine Betriebseinstellung, so die VAG, sei die letzte Option. Sie ist damit aber Teil des Regelwerks geworden. Bereits in der Mitteilung vom 13. Juli hielt das Unternehmen fest, im Extremfall sehe die Dienstanweisung die vorsorgliche Betriebseinstellung vor – noch bevor Schäden entstehen. Das ist die eigentliche Verschiebung. Bis Ende Juni war der Netzstillstand ein Störfall. Seither ist er ein vorgesehener Betriebszustand. Die Materialfrage ist ungelöst Kurzfristig lässt sich Bitumen kühlen und abschleifen. Langfristig stellt sich die Frage nach dem Material selbst – und darauf hat die Branche bislang keine Antwort. Konrad Schmidt, Geschäftsbereichsleiter Fahrweg der VAG, sagte Anfang Juli über die Suche nach Ersatzstoffen für das temperaturempfindliche Bitumen: „seit Jahren sind wir da aber auch noch nicht viel weiter gekommen." Die VAG steht dazu in engem Austausch mit Materialkundlern der Technischen Universität Darmstadt. Zu Zeithorizont, Umfang oder Finanzierung dieser Zusammenarbeit liegen keine öffentlichen Angaben vor. Schmidt benannte die verbliebenen Optionen entsprechend nüchtern: „Ob man das Gleis kühlen kann oder die Fugen mit abstumpfenden Mitteln bestreuen – das darf auf gar keinen Fall nochmal passieren. Worst Case könnte sein, dass wir prophylaktisch bei mehreren heißen Tagen den Betrieb einstellen müssen." Das Thema, schätzte er, werde „uns noch über Monate und Jahre beschäftigen". Bemerkenswert ist, wo die VAG darüber hinaus ansetzt. Werkstattleiter Thomas Luber verwies auf die Stadtbegrünung: „Straßen in denen keine Bäume stehen, sind sehr belastet. Bäume machen klimatisch sehr viel aus in der Stadt." Ein Verkehrsunternehmen, das die Belastbarkeit seines Gleisnetzes mit der Baumpflanzung der Kommune verknüpft, beschreibt damit präzise, warum Klimaanpassung nicht in Zuständigkeiten zu zerlegen ist. Wer das bezahlen soll, hat die VAG bereits Mitte Juli adressiert. Dahlmann-Resing erklärte in der Mitteilung vom 13. Juli: „Wir brauchen in jedem Fall die finanzielle Unterstützung des Bundes und der Länder, in unserem Fall des Freistaates Bayern, bei der Finanzierung von Hitzeschäden und des Umbaus unserer Infrastruktur." Damit ist die Zuständigkeitsfrage benannt, bevor sie gestellt wurde. Kühlung an der Oberfläche: Sprühnebel und Trinkbrunnen Während die VAG an der Substanz arbeitet, setzt die Stadt an der Wahrnehmung an. Die erste Sprühnebelsäule ging am 30. Juli an der Königstraße/Klaragasse in Betrieb. Zur Zahl der weiteren Standorte gehen die Angaben auseinander. Die Stadt Nürnberg selbst teilt mit, die N-Ergie plane zeitnah zwei weitere Geräte; nordbayern.de nannte dazu am 30. Juli den Lorenzer Platz nahe dem U-Bahn-Aufgang und die Karolinenstraße. t-online berichtete dagegen in einer am 1. August aktualisierten Fassung von insgesamt vier Geräten und führte als mögliche Standorte die Karolinenstraße, die Lorenzkirche sowie einen Platz in Richtung Hauptmarkt an. Eine abschließende Standortliste hat die Stadt bislang nicht veröffentlicht. Die Technik ist bewusst einfach. Feinste Düsen geben kleinste Wassertröpfchen an die Umgebung ab, die in der Luft oder auf der Haut verdunsten. Die tatsächliche Lufttemperatur verändert sich dadurch nicht – die gefühlte schon. Kältemittel kommen nicht zum Einsatz. Aufschlussreicher als die Technik ist die Finanzierung. Die N-Ergie bezahlt die Geräte; nach Angaben von t-online kostet eine einzelne Säule 4.000 bis 5.000 Euro. König sagte demnach auf die Frage nach den Kosten, die Stadt habe dafür derzeit kein Geld, weshalb die N-Ergie die Finanzierung übernommen habe – „und somit bin ich sehr zufrieden". Heiko Linder von der N-Ergie erklärte: „Ich finde, das hat auch Vorbildcharakter." Ein Kühlungsangebot im öffentlichen Raum, finanziert von einem Energieversorger, weil die Kommune die vier- bis fünfstellige Summe nicht aufbringt: Der Vorgang lässt sich als kleinste sichtbare Ausprägung der Nürnberger Finanzlage lesen. Einen ausdrücklichen Zusammenhang zur tags zuvor verhängten Haushaltssperre stellt der Bericht allerdings nicht her. Die Säulen ergänzen ein Netz von inzwischen mehr als 30 Trinkwasserbrunnen im Stadtgebiet. Vorausgegangen war am Dienstag, 14. Juli, eine Pop-up-Aktion, bei der ein mobiler Vernebler des Referats für Umwelt und Gesundheit von 11 bis 15 Uhr auf dem Hauptmarkt zum Ausprobieren stand. Der Termin der Inbetriebnahme war kein Zufall: Der 30. Juli war zugleich der Eröffnungstag des Bardentreffens, das bis zum 2. August läuft. Der Standort an Königstraße und Klaragasse liegt auf einem der Wege, die viele Besucherinnen und Besucher Richtung Innenstadt und Hauptmarkt nutzen. Man sollte die Reichweite dieser Maßnahme nicht überschätzen. Eine Sprühnebelsäule kühlt einen begrenzten Bereich für die Dauer des Aufenthalts und verändert die Lufttemperatur nach Angaben der Beteiligten nicht. Sie ersetzt keine Verschattung, keine Entsiegelung, keinen Baum. Sie ist ein Angebot für den Moment – und als solches sinnvoll. Der Hitzeaktionsplan und seine Reichweite Der institutionelle Rahmen dafür existiert seit vier Jahren. Die Ausschüsse für Umwelt und Gesundheit des Nürnberger Stadtrats beschlossen 2022 den ersten Hitzeaktionsplan, um die gesundheitlichen Folgen von Hitzeereignissen zu reduzieren. Der Plan adressiert ausdrücklich besonders gefährdete Gruppen: ältere Menschen, Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder, im Freien Arbeitende sowie Menschen in Gemeinschaftsunterkünften und ohne Wohnung. Er umfasst 16 Maßnahmen, die nacheinander umgesetzt werden. Akut wirken sollen Aufklärungskampagnen, die Ansprache von Hausärztinnen und Hausärzten zur Überprüfung von Medikationen, ein Hitzewarnsystem auf Basis der Daten des Deutschen Wetterdienstes, ein Hitzetelefon und Hitzepaten, öffentlicher Zugang zu Trinkwasser sowie Karten mit kühlen und schattigen Orten. Hinzu kommen Vorkehrungen für Pflegeeinrichtungen, Kitas und die Jugendhilfe. Langfristig zielt der Plan auf die Stadtstruktur: Grünflächenplanung und Baumpflanzungen, Gebäudebegrünung, Wasserflächen, wasserdurchlässige Beläge und Frischluftschneisen. Die Koordinierung liegt beim Referat für Umwelt und Gesundheit; Monitoring und jährliche Evaluierung sind selbst als Maßnahme im Plan verankert, der Fortschritt wird dem Stadtrat jährlich berichtet. Die Sprühnebelsäulen und die Trinkbrunnen sind sichtbare Teile der ersten Kategorie. Wie weit die zweite – die bauliche – in Nürnberg fortgeschritten ist, geht aus den öffentlich zugänglichen Unterlagen nicht in Form messbarer Zwischenstände hervor. Dritte Front: die Wälder Der dritte Strang dieser Woche führt aus der Stadt hinaus. Die Regierung von Mittelfranken ordnete in Abstimmung mit dem regionalen Waldbrandbeauftragten der Bayerischen Forstverwaltung für Freitag, den 31. Juli, sowie für Samstag und Sonntag Luftbeobachtung als Maßnahme der vorbeugenden Waldbrandbekämpfung an. Grundlage ist die Darstellung des Deutschen Wetterdienstes, wonach die Waldbrandgefahr in Mittelfranken am Wochenende hoch bis sehr hoch ist. Im Blick sind vor allem lichte Kiefernbestände und stark besuchte Wälder in Ballungsräumen – namentlich der Sebalder und der Lorenzer Reichswald bei Nürnberg. Als Stützpunkte dienten Weißenburg i. Bay. am Freitag, Rothenburg o. d. T. am Samstag und Schwabach-Büchenbach am Sonntag. Die Reichswälder sind kein Naherholungsgebiet unter anderen; sie umgeben die Stadt zu großen Teilen. Dass sie aus der Luft überwacht werden, während in der Innenstadt Nebelsäulen gegen die Hitze anlaufen, beschreibt denselben Sommer von zwei Seiten. Was die Woche offenlegt Der Zusammenhang, der sich hier abzeichnet, ist kein meteorologischer, sondern ein infrastruktureller. Eine Straßenbahn fällt nicht wegen der Temperatur aus, sondern weil ein Dichtstoff für ein anderes Temperaturregime ausgelegt wurde. Ein Wald wird nicht überwacht, weil es heiß ist, sondern weil Bestandsstruktur und Besucherzahlen zusammen ein Risiko ergeben. Anpassung heißt in beiden Fällen: an vorhandenem Bestand arbeiten, der nicht für diese Bedingungen gebaut wurde. Das kostet Geld – und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem die Stadt Nürnberg genau daran spart. Am selben 29. Juli, an dem die VAG ihr Maßnahmenpaket bekannt gab, trat auf Anweisung von Oberbürgermeister Marcus König und Stadtkämmerer Thorsten Brehm eine Haushaltssperre sofort in Kraft. Neue finanzielle Verpflichtungen dürfen seither nur noch eingegangen werden, wenn sie zwingend erforderlich, gesetzlich vorgeschrieben oder unaufschiebbar sind. Brehm zufolge bleiben dabei „die Funktionsfähigkeit der Stadt, die soziale Sicherheit und die Gefahrenabwehr" gewährleistet. Ob und wie sich die Sperre auf die investiven Teile des Hitzeaktionsplans auswirkt – Entsiegelung, Begrünung, Verschattung –, ist bislang nicht dargelegt. Ebenso wenig ist öffentlich, in welchem Verhältnis die Sperre zu Investitionsentscheidungen der VAG steht. Das sind die Fragen, die sich in den kommenden Haushaltsberatungen stellen werden. Bis dahin bleibt es beim Naheliegenden. Ab Montag, dem 3. August, wird der Verkehr auf der Südwesttangente bei Gebersdorf einspurig über die Gegenfahrbahn geführt, weil die N-Ergie Netz GmbH Schutzrohre an der Brücke Wallensteinstraße/Hügelstraße erneuern muss. Bis zum 20. August läuft der Verkehr auf der Fahrbahnseite Richtung Fürth, vom 21. August bis zum 11. September auf der Seite Richtung Hafen Nürnberg. Der Schleifwagen fährt weiter. Und die Sprühnebelsäule an der Königstraße läuft auf Knopfdruck. Faktenkasten: Der Hitzesommer 2026 in Nürnberg Samstag, 27. Juni: Bitumenfüllmasse löst sich am späten Nachmittag in einer Kettenreaktion; Schäden an Gleisen, Weichen und Fahrwerken. Die VAG stellt den Betrieb im gesamten Straßenbahnnetz ein 55 Straßenbahnen mussten gereinigt werden, Dauer rund zwei Wochen Mittwoch, 15. Juli: Alle Strecken wieder im Fahrgastbetrieb; Freifahrten am darauffolgenden Wochenende Kosten: zunächst „mehrere 100.000 Euro" (VAG, 29. Juni), rund 200.000 Euro für die Arbeiten ohne eigene Manpower (Anfang Juli), zuletzt „hoher sechsstelliger Euro-Betrag" ohne Einnahmeausfälle (13. Juli) Mittwoch, 29. Juli: VAG-Maßnahmenpaket (Schleifwagen rund um die Uhr, Wasserkühlung, Sand); 23 Busse wären für einen Ersatzverkehr auf den Linien 4, 5, 6, 7, 8, 10, 11 nötig Mittwoch, 29. Juli: Haushaltssperre der Stadt Nürnberg tritt sofort in Kraft Donnerstag, 30. Juli: Erste Sprühnebelsäule an der Königstraße/Klaragasse in Betrieb, finanziert von der N-Ergie (4.000 bis 5.000 Euro pro Säule) 31. Juli bis 2. August: Luftbeobachtung über Mittelfranken bei Waldbrandgefahr „hoch bis sehr hoch" Hitzeaktionsplan: 2022 beschlossen, 16 Maßnahmen, jährlicher Bericht an den Stadtrat Quelle Bild: Stadt Nürnberg / Claus Felix










