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Gadi Eisenkot: Herzog überträgt ihm die Regierungsbildung in Israel

vor 4 Stunden
3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Israels Präsident Isaac Herzog hat am Samstag, 7. November 2026, angekündigt, Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot mit der Regierungsbildung zu beauftragen.

  • Parteien mit 67 Abgeordneten empfahlen Eisenkot, Parteien mit 46 Abgeordneten den amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

  • Eisenkot hat zunächst 28 Tage Zeit, eine Verlängerung um 14 Tage ist möglich.

  • Eine eigene Mehrheit von 61 der 120 Sitze in der Knesset hat keines der Lager.


Gadi Eisenkot soll Israels nächste Regierung bilden. Präsident Isaac Herzog kündigte am Samstagabend, 7. November 2026, nach Konsultationen mit allen Fraktionen der Knesset an, den Vorsitzenden der Partei Jaschar mit dem Auftrag zu betrauen. Die offizielle Übergabe des Mandats war nach Berichten von ZDFheute und Al Jazeera für Sonntagnachmittag in der Residenz des Präsidenten in Jerusalem vorgesehen. Für den amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu ist die Entscheidung ein Rückschlag.


Den Ausschlag gaben die Empfehlungen der Parteien: Nach Angaben von Israel Hayom und Al Jazeera sprachen sich Parteien mit zusammen 67 Abgeordneten für Eisenkot aus, darunter arabisch geführte Parteien. Netanjahu kam auf 46 Empfehlungen. Die ultraorthodoxe Partei Vereinigtes Thora-Judentum legte sich auf keinen der beiden fest.


Wie ist die Lage nach der Wahl in Israel?

Bei der Parlamentswahl am 27. Oktober 2026 hat keines der Lager eine Mehrheit erreicht. Laut Al Jazeera kommt Eisenkots Bündnis aus vier Parteien auf 48 Sitze, Netanjahus rechtes und religiöses Lager auf 53 Sitze. Die arabisch geführten Parteien erreichten 19 Sitze. Für eine Mehrheit in der Knesset sind 61 der 120 Sitze nötig. Netanjahus bisherige Koalition hat ihre Mehrheit verloren, sein Likud blieb nach Angaben von ZDFheute aber stärkste Fraktion.


Mit wem kann Eisenkot regieren?

Eine Koalition mit den arabisch geführten Parteien schließt Eisenkot aus, obwohl er mit ihnen auf 67 Sitze käme. Mit den beiden ultraorthodoxen Parteien Vereinigtes Thora-Judentum und Schas käme er nach Berechnung von Al Jazeera auf genau 61 Sitze. Hauptstreitpunkt mit den Ultraorthodoxen ist nach Angaben von ZDFheute die Wehrpflicht für Religionsschüler.


Denkbar ist auch eine Minderheitsregierung: Nach israelischem Recht kann eine Regierung mit weniger als 61 Sitzen antreten, wenn sie eine Vertrauensabstimmung in der Knesset gewinnt. Der arabische Abgeordnete Ahmad Tibi rechnet laut Al Jazeera mit einer solchen Regierung, die von außen durch arabische Parteien gestützt wird.


Eisenkots Partei Jaschar forderte den Likud auf, in eine gemeinsame Regierung einzutreten. Eine Einheitsregierung schließt die Partei laut Israel Hayom nicht aus, verlangt aber die Einhaltung ihrer Grundsätze, darunter die Einstufung der Hamas als Terrororganisation. Eisenkot sagte nach Angaben der Zeitung, es sei die Zeit für eine nationale Notstandsregierung.


Wie reagiert Netanjahu?

Netanjahu wirbt für eine Regierung der nationalen Einheit mit seinem Likud, den beiden ultraorthodoxen Parteien und den beiden rechtsextremen Partnern seiner bisherigen Koalition. Wer sie führen soll, ließ er nach Angaben von ZDFheute offen. In einer aufgezeichneten Videobotschaft warnte er vor einer Regierung, die auf arabische Parteien angewiesen wäre; eine solche Regierung werde den Staat von innen zerstören. Eisenkot nannte den Einheitsappell laut ZDFheute eine „billige PR-Masche“.


Welche Fristen gelten?

Eisenkot hat zunächst 28 Tage Zeit. Nach Angaben von Israel Hayom läuft das Mandat am 6. Dezember 2026 ab; bei einer Verlängerung um 14 Tage wäre der 20. Dezember die Frist. Scheitert er, kann Herzog einen anderen Kandidaten beauftragen. Gelingt auch diesem keine Regierungsbildung, kann eine Mehrheit der Abgeordneten einen dritten Kandidaten unterstützen. Bleibt auch das ohne Ergebnis, wird innerhalb von 90 Tagen neu gewählt. Netanjahu bliebe bis dahin geschäftsführend im Amt.


Mehr zum Ausgang der Wahl lesen Sie in der Rubrik Welt.


Was offen ist

Ob die ultraorthodoxen Parteien sich auf eine Regierung unter Eisenkot einlassen und welchen Preis sie in der Frage der Wehrpflicht verlangen, ist offen. Ebenso unklar ist, ob der Likud ohne Netanjahu an der Spitze für eine Einheitsregierung zur Verfügung stünde. Wie sich ein Regierungswechsel auf Israels Politik im Gazastreifen und gegenüber dem Iran auswirken würde, lässt sich derzeit nicht absehen.


Titelbild: Die Knesset, das israelische Parlament, in Jerusalem, Symbolbild – Stock Birken / Unsplash, Unsplash-Lizenz

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