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Trumps zweite Amtszeit: Wirtschaft schwächelt, Demokratie wankt

Tag 476 der Präsidentschaft: Sinkendes Wachstum, steigende Inflation, ein eskalierender Iran-Krieg und Zweifel an den Midterms 2026 — eine Bilanz aus Nürnberger Perspektive.

Donald Trumps zweite Amtszeit steht außen- wie wirtschaftspolitisch unter massivem Druck. Während die US-Inflation im März 2026 auf 3,3 Prozent kletterte und das prognostizierte BIP-Wachstum für 2026 nur noch bei 1,6 bis 1,8 Prozent liegt, eskaliert der von Washington begonnene Krieg gegen den Iran zu einer globalen Wirtschaftskrise. Das deutsche Podcast-Format „Servus USA" der Nuremberg Times zieht an Tag 476 der Präsidentschaft eine ernüchternde Zwischenbilanz: Der Präsident stehe „mit dem Rücken zur Wand", sagt Co-Host Romy Singh, während sich im Inneren der Vereinigten Staaten ein „faschistisches Playbook" entfalte.


Wirtschaftliche Schwäche trotz politischer Inszenierung

Die makroökonomischen Daten widersprechen Trumps Eigenwerbung als „Wirtschaftspräsident“. Das Wachstum hat sich gegenüber 2024 mehr als halbiert — damals lag es noch bei 2,8 Prozent. Die US-Notenbank Fed hat die Zinsen zum dritten Mal in Folge nicht gesenkt. Die Arbeitslosenquote ist mit 4,4 Prozent zwar nominell niedrig, doch erstmals seit der Corona-Pandemie übersteigt die Zahl der Arbeitslosen wieder die der offenen Stellen.


Branchen im Fokus:

  • Tech-Sektor: Amazon und Google streichen tausende Stellen.

  • Bausektor: Ein realer Rückgang von rund fünf Prozent führt zur Rezession.

  • KI-Investitionen: Kapitalströme konzentrieren sich fast ausschließlich auf KI-Infrastruktur.


„Einige wenige investieren weiter, aber in Sachen, wovon die breite Bevölkerung gar nichts hat", sagt Romy Singh. Die Folgen sind auch in der deutschen IT-Branche spürbar: Industriestandard-RAM-Speicher mit 32 oder 64 Gigabyte seien weltweit vergriffen, die Preise hätten sich gegenüber dem Vorjahr verzehnfacht. Belastbare Preiszusagen für Hardware seien bis 2028 kaum noch möglich.


ICE-Ausbau und die Zukunft der US-Demokratie

Die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE ist laut Angaben im Podcast zum größten Strafverfolgungsapparat in der Geschichte der USA ausgebaut worden — direkt dem Präsidenten unterstellt, nicht primär dem Recht. Berichten zufolge werden vereinzelt auch US-Bürger festgenommen, Gerichte haben mehrfach eingegriffen. Für Singh ist das „Faschismus in Reinform": ein paramilitärisches Organ, das direkt der mächtigsten Person unterstellt sei, ohne wirksame Checks and Balances.


Die politische Sprengkraft dieses Umbaus wird gerade in jenen Wählergruppen sichtbar, die Trump erst ins Amt verholfen haben. Schwarze und hispanische Wählerinnen und Wähler, die 2024 für ihn stimmten, wenden sich laut Beobachtern wieder dem demokratischen Lager zu. Singh ordnet ein, das einzige eingehaltene Wahlversprechen sei das „rigorose Abschieben von Migranten" — ein Programm, das die Wirtschaft nicht ankurble und keine Jobs schaffe.


Midterms 2026: Finden sie statt?

Ob die Kongresswahlen im November 2026 regulär stattfinden, ist zur offenen Frage geworden. 2025 gewannen Demokraten mehrere Sonderwahlen mit ungewöhnlich deutlichen Vorsprüngen: Mikie Sherrill in New Jersey mit 13 Prozentpunkten, Abigail Spanberger in Virginia mit 15 Punkten. Erstmals seit Jahrzehnten wurde eine Demokratin Bürgermeisterin von Miami. Gleichzeitig hat der Oberste Gerichtshof Virginias eine demokratische Klage gegen neu zugeschnittene Wahlkreise als unbegründet zurückgewiesen — ein Vorgang, den Trump als Sieg feiert.


Singh und Co-Host Kevin halten Manipulationen, Einschüchterung an Wahllokalen, Erschwerung der Briefwahl oder gar eine Aussetzung der Wahlen für plausibel. „Da wird irgendwas passieren, dass die Wahlen entweder gar nicht stattfinden oder es wird Manipulationsversuche geben", so Singh. Auch ein vorgeschobener nationaler Notstand durch einen weiteren Krieg sei nicht auszuschließen.


Der Iran-Krieg und seine globalen Folgen

Der von den USA mitgetragene Angriff auf den Iran hat sich zu einer Weltwirtschaftsbelastung entwickelt. Der Ölpreis liegt nach Angaben im Podcast bei über 110 US-Dollar pro Barrel, JP-Morgan-Chefvolkswirt Bruce Kasman rechne bei anhaltendem Konflikt mit 120 Dollar. In Kalifornien koste eine Gallone Sprit teilweise sieben Dollar. Das iranische Gesundheitsministerium meldet laut Podcast mit Stand 1. Mai 2026 rund 3.375 getötete Zivilisten und über 26.500 Verletzte.


Die Straße von Hormus ist seit Wochen gesperrt — mit gravierenden Folgen für die asiatischen Hauptabnehmer iranischen Öls wie Indien, Thailand und China sowie für europäische Gaslieferungen aus Katar. Singh verweist auf einen von Markus Lanz zitierten Bericht der New York Times, wonach der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Präsentation vor Trump, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Militärberatern gehalten habe, deren militärische Logik die Berater als „Farce" eingestuft hätten. Vize-Präsident JD Vance sei nicht anwesend gewesen. Trump habe dem Angriff dennoch zugestimmt. Auch das deutsch-amerikanische Verhältnis leidet: 5.000 US-Soldaten sollen aus Deutschland abgezogen werden, die zugesagte Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern zur Schließung einer Fähigkeitslücke gegenüber russischen Systemen in Kaliningrad wurde nach Angaben im Podcast von Trump revidiert.


Tech-Feudalismus als Langzeitprojekt

Über die Tagespolitik hinaus identifiziert Singh ein strukturelles Muster: die wachsende Macht US-amerikanischer Tech-Milliardäre. Sie spricht von einem möglichen „Tech-Feudalismus", in dem eine schmale Elite bereit sei, „auf die untere Hälfte der Gesellschaft komplett zu verzichten". Auch die Soft-Power Hollywoods sieht sie kritisch — die alltägliche Gewalt im US-Kino sei „brutal" und sie habe „diese Softpower so dermaßen satt".


Fazit: Nürnberger Perspektive auf eine gespaltene Nation

Die zweite Amtszeit von Donald Trump zeigt eine USA, die wirtschaftlich schwächelt, politisch polarisiert und geopolitisch isoliert ist. Der Podcast „Servus USA“ bietet eine kritische Analyse aus deutscher Sicht und beleuchtet die Auswirkungen auf Europa und die Welt.


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