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Nürnberger Stadtrat vereidigt: Krieglstein und Ahmed werden Bürgermeister

Der neugewählte Nürnberger Stadtrat hat sich am Mittwoch, 6. Mai 2026, im Historischen Rathaussaal des Wolffschen Baus zu seiner konstituierenden Sitzung getroffen. Das 70-köpfige Gremium wurde von Oberbürgermeister Marcus König (CSU) vereidigt. In derselben Sitzung wählte der Rat Andreas Krieglstein (CSU) zum 2. Bürgermeister und Dr. Nasser Ahmed (SPD) zum 3. Bürgermeister.


Krieglstein, bisher Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion, erhielt 56 Stimmen. Sein Geschäftsbereich umfasst Mobilität, Sport, den Tiergarten und den Eigenbetrieb Service Öffentlicher Raum (SÖR). Ahmed, bislang Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion und im März in der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt Marcus König unterlegen, kam auf 52 Stimmen. Er verantwortet künftig Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung sowie die Feuerwehr. Beide wurden im Anschluss an die Wahl vom Oberbürgermeister vereidigt.


Mit der Konstituierung beginnt die Ratsperiode 2026 bis 2032. Sie folgt auf die Kommunalwahl vom 8. März und die OB-Stichwahl am 22. März, in der König sich gegen Ahmed durchsetzte.


Eine Ressortverteilung, die Schwerpunkte setzt

Die Geschäftsbereiche der drei Spitzenämter zeichnen die politischen Konfliktlinien der kommenden sechs Jahre nach. Mit Mobilität und SÖR liegen bei Krieglstein zwei der politisch heikelsten Felder Nürnbergs — von Verkehrswende und Straßenraum bis zu Sauberkeit und Pflege öffentlicher Flächen. Hinzu kommen Sport mit dem Frankenstadion und das NürnbergBad sowie der Tiergarten, der zuletzt mehrfach im Fokus stand.


Ahmed übernimmt mit Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung jenen Komplex, der angesichts angespannter Wohnungsmärkte für viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt unmittelbar spürbar ist. Dazu kommt die Feuerwehr. Die Aufstellung folgt damit der politischen Logik einer Kooperation zwischen CSU und SPD: zwei große Themenblöcke, die Profil ermöglichen, an die jeweils stärkste der beiden Kooperationsfraktionen.


Auffällig ist die Verschiebung im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters. Marcus König verantwortet künftig zusätzlich den Bereich Kultur — mit Amt für Kultur und Freizeit, KunstKulturQuartier, den Museen der Stadt Nürnberg, dem Bildungscampus, Stadtarchiv, Meistersingerhalle sowie dem Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum. Das ist eine spürbare Aufwertung des OB-Ressorts, die zugleich den Wegfall einer eigenen Kulturbürgermeisterin auffängt: Die bisherige 2. Bürgermeisterin Julia Lehner (CSU), die das Kulturressort verantwortete, ist auf eigenen Wunsch aus der Kommunalpolitik ausgeschieden. Ein neu gebildetes Referat für Personal, Organisation, Sicherheit und Bürgerservice wird ausgeschrieben.


Kritik: erstmals rein männliche Bürgermeisterriege

Mit der heutigen Wahl ist die Spitze der Stadtverwaltung rein männlich besetzt. Darauf machte unter anderem Andrea Friedel aufmerksam, Co-Vorsitzende des neuen Bündnisses „Grüne/Volt“, in ihrer Rede im Plenum. Sie verband die Kritik mit einem Verweis auf den ihrer Einschätzung nach insgesamt ausgewogenen neuen Stadtrat — und machte damit eine Diskrepanz sichtbar zwischen der Zusammensetzung des Plenums und seiner Spitze.


Wer Lehner — die seit 2020 als 2. Bürgermeisterin amtiert hatte — ablöst, war innerhalb der CSU intern entschieden worden. Mit dem Wechsel verschwindet die einzige weibliche Stimme aus der

Reihe der gewählten Bürgermeisterämter, ohne dass eine Nachfolgerin nominiert wurde.


Königs Grundsatzrede: Wirtschaft, Bezahlbarkeit, Demokratieverteidigung

Zum Auftakt hielt Oberbürgermeister Marcus König eine Grundsatzrede, in der er die ablaufende Ratsperiode bilanzierte und die Schwerpunkte der kommenden sechs Jahre umriss. Er betonte den Charakter des Stadtrats als „Kollegialorgan, in dem Entscheidungen zum Wohle der gesamten Stadt getroffen wurden“, und warb dafür, parteipolitische Geländegewinne hinter die Frage zurückzustellen, was der Stadt nütze.


Inhaltlich nannte König drei große Linien: die wirtschaftliche Lage Nürnbergs, von deren Entwicklung das Gewerbesteueraufkommen und damit der soziale Zusammenhalt abhänge; ein „bezahlbares Nürnberg“ vom Wohnen über die Mobilität bis zur Betreuung; und einen Schwerpunkt auf Bildung sowie ein „belastbares soziales Netz“. Sicherheit, Sauberkeit und eine attraktive Innenstadt zählte er ebenfalls zu den Prioritäten.


Bemerkenswert ein Hinweis Königs zur politischen Kultur: Gebrochene Versprechen sorgten für Politikverdrossenheit und stärkten „nur antidemokratische und extreme Kräfte“. Der Satz fiel in einer Sitzung, in der laut Berichten aus dem Saal die Rede des AfD-Stadtrats Roland Hübscher von demonstrativem Wegdrehen mehrerer Ratsmitglieder begleitet wurde.


Stimmen aus den Fraktionen

Im Anschluss an die Vereidigung sprachen die Fraktionen. Der neue Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion, Daniel Frank, betonte laut Berichterstattung, am Ende zählten die Taten, nicht die Worte. Für die SPD-Fraktion verwies ihr Vorsitzender Michael Ziegler auf die historische Verantwortung Nürnbergs und die Notwendigkeit, Demokratie aktiv zu verteidigen und zu füllen. Friedel rückte für „Grüne/Volt“ Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Vordergrund.


Hübscher (AfD) sprach von einer aus seiner Sicht „ideologisch geprägten“ Verkehrspolitik und einem „Kampf gegen den Verbrenner“. Während seiner Rede verließen mehrere Ratsmitglieder vorübergehend den Saal.


Vor dem Hintergrund eines fragmentierten Rates

Die heutige Sitzung fiel in eine politisch ungewöhnlich fluide Phase. Im Vorfeld hatten Fraktionsneubildungen, taktische Bündnisse und ein Streit um die Größe der Fachausschüsse die Ratsarbeit überschattet. Innerhalb der Grünen war es zu einer Abspaltung gekommen; Volt schloss sich der Grünen-Fraktion an, während sich aus ÖDP und ehemaligen Grünen-Mitgliedern eine sogenannte „ökologische Fraktion“ formierte. Der FDP-Stadtrat ist informell an die CSU angebunden.


Die Stadtratswahl vom 8. März hatte der CSU mit 33,7 Prozent (24 Sitze) die Position als stärkste Kraft bestätigt. Die SPD kam auf 18,3 Prozent (13 Sitze), die Grünen auf 14,8 Prozent (10 Sitze), die AfD legte auf 11,3 Prozent (8 Sitze) zu. Die Linke erhielt 6,6 Prozent (5 Sitze). Die Wahlbeteiligung lag bei 51,1 Prozent. Welche konkreten Mehrheitsverhältnisse sich daraus in einzelnen Sachfragen ergeben, wird die kommenden Wochen prägen — nicht zuletzt die noch ungeklärte Frage zur Größe der Fachausschüsse, an der hängt, wie stark kleinere Gruppierungen künftig institutionell mitwirken können.


Was als Nächstes ansteht

Die offizielle Geschäftsverteilung mit Organigramm und Verwaltungsgliederungsplan tritt mit Mai 2026 in Kraft. Wann das ausgeschriebene Referat für Personal, Organisation, Sicherheit und Bürgerservice besetzt wird, ist offen. Auch die genaue Zusammensetzung der Ausschüsse — und die damit verbundene Debatte über deren Größe — steht in den nächsten Sitzungen an.


Quelle Bild: Stadt Nürnberg

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