IDAHOBIT 2026: Nürnberg setzt Zeichen gegen Queerfeindlichkeit
- Kevin Kienle

- vor 3 Tagen
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Aktualisiert: vor 1 Tag
Am Samstag, 16. Mai 2026, veranstaltet das Bündnis gegen Trans- und Homophobie in der Metropolregion Nürnberg (BTHMN) gemeinsam mit Kunterbunt Amberg den IDAHOBIT in Nürnberg. Das Akronym steht für den internationalen Tag gegen Homophobie, Bi*phobie, Inter*phobie und Trans*phobie — kurz: den internationalen Tag gegen Queerfeindlichkeit. Der Tag ist bewusst nah am 17. Mai angesetzt, jenem Datum, an dem die Weltgesundheitsorganisation 1990 Homosexualität aus ihrer Krankheitsliste strich. In Deutschland trug der 17. Mai schon vor 1990 symbolische Bedeutung — als informeller Gedenktag, der sich auf den sogenannten Schwulenparagrafen (§ 175) bezog.
Das Motto der Nürnberger Veranstaltung lautet: „Kein Platz für Gewalt."
Programm: Tugendbrunnen, Königstraße, Magnus-Hirschfeld-Platz
Der IDAHOBIT beginnt um 14:00 Uhr am Tugendbrunnen bei der Lorenzkirche. Das Programm dort umfasst Reden, Vorträge, künstlerische Beiträge sowie einen Open-Air-Gottesdienst. Gegen 17:30 Uhr setzt sich ein Demozug in Bewegung, der über die Königstraße zum „Regenbogen" vor dem Künstler:innenhaus führt — dort ist eine Zwischenkundgebung geplant. Anschließend zieht der Zug weiter zum Magnus-Hirschfeld-Platz, wo ab etwa 18:00 Uhr weitere Programmpunkte folgen.
Zu den angekündigten Mitwirkenden zählen Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Nürnbergs Oberbürgermeister Markus König sowie Christine Burmann, Beauftragte für Diskriminierungsfragen. Daneben sind die rote Bühne und verschiedene queere Organisationen beteiligt. Die Veranstaltung ist nach Angaben der Organisatoren für alle offen — unabhängig davon, ob jemand selbst queer ist oder schlicht an den Lebensrealitäten queerer Menschen interessiert.
Eine Statistik, die aufhorchen lässt
Die Veranstaltung findet vor einem Hintergrund statt, der die Dringlichkeit des Themas unterstreicht. Laut Angaben des BTHMN — unter Verweis auf Zahlen des Bundeskriminalamts — hat sich die Hasskriminalität gegen queere Menschen seit 2010 mehr als verzehnfacht. In den vorläufigen Zahlen für 2025 wurden demnach über 2.000 Fälle queerfeindlicher Hasskriminalität registriert, was erneut eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr darstellt.
Dass die Bedrohungslage nicht abstrakt ist, zeigt ein Vorfall aus dem vergangenen Jahr: 2025 warteten Neonazis am Bahnhof in Schwandorf (Oberpfalz) auf Teilnehmende eines Christopher Street Day. Ebenfalls 2025 führte eine vom Verfassungsschutz überwachte Gruppe eine Protestaktion gegen den Nürnberger CSD durch.
Auch die HAY-Studie, auf die das BTHMN in seiner Pressemitteilung verweist, zeichnet ein belastendes Bild für queere junge Menschen in Deutschland: 94 Prozent der Befragten gaben an, bereits Diskriminierungserfahrungen gemacht zu haben. 68,6 Prozent befanden sich demnach in einem kritischen Bereich für das Wohlbefinden, 68,1 Prozent in einem kritischen Bereich für die Resilienz.
Bei den konkreten Diskriminierungsformen gaben 46,2 Prozent der Befragten an, Beschimpfungen und Beleidigungen erlebt zu haben. 29,1 Prozent berichteten von sexualisierter Gewalt. 22,7 Prozent nannten Mobbing oder Psychoterror. Über zwei Drittel — 67,2 Prozent — sagten, ihre Identität sei infrage gestellt worden.
Weltweite Lage: Von Russland bis zu den USA
Das BTHMN bettet die Nürnberger Veranstaltung ausdrücklich in einen internationalen Kontext ein. In Russland ist die LGBTQ-Bewegung als terroristisch eingestuft und wird verfolgt. In Uganda kann ein öffentliches queeres Auftreten nach Angaben der Organisatoren die Todesstrafe bedeuten. In den USA werden Trans*- und Inter*-Rechte nach BTHMN-Darstellung massiv angegriffen; selbst die gleichgeschlechtliche Ehe sei nicht mehr gesichert und drohe abgeschafft zu werden.
Diese globalen Entwicklungen bilden den Rahmen, in dem der IDAHOBIT als öffentlicher Aufmerksamkeitstag konzipiert ist: Sichtbarkeit für Diskriminierung schaffen, die sonst aus dem medialen Blickfeld fällt.
Das BTHMN: Bündnis seit 2014
Das Bündnis gegen Trans- und Homophobie in der Metropolregion Nürnberg wurde am 28. Juli 2014 gegründet. Es ist ein Zusammenschluss von Vereinen, Organisationen, Unternehmen, Stadtratsfraktionen und Privatpersonen. Laut eigener Darstellung verfolgt das BTHMN das Ziel, queere Lebensrealitäten sichtbar zu machen, Handlungsfelder und Forderungen zu erarbeiten sowie Diskriminierung und Hass aktiv zu bekämpfen.
Faktenkasten: IDAHOBIT Nürnberg 2026
Datum | Samstag, 16. Mai 2026 |
Beginn | 14:00 Uhr |
Startpunkt | Tugendbrunnen bei der Lorenzkirche |
Demozug ab | ca. 17:30 Uhr, über die Königstraße |
Zwischenkundgebung | „Regenbogen" vor dem Künstler:innenhaus |
Abschluss | Magnus-Hirschfeld-Platz, ab ca. 18:00 Uhr |
Veranstalter | BTHMN & Kunterbunt Amberg |
Eintritt | offen für alle |




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