Servus USA: Midterms 2026 – die blaue Welle und ihre Ursachen
Lebenshaltungskosten, Iran-Krieg, harte Abschiebepolitik: Romy Singh und Kevin Kienle über die Gründe für den Machtwechsel im US-Kongress.
Das Wichtigste in Kürze
Bei den Midterms 2026 am 3. November haben die Demokraten das Repräsentantenhaus und den Senat der USA erobert.
Im Repräsentantenhaus stand es laut Associated Press (AP) am 6. November 253 zu 162 Sitze für die Demokraten, 20 Rennen waren noch offen.
Im Senat kommen die Demokraten laut NBC News auf 54 Sitze; die Rennen in Mississippi und Alaska sind noch nicht entschieden.
Die Wahlbeteiligung lag bei rund 48,8 Prozent, dem zweithöchsten Wert einer Midterm-Wahl seit 1914.
Drei Tage nach der Wahl hat Präsident Donald Trump Stabschefin Susie Wiles durch Stephen Miller ersetzt.
Die Demokraten haben bei den Midterms 2026 beide Kammern des US-Kongresses gewonnen, und entschieden haben die Wahl nach Einschätzung von Kevin Kienle und Romy Singh vor allem die Lebenshaltungskosten. In der Folge des Podcasts „Servus USA“ von The Nuremberg Times, aufgenommen am 7. November 2026 um 13 Uhr, nennt Kevin Kienle den Wocheneinkauf, die Spritpreise, Strom und Hauskredite als Hauptgründe. „Wenn es ans eigene Geld geht, dann ist es glaube ich das Schmerzhafteste für alle“, sagt Kienle. Der Iran-Krieg habe diese Belastung noch verstärkt.
Midterms 2026: die Ergebnisse in Zahlen
Die Republikaner haben bei den Midterms 2026 laut den US-Wahlauswertungen keinen einzigen Senats- oder Gouverneurssitz hinzugewonnen. Beide Kammern des Kongresses in einer einzigen Wahl zu verlieren, ist in den vergangenen 50 Jahren laut CNN nur zweimal vorgekommen.
Kammer | Vor der Wahl | Nach der Wahl (Stand 6./7. November 2026) |
Repräsentantenhaus (Mehrheit ab 218) | Republikaner 220 | Demokraten 253, Republikaner 162, 20 offen |
Senat (Mehrheit ab 51) | Republikaner 53, Demokraten 47 | Demokraten 54, Republikaner 44, 2 offen |
Gouverneure | Republikaner 26, Demokraten 24 | Mehrheit für die Demokraten, erstmals seit 16 Jahren |
Mehrere Ergebnisse fielen in Staaten, die als republikanische Hochburgen gelten. In Kansas gewann mit Adam Hamilton erstmals seit 1932 ein Demokrat einen Senatssitz. In Texas setzte sich James Talarico gegen Ken Paxton durch, der erste demokratische Senatssieg dort seit 1988. Elon Musk hatte laut Fortune und CNBC zwischen 212 und 224 Millionen Dollar in den Wahlkampf der texanischen Republikaner gesteckt. In North Carolina gewann Roy Cooper mit 58,7 zu 39,1 Prozent, in Maine verlor die langjährige Senatorin Susan Collins. Fünf der gewonnenen Staaten hatte Donald Trump 2024 noch mit zweistelligem Vorsprung geholt.
Im Senatsrennen von Mississippi führte der Demokrat Scott Colom am Freitagabend laut AP mit 2.574 Stimmen vor der Amtsinhaberin Cindy Hyde-Smith. Romy Singh verweist darauf, dass gerade in Südstaaten Wahlkreise zugunsten der Republikaner zugeschnitten worden seien – das Fachwort dafür ist Gerrymandering. Umso bemerkenswerter seien die Wechsel dort.
Warum haben die Republikaner die Midterms 2026 verloren?
Die Republikaner haben die Midterms 2026 nach Einschätzung beider Hosts wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten verloren, die der Iran-Krieg zusätzlich verschärft habe. Trump habe versprochen, die Lebensmittelpreise ab seinem ersten Tag im Amt zu senken; seitdem sei es nur schlimmer geworden, sagt Kevin Kienle: „das ist der Hauptgrund. Nicht der Rassismus, nicht die Selbstbereicherung, nicht die Korruption.“ Laut frühen Nachwahlbefragungen lag die Zustimmung zu Trump bei 38 Prozent.
Romy Singh sieht die Teuerung schon vor dem Krieg angelegt, in Trumps Zollpolitik. Hinzu kämen steigende Energiekosten, auch durch den schnellen Bau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Wie weit die Belastung reicht, zeigt Singh am öffentlichen Schulsystem, das in den USA unter anderem über die Grundsteuer finanziert wird: In ländlichen Gegenden werde darüber nachgedacht, auf eine Vier-Tage-Woche umzustellen, damit Lehrkräfte einen Zweitjob annehmen können.
Den moralischen Verfall, den Singh der Trump-Regierung vorwirft, hält er dagegen nicht für wahlentscheidend. Trump habe Skandale überstanden, nach denen Beobachter ihn politisch für erledigt hielten. Eine Rolle spiele dagegen die Einwanderungspolitik: „Die Hispanics laufen in Scharen zu den Demokraten über“, sagt Singh. Nach seinen Angaben im Podcast waren weit über 70 Prozent der von der Einwanderungsbehörde ICE abgeschobenen Menschen nicht straffällig.
Was bedeuten die Midterms 2026 für Donald Trump?
Donald Trump regiert ab Januar 2027 gegen eine demokratische Mehrheit in beiden Kammern. Kevin Kienle erwartet, dass Trump verstärkt über Executive Orders regiert, also über Präsidialerlasse ohne Zustimmung des Kongresses, und politisch zur „Lame Duck“ wird, zum Präsidenten ohne Gestaltungsmacht. Eine erneute Kandidatur Trumps 2028 hält Kienle nach diesem Ergebnis für ausgeschlossen.
Erste Absetzbewegungen sind bereits sichtbar. Stabschefin Susie Wiles, die Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2024 geleitet hatte, hat ihr Amt aufgegeben; ab Montag, 9. November 2026, übernimmt Stephen Miller, wie AP und The Hill berichten. Vizepräsident JD Vance führte die Niederlage nach Medienberichten auf den Iran-Krieg zurück. Über Außenminister Marco Rubio gibt es laut Kienle Gerüchte, dass er sich für eine eigene Kandidatur 2028 von Trump absetzt; bestätigt ist das nicht.
Verteidigungsminister Pete Hegseth droht ein Amtsenthebungsverfahren: Demokraten im Kongress hatten bereits vor der Wahl angekündigt, ihn nach einem Wahlsieg ins Visier zu nehmen. Romy Singh hält ein solches Verfahren für richtig, sieht aber Risiken wie bei einem AfD-Verbotsverfahren. Kienle verweist auf die Umbenennung des Ressorts: „Ist ja auch kein Verteidigungsminister mehr, sondern ein Kriegsminister.“ Singhs Fazit für die Republikaner: „Die Quittung haben sie jetzt bekommen mit den Midterms“.
Audi-Chef bei Trump: der Bezug nach Bayern
Der Bayern-Bezug der Folge liegt in Ingolstadt. Audi-Chef Gernot Döllner war vor der Wahl auf einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in Perry im US-Bundesstaat Georgia aufgetreten, auf der ein neues Audi-Werk angekündigt wurde. Laut Handelsblatt lag dem Aufsichtsrat des Mutterkonzerns Volkswagen zu dem Zeitpunkt keine beschlussfähige Vertragsgrundlage vor.
Romy Singh hält es für unglaubwürdig, wenn VW nun so tue, als habe der Konzern nichts gewusst; laut Wirtschaftswoche war VW-Chef Oliver Blume von Anfang an in die Planungen eingebunden. Singh sieht die deutsche Autoindustrie in einer Absatzkrise, in der ihr zwei bestimmende Märkte wegbrechen. Kienle ergänzt, die Branche habe auch die Elektromobilität und die Software im Auto unterschätzt.
Häufige Fragen
Wer hat die Midterms 2026 gewonnen?
Die Demokraten haben die Midterms 2026 am 3. November gewonnen und die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat der USA übernommen. Im Repräsentantenhaus stand es laut AP am 6. November 253 zu 162 Sitze, im Senat laut NBC News 54 zu 44.
Wie sieht der Senat nach den Midterms 2026 aus?
Die Demokraten kommen im US-Senat laut NBC News auf 54 der 100 Sitze, die Republikaner auf 44. Offen sind noch die Rennen in Mississippi, wo der Demokrat Scott Colom knapp führt, und in Alaska (Stand: 7. November 2026).
Was bedeuten die Midterms 2026 für Trump?
Präsident Donald Trump muss ab Januar 2027 mit einem Kongress regieren, in dem die Demokraten beide Kammern kontrollieren. Sie können damit Haushalt und Gesetzgebung blockieren und Untersuchungen einleiten; Trump bleibt der Weg über Präsidialerlasse.
Alle Folgen von Servus USA hören Sie hier: nbtimes.de/podcasts?reihe=servus-usa
Transparenzhinweis: Die Folge wurde am 7. November 2026 um 13 Uhr aufgezeichnet; seitdem können sich Ergebnisse verändert haben. Zahlen zu Sitzverteilung, Wahlbeteiligung und Personalien sind mit Berichten von AP, NBC News, CNN, Fortune, CNBC und Handelsblatt abgeglichen. Die Angabe zum Anteil nicht straffälliger Abgeschobener stammt aus dem Podcast und ist nicht unabhängig überprüft.
Titelbild: Anhängerinnen des demokratischen Wahlsiegers David Crowley bei der Wahlparty in Milwaukee, Wisconsin, am 3. November 2026. Foto: LaShawnda Jones, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons





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