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Servus USA: Midterms 2026 – warum jetzt sogar der Senat kippen kann

vor 50 Minuten
6 Min. Lesezeit

Umfragen, Prognosen, Benzinpreis: Kevin Kienle und Romy Singh prüfen zwei Wochen vor der Wahl ihre Thesen zur US-Zwischenwahl


Das Wichtigste in Kürze

  • Die US-Zwischenwahlen (Midterms) finden am 3. November 2026 statt; gewählt werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 Sitze im Senat.

  • Im Umfrageschnitt des Statistikers Nate Silver lagen die Demokraten am 7. Oktober 2026 auf der allgemeinen Kongressfrage mit 8,9 Punkten vorn, dem Höchstwert des Wahlzyklus.

  • Silvers Prognosemodell gab den Demokraten am 8. Oktober 2026 eine Wahrscheinlichkeit von 74,8 Prozent, den Senat zu erobern, und von 93,1 Prozent für das Repräsentantenhaus.

  • Donald Trumps Zustimmung lag im Durchschnitt der großen Umfragen am 8. Oktober 2026 bei 36,3 Prozent, die Ablehnung bei 61,2 Prozent.

  • Benzin kostete in den USA am 13. Oktober 2026 laut Automobilclub AAA im Schnitt 4,34 Dollar je Gallone, vor Beginn des Iran-Kriegs waren es 2,98 Dollar.


Gut zwei Wochen vor den Midterms 2026 am 3. November sprechen Umfragen und Prognosemodelle klar für die Demokraten: Das Repräsentantenhaus gilt als wahrscheinlich verloren für die Republikaner, und erstmals in diesem Zyklus sehen die wichtigsten Modelle die Demokraten auch im Senat vorn. In der neuen Folge von „Servus USA“, dem US-Podcast von The Nuremberg Times, prüfen die Moderatoren Kevin Kienle und Romy Singh, wie belastbar dieser Vorsprung ist. Kienles zentrale These: Entschieden wird die Wahl nicht im Fernsehstudio, sondern an der Tankstelle.


Wie stehen die Umfragen zu den Midterms 2026?

Die Demokraten führen in allen großen Umfragedurchschnitten deutlich. Auf der sogenannten Generic Ballot, also der Frage, welche Partei man im eigenen Wahlkreis wählen würde, lagen sie im Durchschnitt von Nate Silvers Silver Bulletin am 7. Oktober 2026 bei plus 8,9 Punkten, dem bisherigen Höchstwert des Zyklus. Der Aufwärtstrend begann Anfang September. Auch der Durchschnitt von RealClearPolitics und der Aggregator 50+1 sehen die Demokraten laut Kienle rund acht Punkte vorn.


Bemerkenswert findet Kienle, dass nach seinen Angaben selbst eine Umfrage von Fox News, dem Haussender der Republikaner, die Demokraten Mitte Oktober im Kampf um das Repräsentantenhaus erstmals in diesem Zyklus vorn sah.


Für die Demokraten genügt im Repräsentantenhaus wenig: Die Republikaner halten dort 218 Sitze, die Demokraten 214. Historisch verliert die Partei des Präsidenten bei Zwischenwahlen im Schnitt rund 25 Sitze, wie Kienle anmerkt, und zwar meist unter Präsidenten, die beliebter waren als Trump heute.


Ist Donald Trump für die Republikaner Zugpferd oder Ballast?

Kienles zweite These lautet, dass Trump seiner Partei zwei Wochen vor der Wahl schadet. Die Zahlen stützen das: Im Mittel der großen Umfrageinstitute kam Donald Trump am 8. Oktober 2026 auf 36,3 Prozent Zustimmung und 61,2 Prozent Ablehnung. Fox News selbst ermittelte Mitte Oktober mit 36 Prozent den niedrigsten Wert, den der Sender in beiden Amtszeiten Trumps gemessen hat.


Romy Singh sieht die Republikaner in einer „toxischen Partnerschaft“ mit der MAGA-Bewegung gefangen. Jenseits von Figuren wie Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio erkenne er in der Partei kein Talent, das eine Zeit nach Trump prägen könne.


Warum der US-Senat plötzlich in Reichweite ist

Im Senat halten die Republikaner 53 der 100 Sitze, die Demokraten 47. Weil Vizepräsident JD Vance bei Gleichstand entscheidet, brauchen die Demokraten netto vier zusätzliche Sitze. Das galt lange als nahezu ausgeschlossen. Inzwischen sehen alle großen Prognosen die Demokraten vorn: Silver Bulletin am 8. Oktober mit 74,8 Prozent, der Prognosemarkt Kalshi Mitte Oktober mit rund 62 Prozent, Decision Desk HQ nach Kienles Angaben mit 56 Prozent. Bei Kalshi lagen die Demokraten laut Kienle im März 2026 noch bei 44 Prozent.


Die Analysten des Cook Political Report stufen inzwischen sieben Rennen als offen ein, darunter Texas, Iowa, Ohio, Maine, Alaska und Kansas. North Carolina gilt seit dem 6. Oktober als wahrscheinlich demokratisch, New Hampshire als leicht demokratisch.

In Texas tritt der Demokrat James Talarico, Abgeordneter im texanischen Parlament und früherer Lehrer, gegen den republikanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton an. Singh hält Talarico für eines der größten Talente seiner Partei: ein gläubiger, moderner Christ, der gerade konservative und religiöse Familien mit der Erzählung erreiche, ein gespaltenes Land zu versöhnen.


Kansas als Alarmsignal für die Republikaner

Die Demokraten investieren laut Kienle in Kansas, Texas, Alaska und Iowa, also in Staaten, die Trump 2024 zweistellig gewonnen hat. In Kansas fordert der Pfarrer Adam Hamilton, Gründer der größten United-Methodist-Gemeinde der USA, den republikanischen Senator Roger Marshall heraus. Eine Emerson-Umfrage von Mitte September sah Hamilton mit 45 zu 43 Prozent knapp vorn, innerhalb der Fehlermarge. Zuletzt schickte Kansas 1932 einen Demokraten in den Senat.


Für Kienle ist das kein Größenwahn der Demokraten, sondern ein Warnsignal für die Republikaner: Jeder Dollar, der in die Verteidigung von Hochburgen fließt, fehlt in den eigentlichen Wechselstaaten. Tatsächlich zog das größte republikanische Super-PAC für den Senat Anfang Oktober Werbegeld aus North Carolina ab und lenkte Millionen nach Kansas.


Wahlkampf an der Zapfsäule

„Es wird an einer Zapfsäule entschieden“, sagt Kienle. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 sind die Spritpreise in den USA massiv gestiegen. Am 13. Oktober kostete eine Gallone Benzin (rund 3,8 Liter) laut AAA im Schnitt 4,34 Dollar, vor dem Krieg 2,98 Dollar. Mit mindestens 158 Tagen über der Vier-Dollar-Marke hat 2026 den Rekord des Jahres 2022 übertroffen. Nach Berechnungen von Moody's Analytics, über die CNN am 13. Oktober berichtete, kostet der Krieg einen durchschnittlichen Haushalt rund 2.000 Dollar, davon etwa 1.100 Dollar über höhere Energiepreise.


Singh nennt das „eine absolute Verarmungsmaschinerie“ für die Mittelschicht. Trumps Diesel-Abkommen mit Russland, das er am 9. Oktober 2026 nach einem Telefonat mit Wladimir Putin verkündete, wertet Singh als Versuch, die Wählerstimmung kurzfristig zu drehen, der zugleich Geld in Putins Kriegskasse spüle: „Das sind Verzweiflungstaten.“ Zum Auftakt sollen mehr als 300.000 Tonnen Diesel geliefert werden; die angekündigte Gesamtmenge deckt nach Einschätzung von Analysten nur rund neun Tage des US-Dieselbedarfs.


Rekord bei der Frühwahl – und die Risiken

Mehr als vier Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner hatten bis Mitte Oktober bereits gewählt. In Georgia gaben am ersten Tag der vorzeitigen Stimmabgabe mehr als 188.000 Menschen ihre Stimme ab, rund 53.000 mehr als 2022. In Ohio hat sich die persönliche Frühwahl gegenüber 2022 fast vervierfacht. Kienle warnt dennoch vor voreiligen Schlüssen: Eine hohe Beteiligung habe in Deutschland zuletzt auch der AfD genützt, und 2016 und 2020 lagen die Umfragen deutlich daneben.


Gegenwind kommt zudem aus den neu gezogenen Wahlkreisen. Die Neuzuschnitte, vor allem in republikanisch regierten Staaten, verschieben das Feld zugunsten der Republikaner; Kienle beziffert den Effekt unter Berufung auf die New York Times auf mindestens 2,5 Punkte, eine Analyse von Axios kam auf knapp zwei Punkte. Klagen der Regierung zu Briefwahl und Wählerverzeichnissen wurden laut Kienle teils sogar von Richtern abgewiesen, die Trump selbst ernannt hat. „Die heikle Phase kommt erst nach der Wahl“, sagt er mit Blick auf die Wochen bis zur Amtseinführung des neuen Kongresses im Januar.


Was bedeutet ein demokratischer Kongress für Trump und Europa?

Gewinnen die Demokraten beide Kammern, kann Trump nicht mehr durchregieren. Für ein Amtsenthebungsverfahren genügt im Repräsentantenhaus eine einfache Mehrheit; eine Verurteilung im Senat erfordert dagegen eine Zweidrittelmehrheit, die keine Prognose den Demokraten zutraut. Beide Moderatoren halten ein Impeachment deshalb für einen Schritt, der noch weit entfernt ist.


Für Europa erwartet Singh von einem demokratischen Kongress zuerst Druck auf eine diplomatische Lösung im Iran-Krieg, der sich zum Flächenbrand in der Region ausgeweitet habe. Sinkende Rohstoffpreise würden Haushalte entlasten und die Weltwirtschaft stabilisieren. Zweitens hofft er auf mehr Rückendeckung für die Ukraine und darauf, dass die USA Russland an den Verhandlungstisch zwingen. „Servus USA“ kündigt für den Wahlabend eine eigene Berichterstattung an.


Häufige Fragen

Wann finden die Midterms 2026 statt?

Die US-Zwischenwahlen 2026 finden am Dienstag, dem 3. November 2026, statt. In vielen Bundesstaaten läuft die vorzeitige Stimmabgabe bereits; bis Mitte Oktober 2026 hatten mehr als vier Millionen Menschen gewählt.


Was bedeuten die Zwischenwahlen in den USA 2026?

Bei den Midterms werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatssitze neu vergeben. Derzeit kontrollieren die Republikaner beide Kammern, mit 218 zu 214 Sitzen im Repräsentantenhaus und 53 zu 47 im Senat. Verlieren sie eine Kammer, kann Präsident Donald Trump Gesetze nicht mehr ohne die Demokraten durchsetzen.


Wie lautet die Prognose für die Midterms 2026?

Das Modell von Nate Silver (Silver Bulletin) gab den Demokraten am 8. Oktober 2026 eine Wahrscheinlichkeit von 93,1 Prozent für das Repräsentantenhaus und 74,8 Prozent für den Senat. Der Prognosemarkt Kalshi sah die Demokraten Mitte Oktober 2026 mit rund 62 Prozent im Senat vorn.


Was sagen die Umfragen zu den Midterms 2026?

Im Umfrageschnitt von Silver Bulletin führten die Demokraten am 7. Oktober 2026 auf der allgemeinen Kongressfrage mit 8,9 Punkten. Präsident Donald Trump kam im Schnitt der großen Institute am 8. Oktober 2026 auf 36,3 Prozent Zustimmung.


Was brauchen die Demokraten, um den US-Senat zu gewinnen?

Die Demokraten brauchen netto vier zusätzliche Sitze, also 51 von 100, weil Vizepräsident JD Vance bei einem Patt von 50 zu 50 für die Republikaner entscheidet. Als offen gelten laut Cook Political Report unter anderem Texas, Iowa, Ohio, Maine, Alaska und Kansas.


Dieser Beitrag beruht auf der Folge „Servus USA“ von The Nuremberg Times mit Kevin Kienle und Romy Singh. Zahlen zu Umfragen, Prognosen, Frühwahl und Benzinpreisen wurden anhand öffentlicher Quellen geprüft (Stand: 18. Oktober 2026); Einordnungen der Moderatoren sind als solche gekennzeichnet.

Titelbild: Das Kapitol in Washington, D.C. Foto: Noclip / Wikimedia Commons, gemeinfrei.

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