Zwischen Taubenhäusern, kostenlosem ÖPNV und Wohnraummangel – was die Partei Mensch Umwelt Tierschutz für Nürnberg will
- Kevin Kienle

- vor 8 Stunden
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Ein Gespräch über soziale Gerechtigkeit, radikalen Tierschutz und die Frage, wie eine Stadt für alle funktionieren kann.
Die Kommunalwahl 2026 rückt näher – und mit ihr neue politische Stimmen, die im Nürnberger Stadtrat Gehör finden wollen. In der aktuellen Folge des The Nuremberg Times Podcasts spricht Kevin mit Nathalie Dietzsch, Kandidatin der Partei Mensch Umwelt Tierschutz, die erstmals zur Stadtratswahl antritt. Eine Partei, die bewusst außerhalb der etablierten politischen Lager positioniert ist – und deren Schwerpunkte deutlich über klassische Umweltpolitik hinausgehen.
Dietzsch ist 27 Jahre alt, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, studiert Soziale Arbeit und engagiert sich seit Jahren als Menschen‑ und Tierrechtsaktivistin. Für das Oberbürgermeisteramt reichte es formell nicht – die nötigen Unterstützungsunterschriften kamen nicht zusammen. Doch der Anspruch bleibt: politischer Einfluss über den Stadtrat.
„Mensch, Umwelt und Tierschutz sind gleich wichtig“
Die Partei versteht ihre drei Namensbestandteile nicht als Hierarchie, sondern als Einheit. Menschenrechte, ökologische Verantwortung und Tierrechte seien nicht voneinander zu trennen. Auf EU‑Ebene engagiert sich die Partei unter anderem gegen Pelzfarmen und fordert ein vollständiges Verbot statt bloßer Mindeststandards. Verbesserungen, die Leid lediglich verwalten, reichen aus ihrer Sicht nicht aus.
Im Vergleich zu den Grünen sieht Dietzsch einen klaren Unterschied: konsequenter Tierschutz. Wo andere Parteien auf Kompromisse setzen, fordert ihre Partei oft Abschaffung statt Reform.
Wohnen: Sanieren, aufstocken, umwidmen
Für Nürnberg diagnostiziert Dietzsch vor allem eines: einen massiven Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Ihre Partei fordert:
mehr soziale und barrierefreie Wohnungen
Sanierung bestehender Wohnflächen
Aufstockung von Gebäuden
Umwandlung leerstehender Gewerbeflächen in Wohnraum
Auch Obdachlosigkeit versteht sie als politisches Versagen, dem mit mehr Unterkünften und niedrigschwelligen Hilfsangeboten begegnet werden müsse.
Bei der Finanzierung zeigt sich Dietzsch offen, aber ehrlich: Tiefe Einblicke in den städtischen Haushalt fehlten ihr noch. Einsparpotenziale sieht sie unter anderem beim Frankenschnellweg, dessen Kosten‑Nutzen‑Verhältnis sie kritisch bewertet.
Klimapolitik beginnt bei städtischen Gebäuden
Klimaschutz dürfe nicht abstrakt bleiben. Für Nürnberg bedeutet das aus Sicht der Partei:
klimaneutrale städtische Gebäude
Energieversorgung durch erneuerbare Quellen
deutlich mehr Grünflächen, besonders in der Innenstadt
Begrünung sei nicht nur Klimaschutz, sondern auch soziale Infrastruktur – Aufenthaltsqualität, Gesundheit und Abkühlung in heißen Sommern.
Verkehr: Kostenloser ÖPNV als Ziel
Langfristig fordert die Partei einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr. Kurzfristig sollen zumindest massive Preisreduzierungen und Anreizsysteme geschaffen werden, etwa Park‑and‑Ride‑Modelle nach Bamberger Vorbild.
Ziel ist eine Innenstadt, in der das Auto überflüssig wird – durch günstigen ÖPNV, schmalere Straßen, mehr Radwege und Grünflächen.
Tierschutz als kommunale Aufgabe
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist der Tierschutz auf lokaler Ebene – ein Feld, das in Kommunalwahlkämpfen oft randständig bleibt.
Taubenpolitik
Dietzsch kritisiert das Nürnberger Taubenfütterungsverbot scharf. Stadttauben seien keine Wildtiere, sondern vom Menschen gezüchtete und ausgesetzte Haustiere. Das Verbot führe nicht zu weniger Tieren, sondern zu Krankheit, Müllfraß und Kriminalisierung engagierter Bürgerinnen und Bürger.
Die Alternative:
flächendeckende Taubenhäuser
kontrollierte Fütterung
Eiertaustausch zur Bestandsregulierung
Tiergarten Nürnberg
Für den städtischen Tiergarten fordert die Partei mehr Transparenz: Herkunft der Tiere, Todesursachen, Weitergabe oder Tötung. Nur informierte Bürgerinnen und Bürger könnten entscheiden, ob sie diese Einrichtung unterstützen wollen.
Haustiere
Gefordert werden:
ein Hundeführerschein
verpflichtende Beratung vor der Tieradoption
langfristig ein Zuchtverbot zugunsten von Tierheimen
Tiere seien kein Lifestyle‑Produkt, sondern eine Verantwortung.
Inklusion vor Denkmalschutz?
Ein weiterer Schwerpunkt ist der öffentliche Raum. Dietzsch fordert konsequente Barrierefreiheit – auch bei denkmalgeschützten Gebäuden. Der Denkmalschutz dürfe nicht höher bewertet werden als der Zugang für Menschen mit Behinderungen oder Kinderwagen. Kleine bauliche Veränderungen seien legitim, wenn sie gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.
Politischer Stil: Klar, notfalls unbequem
Im Stadtrat will Dietzsch situationsabhängig arbeiten – kooperativ, wo möglich, kompromisslos, wo nötig. Kleine Parteien hätten trotz begrenzter Ressourcen einen Vorteil: Sie müssten kämpfen, um gehört zu werden. Dieser Einsatz schaffe Durchsetzungskraft.
Wann ist Nürnberg ein besserer Ort?
Für Dietzsch ist die Antwort eindeutig:
Wenn alle Menschen überall hinkommen, sicher leben können und niemand mehr obdachlos ist.
Ein politisches Ideal, das bewusst hoch angesetzt ist – und den Anspruch der Partei Mensch Umwelt Tierschutz gut zusammenfasst.




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