Zugunglück Spanien: Mindestens 68 Tote bei Kollision nahe Toledo
Das Wichtigste in Kürze
Zwei Hochgeschwindigkeitszüge sind am Mittwoch, 28. Oktober 2026, kurz vor 9 Uhr nahe Urda in der spanischen Provinz Toledo zusammengestoßen.
Mindestens 68 Menschen starben, mehr als 100 wurden verletzt; 53 von ihnen wurden zuletzt noch im Krankenhaus behandelt.
Verkehrsminister Óscar Puente nannte eine Entscheidung der Bahnleitstelle „unerklärlich“ und „falsch“; die Ursache untersucht die Unfallbehörde AITAT.
Ministerpräsident Pedro Sánchez hat eine dreitägige Staatstrauer bis Samstag, 31. Oktober, angeordnet.
Bei einem Zugunglück in Spanien sind nahe der Gemeinde Urda in der Provinz Toledo mindestens 68 Menschen ums Leben gekommen. Ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe fuhr am Mittwoch, 28. Oktober 2026, kurz vor 9 Uhr auf einen stehenden Zug des privaten Anbieters Iryo auf. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt. Die Zahl der Toten könnte noch steigen, berichten die Nachrichtenagenturen dpa und APA übereinstimmend.
Was ist beim Zugunglück in Spanien passiert?
Beide Züge waren auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Madrid nach Andalusien unterwegs, zusammen mit rund 540 Fahrgästen. Der Iryo-Zug war aus bisher ungeklärten Gründen stehen geblieben. Der nachfolgende Renfe-Zug fuhr ihm von hinten auf. Zwei Wagen des Iryo-Zugs und ein Waggon des Renfe-Zugs entgleisten und stürzten einen Bahndamm hinunter.
Die Unfallstelle liegt rund 130 Kilometer südlich von Madrid. Der staatliche Netzbetreiber Adif sperrte den Verkehr auf der Schnellfahrstrecke zwischen Madrid und Andalusien.
Wie viele Tote und Verletzte gibt es?
Nach Angaben der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha wurden mehr als 100 Menschen verletzt, 53 von ihnen wurden zuletzt noch im Krankenhaus behandelt, mehrere in kritischem Zustand. Die Einsatzkräfte arbeiteten in der Nacht mit Flutlicht weiter und wollten zwei schwer beschädigte Waggons mit Kränen anheben. Weitere Opfer in den Wracks wurden nicht ausgeschlossen.
Zur Identifizierung wurden DNA-Proben in Madrid, Toledo, Córdoba und Sevilla genommen. Angaben zu ausländischen Opfern lagen zunächst nicht vor. Ob Deutsche unter den Toten oder Verletzten sind, ist nicht bekannt.
Was ist über die Ursache des Zugunglücks bekannt?
Verkehrsminister Óscar Puente sprach von einer „unerklärlichen“ und „falschen“ Entscheidung der Bahnleitstelle. Nach seiner Darstellung funktionierte das automatische Zugsicherungssystem nach einem Computerausfall nicht; auf 63 Kilometern standen alle Züge. Dennoch habe der Renfe-Zug die Freigabe zur Weiterfahrt erhalten, während der Iryo-Zug noch stand. Zwischen den Zügen lagen demnach rund 25 Kilometer, die der Renfe-Zug in etwa 17 Minuten zurücklegte.
Polizei und die Unfallermittlungsbehörde AITAT haben einen Fahrdienstleiter befragt. Die AITAT hält Hypothesen zur Ursache noch für verfrüht. Ob menschliches Versagen vorliegt, soll die Untersuchung klären.
Wie reagiert die spanische Regierung?
Ministerpräsident Pedro Sánchez ordnete eine dreitägige Staatstrauer bis Samstag an und versprach umfassende Aufklärung: „Wir werden der Sache bis zum Ende nachgehen.“ Am Mittwochabend gab es landesweit um 20 Uhr Schweigeminuten.
Das Unglück trifft Sánchez rund einen Monat vor einer vorgezogenen Parlamentswahl. Oppositionsführer Santiago Abascal von der rechtsextremen Partei Vox machte die Regierung mitverantwortlich. Bei einer rechtsextremen Kundgebung mit rund 1.500 Teilnehmenden vor dem Verkehrsministerium in Madrid kam es zu Spannungen mit der Polizei. Die Lokführergewerkschaft Semaf hielt an einem bereits vor dem Unglück angekündigten Streik für mehr Sicherheit fest.
Einordnung: Es ist das zweite schwere Bahnunglück in Spanien innerhalb von neun Monaten. Im Januar 2026 waren bei Adamuz in Andalusien mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen, als zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidierten.
Kurz gefragt
Wo ist das Zugunglück in Spanien passiert?
Die Kollision ereignete sich nahe der Gemeinde Urda in der Provinz Toledo, rund 130 Kilometer südlich von Madrid, auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Madrid nach Andalusien.
Wie viele Tote gab es beim Zugunglück in Spanien?
Nach Angaben vom 29. Oktober 2026 starben mindestens 68 Menschen, mehr als 100 wurden verletzt. Die Behörden schließen nicht aus, dass die Zahl der Toten noch steigt.
Was offen ist
Warum der Iryo-Zug stehen blieb und wer die Weiterfahrt des Renfe-Zugs freigab, ist noch nicht geklärt.
Ob unter den Opfern Menschen aus Deutschland sind, ist nicht bekannt.
Wann die Schnellfahrstrecke zwischen Madrid und Andalusien wieder befahren werden kann, ist offen.
Weitere internationale Nachrichten finden Sie in der Rubrik Welt.
Grundlage: Bericht der Deutschen Presse-Agentur vom 29. Oktober 2026, Bericht der Tiroler Tageszeitung vom 29. Oktober 2026, Bericht von RTÉ/Reuters mit Angaben des Netzbetreibers Adif vom 28. Oktober 2026. Eigene Einordnung.
Titelbild: Ein Renfe-AVE (vorn) und ein Iryo-Zug im Bahnhof Sevilla-Santa Justa, Archivbild (2023) – Jon Worth / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY 2.0





Kommentare