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Hitzetote 2026: Mehr als 50.000 Todesfälle in Europas Städten

vor 2 Stunden
3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Forschende des Imperial College London und der London School of Hygiene & Tropical Medicine schätzen die Zahl der Hitzetoten in 854 europäischen Städten im Sommer 2026 auf mehr als 50.000.

  • Rund 65 Prozent dieser Todesfälle führen sie auf den menschengemachten Klimawandel zurück.

  • Für Deutschland nennt die Auswertung 6.340 hitzebedingte Todesfälle in den untersuchten Städten, nur in Italien, Frankreich und Spanien waren es mehr.

  • Fast ein Drittel der Todesfälle entfiel auf die Hitzewelle vom 17. Juni bis 1. Juli 2026.


Der Sommer 2026 war nach einer neuen Schätzung der tödlichste Hitzesommer in Europas Städten seit Beginn der Auswertungen. Forschende des Imperial College London und der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) kommen auf mehr als 50.000 hitzebedingte Todesfälle zwischen Juni und August 2026. Rund 65 Prozent davon, etwa 32.600 Todesfälle, wären nach ihrer Berechnung ohne den menschengemachten Klimawandel nicht eingetreten. Die Ergebnisse sind in zwei begutachteten Fachartikeln in der Zeitschrift „Nature Health“ erschienen.


Untersucht wurden städtische Gebiete in 30 Ländern, der Europäischen Union, Großbritannien, Norwegen und der Schweiz. Dort leben rund 173 Millionen Menschen, etwa 40 Prozent der Bevölkerung dieser Länder. Ländliche Regionen sind in der Auswertung nicht enthalten.


Wie viele Hitzetote gab es 2026 in Deutschland?

Deutschland gehört nach der Auswertung zu den fünf am stärksten betroffenen Ländern. Die Forschenden nennen diese Zahlen für die untersuchten Städte:


  • Italien: 13.303 Hitzetote

  • Frankreich: 7.268

  • Spanien: 6.824

  • Deutschland: 6.340

  • Großbritannien: 4.354


Wie viele der Todesfälle in Deutschland die Forschenden auf den Klimawandel zurückführen, geht aus den bisher veröffentlichten Angaben nicht hervor. Für Großbritannien sind es 2.535 der 4.354 Todesfälle.


Wen die Hitze besonders traf

Am stärksten betroffen waren ältere Menschen. Auf Menschen ab 85 Jahren entfielen nach der Schätzung 22.502 Todesfälle, das sind 45 Prozent. Rund 6.000 Todesfälle betrafen Menschen unter 65 Jahren. Fast ein Drittel aller Hitzetoten des Sommers entfiel auf die Hitzewelle vom 17. Juni bis 1. Juli 2026. In dieser Zeit lagen die Temperaturen in den untersuchten Städten im Mittel rund fünf Grad über dem Durchschnitt.


„Wir können mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass der Sommer 2026 der schlimmste seit Beginn der Aufzeichnungen war“, sagte Clair Barnes vom Imperial College laut der Deutschen Presse-Agentur. Pierre Masselot von der LSHTM sagte: „Es wird immer deutlicher, dass unsere Städte schlecht an die steigenden Temperaturen angepasst sind.“


Wie die Forschenden rechnen

Die Studie misst keine registrierten Todesfälle, sondern schätzt sie. Die Forschenden verbinden beobachtete Temperaturen mit Zusammenhängen zwischen Hitze und Sterblichkeit, die sie für jede Stadt und Altersgruppe aus Daten seit dem Jahr 2000 abgeleitet haben. Anschließend berechnen sie, wie viele Menschen in einem Klima ohne menschengemachte Erwärmung gestorben wären. Die Differenz gilt als dem Klimawandel zuzurechnen.


Der Anteil der Hitzetoten, den die Forschenden dem Klimawandel zuschreiben, ist deutlich gestiegen. Für das Jahr 2000 lag er nach einer früheren Arbeit desselben Teams bei 39 Prozent, für 2025 bei 68 Prozent. Für den Sommer 2025 hatte das Team in den 854 Städten rund 24.400 Hitzetote geschätzt. Für den Sommer 2022 nennen die Forschenden zum Vergleich rund 29.000.


Kritik an der Methode

Unabhängige Fachleute halten den Trend für belastbar, mahnen aber zur Vorsicht bei den absoluten Zahlen. David García García vom spanischen Mortalitätsüberwachungssystem MoMo am Instituto de Salud Carlos III wies gegenüber dem Science Media Centre Spanien darauf hin, dass es sich um Schätzungen auf Basis von Temperaturen und epidemiologischen Modellen handelt. Die gewählte Bezugstemperatur könne zu eher hohen Werten führen. Für Spanien liegt die Schätzung der Studie mit 6.824 Todesfällen rund 1.000 über dem Wert des nationalen Überwachungssystems.


Was offen ist

Ob Nürnberg zu den 854 untersuchten Städten gehört und welche Werte die Forschenden für die Stadt berechnet haben, geht aus den bisher veröffentlichten Angaben nicht hervor. Offen ist auch, wie sich die deutschen Todesfälle auf einzelne Städte verteilen und wie viele davon dem Klimawandel zugerechnet werden. Weitere Beiträge zu Klima und Umwelt finden Sie unter Gesellschaft – Umwelt.


Grundlage: Studien von Imperial College London und London School of Hygiene & Tropical Medicine in „Nature Health“ (Methodenstudie vom 14. Oktober 2026), Berichte des irischen Rundfunks RTÉ und der Deutschen Presse-Agentur vom 23. Oktober 2026, Einschätzungen des Science Media Centre Spanien, Analyse des Grantham Institute zum Sommer 2025. Eigene Einordnung.


Titelbild: Landoberflächentemperatur in Frankreich und Nordspanien während der Hitzewelle am 23. Juni 2026, Satellitenaufnahme Copernicus Sentinel-3 – European Union, Copernicus Sentinel-3 imagery / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY 4.0

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