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Frankreich-Proteste: Regierung ersetzt Parcoursup und gibt Milliarden

vor 11 Minuten
3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Frankreichs Regierung hat am Montag, 26. Oktober 2026, Zugeständnisse an die seit Wochen protestierenden Schülerinnen, Schüler und Studierenden angekündigt.

  • Die umstrittene Studienplatz-Plattform Parcoursup soll im Herbst 2028 ersetzt werden; bis dahin sollen Absagen begründet werden.

  • Für die Sanierung von Gymnasien gibt es bis 2030 vier Milliarden Euro an zinsvergünstigten Krediten für Kommunen, für Universitäten bis 2029 eine Milliarde Euro.

  • Vertreter der Protestierenden begrüßen die Ankündigungen, rufen aber zu weiteren Demonstrationen am Samstag und am 5. November auf.


Die französische Regierung geht auf zentrale Forderungen der Schul- und Studierendenproteste ein. Hochschulminister Philippe Baptiste und Bildungsminister Édouard Geffray kündigten am Montagabend, 26. Oktober 2026, an, die Hochschulzulassung über die Plattform Parcoursup im Herbst 2028 zu ersetzen, Milliarden für die Sanierung von Schulen und Universitäten bereitzustellen und Hunderte Lehrkräftestellen zu schaffen.


Die Proteste in Frankreich laufen seit Wochen. Begonnen haben sie an den Gymnasien, später schlossen sich Studierende an. Mitte Oktober eskalierten sie in mehreren Städten, mit Brandstiftung, Gewalt und Plünderungen.


Was die französische Regierung zugesagt hat

  • Parcoursup: Die Plattform für die Vergabe von Studienplätzen soll im Herbst 2028 ersetzt werden. Bis dahin soll das Verfahren transparenter werden, Absagen sollen künftig begründet werden.

  • Gymnasien: Bis 2030 stellt der Staat den Kommunen vier Milliarden Euro an zinsvergünstigten Krediten für die Instandsetzung bereit.

  • Universitäten: Bis 2029 sollen eine Milliarde Euro zusätzlich in Renovierungen fließen.

  • Personal: Laut Bildungsminister Geffray entstehen Hunderte Stellen für Lehrkräfte, geplante Stellenstreichungen werden zurückgenommen.


Was ist Parcoursup?

Parcoursup ist die landesweite Online-Plattform, über die sich Schulabgängerinnen und Schulabgänger in Frankreich um Studienplätze bewerben. Die Protestierenden kritisieren vor allem, dass die Auswahlkriterien nicht transparent seien und die Chancen bei der Vergabe ungleich verteilt würden. Womit die Regierung Parcoursup ab 2028 ersetzen will, geht aus den Berichten über die Ankündigung nicht hervor.


Warum Schüler in Frankreich protestieren

Auslöser der Proteste in Frankreich waren die Zustände an den Schulen. Die Schülerinnen und Schüler fordern mehr Geld für die Bildung, die Sanierung maroder Gebäude und Abhilfe beim Mangel an Lehrkräften. Mitte Oktober kamen Proteste gegen die hohen Lebenshaltungskosten hinzu, und weitere Bevölkerungsgruppen schlossen sich an. Am Rande friedlicher Demonstrationen kam es wiederholt zu Zusammenstößen mit der Polizei.


Wie der Staat auf die Ausschreitungen reagiert

Nach Angaben des französischen Innenministeriums, die die Nachrichtenagentur AFP wiedergibt, wurden im Zusammenhang mit den Protesten 1.435 Menschen festgenommen. Verletzt wurden demnach mehr als 150 Demonstrierende und 267 Polizeikräfte. Auf welchen Zeitraum sich diese Zahlen genau beziehen, geht aus den Berichten nicht eindeutig hervor. Am vergangenen Samstag verhinderte ein großes Polizeiaufgebot nach diesen Angaben eine Wiederholung der Ausschreitungen der Vorwoche.


Innenminister Laurent Nuñez kündigte an, dass Präfekten in Absprache mit den Bürgermeistern in gut einem Dutzend Städten örtliche Ausgangssperren verhängen können. Demonstrationen in den Stadtzentren bleiben verboten. Im Sender BFMTV sagte Nuñez, die Lage werde sich in den kommenden Tagen voraussichtlich nicht wesentlich von der bisherigen unterscheiden. Präsident Emmanuel Macron warnte bei einem Besuch in Marseille, auch der kommende Samstag könne gefährlich werden, und forderte, Demonstrationszüge fernab der Innenstädte abzuhalten.


Wie Fachleute die Zugeständnisse einordnen

Der Politikwissenschaftler Jacob Ross sagte dem ZDF: „Die Themen und Anliegen sind nicht vom Tisch“. Vom Deutsch-Französischen Institut hieß es im selben Bericht, die Regierung habe finanziell „absolut keine Spielräume“, die Forderungen zu erfüllen. Die Protestbewegung hat für Samstag, 31. Oktober, und für den 5. November weitere Proteste angekündigt, am 5. November zusammen mit einem Generalstreik.


Häufige Fragen

Wann wird Parcoursup abgeschafft?

Laut dem französischen Hochschulminister Philippe Baptiste soll Parcoursup im Herbst 2028 ersetzt werden. Bis dahin soll das Verfahren transparenter werden.


Wie viele Menschen wurden bei den Protesten in Frankreich festgenommen?

Nach Angaben des Innenministeriums, die AFP wiedergibt, wurden 1.435 Menschen festgenommen; mehr als 150 Demonstrierende und 267 Polizeikräfte wurden verletzt.


Wann sind die nächsten Proteste geplant?

Weitere Proteste sind für Samstag, 31. Oktober 2026, und für den 5. November geplant, dann zusammen mit einem Generalstreik.


Was offen ist

Offen ist, wie Frankreich die angekündigten Milliarden angesichts knapper Kassen finanzieren will und was an die Stelle von Parcoursup tritt. Ebenso unklar ist, ob die Zugeständnisse die Proteste beruhigen. Weitere Berichte aus dem Ausland finden Sie in der Rubrik Welt.

Grundlage: Berichte von ZDFheute und Handelsblatt (mit Material von dpa) sowie ein AFP-Bericht, alle vom 26. Oktober 2026. Eigene Einordnung.


Titelbild: Das Lycée Louis-le-Grand in Paris – Pline / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0

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