Serbien-Wahl: Studentenliste gewinnt, Vučić räumt Niederlage ein
Das Wichtigste in Kürze
Die oppositionelle Studentenliste hat nach Hochrechnungen die vorgezogene Parlamentswahl in Serbien am 25. Oktober 2026 gewonnen.
Aleksandar Vučić, Spitzenkandidat der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS), räumte die Niederlage noch am Wahlabend in Belgrad ein.
Die Wahlbeobachtungsorganisation CRTA sieht die Studentenliste bei 51,5 Prozent und die SNS bei 40,4 Prozent der Stimmen.
Die Wahlbeteiligung lag laut CRTA eine Stunde vor Schließung der Wahllokale bei 67,8 Prozent, deutlich über dem Wert der Wahl im Dezember 2023.
Serbien steht vor einem Machtwechsel. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am Sonntag, 25. Oktober 2026, hat nach übereinstimmenden Hochrechnungen die Studentenliste gewonnen, die aus der Protestbewegung der vergangenen beiden Jahre hervorgegangen ist. Aleksandar Vučić, der die serbische Politik seit 2012 in wechselnden Ämtern prägt, gestand die Niederlage seiner Serbischen Fortschrittspartei (SNS) am Sonntagabend vor seinem Wahlkampfteam in Belgrad ein.
Vučić berief sich dabei auf eine Hochrechnung, nach der die Studentenliste 135 bis 140 der 250 Sitze in der Nationalversammlung erhält. Für eine absolute Mehrheit sind 126 Sitze nötig; die Liste könnte damit allein regieren. Ein amtliches Endergebnis lag am Montagmorgen noch nicht vor.
Wie ist die Serbien-Wahl ausgegangen?
Die unabhängige Wahlbeobachtungsorganisation CRTA veröffentlichte am Wahlabend eine eigene Hochrechnung. Programmdirektor Raša Nedeljkov nannte auf einer Pressekonferenz 51,5 Prozent für die Studentenliste und 40,4 Prozent für die SNS. Nach dieser Hochrechnung schafft keine weitere Partei die Drei-Prozent-Hürde; für Listen nationaler Minderheiten gelten Ausnahmen.
Vučić selbst bezifferte nach Angaben des Senders Euronews die Stimmenzahl seiner Partei auf rund 1,72 Millionen und rechnete mit etwa 105 Sitzen für die SNS. Daneben nannte er Minderheitenlisten, darunter den Bund der Vojvodina-Ungarn (SVM), die einzelne Mandate erhalten dürften. Es handelt sich um Hochrechnungen; die Sitzverteilung kann sich bis zum amtlichen Ergebnis noch verschieben.
Wahlbeteiligung deutlich höher als 2023
Nach Angaben von CRTA hatten um 19 Uhr, eine Stunde vor Schließung der Wahllokale, 67,8 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt. Bei der Parlamentswahl im Dezember 2023 lag die Beteiligung am Ende bei 58,8 Prozent. Aufgerufen waren rund 6,4 Millionen Menschen.
Nach Bekanntwerden der Hochrechnungen feierten in Belgrad vor allem junge Menschen in der Innenstadt, Autokorsos fuhren hupend durch die Hauptstadt.
Wer steht hinter der Studentenliste?
Die Studentenliste ist aus den Protesten nach dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024 entstanden. Damals starben 16 Menschen. Kritiker machten Korruption und Nachlässigkeit der Regierung Vučić für das Unglück verantwortlich.
Angeführt wird die Liste von dem Kardiologen Ilija Srdanović aus Novi Sad. Auf ihr kandidieren überwiegend Hochschullehrende, Ärztinnen und Ärzte sowie Kunstschaffende, nicht Studierende. Die Bewegung hat keine Führungsgremien und entscheidet in Basisversammlungen. Ihr Programm umfasst elf Punkte: Wiederherstellung von Rechtsstaat und Demokratie sowie den Kampf gegen Korruption und Kriminalität.
Nach Angaben des ZDF versteht sich die Liste als Übergangsregierung. Fragen wie den EU-Beitritt, das Verhältnis zu Russland und den Umgang mit dem Kosovo hat sie bewusst offengelassen.
Warum Vučić die Wahl vorgezogen hatte
Vučić war Ende September als Staatspräsident zurückgetreten, um nach einem Wahlsieg Ministerpräsident werden zu können. Die Wahl galt deshalb als Abstimmung über seine Person und über das System, das er seit mehr als einem Jahrzehnt prägt. Kritiker werfen ihm Korruption und Verbindungen zur organisierten Kriminalität vor. Den Hintergrund zur Ausgangslage vor der Wahl hat The Nuremberg Times in einem Vorbericht vom 24. Oktober zusammengefasst.
Berichte über Unregelmäßigkeiten
CRTA meldete landesweit zahlreiche Hinweise auf Stimmenkauf und Einschüchterung von Wählerinnen und Wählern. In 48 Prozent der Wahllokale seien Stimmzettel fotografiert worden. Medien berichteten zudem von gewaltsamen Angriffen auf Wahlbeobachter und Journalisten. Ob diese Vorfälle das Ergebnis beeinflusst haben, ist offen.
Was bedeutet das Ergebnis für Serbiens Weg in die EU?
Serbien verhandelt seit 2014 über einen Beitritt zur Europäischen Union, in den vergangenen Jahren aber ohne nennenswerte Fortschritte. Beobachter führen das vor allem auf den Abbau demokratischer Standards unter Vučić zurück. Ob eine neue Regierung die Gespräche beschleunigt, hängt davon ab, wie sich die Studentenliste in der bislang offengelassenen EU-Frage positioniert. Weitere Berichte aus Europa und der Welt finden Sie in der Rubrik Welt.
Häufige Fragen
Wer hat die Wahl in Serbien 2026 gewonnen?
Nach Hochrechnungen hat die oppositionelle Studentenliste die Parlamentswahl vom 25. Oktober 2026 gewonnen. Die Wahlbeobachtungsorganisation CRTA sieht sie bei 51,5 Prozent, die SNS von Aleksandar Vučić bei 40,4 Prozent. Vučić hat die Niederlage eingeräumt.
Wie hoch war die Wahlbeteiligung in Serbien?
CRTA meldete um 19 Uhr, eine Stunde vor Schließung der Wahllokale, eine Beteiligung von 67,8 Prozent. Bei der Parlamentswahl im Dezember 2023 waren es am Ende 58,8 Prozent.
Wer führt die serbische Studentenliste an?
Spitzenkandidat ist der Kardiologe Ilija Srdanović aus Novi Sad. Die Liste entstand aus den Protesten nach dem Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024.
Was offen ist
Das amtliche Endergebnis der staatlichen Wahlkommission steht aus. Offen ist auch, wer für die Studentenliste Ministerpräsident werden soll, wie schnell eine Regierung gebildet wird und wie sich die Liste zu EU, Russland und Kosovo positioniert. Ob gegen das Ergebnis Einsprüche erhoben werden und wie die gemeldeten Unregelmäßigkeiten aufgearbeitet werden, ist ebenfalls noch nicht bekannt.
Grundlage: Berichte von ZDFheute und Keystone-SDA/swissinfo.ch vom 25. Oktober 2026, dpa/Tagesspiegel vom 26. Oktober 2026 und Euronews vom 25. Oktober 2026; Angaben der Wahlbeobachtungsorganisation CRTA nach diesen Berichten. Eigene Einordnung.
Titelbild: Das Haus der Nationalversammlung in Belgrad, Archivbild – kallerna / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0





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