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Wie funktioniert Kumulieren und Panaschieren? Ein Überblick zur Kommunalwahl in Nürnberg

Am 8. März 2026 findet in Bayern die nächste Kommunalwahl statt – auch in Nürnberg. Anders als bei Bundestags- oder Landtagswahlen haben Wähler:innen hier mehr als eine einzige Stimme: Sie können kumulieren und panaschieren, also Stimmen gezielt auf einzelne Kandidat:innen oder mehrere Listen verteilen. Wer versteht, wie diese Verfahren funktionieren, kann seinen Einfluss auf die Zusammensetzung des Stadtrates stärken. Im folgenden Überblick erläutern wir, wie Kumulieren und Panaschieren praktisch funktionieren, warum sie relevant sind – und worauf Sie beim Ausfüllen Ihres Stimmzettels in Nürnberg achten sollten.


1. Was heißt „Kumulieren“?

Der Begriff „Kumulieren” stammt vom lateinischen cumulus („Haufen“) und bezeichnet die Möglichkeit, bei Mehrstimmen-Personenwahlen mehreren Stimmen an eine einzelne Kandidatin oder einen einzelnen Kandidaten zu geben. 


Konkret bedeutet das bei der Kommunalwahl in Bayern:

  • Jede wahlberechtigte Person hat so viele Stimmen, wie Sitze im Gremium zu vergeben sind (z. B. im Stadtrat). Man kann einem einzelnen Bewerber bis zu drei Stimmen geben – also z. B. drei Kreuze bei einer Person. 

  • Damit kann man gezielt den Rang einer Person innerhalb einer Partei- oder Wählerliste verbessern.


Beispiel: Angenommen, eine Kandidatin steht auf Platz 10 einer Partei-Liste. Wer ihr drei Stimmen gibt, erhöht ihre Wahrscheinlichkeit, ein Mandat zu erlangen, gegenüber einer nur einfachen Stimmenvergabe.


2. Was heißt „Panaschieren“?

„Panaschieren“ bedeutet, die Stimmen nicht nur innerhalb einer Liste zu vergeben, sondern auf Kandidaten verschiedener Listen zu verteilen. 


Das heißt in der Praxis:

  • Sie wählen nicht nur Personen einer Partei A, sondern vergeben z. B. zwei Stimmen an einen Kandidaten von Partei A und eine Stimme an einen Kandidaten von Partei B.

  • Oder Sie verteilen viele Einzelstimmen quer über verschiedene Wählergruppen bzw. Parteien.


Diese Variante erlaubt größerer Vielfalt und individuelle Präferenzen über Listen-Zugehörigkeiten hinweg.


3. Die Kombination: Kumulieren und Panaschieren

Die beiden Verfahren lassen sich kombinieren: Man kann z. B. drei Stimmen einem Kandidaten geben (Kumulieren) und gleichzeitig weiteren Kandidaten auf anderen Listen Stimmen geben (Panaschieren).


Wichtig zu wissen: Wenn Sie eine Listenwahl (also einfach das Kreuz bei der gesamten Liste) vornehmen, dann gilt das für alle Kandidaten dieser Liste – jede:r erhält eine Stimme.  Wenn Sie jedoch gezielt kumulieren oder panaschieren möchten, sollten Sie nicht einfach das Kreuz bei der Liste setzen und daneben noch Einzelstimmen vergeben – das kann zu Fehlern führen und im Zweifel zur Ungültigkeit Ihres Stimmzettels beitragen. 


4. Was gilt konkret in Nürnberg/Bayern?

  • Im Freistaat Bayern gilt bei den Kommunalwahlen: Wähler:innen haben so viele Stimmen wie Sitze im jeweiligen Gremium (z. B. Stadtrat oder Gemeinderat). 

  • In Nürnberg hat der Stadtrat aktuell z. B. 70 Sitze. 

  • Somit könnten Sie theoretisch bis zu 70 Stimmen vergeben – diese Zahl darf aber nicht überschritten werden. 

  • Sie dürfen pro Kandidat bis zu drei Stimmen vergeben (Kumulieren). Und Sie dürfen Stimmen auf Kandidaten verschiedener Listen verteilen (Panaschieren). 


5. Bedeutung und Wirkung

  • Kumulieren und Panaschieren geben den Wähler:innen mehr Einfluss auf die individuelle Zusammensetzung des Gremiums – nicht nur auf die Verteilung der Parteien. 

  • Studien zeigen, dass durch Kumulieren und Panaschieren Kandidaten mit geringerer Listenplatzierung trotzdem Mandate gewinnen können. 

  • Jedoch: Wer die Mechanismen nicht versteht, riskiert, seinen Stimmzettel ungültig zu machen – z. B. durch Überschreiten der Stimmenzahl oder durch falsche Kombination von Listen- und Einzelkreuzen. 


6. Worauf sollten Sie beim Ausfüllen des Stimmzettels achten?

  • Prüfen Sie zunächst, wie viele Stimmen Ihnen insgesamt zur Verfügung stehen – in Nürnberg entspricht dies ungefähr der Zahl der Sitze im Stadtrat (z. B. 70).

  • Entscheiden Sie:

    • Möchten Sie einfach eine Liste unterstützen („Listenwahl“)? Dann setzen Sie ein Kreuz bei der Liste – keine weiteren Einzelkreuze.

    • Oder möchten Sie gezielt kandidieren: einzelnen Personen mehrere Stimmen geben (bis drei) oder Stimmen über Parteilisten hinweg verteilen – dann nutzen Sie Kumulieren und/oder Panaschieren.

  • Achten Sie darauf, dass Sie nicht mehr Stimmen vergeben, als Ihnen zustehen.

  • Wenn Sie kumulieren oder panaschieren, setzen Sie kein Kreuz bei der Gesamt­liste – sonst kann das Ihre Planung durcheinanderbringen.

  • Seien Sie sich bewusst: Eine falsche Kombination kann zur Ungültigkeit führen. Besonders beim Panaschieren besteht erhöhte Fehlergefahr. 


Kumulieren und Panaschieren sind mehr als nur technische Begriffe auf dem Stimmzettel: Sie öffnen Wahlrechten neue Gestaltungsmöglichkeiten und erlauben gezieltere Einflussnahme auf die Zusammensetzung von Stadträten und anderen kommunalen Gremien. Gerade in einer Stadt wie Nürnberg, wo zahlreiche Parteien und Wählergruppen antreten, kann Ihr persönliches Stimmverhalten den Unterschied machen. Wenn Sie über Ihre Stimmen bewusst entscheiden – und den Ablauf verstanden haben –, können Sie Ihre Wahlbeteiligung wirksam gestalten.


Nutzen Sie also Ihren Wahlzettel nicht nur als Pflicht, sondern als Chance: Ihre Stimmen könnten mehr bewegen, als Sie denken.

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