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Was entscheidet die Kommunalwahl in Nürnberg wirklich? Die 7 Streitfragen, die den Alltag prägen

Am 8. März 2026 wird in Bayern kommunal gewählt. Für Nürnberg heißt das: Die Stadt entscheidet neu, wer im Stadtrat Prioritäten setzt – und wer als Oberbürgermeister Verwaltung und politische Linie prägt. Der Stadtrat wird alle sechs Jahre gewählt und besteht aus 70 Mitgliedern; der Oberbürgermeister ist zusätzlich stimmberechtigt. 


Wer bei Kommunalwahl an „Lokalpolitik“ denkt, unterschätzt ihren Hebel. Denn Kommunen sind dort mächtig, wo Politik konkret wird: bei Kitas, Schulwegen, Bus-Takten, Bauprojekten, Gebühren und der Frage, wie sich eine Stadt an Hitze, Starkregen und demografische Veränderungen anpasst. Und sie sind dort eingeschränkt, wo Pflichtaufgaben und Finanzaufsicht die Spielräume eng ziehen.


Ein Blick auf den Nürnberger Haushalt zeigt, warum diese Wahl nicht nur über Stimmungen entscheidet, sondern über harte Prioritäten: Für 2026 plant Nürnberg Erträge von ca. 2,7 Milliarden Euro und Aufwendungen von ca. 2,8 Milliarden Euro. Die größten Blöcke sind Transferleistungen (rund 1,2 Mrd. Euro) sowie Personal- und Versorgungsaufwendungen (ca. 900 Mio. Euro). Geplant sind Investitionen von ca. 530 Mio. Euro (2026), über mehrere Jahre 2,3 Mrd. Euro (2026–2029), und eine erwartete Gesamtverschuldung der Kernstadt von rund 1,98 Mrd. Euro bis Ende 2026. 


Was folgt daraus? Sieben Konfliktlinien, an denen sich Wahlprogramme messen lassen – und die den Alltag in Nürnberg spürbar verändern.


1) Haushalt: Wofür reicht das Geld – und was wird gestrichen?

Die wichtigste kommunalpolitische Wahrheit lautet: Ohne Haushalt ist alles Meinung. Der Stadtrat beschließt, wo Nürnberg spart und wo es investiert – und ob die Stadt knappe Mittel in Pflichtaufgaben bindet oder Spielräume für Zukunftsprojekte schafft. Dass Nürnberg sparen muss, ist nicht nur ein politisches Narrativ: Laut Stadt wurde von der Regierung von Mittelfranken die Erarbeitung eines Haushaltskonsolidierungskonzepts verlangt; ein Einsparpaket von rund 30 Mio. Euro ab 2026 ist Teil des Plans. 


Wahlfrage dahinter: Welche Bereiche genießen Priorität, wenn gleichzeitig Defizite, Investitionsdruck und Konsolidierungsvorgaben gelten?


2) Wohnen und Stadtentwicklung: Neubau, Nachverdichtung – und für wen?

Kommunalpolitik entscheidet nicht allein über Mieten, aber sie steuert die Stellschrauben, die den Wohnungsmarkt in der Stadt prägen: Bauflächen, Bebauungspläne, Nachverdichtung, soziale Vorgaben, Infrastruktur für neue Quartiere. Ob Nürnberg schneller baut oder stärker bremst, ist keine abstrakte Debatte, sondern eine Frage von Verfahren, Flächennutzung und politischem Risiko.


Hier hilft ein nüchterner Blick auf den Rahmen: Die kommunale Selbstverwaltung ist verfassungsrechtlich garantiert – Gemeinden sollen „alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft … in eigener Verantwortung regeln“. Genau deshalb ist Stadtentwicklung ein Kernfeld der Kommunalwahl: Sie ist „örtliche Gemeinschaft“ in Reinform.


Wahlfrage dahinter: Setzt der Stadtrat auf Tempo (mehr Genehmigungen, mehr Verdichtung) – oder auf restriktivere Stadtentwicklung mit stärkerem Flächen- und Nachbarschaftsschutz?


3) Verkehr: Wem gehört die Straße – Auto, ÖPNV, Rad, Fuß?

Verkehrspolitik ist in Nürnberg längst nicht nur eine Frage neuer Linien oder Radwege, sondern eine Verteilungsfrage: Platz, Sicherheit, Tempo, Prioritäten. Kommunal entschieden wird, welche Projekte überhaupt geplant und finanziert werden – und wie Konflikte zwischen Wirtschaftsverkehr, Anwohnenden und Klimazielen gelöst werden.


Dass Mobilität ein Großthema ist, lässt sich auch statistisch greifen: Nürnbergs ÖPNV verzeichnete 2023 laut städtischer Statistik 204,7 Mio. Fahrgäste (in Tausend: 204.718) und eine Linienlänge von 619,2 km; gleichzeitig stieg die Zahl zugelassener Kraftfahrzeuge auf 300.467. 


Wahlfrage dahinter: Investiert Nürnberg stärker in ÖPNV-Attraktivität und sichere Rad-/Fußwege – oder priorisiert es Autoverkehr, Parkraum und Straßenkapazität?


4) Klima und Hitzeschutz: Anpassung wird zur Pflicht, nicht zur Kür

Klimapolitik auf kommunaler Ebene ist oft weniger „Weltrettung“ als Stadttechnik: Schatten, Entsiegelung, Grün, Wasserflächen, kühle Schulhöfe, hitzeresiliente Pflegeeinrichtungen. Dass Klimathemen auch in Nürnberg nicht abstrakt sind, zeigen Kennwerte aus der Stadtstatistik: 2023 lagen u. a. Sonnenscheindauer und Niederschlagshöhe deutlich über langjährigen Normen (je nach Kennzahl). 


Wahlfrage dahinter: Wird Klimaanpassung als Pflichtprogramm in allen Projekten mitgedacht (Bauen, Schule, Verkehr) – oder als separates „Umweltthema“ behandelt, das im Haushalt als erstes unter Druck gerät?


5) Schule, Betreuung, soziale Infrastruktur: Das teuerste Feld – und das sichtbarste

Ein Satz aus dem Nürnberger Haushaltsüberblick ist politisch brisant: Schulbau bleibt Schwerpunkt der Investitionen; im Mittelfristigen Investitionsplan werden u. a. große Vorhaben genannt. Solche Projekte sind teuer, langwierig und politisch heikel – und dennoch das Feld, an dem Bürgerinnen und Bürger Stadtpolitik am unmittelbarsten erleben: Kita-Platz, Ganztag, marode Gebäude, Fachkräftemangel.


Gleichzeitig zeigt der Haushalt, wie eng die Spielräume sind: Wenn Transferleistungen und Personal bereits den Großteil binden, wird jede Ausweitung sozialer Angebote zur Verteilungsfrage. 


Wahlfrage dahinter: Geht Nürnberg trotz Spardruck offensiv in Bildungs- und Betreuungsinvestitionen – oder setzt es stärker auf Konsolidierung und „Strecken“ von Projekten?


6) Sicherheit, Ordnung, Stadtraum: Sichtbarkeit vs. Ursachenpolitik

Kommunale Sicherheitspolitik findet weniger im Strafgesetzbuch statt als im Stadtraum: Beleuchtung, Sauberkeit, Präventionskonzepte, Sozialarbeit, Ordnungsdienst – und die Frage, wie konsequent Regeln im öffentlichen Raum durchgesetzt werden. Das ist oft ein kulturpolitischer Konflikt: Wessen Stadt ist das? Und wer definiert, was „Störung“ ist?


Wahlfrage dahinter: Setzt die Stadt stärker auf ordnungspolitische Präsenz – oder auf sozialpolitische Prävention und Stadtteilarbeit als Antwort auf Konflikte?


7) Demokratie vor Ort: Transparenz, Beteiligung – und die Rolle des OB

Der Oberbürgermeister ist nicht nur Gesicht der Stadt, sondern eine Schlüsselfigur der Machtbalance: Er leitet die Verwaltung, prägt die politische Agenda und sitzt stimmberechtigt im Stadtrat. Gerade in Zeiten knapper Kassen entscheidet das Zusammenspiel aus Verwaltungsvorlage, Mehrheiten und öffentlicher Kommunikation darüber, ob Politik als nachvollziehbar oder als „durchgedrückt“ wahrgenommen wird.


Wahlfrage dahinter: Wie transparent arbeitet die Stadtspitze? Wie früh werden Betroffene beteiligt? Und wie konfliktfähig ist die Stadtpolitik – ohne Vertrauen zu verspielen?


Orientierung statt Bauchgefühl: So nutzt ihr den Nürnberger Wahlnavigator

Genau an diesem Punkt setzen wir als The Nuremberg Times mit unserem Nürnberger Wahlnavigator an: Er soll Leserinnen und Lesern helfen, die sieben Streitfragen nicht nur zu lesen, sondern auf die eigene Lebensrealität zu beziehen – etwa Wohnen, Mobilität, Bildung oder Klima als persönliche Prioritäten zu gewichten und die Aussagen/Schwerpunkte der antretenden Listen daran zu spiegeln.


Wichtig (und journalistisch sauber): Der Wahlnavigator ersetzt keine Wahlentscheidung und ist keine Wahlempfehlung. Er ist ein Werkzeug, um Programme, Abstimmungsverhalten (wo dokumentiert), und öffentliche Positionierungen strukturierter zu vergleichen – und um sich gezielt die Fragen zu stellen, die im Stadtrat tatsächlich entschieden werden.


Fazit: Die Kommunalwahl entscheidet über Prioritäten – nicht über „alles“

Die Kommunalwahl in Nürnberg entscheidet nicht über Weltpolitik, aber über das, was Stadt ausmacht: Budgetprioritäten, Baustellen, Schulwege, Bus-Takte, Wohnquartiere, Grünflächen, Hitzeschutz. Und sie findet unter einem harten finanziellen Rahmen statt, der Entscheidungen erzwingt: 2,8 Milliarden Euro Aufwendungen, 530 Millionen Euro Investitionen, Konsolidierungsdruck – und wachsende Verschuldung. 


Wer wählen geht, wählt deshalb nicht nur Parteien, sondern eine Antwort auf die Kernfrage der nächsten Jahre: Wie steuert Nürnberg knappes Geld durch große Aufgaben – und wer setzt die Reihenfolge?


Was wird bei der Kommunalwahl in Nürnberg gewählt?

Der Nürnberger Stadtrat (70 Mitglieder) wird neu gewählt; außerdem wird der Oberbürgermeister direkt gewählt und ist im Stadtrat stimmberechtigt. 


Wann ist die Kommunalwahl 2026 in Bayern?

Am Sonntag, 8. März 2026


Warum ist der Haushalt so wichtig?

Weil der Haushalt festlegt, welche Projekte finanziert werden und wo gespart wird; Nürnberg plant 2026 rund 2,7 Mrd. Euro Erträge und 2,8 Mrd. Euro Aufwendungen. 

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