Vom Warenhaus zum Stadtquartier: Nürnberg startet nächsten Entwicklungsschritt im Kaufhof-Areal
- Kevin Kienle

- vor 2 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Nach Jahren des Leerstands und vielfältigen Zwischennutzungen hat die Stadt Nürnberg einen entscheidenden Schritt eingeleitet, um die Zukunft des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes in der Königstraße zu gestalten. In seiner Sitzung am 28. Januar 2026 hat der Stadtrat den Start eines mehrstufigen, strukturierten Auswahlverfahrens für eine dauerhafte Entwicklung des Areals beschlossen – ein Prozess, der die zentralen Altstadtflächen gemeinsam mit benachbarten Immobilien nachhaltig transformieren soll.
Vom Leerstand zur Zwischennutzung des Kaufhof-Gebäudes
Das Kaufhof-Gebäude, einst eine der zentralen Warenhausadressen in Nürnbergs Altstadt, schloss im Juni 2023 nach der erneuten Insolvenz des Warenhauskonzerns Galeria Kaufhof seine Pforten. Ein Jahr lang stand das markante Gebäude leer, bevor die Stadt Nürnberg es im Oktober 2024 übernahm – inklusive des angeschlossenen Parkhauses in der Breiten Gasse.
Seit Herbst 2025 pulsiert das Gebäude wieder: Auf Initiative der Stadt sind im Erdgeschoss und den Außenflächen verschiedene Zwischennutzungen entstanden. Dazu zählen ein Outlet-Store der Modegruppe Wöhrl, ein IKEA Pop-up-Store, der „WAS IST WAS“-Store des Tessloff-Verlags sowie Pop-ups weiterer Händler. Auch gastronomische Angebote – wie Beets & Roots, Sando und Sloe – sowie die UTN Science Lounge der Technischen Universität Nürnberg beleben den Standort.
Diese dynamische Belegung zeigt: Selbst nach jahrelangem Leerstand kann ein urbaner Standort wieder zur Attraktion werden – wenn er gezielt geöffnet und mit vielfältigen Angeboten bespielt wird. Die Erdgeschosse sind inzwischen vollständig genutzt, ein sichtbares Zeichen für die Attraktivität und das Potenzial der Innenstadtlage.
Neuer Planungsprozess: Strukturierter Auswahlprozess gestartet
Mit Blick auf eine langfristige Perspektive hat der Stadtrat Ende Januar 2026 beschlossen, ein strukturiertes Auswahlverfahren für nachhaltige Nutzungskonzepte zu starten. Anders als in früheren Phasen, in denen einzelne Nutzungsideen isoliert geprüft wurden, soll nun ein mehrstufiger Vergleich unterschiedlicher Konzepte stattfinden – von Investoren- und Nutzungsvorschlägen bis zur Bewertung ökonomischer, städtebaulicher und denkmalpflegerischer Kriterien.
In das Verfahren werden nicht nur das ehemalige Kaufhof-Gebäude einbezogen, sondern auch die benachbarten Umweltfaktoren wie City-Point, Zeughaus und Mauthalle, um Synergien im Quartier besser auszuschöpfen. Das Stadtportal betont, dass es dabei ausdrücklich nicht um eine vorschnelle Festlegung auf ein einzelnes Konzept geht, sondern um eine fundierte Entscheidungsbasis für den Stadtrat in einem späteren Schritt.
Bürgerbeteiligung und historische Dimension
Bereits in früheren Planungsphasen wurde die Öffentlichkeit einbezogen: Im Rahmen von Informations- und Beteiligungsformaten brachten über 1.000 Bürgerinnen und Bürger ihre Vorstellungen ein – von Markthalle-Ideen über Bildungsformate bis hin zu Kultur- und Freizeitnutzungen.
Das Gebäude selbst ist seit Oktober 2023 denkmalgeschützt, was die planerischen Anforderungen zusätzlich prägt. Mit seinem zentralen Zugang zur U-Bahn-Station Lorenzkirche ist der Standort nicht nur stadtgeschichtlich, sondern auch verkehrlich bedeutend.
Die Entwicklung des Kaufhof-Areal zeigt exemplarisch, wie Städte auf strukturelle Veränderungen im Einzelhandel reagieren: Leerstand kann städtische Räume nicht zwingend ersetzen, aber durch kreative Reaktivierung und strategische Planung neu definiert werden. Nürnberg setzt dabei auf einen schrittweisen, transparenten Auswahlprozess, der wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Aspekte verknüpft.
Ob am Ende ein Quartier mit Mischnutzungen, ein Bildungsstandort, ein Veranstaltungszentrum oder ein innovatives Stadtlabor entsteht, hängt von den nun folgenden Konzeptphasen ab. Klar ist: Mit dem strukturierten Auswahlverfahren hat Nürnberg die Weichen für eine urbane Zukunft des Areals gestellt – in enger Beobachtung der Bedürfnisse der Stadtgesellschaft und der ökonomischen Rahmenbedingungen.
Quelle Bild: Stadt Nürnberg




Kommentare