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VAG Nürnberg schafft Fahrkartenautomaten bis 2030 ab

Digital statt Automat: Der Protest gegen die VAG-Pläne verrät viel über Deutschlands Verhältnis zur Digitalisierung.

Die Nürnberger Verkehrs-Aktiengesellschaft (VAG) und der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) wollen den analogen Ticketverkauf bis 2030 auslaufen lassen – die Fahrkartenautomaten verschwinden, verkauft wird künftig digital. Als Gründe gelten hohe Betriebskosten und stark rückläufige Nutzungszahlen. Im Podcast „Echodialog by The Nuremberg Times" halten die Hosts Romy und Kevin den Schritt für überfällig, nehmen die Kritik daran aber ernst – und deuten den Aufschrei als Symptom einer Debattenkultur, die sie „Vetokratie" nennen.


Warum schafft die VAG die Fahrkartenautomaten ab?

Die Automaten kosten viel und leisten wenig: Wartung, Bargeldlogistik und Vandalismus verursachen laufende Ausgaben, während die Nutzung laut den im Podcast zitierten VAG-Daten stark sinkt. Parallel will der VGN seine Tarifstruktur vereinfachen; Mitte Juli 2026 wurden die Pläne öffentlich. Tickets soll es künftig vor allem digital geben, etwa über die VAG-App NürnbergMOBIL – und, so die Diskussion im Podcast, idealerweise auch kontaktlos per Kreditkarte, wie es Fahrgäste in Frankreich, den Niederlanden oder Japan längst kennen.


Die analoge Lücke: Wer ohne Smartphone zurückbleibt

Der Widerspruch ließ nicht auf sich warten. Ein Instagram-Beitrag der Nürnberger Nachrichten sammelte nach Angaben im Podcast binnen drei Tagen über 170 Kommentare – der Top-Kommentar: „die alten Leute, was machen die denn?" Die Sorge ist nicht abwegig: Rund zehn Prozent der Menschen in Deutschland, etwa acht Millionen, besitzen laut den im Gespräch genannten Zahlen kein Mobiltelefon; auf Nürnberg hochgerechnet wären das nach Romys Überschlag knapp 50.000. Auch Kinder ohne Smartphone werden angeführt – wobei Kevin einwendet, dass sie Tickets selten selbst kaufen und häufig Schülerkarten besitzen. Was die VAG für diese Gruppen konkret vorsieht, blieb im Gespräch offen.


Romy erkennt im Protest einen validen Kern: Der ÖPNV gehöre vollständig der öffentlichen Hand, „es ist kein beliebiges Unternehmen". „Wir müssen hier, denke ich, schon auch aufpassen, dass wir nicht der Digitalisierung alles unterordnen", sagt er – hält die Geräte aber zugleich für „ein Relikt vergangener Tage", vergleichbar mit Telefonzellen.


Vetokratie: Lähmt das Dagegensein den Fortschritt?

Für Kevin ist die Empörung Teil eines größeren Musters. Deutschland beklage seinen Rückstand – ob bei der Digitalisierung oder im Vergleich mit chinesischen Autoherstellern –, doch sobald sich etwas bewege, werde erneut protestiert: „Wieso? Wieso sind wir so?" Er könne die Einwände nachvollziehen, „so kommen wir auch nicht weiter". Romy liefert den Begriff dazu: Vetokratie beschreibt, bewusst zugespitzt, eine Demokratie, in der das Dagegensein an erster Stelle steht und Einsprüche große Konsensvorhaben verzögern, verteuern oder dauerhaft blockieren.


Wie das im Kleinen aussieht, illustriert Kevin mit einer Anekdote aus einem Verein: Weil eine Person einen weit verbreiteten Messengerdienst nicht installieren wollte, luden sich neun andere eine Alternative herunter. Die Grundsatzfrage dahinter stellt Romy: Versucht man, die eine Person noch mitzunehmen – oder muss man sie zurücklassen, wenn die Arbeit sonst ineffizient wird? Ein Dilemma, das sich, so Romy, „durchaus auch auf das Ticketsystem münzen" lasse.


Kreditkarte statt App-Zwang: Welche Alternativen bleiben

Am Ende steht ein Plädoyer fürs Weitermachen – mit Auflagen. „Wir müssen uns solche mutigen Entscheidungen zutrauen", sagt Romy, verlangt aber, „Lösungen zu finden, die etwas analoger sind als eine reine App-Lösung". Sein Favorit: das kontaktlose Kartenzahlen, für ihn „ein absoluter No-Brainer" – zumal Prepaid-Kreditkarten die Einstiegshürde senken. Kevin verweist auf durchweg gute Erfahrungen mit NürnbergMOBIL, über die auch Deutschlandticket und Leihräder laufen. Die Grundsatzdebatte dürfte bleiben: „Ich glaube, die Themen zur Vetokratie werden nicht aufhören in Deutschland."


Quelle Bild: Stadt Nürnberg / Ralf Schedlbauer

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