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Israel-Wahl: Netanjahu und Eisenkot vor knappem Rennen um die Knesset

vor 22 Stunden
3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • In Israel wird am Dienstag, 27. Oktober 2026, ein neues Parlament gewählt, die Knesset mit 120 Sitzen.

  • Laut aktuellen Umfragen, über die ZDFheute berichtet, kommt das Lager von Herausforderer Gadi Eisenkot auf 53 Sitze, das von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf 50.

  • Eine eigene Mehrheit erreicht damit keines der beiden Lager.

  • Kurz vor der Wahl hat Israel nach einem tödlichen Angriff nahe Hebron Teile des Westjordanlands abgeriegelt.


Israel wählt am Dienstag, 27. Oktober 2026, eine neue Knesset – und nach den jüngsten Umfragen deutet vieles auf ein knappes Ergebnis ohne klare Mehrheit hin. Das Lager des früheren Generalstabschefs Gadi Eisenkot liegt laut ZDFheute bei 53 der 120 Sitze, das Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei 50. Für eine Regierungsmehrheit sind 61 Sitze nötig.


Die Wahl fällt in eine angespannte Lage: Nach einem Angriff auf einen Kontrollpunkt nahe Hebron, bei dem zwei israelische Soldaten getötet wurden, ließ Netanjahu Hebron abriegeln. In Tel Aviv demonstrierten am Samstag Tausende Menschen gegen seine Regierung.


Wer tritt bei der Israel-Wahl 2026 gegeneinander an?

Im Zentrum steht das Duell zwischen dem amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Gadi Eisenkot. Welches Institut die von ZDFheute genannten Umfragewerte erhoben hat, geht aus dem Bericht nicht hervor.


Weil keines der beiden Lager auf eine Mehrheit kommt, rücken mögliche Partner in den Blick. Rund 20 Prozent der Wahlberechtigten sind arabische Israelis. Beide großen Lager schließen eine Zusammenarbeit mit arabischen Parteien bislang aus. Der Nahost-Experte Jan Busse von der Universität der Bundeswehr München hält sie dennoch für ein mögliches „Zünglein an der Waage“. Eine Koalition mit orthodoxen Parteien gilt wegen des Streits um Ausnahmen vom Wehrdienst für ultraorthodoxe Juden als schwierig. Eine große Koalition aus Netanjahu und Eisenkot wird laut ZDFheute diskutiert, gilt aber als unwahrscheinlich.


Was ist im Westjordanland passiert?

Am Freitagmorgen, 23. Oktober 2026, eröffneten zwei Angreifer an einem Kontrollpunkt nahe Hebron das Feuer. Zwei Soldaten im Alter von 20 und 23 Jahren wurden getötet, drei weitere verletzt. Die beiden mutmaßlich palästinensischen Angreifer wurden erschossen. Die Hamas begrüßte die Tat, bekannte sich aber nicht dazu.


Netanjahu wies Militär und Sicherheitskräfte an, Hebron abzuriegeln. Nach Angaben der Armee sind Hebron und Halhul abgeriegelt, Bewohner dürfen das Gebiet nach einer Befragung über drei Ausgänge verlassen. Der Einsatz soll mehrere Tage dauern. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich laut seinem Sprecher „zutiefst besorgt“ über die Abriegelung sowie über Hausabrisse und mögliche Vertreibungen. Finanzminister Bezalel Smotrich forderte dagegen eine Militäroffensive im Westjordanland.


Warum demonstrieren Israelis gegen Netanjahu?

In Tel Aviv gingen am Samstagabend, 24. Oktober 2026, Tausende Menschen gegen die Regierung auf die Straße. Aufgerufen hatte der Oktober-Rat, eine Gruppe von Angehörigen von Getöteten und Geiseln des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023. Die Gruppe wirft der Regierung vor, den Angriff nicht verhindert zu haben. „Wir vergessen nicht, wir vergeben nicht“, skandierten die Demonstrierenden nach Angaben des ORF.


Für Kritik sorgte zudem ein KI-generiertes Video, das Netanjahu auf der Plattform X veröffentlicht und inzwischen gelöscht hat. Es zeigte Eisenkot mit seinem im Gaza-Krieg gefallenen Sohn. Busse nannte das Video im ZDF „hochgradig problematisch“.


Was würde sich unter Eisenkot ändern?

Nahost-Experte Busse erwartet bei einem Machtwechsel keine grundlegende Wende in der Palästinenserpolitik. Das Leben der Palästinenser würde sich nach seiner Einschätzung eher „nicht mehr ganz so unerträglich“ gestalten – das sei „völlig unzureichend“, aber „besser als nichts“. Zur Lage im Westjordanland sagte Busse: „Wir haben eine massive Eskalation der Gewalt durch die militanten Siedler.“


Was offen ist

Wer nach der Wahl eine Regierung bilden kann, ist offen und dürfte von langwierigen Koalitionsgesprächen abhängen. Unklar ist auch, ob Eisenkot im Fall eines knappen Ergebnisses von seiner Absage an arabische Parteien abrückt. Wie lange die Abriegelung von Hebron andauert, haben die israelischen Behörden nicht mitgeteilt.


Weitere Berichte aus aller Welt finden Sie in der Rubrik Welt.


Grundlage: Berichte von ZDFheute vom 23. Oktober 2026 („Kommt der Machtwechsel in Israel?“) und 24. Oktober 2026 („Israel startet Militäreinsatz nach tödlichem Angriff“) mit Angaben von israelischer Armee, Schin Bet und Vereinten Nationen; Bericht des ORF vom 24. Oktober 2026. Eigene Einordnung.

Titelbild: Das Knesset-Gebäude in Jerusalem, Archivbild (2022) – Clema12 / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0

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