Albanien: Proteste gegen Edi Rama gehen in den fünften Tag
Das Wichtigste in Kürze
In Albanien protestieren Studierende und Schüler seit Dienstag, 13. Oktober 2026, gegen die Zustände an den Hochschulen und fordern den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama; am Samstag, 17. Oktober, gingen die Proteste in den fünften Tag.
In der Hauptstadt Tirana setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein; Demonstrierende warfen Steine und errichteten brennende Barrikaden.
Nach einem Bericht des Schweizer Rundfunks SRF wurden bis Donnerstag in Tirana fast 100 Polizisten verletzt und mehr als 100 mutmaßliche Randalierer festgenommen.
Rama lehnt einen Rücktritt ab.
Die Proteste in Albanien gegen die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama halten an: Am Samstag, 17. Oktober 2026, kam es in Tirana den fünften Tag in Folge zu Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und der Polizei, wie der Sender Euronews berichtet. Getragen werden die Proteste vor allem von Studierenden und Schülern. Sie richten sich gegen Missstände im Hochschulwesen und hohe Studienkosten und verlangen inzwischen den Rücktritt der Regierung.
Nach Angaben von Euronews forderte die Polizei die Menge zunächst per Lautsprecher zum Gewaltverzicht auf und setzte dann Tränengas und Wasserwerfer ein. Demonstrierende bewarfen die Beamten mit Steinen und zündeten Müllcontainer an, um Barrikaden zu errichten. Für Samstagabend war eine weitere große Kundgebung angekündigt.
Warum protestieren die Studierenden in Albanien?
Auslöser sind die Lage an den Universitäten und die Kosten des Studiums. Laut dem Sender Al Jazeera beklagen Studierende seit Monaten hohe Ausbildungskosten und schlechte Berufsaussichten nach dem Abschluss. Der Schweizer Rundfunk SRF nennt zudem Korruption als Thema. Die Demonstrierenden werfen der Regierung nach Angaben von Euronews vor, junge Menschen aus dem Land zu drängen.
Die Forderungen gehen inzwischen deutlich über die Bildungspolitik hinaus. Laut SRF verlangen Teile der Bewegung ein Ende des Zwei-Parteien-Systems, das seit Jahrzehnten von denselben zwei Männern dominiert werde. Von der größten Oppositionspartei grenzen sich die Studierenden demnach ab.
Wie gewaltsam sind die Proteste?
Die Proteste waren zuletzt von schweren Ausschreitungen begleitet. Nach Angaben von Al Jazeera wurden in Tirana mehrere Gebäude in Brand gesetzt, darunter der Amtssitz des Ministerpräsidenten, Ministeriumsgebäude und Filialen mehrerer Banken. Laut SRF wurden innerhalb von zwei Tagen fast 100 Polizisten verletzt und mehr als 100 mutmaßliche Randalierer festgenommen (Stand: 15. Oktober 2026). Das Parlament verschob wegen der Gewalt eine geplante Plenarsitzung auf die kommende Woche.
Die Proteste haben sich auf weitere Städte ausgeweitet. Berichtet wird unter anderem aus Durrës, Korça, Lushnja, Elbasan und Shkodër. In Lezha und Durrës nahm die Polizei nach Angaben von Euronews Dutzende Menschen fest. Eine Gesamtzahl der Teilnehmenden, der Verletzten und der Festnahmen liegt nicht vor.
Wie reagiert Edi Rama?
Edi Rama, seit 2013 Ministerpräsident Albaniens, lehnt einen Rücktritt ab. Nach Angaben von Euronews erklärte er am Samstagmorgen, er sehe es als seine Pflicht, die Bürger zu schützen und für Gerechtigkeit zu sorgen; seine Regierungsmehrheit habe sich zum Ziel gesetzt, Albanien bis 2030 in die Europäische Union zu führen. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte Rama laut Al Jazeera, im vergangenen Jahr habe es Wahlen gegeben, keine Revolution.
Auch aus Ramas Sozialistischer Partei kommt Kritik. Die Abgeordnete und frühere Außenministerin Eliza Spiropali wandte sich laut Euronews mit einem persönlichen Brief an den Regierungschef: „Diese Krise lässt sich nicht aus Büros heraus lösen“, schrieb sie demnach. Die 25-jährige Abgeordnete Marjana Koceku trat laut SRF aus der Partei aus.
Die Vorgeschichte der Proteste
Die aktuellen Proteste stehen in einer Reihe mit früheren Demonstrationen. Seit Juni mobilisiert die sogenannte Flamingo-Bewegung gegen ein umstrittenes Luxusprojekt auf der Insel Sazan in einem Naturschutzgebiet; im Sommer gingen laut SRF zeitweise Zehntausende in Tirana auf die Straße. Die Flamingo-Bewegung hat sich den jetzigen Protesten angeschlossen.
Einordnung: Bereits im Dezember 2018 hatten Studierendenproteste wegen der Kosten des Studiums Rama unter Druck gesetzt. Er entließ damals nach Angaben von Al Jazeera acht Minister; einige Forderungen der Studierenden blieben unerfüllt. Albanien hat im Beitrittsprozess zur Europäischen Union nach Einschätzung von Al Jazeera nach Montenegro die größten Fortschritte gemacht; viele Bürgerinnen und Bürger seien jedoch über das langsame Tempo frustriert.
Was offen ist
Ob die Regierung den Studierenden Gespräche anbietet, ist offen; laut SRF zeigte sie bisher keine Bereitschaft zum Dialog, betont aber das Recht auf Protest. Unklar ist auch, ob Studierende und Flamingo-Bewegung dauerhaft gemeinsam auftreten. Die nächste Bewährungsprobe für Ramas Partei sind laut SRF die Lokalwahlen im kommenden Frühjahr. Weitere internationale Nachrichten finden Sie unter nbtimes.de/welt.
Grundlage: Berichte von Euronews vom 17. Oktober 2026, SRF vom 15. Oktober 2026 und Al Jazeera vom 15. Oktober 2026. Eigene Einordnung.
Titelbild: Archivbild (2019): Der Skanderbeg-Platz im Zentrum von Tirana – albinfo / Wikimedia Commons, gemeinfrei (CC0)





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