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Nürnbergs Wasser: Ein Drittel kommt von der Donau

Der Deutsche Wetterdienst hat für Franken die zweithöchste Hitzewarnstufe ausgegeben. Für Dienstag gilt zwischen 11 und 19 Uhr eine Warnung vor extremer Hitze; die Lufttemperaturen sollen 30 bis 36 Grad erreichen, die gefühlte Temperatur über 38 Grad steigen. Ab Mittwoch erwartet der DWD mit westlicher Strömung Abkühlung auf rund 26 Grad.


Zeitgleich ist in München die Allgemeinverfügung zur Wassernutzung ausgelaufen – jenes Bündel an Verboten, mit dem die Landeshauptstadt seit Mitte Juli auf den Verbrauch reagiert hatte. Am Montag kritisierte die Stadtratsfraktion ÖDP/Bündnis Kultur/München-Liste diesen Schritt als verfrüht.


Nürnberg hat nie eine solche Verfügung erlassen. Nach Angaben des städtischen Referats für Umwelt und Gesundheit, die nordbayern.de Ende Juli veröffentlichte, reichen Trink- und Grundwasser weiterhin aus, um den Bedarf zu decken. Ein Sprecher erklärte zugleich, Trinkwasser werde in Zeiten abnehmender Niederschläge in Teilen Frankens zunehmend zum knappen Gut.


Was München verboten hatte

Die Verfügung galt ab dem 14. Juli und war bis zum 1. August befristet. Untersagt war die Entnahme von Wasser zum Befüllen und Betreiben privater Pools, Springbrunnen und Wasserspiele. Die Bewässerung von Gärten war zwischen 9 und 19 Uhr verboten, ausgenommen Tropfbewässerung sowie land- und forstwirtschaftliche Flächen. Das Gießen und Beregnen von Rasen- und sonstigen Grünflächen war ganztägig untersagt – hier galt eine Ausnahme nur für Sportplätze.


Hinzu kamen ein Verbot der Fahrzeugwäsche außerhalb gewerblicher Anlagen, ein Verbot des Befeuchtens von Baustellen zur Staubminderung, ein Verbot des Abspritzens von Terrassen und Straßen sowie ein weitgehendes Verbot der Entnahme aus Oberflächengewässern, von dem lediglich das Schöpfen von Hand und die landwirtschaftliche Nutzung ausgenommen waren. Verstöße konnten mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro geahndet werden.


Anlass war der Verbrauch. Im Mittel gibt München rund 300 Millionen Liter Trinkwasser pro Tag ab. Zum Zeitpunkt des Erlasses lag der Wert bei über 360 Millionen Litern, zuvor hatte er Spitzen von über 400 Millionen Litern erreicht. Oberbürgermeister Dominik Krause erklärte damals: "Der Wasserverbrauch ist in den vergangenen Tagen wieder deutlich angestiegen. Wasser ist unser kostbarstes Lebensmittel, lassen Sie uns damit sorgsam umgehen."


Warum die Verbote endeten – und warum das kritisiert wird

Am 30. Juli teilte die Stadt mit, sie werde die Verfügung nicht verlängern. Die Stadtwerke München bewerteten die Grundwassersituation als weiterhin angespannt, aber auf beherrschbarem Niveau; zudem sei mit Ferienbeginn ein deutlicher Verbrauchsrückgang zu erwarten. Nach Erlass der Verfügung war der Verbrauch auf durchschnittlich 330 Millionen Liter täglich gesunken.


Krause verband die Aufhebung mit einer Einschränkung: "Der sparsame Umgang mit Trinkwasser bleibt aber weiter wichtig, denn die hohen Temperaturen und die anhaltende Trockenheit stellen nach wie vor eine Belastung dar." SWM-Geschäftsführungsvorsitzender Florian Bieberbach ergänzte: "Unsere Hangquell- und Grundwasserfassungen weisen aufgrund der viel zu geringen Niederschläge nach wie vor nur ein niedriges Wasserangebot auf."


Genau daran setzt die Kritik an. Nach Berichten der Abendzeitung fordert die Fraktion ÖDP/Bündnis Kultur/München-Liste, die Beschränkungen wieder in Kraft zu setzen und zu verschärfen. Fraktionschef Tobias Ruff wird mit dem Satz zitiert: "Die Dürre macht keine Sommerferien." Ein vorübergehend geringerer Verbrauch fülle die Grundwasservorräte nicht wieder auf. Die Fraktion verweist zudem auf ein Fischsterben im Hüllgraben.


Die Auseinandersetzung ist eine Münchner – aber die Frage dahinter stellt sich in jeder bayerischen Kommune: Ab wann greift man ein, und woran erkennt man, dass man wieder aufhören kann?


Nürnbergs Wasser: zwei Drittel Franken, ein Drittel Donau-Lech-Dreieck

Die Nürnberger Versorgung ist anders aufgebaut als die Münchner. Rund 70 Prozent des Trinkwassers gewinnt die N-Ergie nach eigenen Angaben aus eigenen Wasserwerken. Das größte Gewinnungsgebiet ist Erlenstegen/Eichelberg im Pegnitztal mit fast 100 Brunnen. Hinzu kommen die Gebiete Ranna I und II im Veldensteiner Forst, Krämersweiher mit vier Tiefbrunnen bis in 148 Meter Tiefe sowie Ursprung mit 18 Brunnen.


Die verbleibenden 30 Prozent liefert der Zweckverband Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum über eine Fernleitung aus Genderkingen im Donau-Lech-Dreieck. Dort fördern drei Horizontalfilterbrunnen aus zwölf Metern Tiefe.


Die durchschnittliche Tagesabgabe liegt bei rund 95.000 Kubikmetern und kann sich an heißen Tagen nahezu verdoppeln. Während der Hitzewelle im Juni 2026 erreichten die Verbrauchsspitzen laut der Berichterstattung von nordbayern.de das Niveau des Ausnahmesommers 2018.


Die Fernleitung ist nicht die einzige Verbindung zwischen dem wasserreicheren Süden und dem trockeneren Norden Bayerns. Nach Angaben des bayerischen Umweltministeriums werden über den Main-Donau-Kanal und das Fränkische Seenland jährlich rund 150 Millionen Kubikmeter Wasser von Süd nach Nord übergeleitet; sie stützen in Trockenphasen die Regnitz und den Main. Diese Überleitung dient der Gewässerstützung, nicht der Trinkwasserversorgung.


Der Freistaat meldet für Nordbayern 69 Prozent des normalen Niederschlags

Der Niedrigwasser-Lagebericht des Freistaats vom 17. Juli – der zum Zeitpunkt der Recherche aktuellste abrufbare – weist für das laufende Abflussjahr ein bayernweites Niederschlagsdefizit von 32 Prozent aus. Für Nordbayern nennt der Bericht eine Niederschlagssumme von 385 Millimetern, das sind 69 Prozent des Mittels der Jahre 1971 bis 2000.


Beim Grundwasser zeigen 80 Prozent der oberflächennahen Messstellen und Quellen niedrige Verhältnisse; 53 Prozent werden als "sehr niedrig" eingestuft. Bei den tieferen

Grundwasserstockwerken sind es 74 Prozent, wobei der mittelfränkische Sandsteinkeuper nach Darstellung des Berichts besonders betroffen ist. Rund die Hälfte der Pegel liegt unter dem langjährigen Niedrigwassermittel.


Die Prognose fiel eindeutig aus: Die folgenden vier Wochen seien zu warm und überwiegend zu trocken zu erwarten, mit einer weiteren Hitzewelle sei zu rechnen, die Niedrigwasserlage werde sich verschärfen.


Bundesweit über 80 Kommunen mit Auflagen – aus Bayern nur München

Eine bundesweite Übersicht vom 30. Juli zählt mehr als 80 Landkreise, Städte und Wasserversorger, die Entnahmeverbote verhängt, Bewässerungsauflagen erlassen oder zum Wassersparen aufgerufen haben. Schwerpunkte liegen in Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Aus Bayern führt die Aufstellung allein München auf.


Für die mittelfränkischen Landkreise ließen sich in den ausgewerteten Quellen keine entsprechenden Verfügungen belegen. Wie viele Kommunen der Region unterhalb der Verbotsschwelle zur Sparsamkeit aufrufen, geht aus den vorliegenden Übersichten nicht hervor.


Was passieren müsste, damit auch Nürnberg eingreift

Das Verfahren ist gestuft. Sollte das Wasser in Nürnberg knapp werden, würde die Wasserbehörde nach Darstellung der Stadt zunächst zum Sparen aufrufen. Erst danach kämen behördliche Anordnungen oder Verbote der privaten Wassernutzung in Betracht – also jene Instrumente, die München im Juli eingesetzt hat.


Ab welchem Verbrauchs- oder Pegelwert diese Schwelle erreicht wäre, hat die Stadt nicht beziffert. Eine eigene Mitteilung der Stadt Nürnberg zur Wasserlage ließ sich für Juli und August 2026 nicht auffinden. Ob die aktuelle Hitzeepisode eine Neubewertung auslöst, ist offen.


Die Stadt setzt bislang auf Hitzeschutz, nicht auf Wasserrecht

Wo Nürnberg handelt, geht es um die Folgen der Hitze für Menschen, nicht um die Ressource. Der städtische Hitzeaktionsplan wurde 2022 in den Ausschüssen für Umwelt und Gesundheit beschlossen und wird jährlich fortgeschrieben. Er umfasst 16 akute Maßnahmen, darunter ein Hitzetelefon des Seniorenamts, das ab 30 Grad geschaltet wird, die Zusammenstellung von Cooling Centern, Maßnahmen in Pflegeeinrichtungen und Kitas sowie die Versorgung mit Trinkwasser im öffentlichen Raum. In der Altstadt stehen fünf Trinkbrunnen.


Im Juli beantragte die Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen–Volt, feste Wasservernebler an stark frequentierten Plätzen und Haltestellen zu prüfen, etwa an der Königstraße, am Melanchthonplatz sowie an Plärrer und Aufseßplatz. Bislang setzt die Stadt ein mobiles Gerät ein, das in diesem Jahr unter anderem beim Villa-Leon-Fest und beim Südstadtfest im Annapark aufgebaut wurde. Das Referat für Umwelt und Gesundheit prüft die Forderung. Die Fraktion betonte in ihrem Antrag zugleich, ein sparsamer und verantwortungsvoller Umgang mit Wasser bleibe unerlässlich.


Der Zielkonflikt ist damit benannt: Kühlung im öffentlichen Raum verbraucht genau die Ressource, deren Knappheit sie mit erträglich macht.


Seit Januar gilt ein neues Wassergesetz

Zum 1. Januar 2026 ist in Bayern eine Novelle des Wassergesetzes in Kraft getreten. Sie schreibt den Vorrang der öffentlichen Trinkwasserversorgung vor allen anderen Nutzungen gesetzlich fest. Umweltminister Thorsten Glauber formulierte es bei der Vorstellung so: "Die öffentliche Trinkwasserversorgung muss immer Vorrang vor allen anderen Nutzungen haben." Eine Meldepflicht bei der Übertragung von Wasserentnahmerechten soll verhindern, dass Grundwasser kommerzialisiert wird; eine Privatisierung werde es in Bayern nicht geben, so Glauber.


Zugleich führt die Novelle ein Wasserentnahmeentgelt ein, den sogenannten Wassercent: einheitlich zehn Cent je Kubikmeter Grundwasser bei einem Freibetrag von 5.000 Kubikmetern, nach Berechnung des Ministeriums rund fünf Euro pro Kopf und Jahr. Der Freistaat erwartet Einnahmen von etwa 70 Millionen Euro jährlich. Erhoben wird seit dem 1. Juli 2026.

Praktische Wirkung entfaltet der gesetzliche Vorrang allerdings erst im Konfliktfall – wenn Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Industrie und Gewässerschutz gleichzeitig auf dieselben Reserven zugreifen. Genau diese Konstellation beschreibt der Niedrigwasserbericht für weite Teile Bayerns.


Faktenkasten: Nürnbergs Trinkwasser in Zahlen

  • 70 Prozent aus eigenen Wasserwerken der N-Ergie: Erlenstegen/Eichelberg im Pegnitztal (fast 100 Brunnen), Ranna I und II, Krämersweiher (vier Tiefbrunnen), Ursprung (18 Brunnen)

  • 30 Prozent über eine Fernleitung des Zweckverbands Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum aus Genderkingen (drei Horizontalfilterbrunnen)

  • rund 95.000 Kubikmeter durchschnittliche Tagesabgabe; an heißen Tagen nahezu das Doppelte

  • Juni 2026: Verbrauchsspitzen auf dem Niveau von 2018

  • Eskalationsstufen: Sparappell → behördliche Anordnung → Verbot privater Wassernutzung

  • Hitzeaktionsplan: seit 2022, 16 akute Maßnahmen, Hitzetelefon ab 30 Grad, fünf Trinkbrunnen in der Altstadt

  • Bayern (Stand 17. Juli 2026): 32 Prozent Niederschlagsdefizit im laufenden Abflussjahr; Nordbayern 385 mm bzw. 69 Prozent des Mittels 1971–2000


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