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Nürnberg-Wahl 2026: Nasser Ahmed setzt im Stichwahlkampf auf Wohnen, Bildung und eine „Stadt der Chancen“

Ein Wahlkampf um Prioritäten

Im Rennen um das Nürnberger Oberbürgermeisteramt stellt SPD-Kandidat Nasser Ahmed den politischen Kurs der Stadt grundsätzlich zur Debatte. Vor der Stichwahl argumentiert er, Nürnberg müsse seine knappen finanziellen Ressourcen stärker auf soziale Infrastruktur konzentrieren – insbesondere auf bezahlbaren Wohnraum, Bildung und eine grünere Stadtentwicklung. Prestigeprojekte hingegen seien in Zeiten knapper Kassen nicht mehr zu rechtfertigen. 


Ahmed war im ersten Wahlgang auf Platz zwei gelandet und tritt nun gegen den amtierenden CSU-Oberbürgermeister Markus König an. Dass es überhaupt zur Stichwahl kam, wertet er als politisches Signal: Viele Nürnbergerinnen und Nürnberger wollten eine andere Schwerpunktsetzung in der Stadtpolitik. 


Sein zentrales Wahlversprechen formuliert Ahmed in einfachen Begriffen: Nürnberg müsse „bezahlbar werden, grüner werden und für alle funktionieren“. 


Drei Kernfelder: Wohnen, Bildung, Stadtentwicklung

Im Zentrum seines Programms steht der Wohnungsmarkt. Ahmed spricht von rund 7.800 Haushalten in Nürnberg, die derzeit keine Wohnung finden, sowie von etwa 2.500 Menschen ohne festen Wohnraum. Diese Zahlen seien Ausdruck eines strukturellen Problems, das politische Priorität haben müsse. 


Die SPD schlägt deshalb ein Investitionsprogramm von 400 Millionen Euro für sozialen Wohnungsbau vor. Ziel sei es, den aktuellen Trend umzukehren: Derzeit fallen jedes Jahr mehr Sozialwohnungen aus der Bindung heraus, als neue entstehen.


„In sechs Jahren möchte ich sagen können: Wir haben es geschafft, dass mehr Sozialwohnungen dazukommen als wegfallen“, formuliert Ahmed seine Messlatte für eine mögliche Amtszeit. 

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Bildung und sozialer Teilhabe. Ahmed fordert unter anderem ein kostenloses Schülerticket für alle Kinder und Jugendlichen in Nürnberg. Derzeit erhalten es nur bestimmte Gruppen – eine Ungleichbehandlung, die er politisch beenden will. 


Darüber hinaus skizziert er eine strukturelle Reform der Bildungslandschaft auf kommunaler Ebene: Schulen, Ganztagsbetreuung, Sport- und Musikangebote sollen stärker zusammen gedacht werden.


„Wir müssen Bildung vom Kind aus denken“, sagt Ahmed. Vormittag, Nachmittag und Freizeitangebote sollten als ein zusammenhängendes System organisiert werden – unabhängig davon, ob sie formal in der Zuständigkeit des Freistaats oder der Kommune liegen. 


Die Stadt als sozialer Möglichkeitsraum

Eine zentrale Rolle in Ahmeds politischem Selbstverständnis spielt seine eigene Lebensgeschichte. Seine Eltern seien als Geflüchtete nach Deutschland gekommen, erzählt er. Aufgewachsen sei er im sozialen Wohnungsbau, geprägt von engagierten Lehrerinnen und Lehrern sowie Sportvereinen.


Für ihn steht diese Erfahrung exemplarisch für ein politisches Versprechen, das er „die beste Version Nürnbergs“ nennt: eine Stadt, in der soziale Herkunft nicht über Zukunftschancen entscheidet.


Dieses Versprechen sieht er jedoch zunehmend gefährdet.

„Ich habe Chancen bekommen. Aber ich sehe heute viele junge Menschen, die diese Chancen nicht mehr bekommen“, sagt Ahmed. Deshalb müsse die Stadt gezielt in Wohnen, Bildung und soziale Infrastruktur investieren. 


Kritik an Prestigeprojekten

In der Verkehrspolitik und Stadtentwicklung setzt Ahmed ebenfalls andere Akzente als der amtierende Oberbürgermeister.


So lehnt er etwa eine Magnetbahn für Nürnberg ab und will stattdessen den Ausbau der Straßenbahn vorantreiben. Auch beim umstrittenen Ausbau des Frankenschnellwegs fordert er eine finanzielle Begrenzung.


Die Stadt könne nicht unbegrenzt investieren, argumentiert er. Mehr als 200 Millionen Euro dürften aus seiner Sicht nicht in das Projekt fließen, da parallel erhebliche Mittel für den öffentlichen Nahverkehr benötigt würden – etwa für neue Straßenbahnlinien oder mögliche U-Bahn-Erweiterungen. 


Ein weiteres Beispiel ist die geplante Landesgartenschau. In der aktuellen Form, insbesondere mit einem Schwerpunkt im Stadtgraben, lehnt Ahmed sie ab. Stattdessen schlägt er vor, Grün- und Aufenthaltsflächen stärker in dicht bewohnten Vierteln wie der Südstadt oder entlang der Königstraße zu schaffen. 


Baustellen, Verkehr und Verwaltung

Neben großen strategischen Fragen spricht Ahmed auch über konkrete Alltagsprobleme der Stadt. Nürnberg sei zuletzt zur „Stauhauptstadt“ geworden – ein Zustand, den er unter anderem auf ineffizientes Baustellenmanagement zurückführt.

Sein Vorschlag: strengere Regeln für Bauunternehmen.


Wenn eine Baustelle abgesperrt werde, ohne dass innerhalb von zehn Tagen Bauarbeiten beginnen, müsse die Absperrung wieder entfernt werden. Auch längere Bauzeiten als genehmigt sollten finanziell sanktioniert werden.


„Der öffentliche Raum darf kein Warenlager für Bauträger sein“, sagt Ahmed. 


AfD-Erfolge und soziale Verunsicherung

Der Wahlkampf findet zudem in einem politisch angespannten Umfeld statt. In mehreren Nürnberger Stadtteilen konnte die AfD bei der Kommunalwahl deutlich zulegen.


Ahmed interpretiert dies vor allem als Ausdruck sozialer Unzufriedenheit. Viele Menschen fühlten sich politisch nicht mehr gesehen und hätten den Eindruck, ihre konkreten Alltagsprobleme würden nicht ausreichend diskutiert.


Die Antwort darauf könne aus seiner Sicht nur eine stärkere Konzentration auf soziale Fragen sein – insbesondere auf steigende Lebenshaltungskosten, Wohnungsnot und fehlende Perspektiven für junge Menschen. 


Die Rolle der Kommunen

Gleichzeitig kritisiert Ahmed strukturelle Probleme im föderalen System. Kommunen seien für viele zentrale Aufgaben verantwortlich – von Wohnungsbau über Bildung bis zur Integration –, verfügten jedoch häufig nicht über ausreichende finanzielle Mittel.


Wenn Städte ihre Aufgaben nicht erfüllen könnten, drohe daraus langfristig eine politische Vertrauenskrise.


„Die Krise der Kommunen kann zu einer Krise der Demokratie werden“, warnt Ahmed. 

Bund und Länder müssten deshalb stärker in kommunale Infrastruktur investieren. Für Nürnberg erwartet er in den kommenden Jahren zusätzliche Mittel aus bundespolitischen Programmen – Geld, das aus seiner Sicht vor allem in sozialen Wohnungsbau fließen sollte.


Politischer Stil: Konsens statt Konfrontation

Trotz klarer programmatischer Unterschiede betont Ahmed, dass Nürnberger Stadtpolitik traditionell stark vom Konsens geprägt sei. Das sogenannte „Nürnberger Modell“ habe über Jahrzehnte hinweg breite Mehrheiten im Stadtrat ermöglicht.


Auch als Oberbürgermeister würde er versuchen, Entscheidungen möglichst gemeinsam mit den demokratischen Fraktionen zu treffen – unabhängig von Parteigrenzen.

„Wir müssen in Details unterschiedlicher Meinung sein dürfen, aber die großen Linien gemeinsam fahren“, sagt Ahmed. 


Ein Wahlkampf um Richtung und Prioritäten

Die Stichwahl am 22. März entscheidet damit nicht nur über eine Person, sondern über die politische Schwerpunktsetzung der kommenden Jahre.


Ahmed formuliert seine Vision vergleichsweise nüchtern: Wenn Nürnberg in sechs Jahren mehr Sozialwohnungen baut, allen Schülerinnen und Schülern ein kostenloses Ticket bietet und mehr Grün in dicht bewohnten Vierteln schafft, dann wäre aus seiner Sicht ein wichtiger Schritt geschafft.


Es gehe nicht um spektakuläre Projekte, sondern um eine langfristige Weichenstellung.

„Wir haben uns auf den Weg gemacht – und es wird besser“, beschreibt Ahmed sein Ziel für die Stadt. 


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