OB-Stichwahl in Nürnberg: Marcus König setzt auf Kurs der Mitte und klare Abgrenzung zur AfD
- Kevin Kienle

- vor 15 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Nach 46 Prozent im ersten Wahlgang wirbt der amtierende Oberbürgermeister für Stabilität, Kooperation im Stadtrat – und eine langfristige Vision für Nürnbergs Entwicklung.
Der amtierende Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König (CSU) geht mit einem deutlichen Vorsprung in die Stichwahl um das höchste Amt der Stadt. Mit rund 46 Prozent der Stimmen gewann er den ersten Wahlgang klar, verfehlte jedoch die absolute Mehrheit. Am 22. März entscheidet nun eine Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Nasser Ahmed über die künftige Führung Nürnbergs. In einem Podcast-Interview skizziert König seine Strategie für die entscheidende Phase des Wahlkampfs, grenzt sich deutlich von der AfD ab und beschreibt, wie er die Stadt in den kommenden Jahren weiterentwickeln will.
Stichwahl entscheidet über Nürnbergs politische Führung
Die Stichwahl wird notwendig, weil im ersten Wahlgang keiner der neun Kandidaten eine absolute Mehrheit erreichen konnte. König sieht sein Ergebnis dennoch als starken Rückhalt für seine bisherige Amtsführung.
Er habe mit einer Stichwahl gerechnet, sagt der CSU-Politiker. In großen Städten mit vielen Kandidaten sei eine absolute Mehrheit im ersten Wahlgang selten geworden. Dass er dennoch deutlich über seinem Ergebnis der vergangenen Wahl liege, wertet er als „Vertrauensbeweis“ vieler Nürnbergerinnen und Nürnberger.
Im Vergleich zur letzten Wahl konnte König seinen Stimmenanteil deutlich steigern. Gleichzeitig zeigt das Ergebnis eine fragmentierte politische Landschaft: Mehr Parteien und Kandidaten teilen die Stimmen stärker auf als in früheren Wahlkämpfen.
Wer tritt bei der Nürnberger Stichwahl an?
Bei der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt treten zwei Kandidaten gegeneinander an:
Marcus König (CSU) – amtierender Oberbürgermeister seit 2020
Nasser Ahmed (SPD) – SPD-Politiker und Herausforderer
Ahmed tritt mit einer stark veränderten SPD in den Wahlkampf, nachdem mehrere erfahrene Kommunalpolitiker nicht erneut kandidiert haben.
König betont, beide Kandidaten stünden für unterschiedliche politische Stile – aber auch für unterschiedliche Lebenswege.
Ahmed, Sohn einer Flüchtlingsfamilie, hat eine akademische Laufbahn bis zur Promotion absolviert. König selbst begann nach der Hauptschule eine Ausbildung zum Bankkaufmann und arbeitete sich über den zweiten Bildungsweg bis ins Rathaus hoch.
Für König ist diese Gegenüberstellung ein Beleg dafür, dass Nürnberg soziale Aufstiegsmöglichkeiten bietet.
CSU-Erfolg im Stadtrat – aber kein klarer Machtblock
Parallel zur Oberbürgermeisterwahl konnte auch die CSU im Stadtrat zulegen. Laut König erreichte die Partei rund 34 Prozent und gewann zusätzliche Mandate.
Die Gründe sieht er vor allem in einer breit aufgestellten Kandidatenliste. Diese habe bewusst unterschiedliche Berufsgruppen und gesellschaftliche Milieus abgebildet – von Pflegekräften über Handwerker bis zu Sozialpädagogen.
Gleichzeitig verweist König auf bundespolitische Einflüsse, die lokale Wahlergebnisse prägen können. Entscheidungen der Bundesregierung hätten auch Auswirkungen auf kommunale Stimmungen.
AfD-Erfolge in einzelnen Stadtteilen
Ein auffälliges Ergebnis der Wahl sind starke AfD-Resultate in einzelnen Nürnberger Stadtteilen. In einigen Wahlbezirken erreichte die Partei mehr als 20 Prozent der Stimmen.
König sieht darin vor allem einen Ausdruck bundespolitischer Proteststimmungen. Auf kommunaler Ebene habe die Partei kaum inhaltliche Arbeit geleistet.
Eine Zusammenarbeit schließt er kategorisch aus.
„Ich bin der Mann der demokratischen Mitte“, sagt König und betont, er setze auf Stimmen aus dem demokratischen Spektrum.
Während seiner Amtszeit habe er sich für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen eingesetzt – darunter jüdische Gemeinden, Menschen mit Migrationsgeschichte sowie die LGBTQ-Community.
Eine politisch unterschiedliche Stadt
Die Wahlkarte zeigt deutliche Unterschiede innerhalb Nürnbergs.
CSU: stark in Randlagen und bürgerlichen Vierteln
SPD und Grüne: stärker in innenstadtnahen Quartieren
AfD: besonders stark in Teilen des Nürnberger Südens
Marcus König will auf diese Unterschiede mit stärkerer Bürgerbeteiligung reagieren. Formate wie digitale Bürgerversammlungen oder Dialogveranstaltungen sollen weiter ausgebaut werden.
Politik und Verwaltung müssten dauerhaft präsent sein, sagt er – nicht nur während eines Wahlkampfs.
Frankenschnellweg bleibt politischer Konfliktpunkt
Ein zentraler Streitpunkt bleibt der geplante Ausbau des Frankenschnellwegs.
Nach Angaben Königs sind die juristischen Voraussetzungen erfüllt und der Freistaat Bayern hat zugesagt, rund 80 Prozent der Kosten zu übernehmen.
„Dann soll das Souverän entscheiden“, sagt König.
Königs Vision für Nürnberg bis 2032
Für die kommenden Jahre entwirft König ein Bild einer ökologischeren, wirtschaftlich dynamischen und stärker vernetzten Stadt.
Zu den zentralen Projekten zählen:
neue Grünflächen und Klimaprojekte im Stadtgebiet
eine große urbane Gartenschau
modernisierte Schulen und digitale Bildung
neue Wohnquartiere wie Lichtenreuth
ein wachsendes Startup-Ökosystem rund um die Technische Universität Nürnberg (UTN)
Nürnberg solle sich langfristig als einer der wichtigsten Wirtschafts- und Innovationsstandorte Süddeutschlands positionieren.




Kommentare