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Nürnberg Hawks vor Regionalliga-Start: „Erst mal ankommen – und die Liga halten“

Die NFL-Saison ist beendet, der Super Bowl Geschichte – und in Nürnberg beginnt die vielleicht spannendste Phase des Jahres. Für die Nürnberg Hawks startet 2026 ein neues Kapitel: Nach dem historischen Aufstieg aus der Bayernliga tritt der Verein erstmals seit Jahren wieder in der Regionalliga an.


Im „Hawks Nest“-Podcast von The Nuremberg Times spricht Vereinsvertreter Bastian Brezinksi über sportliche Ambitionen, strukturelle Engpässe und die Frage, wie viel Ehrenamt ein ambitionierter Football-Verein stemmen kann .


Aufstieg nach Plan – und doch kein Selbstläufer

Der Aufstieg 2025 war kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis eines klaren Drei-Jahres-Plans. „Punktgenau umgesetzt“, beschreibt Brezinski die Entwicklung . Nach mehreren Playoff-Anläufen gelang im vergangenen Jahr der Durchbruch – mit einer souveränen Finalleistung.

Entscheidend war weniger ein spektakulärer Umbruch als vielmehr Kontinuität:

  • eingespielter Coaching Staff

  • langfristige Playbook-Entwicklung

  • gezielte Ergänzungen statt radikaler Transfers

  • Stabilität in nahezu allen Positionsgruppen


Diese strategische Geduld ist im Amateurfootball selten – und möglicherweise der eigentliche Wettbewerbsvorteil.


Regionalliga 2026: Realitätssinn statt Aufstiegsfantasie

Die neue Liga wird härter. Viele Gegner bringen Erfahrung aus höheren Spielklassen mit, einzelne Teams verfügen über GFL-Vergangenheit .


Die Zielsetzung der Hawks bleibt deshalb bewusst defensiv formuliert: Klassenerhalt. Kein öffentlich ausgerufener Angriff auf die Tabellenspitze, sondern „ankommen, stabilisieren, lernen“ .

Der Saisonstart erfolgt am 19. April auswärts in Neu-Ulm, eine Woche später folgt das Derby-Heimspiel gegen die Nürnberg Rams am Zeppelinfeld . Dieses Stadtduell dürfte sportlich wie atmosphärisch zum frühen Gradmesser werden.


Quarterback-Wechsel – und defensive Lücken

Sportlich bringt 2026 durchaus Veränderungen:

  • Quarterback: Cody wechselt vom Spielmacher auf die Receiver-Position. Christian Gaurner kehrt als Quarterback zurück – er spielte bereits vor zwei Jahren für die Hawks .

  • Running Backs: Frisches Personal soll Dynamik und Tiefe erhöhen.

  • Defense: Mit dem Karriereende von Tim Wahn verliert das Team einen Schlüsselspieler . Die Strategie: Kollektive Kompensation statt Einzelersatz.


Die Defense bleibt programmatisch das Herzstück. „Vollgas geben und nicht viel Raum lassen“, lautet die Marschrichtung .


Zeppelinfeld: Symbolkraft und Belastungsprobe

Die Heimspiele am Zeppelinfeld sind emotional aufgeladen – organisatorisch jedoch ein Kraftakt.

Keine festen Lagermöglichkeiten, komplette Logistik an Spieltagen, defekte Zuschauertoiletten, zusätzliche Kosten für mobile Lösungen . Dazu die infrastrukturellen Unterbrechungen durch Großveranstaltungen wie Rock im Park oder die DTM.


Für einen rein ehrenamtlich getragenen Verein bedeutet das: Aufbau ab sechs Uhr morgens, Abbau bis spät abends – teils an Doppelspieltagen mit Jugendpartien .


Der Engpass heißt Ehrenamt

Der sportliche Aufstieg trifft auf strukturelle Grenzen. Der Vorstand ist aktuell nicht vollständig besetzt, die Last verteilt sich auf wenige Schultern .

Gleichzeitig stehen an:

  • Mitgliederversammlung

  • Jahresabschluss

  • Sponsorengespräche

  • strategische Strukturarbeit

  • Organisation der Regionalliga-Saison


Die Hawks werben öffentlich um Unterstützung – auch von Menschen ohne Vereinserfahrung . Der Schritt in höhere Spielklassen erfordert nicht nur sportliche Qualität, sondern professionelle Vereinsstrukturen.


Fünf-Jahres-Perspektive: GFL 2 als realistisches Fernziel?

Während ein erneuter Drei-Jahres-Plan als vermessen gilt, formuliert Bresinski eine mittelfristige Vision: In fünf Jahren könne man an die GFL 2 anklopfen .

Voraussetzungen dafür:

  1. Ausbau der Jugendstrukturen (U13, U16, U19)

  2. Eigene U19-Mannschaft statt Spielgemeinschaft

  3. Nachhaltiger Spielerstamm im Herrenbereich

  4. Stadionfrage mit langfristiger Lösung

Denn klar ist: In der aktuellen Ausbaustufe wäre das Zeppelinfeld kaum GFL-2-tauglich .



Mehr als Sport: Football als Stadtprojekt

American Football in Nürnberg bleibt Amateur- und Ehrenamtssport. Doch mit jeder sportlichen Entwicklung wächst die strukturelle Verantwortung.


Die Hawks stehen 2026 exemplarisch für viele ambitionierte Vereine im deutschen Football: sportlich bereit für den nächsten Schritt, organisatorisch am Limit – und auf der Suche nach einer Infrastruktur, die mit dem Erfolg Schritt hält.


Der Klassenerhalt wäre deshalb mehr als nur ein Tabellenplatz. Er wäre der Beweis, dass nachhaltige Vereinsentwicklung auch ohne Profistrukturen möglich ist.


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