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Friedensnobelpreis 2026: Navi Pillay erfährt von Ehrung in Nürnberg

vor 6 Stunden
5 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Das norwegische Nobelkomitee hat am 9. Oktober 2026 in Oslo bekanntgegeben, dass die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay den Friedensnobelpreis 2026 erhält.

  • Das Komitee ehrt die 85-Jährige für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht, insbesondere für die strafrechtliche Verfolgung von Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord.

  • Pillay erfuhr von der Auszeichnung in Nürnberg. Sie war beim Nuremberg Forum 2026 der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien im Saal 600 des Justizpalasts.

  • Israels Außenministerium kritisierte die Vergabe scharf. Pillay hatte eine UN-Untersuchungskommission geleitet, die Israel 2025 Völkermord im Gazastreifen vorwarf.

  • Der Preis ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert und wird am 10. Dezember 2026 in Oslo überreicht.


Der Friedensnobelpreis 2026 geht an die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay. Das gab der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, am Freitag, 9. Oktober 2026, in Oslo bekannt. Das Komitee würdigt die frühere Hochkommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht. Ausdrücklich hebt es hervor, dass schwerste internationale Verbrechen heute strafrechtlich verfolgt werden können.


Die Nachricht erreichte Pillay in Nürnberg. Die 85-Jährige nahm am Nuremberg Forum 2026 teil, einer internationalen Fachkonferenz zum Völkerstrafrecht, die von der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien (IANP) veranstaltet wird. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur befand sie sich gerade im Saal 600 des Nürnberger Justizpalasts. In diesem Raum machten die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg den führenden NS-Kriegsverbrechern den Prozess.


Warum Navi Pillay den Friedensnobelpreis 2026 erhält

Das Nobelkomitee begründete seine Entscheidung mit Pillays Mut und ihrer Integrität. Sie habe den Weg für eine umfassendere internationale Rechtsordnung geebnet. Das Völkerrecht, so das Komitee, sei keine bloße Ergänzung zu Frieden und Sicherheit mehr, sondern deren Voraussetzung. Zusammengefasst lautet die Botschaft des Komitees: „Frieden erfordert Gerechtigkeit.“


Zugleich warnte das Gremium vor einer Politik der Stärke, die gemeinsame internationale Regeln verdränge. Der Direktor des Friedensforschungsinstituts Oslo (PRIO), Haakon Gjerløw, nannte die Entscheidung „fundiert und zeitgemäß“.

Für den Friedensnobelpreis 2026 waren 287 Kandidaten nominiert, darunter 208 Einzelpersonen und 79 Organisationen. Das Preisgeld liegt in diesem Jahr bei zwölf Millionen schwedischen Kronen, eine Million mehr als im Vorjahr. Den Friedensnobelpreis 2025 hatte die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado erhalten.


Wer ist Navi Pillay?

Navanethem Pillay wurde während der Apartheid in Durban geboren. 1967 eröffnete sie als erste nicht-weiße Frau in der damaligen Provinz Natal eine eigene Anwaltskanzlei. Als Anwältin verteidigte sie Gegner der Apartheid, darunter Nelson Mandela. 1973 setzte sie durch, dass politische Gefangene auf Robben Island Zugang zu Anwälten erhielten.


Später wurde Pillay die erste nicht-weiße Richterin Südafrikas. International arbeitete sie zunächst als Richterin am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda, dessen Präsidentin sie wurde. Von 2003 bis 2008 war sie Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, von 2008 bis 2014 Hochkommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte.


Navi Pillay und Nürnberg: eine langjährige Verbindung

Die Internationale Akademie Nürnberger Prinzipien wurde 2014 von der Bundesrepublik Deutschland, dem Freistaat Bayern und der Stadt Nürnberg gegründet. Sie fördert das Völkerstrafrecht, also die strafrechtliche Verfolgung schwerster Verbrechen nach internationalem Recht, und bewahrt das Erbe der Nürnberger Prozesse. Laut Stadt Nürnberg hat Pillay die Gründung der Akademie von Anfang an unterstützt. Von 2017 bis 2025 war sie Präsidentin des Kuratoriums, heute ist sie dort weiterhin Mitglied.


Auch darüber hinaus war Pillay mehrfach in der Region zu Gast. Im Mai 2022 nahm sie an der Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises an die Kasachin Sayragul Sauytbay im Nürnberger Opernhaus teil. 2017 und 2019 sprach sie zur Eröffnung des Masterstudiengangs Human Rights an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.


Oberbürgermeister Marcus König (CSU) gratulierte Pillay noch am Freitag persönlich bei der Tagung. „Wir sind stolz, dass Sie die wunderbare Nachricht in Nürnberg, der Stadt des Friedens und der Menschenrechte, erhalten haben“, sagte König laut Mitteilung der Stadt. Die Akademie habe ihren Sitz in Nürnberg, dem Geburtsort des modernen Völkerstrafrechts.


„Ich hoffe, das ist kein Scherz“: Pillays erste Reaktion

Nach eigener Schilderung holte Akademiedirektor Christoph Safferling Pillay aus einer laufenden Veranstaltung und bat sie, sich erst einmal zu setzen. Die Juristin reagierte ungläubig. „Als Juristin und Richterin möchte ich das noch überprüfen“, sagte sie laut Evangelischem Pressedienst. Als der Applaus im Saal anhielt, scherzte sie, sie werde den Preis womöglich mit Donald Trump teilen, wenn noch länger geklatscht werde. Der US-Präsident hatte wiederholt erklärt, er verdiene den Friedensnobelpreis.

Die Auszeichnung nannte Pillay eine „wunderbare Überraschung“. Sie widmete den Preis den Überlebenden internationaler Verbrechen und den Verteidigern des Völkerrechts. Zugleich warnte sie: „Wir leben in einer Zeit, in der internationales Recht und Menschenrechte unter erheblichem politischem Angriff stehen.“ Besonders deutlich zeige sich diese Entwicklung an den Angriffen auf den Internationalen Strafgerichtshof.


Scharfe Kritik aus Israel

Die Vergabe ist nicht unumstritten. Pillay leitete zuletzt eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen, die Israel 2025 Völkermord im Gazastreifen vorwarf. Die israelische Regierung weist diesen Vorwurf entschieden zurück.


Israels Außenministerium erklärte auf der Plattform X, das Nobelkomitee habe „die größte Lüge des 21. Jahrhunderts“ belohnt. Es warf Pillay vor, die politisch motivierte Dämonisierung Israels voranzutreiben, und zog in seiner Stellungnahme einen Vergleich zum NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Auch in deutschen Kommentaren wird darauf verwiesen, dass Pillays Kommissionsarbeit sie zum Ende ihrer Laufbahn zu einer umstrittenen Figur gemacht hat.


Was der Preis für Nürnberg bedeutet

Für Nürnberg hat die Entscheidung aus Oslo eine besondere Note. Das Nobelkomitee zeichnet eine Juristin aus, deren Arbeit unmittelbar an das anknüpft, was 1945 im Saal 600 begann: die Idee, dass auch Staatsführer für schwerste Verbrechen vor Gericht gestellt werden können. Die Stadt versteht sich als Stadt des Friedens und der Menschenrechte. Der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis ist nach Worten von Oberbürgermeister König Ausdruck dieses Selbstverständnisses.


Pillay selbst kündigte an, ihre Arbeit für die Nürnberger Akademie nicht niederzulegen. Überreicht wird der Friedensnobelpreis am 10. Dezember 2026, dem Todestag Alfred Nobels, im Rathaus von Oslo. Ob Pillay vorher erneut in Nürnberg auftritt, ist bislang nicht bekannt.


Häufige Fragen

Wer erhält den Friedensnobelpreis 2026?

Den Friedensnobelpreis 2026 erhält die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay. Das norwegische Nobelkomitee gab die Entscheidung am 9. Oktober 2026 in Oslo bekannt. Geehrt wird sie für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht.


Wer ist Navi Pillay?

Navanethem „Navi“ Pillay ist eine südafrikanische Juristin, geboren in Durban. Sie verteidigte Gegner der Apartheid, darunter Nelson Mandela, und war Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda. Von 2003 bis 2008 war sie Richterin am Internationalen Strafgerichtshof, von 2008 bis 2014 UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.


Wie viele Nominierungen gab es für den Friedensnobelpreis 2026?

Für den Friedensnobelpreis 2026 lagen dem norwegischen Nobelkomitee 287 Nominierungen vor. Darunter waren 208 Einzelpersonen und 79 Organisationen. Die Namen der Nominierten hält das Komitee traditionell geheim.


Was ist die Akademie Nürnberger Prinzipien?

Die Internationale Akademie Nürnberger Prinzipien ist eine Stiftung mit Sitz in Nürnberg, gegründet 2014 von Bund, Freistaat Bayern und Stadt Nürnberg. Sie fördert das Völkerstrafrecht und die Menschenrechte und bewahrt das Erbe der Nürnberger Prozesse. Friedensnobelpreisträgerin Navi Pillay war von 2017 bis 2025 Präsidentin ihres Kuratoriums.


Grundlage: Bekanntgabe des norwegischen Nobelkomitees vom 9. Oktober 2026 nach Berichten von dpa, epd, taz, SRF und Vatican News; Pressemitteilung der Stadt Nürnberg vom 9. Oktober 2026; Angaben der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien und der FAU Erlangen-Nürnberg. Eigene Einordnung.

Bildnachweis: Stadt Nürnberg

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