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Huthi-Miliz: Angriffe auf Riad und Aden verschärfen Jemen-Krieg

vor 13 Stunden
4 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einem Raketenangriff der jemenitischen Huthi-Miliz auf den internationalen Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad sind am Samstag, 10. Oktober 2026, nach saudischen Angaben mindestens zwölf Menschen getötet und mehr als 300 verletzt worden.

  • Am Sonntag, 11. Oktober, schlug ein weiteres Geschoss im Terminal 4 des Flughafens ein; ein Mensch starb, elf wurden verletzt.

  • Am Donnerstag, 15. Oktober, griffen die Huthi den Präsidentenpalast al-Maaschik in Aden an, den Sitz der international anerkannten Regierung des Jemen; je nach Quelle starben vier bis fünf Menschen.

  • Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) saß wegen der Sperrung des Flughafens Riad zeitweise fest.

  • Die Außenminister Saudi-Arabiens und Irans haben über die Eskalation beraten – der erste öffentlich bekannte Kontakt seit Beginn der verstärkten Huthi-Angriffe.


Die Huthi-Miliz im Jemen hat ihre Angriffe auf Saudi-Arabien und die von Riad gestützte jemenitische Regierung in dieser Woche massiv ausgeweitet. Nach einem Raketenangriff auf den Flughafen der saudischen Hauptstadt Riad am 10. Oktober 2026 mit mindestens zwölf Toten folgten weitere Attacken auf den Flughafen und am 15. Oktober ein Angriff auf den Präsidentenpalast in der südjemenitischen Stadt Aden. Nach Einschätzung von ZDF-Korrespondentin Golineh Atai war der Angriff auf Riad der schwerste auf Saudi-Arabien seit mehr als zehn Jahren.


Damit eskaliert ein Konflikt, in dem im Frühjahr 2022 eine Waffenruhe ausgerufen worden war – mit unmittelbaren Folgen für den zivilen Luftverkehr in der Golfregion.


Angriffe auf den Flughafen Riad

Bei dem Angriff am Samstag, 10. Oktober, wurden laut saudischen Behörden mindestens zwölf Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Unter den Toten waren demnach vier saudische Staatsangehörige, zwei Menschen aus Bangladesch sowie je ein Mensch aus den palästinensischen Gebieten, den USA, Ägypten, Jordanien, Syrien und dem Sudan. Die Huthi-Miliz bekannte sich zu dem Angriff. Nach Angaben des ORF war es bereits der dritte Angriff innerhalb weniger Tage; ein weiteres Geschoss schlug in der Nähe des Flughafens Dammam an der Ostküste ein.


Am Sonntag, 11. Oktober, traf ein Geschoss das Terminal 4 des Flughafens Riad und löste einen Brand aus. Nach Angaben der saudischen Zivilluftfahrtbehörde starb ein in Saudi-Arabien lebender Pakistaner, elf Menschen wurden verletzt. Die Luftabwehr fing nach Angaben der Militärkoalition zudem einen Marschflugkörper in der Nähe des Flughafens ab.


Huthi-Militärsprecher Jahja Sari warnte Fluggesellschaften und Reisende davor, saudische Flughäfen und den saudischen Luftraum zu nutzen.


Aden: Angriff auf den Sitz der Regierung

Am Donnerstag, 15. Oktober, feuerten die Huthi nach Angaben der jemenitischen Regierung Raketen und Drohnen auf den Präsidentenpalast al-Maaschik in Aden ab, den Sitz der international anerkannten Regierung. Die Angaben zu den Opfern gehen auseinander: Die Nachrichtenagentur AFP erfuhr aus Regierungskreisen von mindestens vier Toten und mehr als einem Dutzend Verletzten, Euronews berichtete unter Berufung auf Behörden von fünf Toten und 16 Verletzten.


Regierungschef Schaja Mohsen al-Sindani erklärte, die Regierung komme ihren Aufgaben weiterhin nach. Huthi-Sprecher Sari sagte, Ziel sei das Hauptquartier der saudischen Militäroperationen im Palast gewesen; jede saudische Militärpräsenz sei ein legitimes Ziel. Koalitionssprecher Turki al-Maliki forderte die Huthi auf, Angriffe auf zivile Einrichtungen wie Flughäfen, Häfen und Ölanlagen sofort einzustellen.


Gegenschläge und diplomatische Kanäle

Nach Angaben der von den Huthi kontrollierten Nachrichtenagentur Saba bombardierten saudische Kampfjets den Flughafen der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Das Huthi-Gesundheitsministerium meldete zudem ein getötetes Kind bei einem mutmaßlich saudischen Luftangriff auf ein Haus in Sanaa. Saudi-Arabien äußerte sich zu beiden Angaben zunächst nicht; unabhängig überprüfen lassen sie sich nicht.


Parallel öffnete sich ein diplomatischer Kanal: Saudi-Arabiens Außenminister Prinz Faisal bin Farhan und der iranische Außenminister Abbas Araghtschi berieten über die Eskalation. Teheran erklärte sich bereit, einen Dialog zwischen Saudi-Arabien und dem Jemen zu unterstützen.


US-Präsident Donald Trump kündigte an zu prüfen, ob sich die USA den saudischen Angriffen auf die Miliz anschließen; er plane ein Gespräch mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Irak, Libanon und Syrien verurteilten den Angriff auf Riad ebenso wie UN-Generalsekretär António Guterres und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.


Wer sind die Huthi?

Die Huthi sind eine vom Iran unterstützte Miliz, die seit Jahren weite Teile des Nordens des Jemen einschließlich der Hauptstadt Sanaa kontrolliert. Die international anerkannte Regierung hat ihren Sitz in Aden im Süden des Landes. Seit 2015 kämpft eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition gegen die Miliz. Hintergrund der jüngsten Angriffe ist laut ORF eine militärische Eskalation zwischen den Huthi und den von Saudi-Arabien unterstützten Regierungstruppen im Jemen.


Warum die Eskalation auch Deutschland betrifft

Wie unmittelbar die Angriffe auch den internationalen Verkehr treffen, zeigte der Fall von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Sie befand sich zum Zeitpunkt des Angriffs auf Konferenzen in Riad; wegen der Sperrung des Flughafens konnte ihre geplante Rückreise nach Angaben ihres Ministeriums nicht wie vorgesehen stattfinden. Wie sie schließlich zurückkehrte, ist nicht öffentlich bekannt.


Ob die USA militärisch eingreifen und ob die Gespräche zwischen Riad und Teheran zu einer Deeskalation führen, ist offen.


Grundlage: Berichte von ZDFheute (11. und 12. Oktober 2026), news.ORF.at (12. und 15. Oktober 2026) und Euronews (15. Oktober 2026) auf Basis von Angaben saudischer und jemenitischer Behörden sowie der Agenturen AFP, AP, dpa und Reuters. Angaben der Konfliktparteien sind teils nicht unabhängig überprüfbar. Eigene Einordnung.


Titelbild: Luftaufnahme des King Khalid International Airport in Riad (Archivbild, 2006) – U.S. Air Force / Wikimedia Commons, gemeinfrei

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