Israel-Wahl: Netanjahus Lager vorn, aber ohne eigene Mehrheit
Das Wichtigste in Kürze
Bei der Parlamentswahl in Israel am 27. Oktober 2026 liegt der Block von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach Teilauszählungen bei 57 der 120 Sitze in der Knesset.
Für eine Mehrheit sind 61 Sitze nötig; das Oppositionslager um Gadi Eisenkot kommt demnach auf 47 Sitze, die arabischen Parteien auf 16.
Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Zentralen Wahlkommission bei 77,7 Prozent.
Das amtliche Endergebnis muss bis zum 4. November 2026 vorliegen.
Bei der Parlamentswahl in Israel zeichnet sich keine klare Mehrheit ab. Nach Teilauszählungen vom Mittwochmorgen, 28. Oktober 2026, kommt der rechtsreligiöse Block von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf 57 der 120 Sitze in der Knesset. Das berichteten die Deutsche Presse-Agentur und die österreichische APA unter Berufung auf israelische Medien, bei einem Auszählungsstand von gut 37 Prozent. Für eine Regierungsmehrheit sind 61 Sitze nötig.
Netanjahus Likud ist demnach mit 28 Sitzen stärkste Partei. Die Mitte-Partei Jaschar von Gadi Eisenkot, dem früheren Generalstabschef der Armee, folgt mit 21 Sitzen. Das Oppositionslager kommt zusammen auf 47 Sitze, die arabischen Parteien auf 16. Die Zahlen können sich bis zum Ende der Auszählung noch deutlich verschieben.
Wer hat die Wahl in Israel gewonnen?
Ein Sieger steht noch nicht fest. Die ersten Prognosen der israelischen Fernsehsender am Dienstagabend hatten noch ein Patt gezeigt. Der Sender Kanal 12 sah nach Angaben der Jüdischen Allgemeinen das Lager um Eisenkot zunächst mit 52 zu 50 Sitzen knapp vor Netanjahus Block, die arabischen Parteien bei 18 Sitzen. Mit fortschreitender Auszählung schob sich Netanjahus Lager nach vorn.
Zum Vergleich: Die bisherige Koalition Netanjahus war nach der Wahl Ende 2022 auf 64 Sitze gekommen.
Wie haben Netanjahu und Eisenkot reagiert?
Beide Spitzenkandidaten äußerten sich in der Wahlnacht. Eisenkot sagte nach Angaben des Tagesspiegels in der Nacht: „Die Öffentlichkeit hat für eine Veränderung gestimmt.“ Netanjahu erklärte vor Anhängern: „Wir müssen eine starke Regierung des rechten Lagers bilden.“ Eine Regierung, die auf die Unterstützung arabischer Parteien angewiesen ist, lehnte er ab.
Für Eisenkot wird die Mehrheitssuche dadurch schwierig. Er wäre nach dem bisherigen Stand auf arabische Parteien angewiesen, eine Zusammenarbeit mit ihnen lehnen aber mehrere Oppositionsparteien bislang ab. Der Vorsitzende der arabischen Partei Raam, Mansur Abbas, zeigte sich laut Tagesspiegel offen für eine Zusammenarbeit mit Eisenkot.
Wann gibt es das Endergebnis?
Ab Mittwoch werden die Stimmen von Soldatinnen, Soldaten und Reservisten ausgezählt, die nach Einschätzung israelischer Medien eher rechte Parteien wählen. Ein vorläufiges Endergebnis wird für Donnerstag oder Freitag erwartet. Die Zentrale Wahlkommission muss das amtliche Endergebnis bis zum 4. November 2026 veröffentlichen. Danach beauftragt Staatspräsident Isaac Herzog den Kandidaten mit den besten Aussichten auf eine Mehrheit mit der Regierungsbildung.
Hohe Wahlbeteiligung bei der Knesset-Wahl
Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Zentralen Wahlkommission bei 77,7 Prozent, dem höchsten Wert seit 1999, und damit laut Jerusalem Post 7,1 Prozentpunkte über dem Wert von 2022. Wahlberechtigt waren rund 7,3 Millionen Menschen. Insgesamt traten nach Angaben von ZDFheute 36 Listen an; ins Parlament kommen nur Parteien, die mindestens 3,25 Prozent der Stimmen erreichen.
Was offen ist
Ob Netanjahus Block durch die noch ausstehenden Stimmen die Mehrheit von 61 Sitzen erreicht, ist offen. Unklar ist auch, ob eine Minderheitsregierung, eine Koalition über die Lager hinweg oder eine erneute Wahl folgt; Eisenkot hat eine Neuwahl nach Angaben des Tagesspiegels als Fehler bezeichnet. Weitere internationale Berichte finden Sie in der Rubrik Welt.
Stand: 28. Oktober 2026, Teilauszählung. Die Sitzzahlen sind vorläufig.
Grundlage: Berichte der Stuttgarter Zeitung/dpa und der Stuttgarter Zeitung vom 28. Oktober 2026, Liveblog des Tagesspiegels vom 27./28. Oktober 2026, Jüdische Allgemeine vom 27. Oktober 2026, ZDFheute-Liveblog vom 27. Oktober 2026 und Jerusalem Post vom 28. Oktober 2026. Eigene Einordnung.
Titelbild: Das Knesset-Gebäude in Jerusalem, Archivbild (2022) – Clema12 / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0





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