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Brasilien-Wahl: Lula gewinnt Stichwahl gegen Flávio Bolsonaro

vor 22 Stunden
3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Luiz Inácio Lula da Silva hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien am 25. Oktober 2026 mit rund 51,8 Prozent der gültigen Stimmen gewonnen.

  • Sein Herausforderer Flávio Bolsonaro, Senator und Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, kam auf rund 48,2 Prozent.

  • Flávio Bolsonaro erkennt das Ergebnis nicht an und will die Wahl annullieren lassen; er kritisiert eine gerichtlich angeordnete Verlängerung der Wahlzeit.

  • Der 80-jährige Lula tritt damit seine vierte Amtszeit an, muss aber mit einem konservativ dominierten Kongress regieren.


Brasilien bleibt links regiert. Bei der Stichwahl am Sonntag, 25. Oktober 2026, hat Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei (PT) nach Agenturberichten gut 51,8 Prozent der gültigen Stimmen erhalten. Der rechte Senator Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei (PL) kam auf 48,2 Prozent. Nach Auszählung von nahezu allen Stimmen lag Lula damit rund 4,4 Millionen Stimmen vorn.


Flávio Bolsonaro, Sohn des inhaftierten früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, räumte die Niederlage nicht ein. Er kündigte an, die Annullierung der Wahl anzustreben.


Wie ist die Brasilien-Wahl ausgegangen?

Die Auszählung verlief knapp und mit wechselnder Führung. Über weite Strecken des Abends lag Flávio Bolsonaro vorn; Lula übernahm die Führung erst spät und baute sie bis zum Ende der Auszählung aus. Im ersten Wahlgang am 4. Oktober hatte Flávio Bolsonaro noch vor Lula gelegen.


Regional zeigt das Ergebnis ein gespaltenes Land. Lula war nach den Auszählungsdaten im Nordosten am stärksten und lag im bevölkerungsreichen Bundesstaat Minas Gerais knapp vorn. Flávio Bolsonaro führte im Süden und im Mittelwesten und gewann die Bundesstaaten São Paulo und Rio de Janeiro mit jeweils mehr als 53 Prozent.


Warum Flávio Bolsonaro das Ergebnis nicht anerkennt

Ein Richter des Obersten Bundesgerichts (STF) hatte am Wahltag angeordnet, die Wahllokale in allen Bundesstaaten zwei Stunden länger offen zu halten. Lulas Lager hatte zuvor auf Ausfälle im Nahverkehr verwiesen, das Lager von Flávio Bolsonaro auf Unwetter und Stromausfälle. Die Wahlbehörde unterbrach die Veröffentlichung der Auszählung zeitweise.


Flávio Bolsonaro nannte die Verlängerung nach Agenturberichten „inakzeptabel“ und erklärte in Brasília, es sei unmöglich, das Ergebnis zu akzeptieren. Wie und vor welchem Gericht er die Annullierung erreichen will, ist bislang nicht bekannt.


Sein Vater Jair Bolsonaro, Präsident von 2019 bis 2022, ist bis 2030 nicht wählbar. Er war im September 2025 wegen seiner Beteiligung an Umsturzplänen nach der Wahl 2022 zu 27 Jahren Haft verurteilt worden und hatte seinen Sohn im Wahlkampf unterstützt.


Was Lula angekündigt hat

In seiner Siegesrede in São Paulo sagte Lula nach Agenturberichten, er werde für alle 215 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer regieren: „Wir haben keinen Wahlgegner mehr.“ Er forderte eine Regulierung digitaler Plattformen und sagte mit Blick auf ausländische Einflussnahme: „Brasilien ist nicht der Hinterhof für andere.“


Lula kündigte an, mit dem Kongress zusammenarbeiten zu wollen und in den kommenden zwei Monaten Vertreter der Wirtschaft zu treffen. Sein Wahlkampf hatte mit sinkender Armut und Arbeitslosigkeit in seiner laufenden Amtszeit geworben.


Welche Hürden auf Lula warten

Lula war bereits von 2003 bis 2010 Präsident und regiert seit 2023 erneut. Die kommende Amtszeit ist seine vierte. Im Parlament stehen ihm schwierige Mehrheitsverhältnisse gegenüber: Der Kongress gilt als der konservativste der Geschichte des Landes, die PL der Bolsonaros und ihre Verbündeten haben in beiden Kammern die Mehrheit.


Wirtschaftlich steht Brasilien nach Agenturangaben vor hohen Zinsen und einer Staatsverschuldung von mehr als 82 Prozent der Wirtschaftsleistung.


Reaktionen aus Lateinamerika

Glückwünsche kamen unter anderem von Chiles Präsident José Antonio Kast und Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum sowie von den Staatschefs Paraguays, Uruguays, Boliviens, Kubas und Panamas. Nach Einschätzung in Agenturberichten bremst Lulas Sieg eine Reihe von Wahlerfolgen rechter Kandidaten in Lateinamerika. Weitere internationale Berichte finden Sie in der Rubrik Welt.


Häufige Fragen

Wer hat die Wahl in Brasilien 2026 gewonnen?

Luiz Inácio Lula da Silva hat die Stichwahl am 25. Oktober 2026 mit rund 51,8 Prozent gewonnen. Sein Gegner Flávio Bolsonaro erhielt rund 48,2 Prozent.


Erkennt Flávio Bolsonaro das Wahlergebnis an?

Nein. Flávio Bolsonaro hat angekündigt, die Annullierung der Wahl anzustreben. Er kritisiert, dass die Wahllokale auf richterliche Anordnung zwei Stunden länger geöffnet blieben.


Die wievielte Amtszeit beginnt für Lula?

Es ist Lulas vierte Amtszeit. Er regierte bereits von 2003 bis 2010 und ist seit 2023 erneut Präsident.


Was offen ist

Ob die Wahlbehörde den Sieg Lulas formell bestätigt hat und wann, geht aus den bisherigen Berichten nicht eindeutig hervor. Offen ist, auf welchem Weg Flávio Bolsonaro gegen das Ergebnis vorgehen will und ob es zu Protesten kommt. Unklar ist zudem, wie Lula im konservativ dominierten Kongress Mehrheiten für seine Vorhaben organisieren will.


Grundlage: Bericht von APA/dpa/Reuters in den Salzburger Nachrichten vom 26. Oktober 2026, Auszählungsbericht von The Rio Times vom 25./26. Oktober 2026, Newsticker von ZDFheute vom 26. Oktober 2026, Überblick zur Wahl auf Wikipedia. Eigene Einordnung.


Titelbild: Der Nationalkongress in Brasília, Archivbild (2006) – Eurico Zimbres / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 2.5

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