Fliegerbombe am Südfriedhof: Nürnberg unter Spannung
- Kevin Kienle

- vor 5 Tagen
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Am Montagnachmittag, dem 4. Mai 2026, stieß ein Baggerfahrer beim Ausheben eines neuen Grabfundaments im östlichen Bereich des Nürnberger Südfriedhofs auf einen massiven Fremdkörper im Erdreich. Was zunächst wie ein ungewöhnlicher Bodenfund wirkte, entpuppte sich als 70 Kilogramm schwere US-amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg – ein Blindgänger, der acht Jahrzehnte im Boden geschlummert hatte. Die Entschärfung gelang am selben Abend binnen 40 Minuten. Rund 300 Anwohner konnten danach in ihre Häuser zurückkehren.
Was genau wurde am Nürnberger Südfriedhof gefunden?
Bei der Bombe handelt es sich um eine US-amerikanische Fliegerbombe mit Zündkopf, wie sie im Zweiten Weltkrieg bei alliierten Luftangriffen auf Nürnberg eingesetzt wurde. Das Gewicht von rund 70 Kilogramm machte einen Evakuierungsradius von 350 Metern notwendig. Die unter der Fundstelle verlaufende Gasleitung wurde vorsorglich ab 18 Uhr abgestellt, wie die Stadt Nürnberg mitteilte.
Wie lief die Entschärfung ab?
Die Sprengmeister Michael Weiß und Sebastian Kraatz vom Kampfmittelräumdienst rückten gegen 19 Uhr an. Thomas Schertel, Direktionsdienst der Stadt Nürnberg, hatte zuvor von einer „relativ unkomplizierten Entschärfung“ gesprochen – eine Einschätzung, die sich bewahrheitete. Binnen 40 Minuten demontierten die Fachleute den Zündkopf fachgerecht. Um kurz vor 20 Uhr gab die Stadt Entwarnung: Die rund 300 evakuierten Bewohner konnten zurückkehren.
Welche Auswirkungen hatte der Bombenfund auf Verkehr und Öffentlichkeit?
Der Südfriedhof wurde ab Nachmittag geräumt und für Besucher gesperrt. Die für Montag geplanten Trauerfeiern fanden noch statt – die Gäste wurden anschließend hinausgeführt. Die VAG richtete Umleitungen ein: Straßenbahnlinie 5 wendete am Trafowerk, Buslinie 68 wurde über Südwesttangente umgeleitet. Betreuungsbedürftige konnten die Georg-Holzbauer-Schule aufsuchen. Feuerwehr, Polizei und Kampfmittelräumdienst waren vor Ort.
Nürnbergs historische Last: Warum tauchen immer wieder Bomben auf?
Nürnberg war im Zweiten Weltkrieg eines der Hauptziele alliierter Bomberangriffe. Als bedeutendes Rüstungszentrum und symbolischer Ort des Nationalsozialismus wurde die Stadt ab 1940 wiederholt bombardiert. Der schwerste Angriff erfolgte in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 1945. Schätzungen zufolge liegt die Blindgängerquote bei alliierten Abwürfen bei 10 bis 15 Prozent – deutschlandweit schlummern noch Zehntausende Blindgänger im Boden.
Was bedeutet das für Anwohner und Stadt?
Für die rund 300 Betroffenen war der Abend eine glimpflich verlaufene Unterbrechung des Alltags. Bombenentschärfungen gehören in Nürnberg zu einer stillen Normalität. Der Kampfmittelräumdienst Bayern wertet vor Baugenehmigungen systematisch Luftbilder aus. Dennoch ist es unmöglich, jeden Blindgänger vorab zu orten – wie der Fund auf dem Südfriedhof einmal mehr zeigt.
Einordnung: Ein Routineeinsatz mit historischer Tiefe
Was die Sprengmeister Michael Weiß und Sebastian Kraatz in 40 Minuten erledigten, war technisch ein Routineeinsatz. Historisch ist es weit mehr: Jede Entschärfung ist ein stilles Kapitel der Aufarbeitung. Der Südfriedhof – Nürnbergs größter Friedhof und Ort des Gedenkens – ist dafür ein besonders eindringlicher Schauplatz. Die Stadt hat mit professioneller Handhabung gezeigt, wie man mit dieser historischen Erbschaft umgeht: ruhig, effizient und mit dem gebotenen Ernst.
Quelle Bild: Stadt Nürnberg




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