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Frauen in Männerberufen: Wie Sarah Hüblein die Erlanger Bergkirchweih leitet

Mit 39 Jahren verantwortet die Platzmeisterin Sarah Hüblein eines der größten Volksfeste Frankens — in einer Branche, in der Frauen noch immer eine Minderheit sind.

Sarah Hüblein ist Platzmeisterin der Erlanger Bergkirchweih und damit für die Organisation eines der traditionsreichsten Volksfeste Bayerns verantwortlich. Die 39-jährige Verwaltungsfachwirtin arbeitet seit elf Jahren bei der Stadt Erlangen im Bereich Märkte und Kirchweih. In einem Berufsfeld, in dem nach ihrer Schätzung nur zehn bis fünfzehn Prozent der Platzmeisterstellen mit Frauen besetzt sind, koordiniert sie Schausteller, Wirte, Sicherheitskonzept und Aufbau eines Festes mit jahrhundertealter Tradition.


Was macht eine Platzmeisterin?

Die Aufgaben beginnen lange vor dem Anstich. Bis Mitte Oktober sichtet Hüblein nach eigenen Angaben bis zu 500 Bewerbungen von Schaustellern und Wirten, erstellt daraus ein Konzept, stellt dieses dem Stadtrat vor und übernimmt anschließend das Vertragsmanagement samt Kalkulation. Während des Aufbaus ist sie zentrale Ansprechpartnerin für alle Fachämter — vom Sicherheitskonzept über die Infrastrukturplanung bis zur Standvergabe. Auch Öffentlichkeitsarbeit und Social Media verantwortet sie. Ihr Büro hat sie bereits fünf Wochen vor Festbeginn auf das Bergelände verlegt. „Ich kenne eigentlich am Platz jeden Stein", sagt Hüblein im Podcast.


Ein nicht-linearer Karriereweg

Hübleins Biografie folgt nicht der klassischen Aufstiegslogik. Mit 20 Jahren wurde sie Mutter und brach ihre erste Ausbildung ab. Später absolvierte sie eine Lehre als Kauffrau für Bürokommunikation in einem Sicherheitsunternehmen, anschließend den Wirtschaftsfachwirt. Bei der Stadt Erlangen begann sie in Teilzeit mit der Erfassung von Bewerbungen, wurde Marktmeisterin — eine Position, die sie neun Jahre innehatte —, später Stellvertreterin des Platzmeisters. Vor der Übernahme der jetzigen Position absolvierte sie Verwaltungswirt und Verwaltungsfachwirt, die laut ihren Angaben für höherwertige Verwaltungsstellen erforderlich sind.


Wie hoch ist der Frauenanteil unter Platzmeisterinnen in Deutschland?

Nach Hübleins eigener Schätzung liegt der Frauenanteil bei den deutschlandweiten Platzmeister-Treffen, an denen sie in diesem Jahr zum zweiten Mal teilnimmt, bei zehn bis fünfzehn Prozent. Sie beobachtet jedoch einen Wandel: Wenn ältere Platzmeister in den Ruhestand gehen, rückten zunehmend Frauen nach. Die Branche der Schausteller selbst beschreibt Hüblein weiterhin als „sehr männlich geprägt". Den Druck, sich beweisen zu müssen, verortet sie dabei nicht primär in äußeren Erwartungen: „Ich weiß aber gar nicht, ob das eher eine persönliche Sache oder Selbstreflektion ist oder ob das überhaupt die anderen zu erwarten."


Neuerungen 2026: Bergkönigin, Frauentaxi, neue Fahrgeschäfte

Die Bergkirchweih 2026 bringt mehrere strukturelle Veränderungen. Erstmals wird in Zusammenarbeit mit den Wirten eine Bergkönigin beziehungsweise ein Bergkönig gesucht — explizit geschlechtsoffen formuliert. Die Idee knüpft an die historische Bierkönigin der Kitzmann-Brauerei an, soll aber nach Hübleins Angaben unabhängig von einer einzelnen Brauerei sein und das gesamte Fest repräsentieren. Über die fünf Finalistinnen oder Finalisten entscheidet ein Gremium aus drei Schaustellern, drei Wirten und drei Mitarbeitenden der Stadt Erlangen, darunter die Gleichstellungsbeauftragte. Die finale Wahl erfolgt am 31. Mai per Online-Voting am Entlas Keller.


Zur Sicherheit von Frauen kooperiert die Stadt mit Erlanger Taxiunternehmen, die ein sogenanntes Frauentaxi anbieten. An zwei markierten Points auf dem Gelände sowie am Sicherheitsdienst der Eingänge können Frauen ein Taxi bestellen. Hinzu kommen fünf Fahrgeschäfte, die laut Hüblein erstmals auf der Erlanger Bergkirchweih vertreten sind — darunter ein 85 Meter hoher Kettenflieger und ein neues Riesenrad der Familie Kipp. Eingeführt wird zudem ein „Pinkelpass" für fünf Euro, der zehn Toilettengänge umfasst und übertragbar ist. Der frühere Tucherkeller firmiert nach einem Eigentümerwechsel zur Familie Schiller-Engerhardt künftig als Striezi Keller mit eigens gebrautem Bier.


Einordnung: Tradition und Wandel

Die Bergkirchweih gilt als kulturelles Identitätssymbol Erlangens und der Metropolregion. Mit der gleichzeitigen Einführung einer geschlechtsoffenen Repräsentationsfigur, sicherheitsorientierter Angebote für Frauen und der Sichtbarkeit einer weiblichen Platzmeisterin verschiebt sich das öffentliche Bild eines Festes, das jahrzehntelang von männlich dominierten Strukturen geprägt war. Ob die strukturellen Neuerungen — insbesondere die mit der Wirtekooperation verbundene gebündelte Öffentlichkeitsarbeit — über das Festjahr 2026 hinaus Bestand haben, lässt sich derzeit nicht beurteilen.


Quelle Bild: Stadt Erlangen

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