top of page

Frankreich: Proteste eskalieren – Rathaus von Limoges brennt

vor 13 Stunden
3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einem landesweiten Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem gingen in Frankreich am Samstag, 17. Oktober 2026, nach Angaben des Innenministeriums rund 550.000 Menschen auf die Straße.

  • Premierminister Sébastien Lecornu meldete 1.200 Festnahmen und 150 verletzte Polizistinnen und Polizisten.

  • In Limoges zerstörte ein Brand das historische Rathaus weitgehend; auch in Paris, Marseille, Lyon und weiteren Städten kam es zu Ausschreitungen.

  • Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt und kündigte eine konsequente Strafverfolgung an.


Die Proteste in Frankreich gegen hohe Lebenshaltungskosten sind am Samstag, 17. Oktober 2026, in schwere Ausschreitungen umgeschlagen. In Limoges legten Randalierer Feuer im historischen Rathaus, das dabei weitgehend zerstört wurde. Premierminister Sébastien Lecornu sprach von 1.200 Festnahmen und 150 verletzten Polizeikräften. Die Regierung kam noch am Abend zu einer Krisensitzung zusammen.


Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez beteiligten sich landesweit rund 550.000 Menschen an den Demonstrationen, allein in Paris 110.000. Die Organisatoren sprachen von etwa 800.000 Teilnehmenden, die Gewerkschaft CGT am Abend von 500.000.


Worum es bei den Protesten in Frankreich geht

Die Demonstrierenden richten sich gegen hohe Preise für Treibstoff, Lebensmittel und Energie, gegen niedrige Löhne und gegen Missstände an Schulen. Aufgerufen wurde vor allem über soziale Netzwerke und nicht von den großen Gewerkschaften; das Motto lautet „On en a marre!“ („Wir haben genug!“). Getragen wurden die Proteste in den vergangenen Wochen vor allem von Schülerinnen, Schülern und Studierenden; bereits Anfang Oktober war es etwa in Nancy zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen.


Am Samstag demonstrierten nach Agenturangaben auch frühere Anhänger der Gelbwesten-Bewegung, Klimaaktivisten sowie Landwirte, die unter einem Dürresommer gelitten hatten. Die Gelbwesten-Proteste hatten 2018 mit dem Widerstand gegen eine geplante Erhöhung der Kraftstoffsteuer begonnen. Die Regierung befürchtet nach Darstellung von ZDFheute eine Wiederholung.


Was in Limoges, Paris und Marseille passierte

Das Rathaus von Limoges, ein rund 140 Jahre altes Gebäude, wurde nach Medienberichten von Eindringlingen von innen in Brand gesetzt. Die Feuerwehr kämpfte gegen die Flammen. Landesweit wurden Feuerwehrleute nach Berichten mancherorts von Randalierern behindert.


  • Paris: Bürgermeister Emmanuel Grégoire sagte dem Sender Franceinfo, ganze Straßen seien methodisch verwüstet worden, der Schaden sei immens. Autos und ein Restaurant brannten, ein Geschäft wurde geplündert.

  • Marseille: Demonstrierende versuchten, in eine Polizeiwache einzudringen, verschafften sich Zugang zum Rathaus und plünderten Geschäfte.

  • Lyon: Das Fremdenverkehrsamt wurde in Brand gesetzt, Geschäfte wurden beschädigt.

  • Avignon und Grenoble: Randalierer drangen in den Hof der Präfektur in Avignon ein, in Grenoble wurde das Rathaus beschädigt.

  • Saint-Étienne: Ein Demonstrant verlor nach Agenturangaben durch eine Polizeigranate eine Hand; einen ähnlichen Fall hatte es Tage zuvor in Lens gegeben.


Die Polizei setzte in Paris, Lyon, Straßburg und anderen Städten Tränengas, Schlagstöcke und Wasserwerfer ein. Das Innenministerium machte gezielte Angriffe von Black-Bloc-Gruppen in Paris, Marseille, Rennes, Toulouse und Angers verantwortlich.


Wie Macron und Lecornu reagieren

Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt auf der Plattform X aufs Schärfste. Zerstörer und Plünderer würden verfolgt und bestraft, schrieb er. Innenminister Nuñez sprach von einer sehr starken Mobilisierung der Ultralinken, der es nur um Unruhe gehe.


Die Mitte-Regierung von Premierminister Lecornu hat im Parlament keine eigene Mehrheit. Sie hat Hilfen für Treibstoff und Energierechnungen einkommensschwacher Haushalte, Unterstützung für Landwirte und 3.000 Vertretungslehrkräfte zugesagt. Lecornu betonte zugleich, der Staat könne angesichts der hohen Verschuldung nicht jede Krise mit Milliarden beantworten; er will 56 Milliarden Euro einsparen. Die Haushaltsberatungen haben begonnen.


Welche Rolle die Opposition spielt

Marine Le Pen vom rechtspopulistischen Rassemblement National warf den Randalierern vor, die Proteste zu diskreditieren; die Anliegen seien von der extremen Linken gekapert worden. Jean-Luc Mélenchon von La France Insoumise betonte dagegen, die meisten Kundgebungen seien friedlich verlaufen, und warf den Medien vor, vor allem Bilder der Gewalt zu zeigen.


Einordnung: Die Präsidentschaftswahl steht im Frühjahr 2027 an, Macron darf nicht erneut antreten. Die Parteien versuchen, die Proteste für sich zu nutzen.


Häufige Fragen zu den Protesten in Frankreich

Warum wird in Frankreich protestiert?

Die Proteste richten sich gegen hohe Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne und Missstände im Bildungssystem. Aufgerufen wurde vor allem über soziale Netzwerke, getragen werden die Proteste auch von Schülerinnen, Schülern und Studierenden.


Wie viele Menschen wurden festgenommen?

Premierminister Sébastien Lecornu nannte für Samstag, 17. Oktober 2026, 1.200 Festnahmen. 150 Polizeikräfte wurden verletzt.


Geht der Protest weiter?

Gewerkschaften haben nach einem Bericht des Schweizer Portals Blick für den 5. November zu weiteren Streiks und Demonstrationen aufgerufen.


Was offen ist

  • Wie hoch die Schäden am Rathaus von Limoges und in den anderen Städten sind.

  • Wie viele Demonstrierende verletzt wurden; dazu liegen keine Gesamtzahlen vor.

  • Wer genau hinter den Online-Aufrufen zu einer neuen Gelbwesten-Bewegung steht.

  • Ob die Regierung über die bisherigen Hilfen hinaus Zugeständnisse macht.


Mehr internationale Nachrichten finden Sie in der Rubrik Welt.



Titelbild: Das Rathaus von Limoges vor dem Brand, Archivbild (2006) – Aratar / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0

Kommentare


Nürnberg, eingeordnet – in Ihrem Postfach

Die wichtigsten Geschichten aus Nürnberg, neue Podcast-Folgen und Hinweise auf Plus-Analysen.

bottom of page