Flávio Bolsonaro: Wahlverlierer setzt sich trotz Verbot in die USA ab
Das Wichtigste in Kürze
Flávio Bolsonaro, unterlegener Kandidat der brasilianischen Präsidentschaftswahl, ist am Mittwoch, 28. Oktober 2026, mit seiner Frau und seinen Töchtern auf dem Flughafen Opa-Locka bei Miami gelandet.
Das Oberste Gericht Brasiliens hatte ihm die Ausreise untersagt und seine Reisepässe für ungültig erklärt; gegen ihn wird wegen Geldwäscheverdachts ermittelt.
In einem offenen Brief auf der Plattform X wirft er Präsident Luiz Inácio Lula da Silva einen „abscheulichen Wahlbetrug“ vor, ohne Belege zu nennen.
Lula hatte die Stichwahl am 25. Oktober 2026 laut Wahlgericht mit 51,8 zu 48,2 Prozent gewonnen.
Flávio Bolsonaro hat Brasilien drei Tage nach seiner Niederlage in der Präsidentschaftswahl trotz eines Ausreiseverbots verlassen. Der 45-jährige Senator landete am Mittwoch, 28. Oktober 2026, mit seiner Familie auf dem Flughafen Opa-Locka bei Miami im US-Bundesstaat Florida, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Von dort erklärte er auf der Plattform X, er wolle die Opposition gegen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva aus den USA anführen. Das berichten die Deutsche Presse-Agentur und AFP übereinstimmend.
Wie gelangte Flávio Bolsonaro trotz Ausreiseverbot in die USA?
Der Oberste Gerichtshof Brasiliens hatte am Montag, 26. Oktober, ein Ausreiseverbot gegen Flávio Bolsonaro verhängt. Richter Alexandre de Moraes ließ seine Reisepässe für ungültig erklären; Bolsonaro sollte sie innerhalb von 24 Stunden abgeben. Nach Angaben argentinischer Behörden hatte er die Dokumente am Grenzübergang Puente Internacional Tancredo Neves noch bei sich.
Bolsonaro reiste demnach auf dem Landweg nach Argentinien, stieg dort mit seiner Familie in einen Privatjet und flog über die ecuadorianische Hafenstadt Guayaquil nach Miami. Die US-Regierung hatte der Familie Visa zugesagt. Bolsonaro besitzt seit 2023 auch die italienische Staatsbürgerschaft. Nach dpa-Angaben soll Argentiniens Präsident Javier Milei die Ausreise ermöglicht haben; Bolsonaro dankte Milei und US-Präsident Donald Trump für ihre Unterstützung.
Was sagt Bolsonaro zu seiner Ausreise?
In einem offenen Brief auf X, gerichtet an die Brasilianerinnen und Brasilianer, bestreitet Bolsonaro eine Flucht. „Ich möchte klarstellen: Ich bin nicht aus Brasilien geflohen“, schrieb er. Und weiter: „Gegen mich liegt kein Haftbefehl vor, weil ich kein Verbrechen begangen habe.“ Die Ermittlungen nennt er eine „politisch motivierte Hexenjagd“.
Lula wirft er einen „abscheulichen Wahlbetrug“ vor und fordert, den Sieg von Lula und Vizepräsident Geraldo Alckmin für ungültig zu erklären. Belege legt er nicht vor. In einer ersten Fassung des Textes bezeichnete er sich als „gewählten Präsidenten“, zog diese Version laut dpa aber zurück und nannte sich nur noch „Anführer“. Seine Lage verglich er mit der von Charles de Gaulle, der im Zweiten Weltkrieg von London aus das „Freie Frankreich“ führte.
Wie reagieren Lula und Trump?
Präsident Lula kritisierte die Ausreise bei einer Feier zu seinem 81. Geburtstag im Präsidentenpalast. Er warf Bolsonaro mangelnden Respekt gegenüber seinen Wählern und der Demokratie vor und sagte: „Wer nichts zu verbergen hat, muss nichts fürchten.“ Nach ORF-Angaben warf Lula der US-Regierung zudem vor, mit der Familie Bolsonaro zu paktieren.
US-Präsident Donald Trump äußerte Zweifel am Ergebnis der Wahl, ohne eine Grundlage dafür zu nennen. Er sprach von einer „manipulierten Wahl“. Bolsonaros Partei PL hat Lulas Sieg dagegen anerkannt, wenn auch unter Vorbehalt: Sie verlangt Aufklärung über mutmaßliche Unregelmäßigkeiten.
Welche Ermittlungen laufen gegen Flávio Bolsonaro?
Gegen Flávio Bolsonaro wird in Brasilien wegen des Verdachts der Geldwäsche im Zusammenhang mit Unternehmen und Online-Sportwetten ermittelt. Außerdem geht es um Korruptions- und Geldwäscheverdacht bei der Finanzierung eines Films über seinen Vater Jair Bolsonaro. Er weist alle Vorwürfe zurück. Bis zum Ende seiner Amtszeit als Senator am 31. Januar 2027 schützt ihn seine parlamentarische Immunität vor einer Festnahme.
Einordnung: Die Familie Bolsonaro prägt die brasilianische Rechte seit Jahren. Jair Bolsonaro wurde wegen eines versuchten Staatsstreichs nach der Wahl 2022 zu 27 Jahren Haft verurteilt und darf keine Ämter mehr ausüben; deshalb trat sein Sohn Flávio an. Dessen Bruder Eduardo lebt bereits in den USA, in Brasilien liegt ein Haftbefehl gegen ihn vor.
Was offen ist
Welche rechtlichen Folgen der Verstoß gegen das Ausreiseverbot hat, ist offen.
Medien berichten, Bolsonaro wolle in den USA Asyl beantragen; bestätigt ist das nicht.
Ob Brasilien eine Auslieferung beantragt, ist nicht bekannt.
Ob die PL-Führung Bolsonaros Linie aus dem Ausland mitträgt, ist unklar.
Weitere internationale Nachrichten finden Sie in der Rubrik Welt.
Grundlage: Berichte der Deutschen Presse-Agentur, veröffentlicht von Handelsblatt (29. Oktober 2026) und t-online (28. Oktober 2026); Bericht mit AFP-Material in der Berliner Zeitung (28. Oktober 2026); ORF (28. Oktober 2026). Eigene Einordnung.
Titelbild: Regierungsgebäude mit brasilianischer Flagge in Brasília, Symbolbild – Luan de Oliveira Silva / Unsplash, Unsplash-Lizenz





Kommentare