FCN zur Winterpause: Stabil, aber nicht gefährlich genug
- Theo Deinlein

- 5. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Eine Halbzeitanalyse zwischen trügerischer Ruhe, Klose-Effekt und der großen Torfrage
Der 1. FC Nürnberg überwintert auf Rang acht der 2. Bundesliga – ein Tabellenplatz, den viele Fans nach dem chaotischen Saisonstart wohl unterschrieben hätten. Und doch bleibt nach der Hinrunde ein schaler Beigeschmack. Im aktuellen Nürnberger Sporttalk ziehen Kevin Kienle und Theo Deinlein eine nüchterne, stellenweise unbequeme Zwischenbilanz: Der Club wirkt stabilisiert, aber harmlos. Ruhig, aber nicht wirklich gefährlich.
Platz acht – und trotzdem näher am Abgrund als am Aufstieg
22 Punkte, 19:23 Tore, Platz acht: Auf dem Papier liest sich das nach solidem Mittelfeld. Doch der Schein trügt. Wie Theo Deinlein im Podcast betont, beträgt der Abstand zu Platz drei satte elf Punkte – zu Platz 16 hingegen nur fünf. Nürnberg profitiert aktuell weniger von eigener Stärke als von der Schwäche der Konkurrenz im Mittelfeld.
Der knappe Heimsieg gegen Hannover am letzten Spieltag der Hinrunde zementierte den aktuellen Rang – ein Erfolg, der mehr kaschiert als erklärt. Denn Konstanz, das bleibt das große Defizit.
Wechselhaft wie die Saison selbst
Die Ergebnisse der vergangenen Wochen erzählen die ganze Geschichte:
2:1 gegen Hannover – stark, reif, diszipliniert.
0:1 auf Schalke – akzeptabel, aber mutlos.
2:2 im Frankenderby – emotional, aber unbefriedigend.
0:3 in Magdeburg – erschreckend, konzeptlos.
Nürnberg schlägt Teams aus der oberen Tabellenhälfte und dient gleichzeitig als Aufbaugegner für Kellerkinder. „Das spiegelt die Saisonleistung ziemlich gut wider“, bringt es Kevin Kienle auf den Punkt.
Defensive stabil – Offensive ein Problem
Mit nur 19 erzielten Treffern stellt der FCN eine der harmlosesten Offensiven der Liga. Nur Düsseldorf traf seltener – steht aber tief im Tabellenkeller. Nürnberg hingegen ist erstaunlich effizient: wenige Tore, relativ viele Punkte.
Doch genau hier liegt das strukturelle Problem. Wer oben angreifen will, braucht Torgefahr, nicht nur Ordnung. Hannover 96 etwa kassierte ähnlich viele Gegentore, erzielte aber elf Treffer mehr – und mischt folgerichtig im Aufstiegsrennen mit.
Der Fall Semir Telalovic und die Frage der Strategie
Die Leihe von Angreifer Telalovic nach Bielefeld inklusive Kaufoption sorgt für Diskussionen. Ein Stürmer ohne Treffer, der beim Ligakonkurrenten plötzlich funktionieren könnte – strategisch heikel, wie Deinlein findet.
Gleichzeitig zeigt die Entscheidung aber auch Konsequenz: Spieler wie Zoma haben sich sichtbar besser entwickelt, während andere stagnierten. Der Club trennt sich von Ballast – doch die zentrale Frage bleibt unbeantwortet: Wer soll künftig die Tore schießen?
Miroslav Klose: Stabilität zum Preis der Mutlosigkeit?
Ruhig ist es rund um den FCN – ungewöhnlich ruhig. Viel davon hängt mit Miroslav Klose zusammen. Der Weltmeister hat das Team nach zwei turbulenten Phasen stabilisiert, die Kabine befriedet, den Verein aus den Schlagzeilen gehalten.
Aber reicht das?Kevin Kienles formuliert den Zweifel offen: Klose mache den Club nicht schlechter – aber auch nicht klar besser als andere Trainer. Die Offensive wirkt ideenlos, das Risiko begrenzt, der Mut kontrolliert.
Theo Deinlein hält dagegen – und bricht eine Lanze für den Trainer. Nach dem erneuten Umbruch sei Stabilisierung die zentrale Aufgabe gewesen. Eine Vertragsverlängerung bis 2028 würde nicht nur Kontinuität sichern, sondern auch ein Signal nach innen und außen senden: Nürnberg meint es ernst mit diesem Weg.
Keine Ausverkaufssaison in Sicht
Ein Hoffnungsschimmer: Anders als in den Vorjahren droht kein massiver Talent-Abfluss. Es gibt aktuell keinen Zimas, keinen Uzun, keinen Brown, der sofort internationale Begehrlichkeiten weckt. Spieler wie Soma brauchen Zeit – und genau diese Zeit könnte Klose bekommen.
Gelingt es, den Kader zusammenzuhalten und gezielt zu verstärken, hält Deinlein sogar eine Platzierung zwischen Rang eins und sechs in der kommenden Saison für realistisch.
Rückrunde: Alles hängt am Sturm
Beide Podcast-Gäste sind sich einig: Ohne neuen Angreifer verspielt der FCN seine Chance auf mehr. Elf Punkte Rückstand auf die Relegation sind aufholbar – aber nur mit einer Serie, nur mit Mut, nur mit Toren.
Sportvorstand Joti soll laut Deinlein bereits Optionen prüfen. Eine Überraschung in den kommenden Wochen sei nicht ausgeschlossen. Sie wäre dringend nötig.
Der 1. FC Nürnberg steht zur Winterpause besser da, als viele erwartet haben – aber schlechter, als es Platz acht vermuten lässt. Die Ruhe rund um den Club ist wohltuend, aber potenziell trügerisch. Stabilität ist erreicht. Der nächste Schritt heißt Ambition.
Ob diese Rückrunde nur solide oder richtungsweisend wird, entscheidet sich nicht im Mittelfeld – sondern im Strafraum.
Quelle Bild: 1. FCN




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