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CSU Nürnberg 2026: Das Programm von Team König – und die Stadt, die darin sichtbar wird

Wer verstehen will, wie die CSU Nürnberg in die Kommunalwahl am 8. März 2026 zieht, muss sich nicht durch Talkshow-Sätze oder Social-Media-Clips arbeiten. Es reicht ein Blick in das Programm, das Marcus König und die Rathaus-CSU unter der Überschrift „Schon viel erreicht – noch viel vor!“ vorlegen. Vorgestellt wurde es am 9. Januar 2026 in den Design Offices, unterstützt von Ministerpräsident Markus Söder. Es ist ein Text, der weniger von Visionen lebt als von einer politischen Selbstbeschreibung: Nürnberg sei „in guten Händen“, die vergangenen Jahre seien geprägt gewesen von Investitionen, Gestaltung, Verlässlichkeit. Und nun, so das Versprechen, werde weiter „angepackt“.


Auffällig ist: Das Programm erzählt Nürnberg als Stadt der Projekte. Nicht als Labor der großen gesellschaftlichen Konflikte – sondern als Ort, an dem Verwaltung, Baukräne, Sicherheitsdienste, Verkehrsplanung und Kulturbaustellen den Takt vorgeben. Wer hier liest, spürt die Handschrift eines Amtsinhabers, der die Wiederwahl nicht über Weltanschauung, sondern über Bilanz und Handlungsfähigkeit gewinnen will.


Verkehr und Mobilität: „Stadtreparatur“ als Leitwort

Kein Kapitel wirkt so programmatisch wie das zum Verkehr. Die CSU setzt auf „Baustellenmanagement“ – weniger Staus, bessere Abstimmung, kürzere Zeiten zwischen Sperrung und Baubeginn. Hinzu kommt die Forderung nach einem „Mobilitätsreferat“, das alle Zuständigkeiten in einem Geschäftsbereich bündeln soll. Das klingt technokratisch, ist aber politisch: Wer die Stadt als Baustelle beschreibt, kann Fortschritt als Frage der Organisation verkaufen.


Das große Symbolprojekt bleibt der Frankenschnellweg: „Baustart … Abschnitt West“, „wichtigstes Projekt zur Stadtreparatur“, Entlastung für Autofahrer und Anwohner – so formuliert es das Programm. Tatsächlich läuft die europaweite Ausschreibung seit Anfang 2026; die Rodungen im Abschnitt West sollen im Herbst 2026 beginnen, der eigentliche Baubeginn ist für Februar 2027 geplant. Daneben steht ein „Masterplan Parken“ mit dem klaren Satz, auch künftig müsse es „Parkraum für individuelle Mobilität“ geben; ergänzt um Quartiersparkhäuser und Kooperationen, etwa mit Supermärkten. Gleichzeitig betont die CSU den Radausbau: „135 km Radvorrangrouten bis 2030“.


Die politische Aussage dahinter ist ein Angebot an ein breites, oft zerstrittenes Nürnberg: kein Kulturkampf „Auto gegen Rad“, sondern das Versprechen eines „Miteinanders aller Verkehrsmittel“. Genau darin steckt aber auch die Schwäche solcher Programme: Sie bieten Ausgleich – und verschieben damit die Frage, wer in der knappen Stadtfläche künftig Priorität erhält. Die CSU beantwortet diese Prioritätenfrage im Papier eher indirekt: indem sie Parkraum- und Straßenprojekte genauso selbstverständlich nennt wie Radrouten und Barrierefreiheit.


Nicht im veröffentlichten Programmtext, aber bei der Vorstellung prominent thematisiert: die Magnetschwebebahn. OB König betonte laut Medienberichten, das Projekt solle nach der Wahl vorangetrieben werden. Eine Machbarkeitsstudie zum Transport System Bögl (TSB) auf der Strecke Bauernfeindstraße–Messe–Klinikum Süd liegt seit Februar 2025 vor. SPD und Grüne stehen dem Vorhaben skeptisch gegenüber. Dass die CSU dieses kontroverse Prestigeprojekt im schriftlichen Programm nicht explizit aufführt, aber mündlich hervorhebt, ist bemerkenswert – und dürfte taktische Gründe haben.


Sicherheit, Sauberkeit, Ordnung: der öffentliche Raum als Bühne

Am schärfsten wird der Ton bei „Sicherheit, Sauberkeit & Ordnung“. Das Programm fordert eine „drastische Anhebung der Bußgelder“ gegen wilde Müllentsorgung und kündigt konsequentes Ahnden an. Es spricht von einer „Sicherheitsoffensive für unsere Südstadt“: mehr Präsenz von Polizei und Ordnungsdienst, mehr Licht, mehr Prävention. Hinzu kommen verstärkte Kontrollen in Parks und Grünanlagen, ein weiterer Ausbau der Videoüberwachung, mehr Beleuchtung in Unterführungen und U-Bahnhöfen sowie „mehr Sicherheitspersonal und Notruf-Service-Säulen“ in der U-Bahn.


Zur Einordnung: Am Nürnberger Hauptbahnhof und in der Königstorpassage bestehen bereits eine Alkoholverbotszone (eingeführt 2017, auf 24/7 erweitert im November 2018, zuletzt 2024 erneut bestätigt) sowie eine Waffenverbotszone (erlassen im April 2025 unter OB König). Im Wahlprogramm selbst finden sich diese Maßnahmen nicht als neue Forderungen – sie gehören vielmehr zur Bilanz, auf die sich die CSU stützt.


Das ist klassische CSU-Kommunalpolitik – nicht als Abwertung sozialer Probleme, sondern als Ordnungserzählung: Die Stadt und der Ordnungsdienst sind sichtbar, sanktionieren, beleuchten, überwachen und „räumen auf“. Die offene Frage, die solche Maßnahmen immer begleiten muss, stellt das Programm nicht selbst: Wie werden Eingriffe – etwa Videoüberwachung – begründet, kontrolliert, begrenzt? Das Papier setzt auf den Effekt: Sicherheit als Gefühl, das durch Präsenz und Technik steigen soll.


Gesundheit, Soziales, Jugend und Familie: Infrastruktur als Versprechen

Im Sozialteil arbeitet die CSU stark mit konkreten Vorhaben. Die „Vollversorgung für Betreuung von Grundschulkindern“ soll realisiert, der Rechtsanspruch „konsequent“ umgesetzt werden. Die Klinik Hallerwiese und die Cnopf’sche Kinderklinik sollen „erhalten“ bleiben – tatsächlich hat der Stadtrat am 28. Januar 2026 einstimmig die Übernahme durch das Klinikum Nürnberg zum 1. Januar 2027 beschlossen. Zudem nennt das Programm den Neubau eines Kinderklinikums am Campus Süd „bis 2027“ mit „1.000 Räumen und 220 Betten“; der Umzug in das Friedl Schöller-Haus ist für Anfang 2027 geplant. Beim NürnbergStift verspricht die CSU Erhalt und Weiterentwicklung, inklusive Sanierung und Neubau – mit dem Leitmotiv „bezahlbare Pflege sichern“. Ergänzt wird dies durch den Ausbau „verlässlicher Betreuung für Jung & Alt“, von der Kinderkrippe bis zur Tagespflege.


Das ist eine Politik der Daseinsvorsorge, die sich bewusst nicht als ideologisches Feld präsentiert. Und doch steckt eine klare Botschaft darin: Wer CSU wählt, wählt Stabilität in den großen, teuren Systemen – Klinikum, Pflege, Betreuung. In Zeiten knapper Haushalte ist genau das der Kernkonflikt, den das Programm eher umgeht: Wie werden diese Zusagen finanziell priorisiert, wenn gleichzeitig Verkehr, Schule, Kultur, Wohnungsbau und Digitalisierung versprochen werden? Das Papier bleibt hier bei der politischen Formel: „weiter investieren“.


Umwelt und Klima: „Angebote statt Verbote“

Beim Klima setzt die CSU auf einen bekannten Dreiklang: Ausbau, Begrünung, Schutz – aber ausdrücklich als „Angebote statt Verbote“. Konkret: Ausbau des Fernwärmenetzes, bedarfsgerechter Ausbau von E-Ladeinfrastruktur in Wohngebieten, Entsiegelung und mehr Aufenthaltsqualität, darunter die „Südstadt-Klima-Meile“ im Kontext der Urbanen Gartenschau 2030. Besonders konkret wird es am Hauptmarkt: 19 Baumstandorte an West- und Ostseite. Außerdem: Das Moorenbrunnfeld (fast 30 Hektar) soll Landschaftsschutzgebiet werden. Hinzu kommt ein „Masterplan Straßenbäume“, der vor allem in unterversorgten Straßen und Stadtteilen mehr öffentliches Grün schaffen soll.


Das Programm markiert damit Klimapolitik als Stadtgestaltung – Bäume, Schatten, Aufenthaltsqualität, Netze. Wer eine CO₂-Logik oder harte Zielpfade erwartet, findet hier eher Kommunalhandwerk. Das ist nicht zwingend ein Mangel; es ist eine klare Positionsbestimmung: Klimaschutz ja, aber eingebettet in Wachstum, Mobilität und bauliche Entwicklung.


Stadtplanung, Bauen und Wohnen: Entwickeln, beleben, nachverdichten

Im Kapitel „Stadtplanung, Bauen & Wohnen“ erzählt die CSU Nürnberg als wachsende Stadt. Sie setzt auf mehr geförderten Wohnungsbau „für Normalverdiener“, ein neues Quartier „Tiefes Feld“ für 4.000 Menschen inklusive Schulen, Kitas und Nahversorgung; außerdem den neuen Stadtteil Lichtenreuth als Verbindung von Universität, Wohnen und Arbeiten.


Bemerkenswert ist die Innenstadt-Logik: Die CSU will den ehemaligen Kaufhof und den CityPoint zum „Zeughausquartier“ entwickeln – einem „modernen, lebendigen Zentrum mit Einzelhandel, Kongress- und Bildungsstandort sowie Dachgarten“. Eine City-Bus-Linie soll die Altstadt attraktiver machen. Die Formulierung „In Kaufhof, Citypoint & Co. soll dauerhaft neues Leben einziehen“ beschreibt das Zentrum als mehr als Shopping.


Hier wird ein politisches Nürnberg sichtbar, das sich nicht zwischen „Innenstadt retten“ und „Wohnraum schaffen“ entscheiden will, sondern beides als gekoppelte Modernisierung erzählt: mehr Wohnen, mehr Mischnutzung, mehr Frequenz. Wie genau Nutzungskonflikte – etwa zwischen Anwohnern, Gastronomie, Handel und Verkehr – gelöst werden sollen, bleibt im Programm skizzenhaft. Aber die Richtung ist klar: Entwicklung statt Stillstand.


Wirtschaft und Wissenschaft: KI-Standort und Mittelstandspolitik

Ein Kapitel, das in der öffentlichen Wahrnehmung des Programms bisher wenig Beachtung fand, ist „Wirtschaft & Wissenschaft“. Die CSU positioniert Nürnberg hier als „Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz“ und betont die Rolle der Hochschulen als „Motor für Wirtschaftskraft und neue Arbeitsplätze“. Daneben stehen klassische wirtschaftspolitische Forderungen: weniger Bürokratie, gute Standortbedingungen für Handwerk und Mittelstand, zukunftsorientierte Gewerbeflächenentwicklung auf bereits versiegelten Flächen. Konkret genannt werden unter anderem das ehemalige Meister-Areal und die „Neue Mitte Thon“.


In einer Stadt, die in den vergangenen Jahren den Weggang traditioneller Industriearbeitgeber erlebt hat, ist diese Positionierung relevant: Die CSU setzt auf Universität, Technologie und Innovation – und koppelt das an das Zeughausquartier als neuen Kongress- und Bildungsstandort in der Innenstadt.


Kultur und Zusammenhalt: Erinnerungspolitik als Bauprojekt

Kultur taucht im CSU-Programm nicht als Luxus auf, sondern als Standortfaktor – und als große Baustelle. Die Kongresshalle wird als künftiger Kulturort beschrieben: Mit dem Staatstheater sowie „Ateliers und Präsentationsräumen für Kunst und Kultur“ werde der NS-Bau „nicht nur demokratisch besetzt, sondern auch zu einem international beachteten Kulturort“. Die „Eröffnung der neuen Oper“ ist für 2028 angekündigt.


Dazu kommen das „Dürer-Jahr 2028“ als Fest mit „internationaler Strahlkraft“, das Hans-Sachs-Gedenkjahr 2026 zum 450. Todestag des Meistersingers – zugleich feiert das Bardentreffen, 1976 zu seinem Gedenken gegründet, sein 50-jähriges Bestehen sowie die Stärkung von Festivals und der freien Kunst- und Kulturszene. Außerdem: Barrierefreiheit für Kulturstätten im Rahmen einer Inklusionsstrategie.


Es ist eine Kulturpolitik, die stark über Ereignisse und Orte funktioniert. Die CSU verspricht: Nürnberg bleibt Bühne – und baut sich zugleich um.


Bildung und Sport: Investieren, digitalisieren, bewegen

Auch hier dominieren Zahlen und Projekte. Die CSU nennt „1 Milliarde € für den Schulbau bis 2030“ (Neubau und Sanierung) und verspricht ein Ganztagesangebot für alle Grundschüler. Dazu: Neubauten, darunter die Grundschule Lichtenreuth, eine „Grundschule West“ und ein Schulzentrum Breslauer Straße. Die „digitale Schule“ soll „verantwortungsvoll weiterentwickelt“ werden, Schwimmunterricht soll für alle Grundschulkinder angeboten werden.


Im Sport: 18 zusätzliche Sporthalleneinheiten bis 2030, eine neue Eishalle für Vereinssport und Schulen sowie ein „neues Max-Morlock-Stadion“ – „fit für nationale und internationale Wettbewerbe“. Das Stadionprojekt ist aktuell eines der am intensivsten diskutierten Vorhaben in Nürnberg; die Gesamtkosten werden aktuell auf rund 300 Millionen Euro geschätzt (Dezember 2025).


Bürgerservice und Digitalisierung: „Das Amt kommt zum Bürger“

In der Verwaltung wird der Ton fast missionärisch: Nürnberg solle „modernster Bürgerdienstleister Bayerns“ sein, das „Amt“ solle „zum Bürger“ kommen. Genannt werden ein neues Bürgerservice-Zentrum im ehemaligen Quelle-Areal, Online-Video-Beratung, Chat- und Voicebots sowie KI für schnellere Abläufe in der Verwaltung. Die Botschaft: „Unsere Mitarbeiter sollen für die Bürger da sein, nicht für die Akten.“


Das ist der Versuch, Modernisierung als Serviceversprechen zu formulieren – nicht als Sparprogramm. Und es zeigt, wie sehr die CSU ihre Erzählung auf Effizienz stützt: schneller, digitaler, erreichbarer.


Was dieses Programm über die CSU – und über Nürnberg – sagt

Das CSU-Wahlprogramm 2026 ist kein Manifest. Es ist ein Katalog, der Vertrauen über Konkretion erzeugen will: Baustellen, Bauwerke, Beleuchtung, Bäume, Bürgerämter. Marcus König tritt darin als Manager einer wachsenden Stadt auf – nicht als Ideologe, nicht als Kulturkämpfer. Das Programm deckt neun Themenfelder ab, von Verkehr über Wirtschaft und Wissenschaft bis zu Bürgerservice und Digitalisierung.


Gerade deshalb lohnt die journalistische Gegenfrage, die das Papier selbst nicht beantwortet: Was passiert, wenn sich Ziele widersprechen – wenn Sicherheitspolitik Freiheitsfragen berührt, wenn Verkehrspolitik Fläche neu verteilt, wenn Klimaschutz und Parkraum kollidieren, wenn Investitionsversprechen auf Haushaltsrealitäten treffen? Auf die Frage von t-online nach der Haushaltslage antwortete die CSU-Fraktion, man setze auf „Konsolidierung durch die Prüfung und Abschaffung von Doppelstrukturen sowie die Verschlankung von Prozessen“. „Wir wollen keine Leistungen einschränken.“


Das Programm setzt auf Harmonieformeln („Miteinander aller Verkehrsmittel“, „Angebote statt Verbote“, „weiter anpacken“). Ob Nürnberg 2026 eine Stadt ist, die solche Harmonie politisch trägt – oder eine Stadt, die härtere Entscheidungen verlangt – wird nicht im Programm entschieden, sondern an der Wahlurne am 8. März.


Wer die Positionen der CSU mit denen anderer Parteien vergleichen möchte, findet im Nürnberger Wahlnavigator zur Kommunalwahl Nürnberg 2026 eine zusätzliche Orientierung. Das Tool stellt 30 Thesen zu lokalen Themen auf und gleicht die eigenen Prioritäten mit den Positionen der antretenden Parteien und Listen ab – unabhängig, überparteilich und kostenfrei unter https://wahlnavigator-nuernberg.de/.


Transparenzhinweis: Dieser Artikel basiert auf dem offiziellen Wahlprogramm der CSU Nürnberg, veröffentlicht auf csu-koenig-nbg.de/programm (abgerufen am 12.02.2026), auf Medienberichten zur Programmvorstellung vom 9. Januar 2026 (t-online, Nürnberger Nachrichten, Marktspiegel) sowie auf öffentlichen Dokumenten der Stadt Nürnberg. Die Redaktion analysiert und kommentiert das Programm – eine Wahlempfehlung ist damit nicht verbunden.

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