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Code 7500: Tippfehler löste Entführungsalarm in Nürnberg aus

vor 13 Stunden
3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Eingabefehler im Cockpit hat am Dienstag, 13. Oktober 2026, nach Angaben der Polizei den Entführungsalarm am Flughafen Nürnberg ausgelöst.

  • Die Boeing 737-800 von Corendon Airlines (Flug XR456) aus Korfu sendete über Kroatien den Transpondercode 7500, das internationale Signal für eine Flugzeugentführung.

  • Weil zugleich das Funkgerät der Maschine defekt war, konnte die Flugsicherung die Besatzung nicht erreichen; Kampfjets begleiteten das Flugzeug bis Nürnberg.

  • Gegen den Piloten ermittelt die Polizei nicht, weil er mutmaßlich nicht absichtlich gehandelt hat.

  • Bereits in der Nacht zuvor hatten drei Piloten eine mögliche Drohne am Flughafen Nürnberg gemeldet; bestätigt wurde sie nicht.


Der Großeinsatz am Albrecht-Dürer-Flughafen Nürnberg vom 13. Oktober 2026 geht nach Angaben der Polizei auf einen Tippfehler zurück. Der Pilot eines Corendon-Fluges von Korfu nach Nürnberg wollte demnach einen Funkausfall melden und gab dabei versehentlich den Code 7500 ein, der weltweit eine Entführung signalisiert. Weil das Funkgerät der Boeing 737-800 zugleich defekt war, ließ sich das Missverständnis in der Luft nicht aufklären.


Die Behörden mussten deshalb vom schlimmsten Fall ausgehen. Ein einzelner vierstelliger Code genügte, um Kampfjets aufsteigen zu lassen und den Nürnberger Flughafen zeitweise vollständig zu sperren.


Was am 13. Oktober am Flughafen Nürnberg geschah

Flug XR456 der Corendon Airlines war auf der griechischen Insel Korfu gestartet. Nach Angaben der Airline sendete die Maschine den Notfallcode, als sie Kroatien überflog; Ursache sei eine kurze Störung im Funksystem gewesen. Ein Polizeisprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Code sei etwa zur Hälfte des Fluges kurz nach 11 Uhr eingegangen.


Daraufhin stieg nach übereinstimmenden Berichten zunächst ein kroatisches Kampfflugzeug vom Typ Rafale auf. Im deutschen Luftraum eskortierten zwei Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 das Passagierflugzeug bis Nürnberg. Dort landete die Maschine kurz nach 12 Uhr.


Am Boden waren unter anderem eine Verhandlungsgruppe der Polizei, die für den Kontakt mit Entführern geschult ist, und das Unterstützungskommando (USK) der bayerischen Polizei im Einsatz. Der Flughafen stellte den Flugbetrieb ein. Rund eine Stunde nach der Landung gab die Polizei Entwarnung: Die Überprüfungen vor Ort hätten ergeben, dass keine Gefahr bestehe. Corendon Airlines erklärte, Passagiere und Crew seien zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen.


Polizeisprecher Michael Petzold zufolge blieb den Einsatzkräften zwischen Notsignal und Landung weniger als eine Stunde, um sich auf den Ernstfall vorzubereiten.


Was bedeutet Code 7500?

Ein Transponder an Bord sendet einen vierstelligen Code, über den die Flugsicherung ein Flugzeug auf dem Radar identifiziert. Im internationalen Luftverkehr sind drei Codes für Notlagen reserviert: 7500 steht für eine Entführung, 7600 für einen Ausfall der Funkverbindung und 7700 für einen allgemeinen Notfall.


Nach Darstellung der Polizei wollte der Pilot einen Funkausfall anzeigen und wählte stattdessen den Entführungscode. Ein einmal gesendeter Code lasse sich nicht zurücknehmen, sagte die Polizei. In Kombination mit dem defekten Funkgerät hatten Flugsicherung und Behörden keine Möglichkeit, mit der Besatzung zu klären, was an Bord tatsächlich geschah.


Warum gegen den Piloten nicht ermittelt wird

Gegen den Piloten leitet die Polizei nach eigenen Angaben keine Ermittlungen ein, weil er mutmaßlich nicht absichtlich gehandelt habe. Dem Piloten sei der Eingabefehler zunächst offenbar nicht bewusst gewesen.


Wie hoch die Kosten des Einsatzes sind und wer sie trägt, ist bislang nicht bekannt. Ob die Airline oder die Luftfahrtbehörden den Vorfall gesondert untersuchen, geht aus den bisherigen Angaben ebenfalls nicht hervor.


Drohnenverdacht in der Nacht davor

Der Entführungsalarm war nicht die erste Störung an diesem Tag. Zwischen 2 und 4 Uhr nachts meldeten drei Piloten unabhängig voneinander ein mögliches Flugobjekt bei Start oder Landung. Die Grenzpolizeiinspektion Nürnberg-Flughafen leitete gemeinsam mit dem Flughafen und der Deutschen Flugsicherung Such- und Detektionsmaßnahmen ein, auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz. Ein Objekt konnte nicht bestätigt werden.


Zwei ankommende Maschinen wichen vorsorglich nach Köln und Prag aus und setzten ihren Flug nach Nürnberg später fort. Berichten zufolge waren insgesamt sechs Flüge betroffen. Ein Zusammenhang zwischen dem Drohnenverdacht und dem späteren Notfallcode ist nicht bekannt.


Drohnen an deutschen Flughäfen: ein wachsendes Problem

Der nächtliche Verdacht in Nürnberg fügt sich in eine Entwicklung, die Flughäfen bundesweit beschäftigt. Laut einer am 8. Juni 2026 veröffentlichten Auswertung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wurden dem Luftfahrt-Bundesamt im Jahr 2025 insgesamt 226 Drohnenereignisse gemeldet. 116 davon stufte das DLR als relevante Störfälle an 25 Verkehrsflughäfen ein. Den Mindestschaden für die Luftverkehrswirtschaft beziffert das DLR auf rund 60 Millionen Euro; rechnet man Folgekosten durch Verspätungen und Annullierungen hinzu, könnten es bis zu 160 Millionen Euro sein.


Ob die Nürnberger Meldung vom 13. Oktober als Drohnenvorfall in die Statistik eingeht, ist offen.


Grundlage: Angaben der Polizei gegenüber der Deutschen Presse-Agentur vom 13. und 14. Oktober 2026, Mitteilung von Corendon Airlines, Berichte von airliners.de, Al Jazeera, Stuttgarter Zeitung und inFranken.de, DLR-Auswertung zu Drohnenvorfällen vom 8. Juni 2026. Eigene Einordnung.


Titelbild: Archivbild (2019) – Christine Dierenbach / Stadt Nürnberg

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