Bulgarien-Wahl: Präsidentin Jotowa gewinnt die Stichwahl deutlich
Das Wichtigste in Kürze
Bulgariens Präsidentin Ilijana Jotowa hat die Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag, 1. November 2026, nach Hochrechnungen deutlich gewonnen.
Mehrere Institute sahen sie bei 57,4 bis 58,2 Prozent, ihren Herausforderer Andrej Gjurow bei 38,6 bis 39,6 Prozent.
Gjurow erkannte das Ergebnis an und rief zur Einheit auf; das amtliche Ergebnis wurde für Montag erwartet.
Jotowa wirbt für Verhandlungen mit Russland über ein Ende des Kriegs in der Ukraine und lehnt Militärhilfe für Kiew ab.
Bulgarien behält Ilijana Jotowa als Staatsoberhaupt. Die Amtsinhaberin hat die Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag, 1. November 2026, nach Hochrechnungen mehrerer Meinungsforschungsinstitute klar gewonnen. Die Schätzungen sahen sie bei 57,4 bis 58,2 Prozent der Stimmen. Ihr Herausforderer Andrej Gjurow, früherer Übergangspremier und Bankfachmann, kam demnach auf 38,6 bis 39,6 Prozent.
Gjurow erkannte die Niederlage an und rief zur Einheit auf, wie der irische Sender RTÉ berichtet. Das amtliche Endergebnis wurde für Montag erwartet. Bestätigt es die Hochrechnungen, ist Jotowa die erste direkt gewählte Präsidentin des Landes.
Wer ist Ilijana Jotowa?
Ilijana Jotowa war Vizepräsidentin, bis sie im Januar 2026 an die Spitze des Staates rückte. Ihr Vorgänger Rumen Radew war zurückgetreten, um mit seiner neuen Partei Progressives Bulgarien bei der Parlamentswahl anzutreten. Radew gewann und ist heute Ministerpräsident; seine Partei unterstützte Jotowas Kandidatur. Jotowa war zuvor Europaabgeordnete der bulgarischen Sozialisten.
Im Wahlkampf präsentierte sich Jotowa als proeuropäisch. Sie bekennt sich zur Mitgliedschaft Bulgariens in EU und Nato, argumentiert aber, Frieden in der Ukraine sei nur über Verhandlungen mit Russland zu erreichen. Militärhilfe für die Ukraine lehnt sie ab. „Ich will eine Präsidentin des Friedens sein“, sagte sie nach Angaben der Schweizer Zeitung 20 Minuten. Mit Kremlchef Wladimir Putin würde sie demnach sprechen, wenn die zuständigen bulgarischen Institutionen sie damit beauftragten.
Wer ist Andrej Gjurow?
Andrej Gjurow ist Ökonom und war Vizegouverneur der Bulgarischen Nationalbank. Anfang 2026 führte er eine Übergangsregierung. Unterstützt wurde er vom proeuropäischen Reformbündnis aus „Wir setzen den Wandel fort“ und „Demokratisches Bulgarien“. Gjurow warf der Regierung vor, Russland nicht klar als Aggressor zu benennen.
Der Vorsitzende der liberalen Partei „Wir setzen den Wandel fort“, Assen Wassilew, wertete das Ergebnis dennoch als „Rote Karte“ für die Regierung. Er verwies darauf, dass sich die Zahl der Stimmen für Gjurow fast verdoppelt habe.
Wie lief der erste Wahlgang?
Im ersten Wahlgang am 25. Oktober 2026 hatte kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht. Jotowa lag mit 34,76 Prozent vorn, Gjurow folgte mit 31,95 Prozent. Der Nationalist Kostadin Kostadinow von der Partei Wasraschdane kam auf 12,55 Prozent.
Die Wahlbeteiligung war schon im ersten Durchgang so niedrig wie nie zuvor bei einer bulgarischen Präsidentschaftswahl. Für die Stichwahl nennen die Quellen unterschiedliche Werte: Die Angaben reichen von rund 27 bis 29,1 Prozent. Belastbar ist damit nur, dass weniger als ein Drittel der Wahlberechtigten abgestimmt hat.
Was bedeutet die Wahl für Bulgariens Kurs?
Das Präsidentenamt in Bulgarien hat überwiegend repräsentative Befugnisse. Viele sahen die Wahl dennoch als Richtungsentscheidung über die Außenpolitik, vor allem gegenüber Russland und dem Krieg in der Ukraine. Zugleich galt sie als Test für die Regierung Radew, die seit Mai im Amt ist. Steigende Lebenshaltungskosten und teurer Treibstoff waren zentrale Themen.
Überschattet wurde der Wahlkampf von Drohnenangriffen auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer im Oktober, bei denen 21 Menschen vermisst werden. Ministerpräsident Radew erklärte laut RTÉ, die Angriffe schienen russischen Interessen zu dienen, und bestellte den russischen Botschafter ein. Seine Regierung betont zugleich, es gebe keine Belege für eine direkte Verbindung nach Moskau.
Fragen und Antworten
Wer hat die Wahl in Bulgarien gewonnen?
Nach Hochrechnungen vom 1. November 2026 gewann Amtsinhaberin Ilijana Jotowa die Stichwahl mit 57,4 bis 58,2 Prozent gegen Andrej Gjurow. Gjurow erkannte die Niederlage an.
Welche Haltung hat Jotowa zum Krieg in der Ukraine?
Jotowa befürwortet Verhandlungen mit Russland und lehnt Militärhilfe für die Ukraine ab. Die Mitgliedschaft Bulgariens in EU und Nato stellt sie nicht infrage.
Was offen ist
Das amtliche Endergebnis der Zentralen Wahlkommission lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor; die genannten Zahlen beruhen auf Hochrechnungen. Offen ist auch die genaue Wahlbeteiligung. Wie Jotowa das Amt künftig außenpolitisch ausfüllt, bleibt abzuwarten. Weitere Berichte finden Sie in der Rubrik Welt.
Grundlage: Berichte von RTÉ vom 2. November 2026, ORF und 20 Minuten vom 1. November 2026 sowie news.at zur Stichwahl. Eigene Einordnung.
Titelbild: Bulgarische Flagge in Widin, Symbolbild – Luciani Koroshec / Unsplash, Unsplash-Lizenz





Kommentare