Zwischen Sparpflicht und Zukunftsinvestitionen – Nürnbergs Haushaltsplan 2026 im Fokus
- Kevin Kienle

- vor 20 Stunden
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Am 20. November 2025 hat der Nürnberger Stadtrat nach über acht Stunden intensiver Debatte den Haushaltsplan für das Jahr 2026 verabschiedet – und zwar mit deutlicher Mehrheit trotz wachsender Finanzsorgen. Die Stadt steht vor dem wirtschaftlichen Spagat, Einsparungen umzusetzen, gleichzeitig aber in Zukunftsfelder zu investieren, um Handlungsfähigkeit und Wachstum zu sichern.
1) Rahmen: Allgemeine Lage und Haushaltsvolumen
Für das Haushaltsjahr 2026 plant Nürnberg Ausgaben von rund 2,8 Milliarden Euro, während die Erträge bei etwa 2,7 Milliarden Euro liegen – ein Etat mit einem leichten strukturellen Minus, das durch strategische Einsparungen und Investitionsprioritäten ausgeglichen werden soll.
Die größten Posten im kommunalen Budget bleiben wie erwartet die Transferleistungen (rund 1,2 Mrd. €) sowie Personal- und Versorgungsaufwendungen (circa 900 Mio. €) – ein Spiegelbild von steigenden Sozial- und Personalkosten, die viele Städte bundesweit vor Herausforderungen stellen.
2) Konsolidierung: Sparen trotz vollem Investitionsplan
Ein zentrales Element des Plans ist ein konsumtives Einsparpaket von rund 30 Millionen Euro jährlich ab 2026, mit dem die Stadt ihre Defizite reduzieren will – eine Forderung der Regierung von Mittelfranken, die bereits im Vorfeld Haushaltskonsolidierung verlangt hatte.
Stadtkämmerer Thorsten Brehm betonte, dass trotz dieses Konsolidierungsbeitrags „verantwortungsvoll“ weiter investiert werde. Oberbürgermeister Marcus König unterstrich, der Haushalt sende „ein deutliches Signal: Bildung, Betreuung, Klimaschutz und Erneuerung unserer Infrastruktur haben Priorität“.
3) Investitionen: Zukunftsprojekte und mittelfristige Planung
Der mittelfristige Investitionsplan sieht für das Jahr 2026 Investitionen von rund 530 Millionen Euro vor. Davon muss die Stadt etwa 220 Millionen Euro selbst tragen, während der Rest durch Zuschüsse gedeckt wird. Zwischen 2026 und 2029 sind insgesamt rund 2,3 Milliarden Euro an Investitionen geplant, davon etwa 1,2 Milliarden Euro aus Fördermitteln.
Zu den geplanten Projekten zählen unter anderem:
Sanierung und Neubau von Bildungseinrichtungen, darunter Schulbauten und soziale Infrastrukturen.
Stärkung der Einsatzinfrastruktur, etwa der Neubau einer integrierten Leitstelle.
Erneuerung von Jugend- und Familienzentren (z. B. im Reutersbrunnen).
Diese Investitionen sind nicht nur Ausgaben, sondern spiegeln zugleich strategische Prioritäten für Nürnbergs künftige Wettbewerbsfähigkeit wider.
4) Schulden: Aufnahme neuer Verbindlichkeiten
Während ein Teil der Haushaltskonsolidierung gelingt, setzt Nürnberg weiterhin auf Neuverschuldung zur Finanzierung von Investitionen. Für 2026 sind Netto-Neuverschuldungen von rund 68 Millionen Euro vorgesehen, die Gesamtverschuldung könnte bis Ende 2026 auf etwa 1,98 Milliarden Euro steigen.
Die Situation steht exemplarisch für viele Großstädte in Deutschland: Angespannte kommunale Finanzen, steigende Pflichtausgaben, aber dringender Modernisierungsbedarf, der ohne Kreditaufnahme schwer zu stemmen ist.

5) Bewertung: Chancen und Risiken im kommunalen Finanzmanagement
Die beschlossene Balance aus Einsparungen und Investitionen zeigt, wie sehr kommunale Haushaltsführung heute ein Drahtseilakt ist:
Chancen: Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Sicherheit können positive wirtschaftliche Effekte entfalten, etwa durch gesteigerte Attraktivität für Familien und Unternehmen, Arbeitsplätze im Bau- und Sozialbereich sowie langfristiges Wachstum.
Risiken: Hohe laufende Kosten und steigende Schulden begrenzen den Handlungsspielraum, gerade, wenn staatliche Zuweisungen nicht in gleichem Maße wachsen. Kritiker sehen die Gefahr, dass strukturelle Probleme nicht gelöst, sondern nur verschoben werden.
Der Haushaltsplan 2026 macht deutlich: Nürnberg will handlungsfähig bleiben – trotz steigender Ausgaben, knapper Kassen und struktureller Herausforderungen. Die Entscheidung für ein jährliches Einsparpaket bei gleichzeitigen Investitionen ist ein pragmatischer Kompromiss, der gleichermaßen Sparzwänge anerkennt und Zukunftsprojekte anschiebt. Ob das finanzielle Gleichgewicht mittelfristig gelingt, hängt aber nicht nur von kommunalen Maßnahmen ab, sondern auch von der Finanzierungsperspektive auf Landes- und Bundesebene, die für Städte wie Nürnberg eine entscheidende Rolle spielt.




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