Gesundheitsamt: Woche der seelischen Gesundheit mit 121 Angeboten
Das Wichtigste in Kürze
Die Nürnberger Woche der seelischen Gesundheit 2026 findet vom 10. bis 20. Oktober statt; das Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg organisiert sie zum dritten Mal.
Im Online-Veranstaltungskalender sind nach Angaben des Gesundheitsamts 121 Veranstaltungen an 112 Terminen eingetragen; viele sind kostenlos, einige kosten einen kleinen Beitrag.
Die Auftaktveranstaltung findet am Freitag, 9. Oktober 2026, von 17 bis 19 Uhr im Schönen Saal des Nürnberger Rathauses statt; Schirmherr ist Oberbürgermeister Marcus König.
Eine stadtweite Kampagne erklärt sechs Fachbegriffe aus Psychotherapie und Psychiatrie: Rumination, Kongruenz, Prokrastination, Validierung, Dissoziation und Resilienz.
Hilfe in akuten seelischen Krisen bietet der Krisendienst Mittelfranken unter der kostenlosen Rufnummer 0800 655 3000.
In Nürnberg beginnt am Samstag, 10. Oktober 2026, die dritte Nürnberger Woche der seelischen Gesundheit. Bis zum 20. Oktober bieten Kliniken, Beratungsstellen, Vereine, Selbsthilfegruppen und städtische Dienststellen Vorträge, Workshops, Ausstellungen und Tage der offenen Tür an. Im Online-Veranstaltungskalender waren nach Angaben des Gesundheitsamts zum 2. Oktober 121 Veranstaltungen an 112 Terminen eingetragen.
Eröffnet wird die Aktionswoche am Vorabend, Freitag, 9. Oktober, von 17 bis 19 Uhr im Schönen Saal des Rathauses am Rathausplatz 2. Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung wird gebeten. Schirmherr ist Oberbürgermeister Marcus König, eröffnen wird Britta Walthelm, Referentin für Umwelt und Gesundheit.
Ziel der Woche ist nach Darstellung der Stadt Nürnberg ein vorurteilsfreier und gleichberechtigter Umgang mit Menschen, die psychisch erkrankt sind. Die Aktionswoche ist Teil des städtischen Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.
Woche der seelischen Gesundheit 2026: Was auf dem Programm steht
Das Programm der Woche der seelischen Gesundheit richtet sich laut Gesundheitsamt an Kinder, Jugendliche, Familien, Erwachsene, Angehörige und Fachkräfte. Neben Vorträgen und Ausstellungen gibt es Mitmach- und Beratungsangebote, kreative Formate und trialogische Angebote, also Gesprächsrunden, in denen Betroffene, Angehörige und Fachleute zusammenkommen. Die Stadt hatte die Veranstalter gebeten, ihre Angebote möglichst niedrigschwellig und kostenfrei zu gestalten.
Eine Auswahl aus dem Programm, das das Gesundheitsamt mit Stand 1. Oktober als PDF veröffentlicht hat:
Samstag, 10. Oktober, 11 Uhr: Fachvortrag „ADHS verstehen“ im Medizinischen Versorgungszentrum Pommes mit Marmelade, Frankenstraße 160; kostenlos, ohne Anmeldung.
Sonntag, 11. Oktober, 14.30 Uhr: „Gemeinsam gegen Einsamkeit“ des Nürnberger Bündnisses gegen Depression im Café Marie 15, Marienstraße 15.
Montag, 12. Oktober, 13 bis 19 Uhr: Präventionstag des Gesundheitsamts im ehemaligen Tabakladen im Kaufhof, Pfannenschmiedsgasse.
Dienstag, 13. Oktober, 17.30 Uhr: Das Klinikum Nürnberg stellt im Haus eckstein seine Versorgung vor und gibt einen Ausblick auf das neue Zentrum für seelische Gesundheit.
Mittwoch, 14. Oktober, 17 Uhr: Psychose-Trialog im Klinikum Nürnberg, Campus Nord, veranstaltet von Pandora Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener und den Selbsthilfekontaktstellen Kiss Mittelfranken.
Freitag, 16. Oktober, 15 Uhr: Rundgang um die Baustelle des Zentrums für seelische Gesundheit am Campus Nord; entfällt bei Regen.
Dienstag, 20. Oktober, 17 Uhr: Forum Selbsthilfe bei Kiss Nürnberg-Fürth, Am Plärrer 15.
Mehrere Angebote zielen auf das Berufsleben, etwa Online-Kurzberatungen des Integrationsfachdienstes Mittelfranken, ein Tag der seelischen Gesundheit der AOK in der Direktion Nürnberg am 13. Oktober und Tage der offenen Tür bei Einrichtungen zur beruflichen Rehabilitation. Das Gesundheitsamt bietet zudem Bewegungsangebote im Freien an, darunter Qi Gong auf dem Veit-Stoß-Platz und im Lochnerpark.
Junge Menschen im Mittelpunkt mehrerer Angebote
Ein Schwerpunkt liegt auf der psychischen Gesundheit junger Menschen. Im Gesundheitsstudio des Gesundheitsamts in der Burgstraße 4 zeigt der Verein Mutmachleute die Ausstellung „YOUth Mental Health Matters“: Menschen mit psychischen Erkrankungen erzählen dort auf großformatigen Aufstellern ihre Geschichten. Das Gesundheitsamt begründet die Ausstellung damit, dass gut die Hälfte der psychischen Erkrankungen bereits in der Jugend beginne und Stigma häufig als belastender beschrieben werde als die Erkrankung selbst.
Daneben stellt das städtische Projekt GROW HAPPY NBG in einer Posterausstellung vor, was Jugendliche und junge Erwachsene aus Nürnberg belastet und was ihnen Halt gibt, in ihren eigenen Worten. Am 14. Oktober werden die Ergebnisse dieser Jugendbeteiligung in einer eigenen Veranstaltung vorgestellt. Am selben Tag präsentiert das Klinikum Nürnberg seine Adoleszentenstation, eine Station für Jugendliche und junge Erwachsene.
Sechs Fachbegriffe auf Plakaten und in der U-Bahn
Neu in diesem Jahr ist eine Informationskampagne, die sechs Begriffe aus Psychotherapie und Psychiatrie erklärt. Sie bilden zugleich die thematischen Schwerpunkte der Woche. Die Stadt Nürnberg erläutert sie so:
Rumination: andauerndes, kreisendes Grübeln über belastende Gedanken, ohne zu einer Lösung zu kommen.
Kongruenz: Übereinstimmung zwischen Denken, Fühlen und Handeln.
Prokrastination: wiederholtes Aufschieben wichtiger Aufgaben trotz negativer Folgen.
Validierung: Gefühle eines Menschen ernst nehmen, ohne sie zu bewerten.
Dissoziation: ein Schutzmechanismus, bei dem Wahrnehmung, Bewusstsein oder Erinnerungen zeitweise voneinander getrennt werden.
Resilienz: die Fähigkeit, Krisen und Rückschläge zu bewältigen.
Beworben wird die Woche nach Angaben der Stadt auf digitalen City Lights, auf Plakaten, mit Videos in U-Bahn, Bus und Straßenbahn sowie mit Flyern und Postkarten in Arztpraxen, Apotheken, Kulturläden und städtischen Dienststellen. Was die Kampagne kostet, geht aus den veröffentlichten Unterlagen nicht hervor.
Der Auftakt im Rathaus
Den Auftaktabend am 9. Oktober eröffnen nach dem Programm des Gesundheitsamts Menschen mit eigener Erfahrung psychischer Belastungen mit kurzen Erfahrungsberichten. Den fachlichen Teil übernimmt Dr. med. Dominika Mahr, Oberärztin für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg, Campus Nord. Ihre Leitfrage lautet, was Menschen durch die Zeit einer psychischen Erkrankung trägt.
Zum Abschluss sprechen Britta Walthelm und Andrea Sitzmann von der Koordinierungsstelle des Aktionsplans zur UN-Behindertenrechtskonvention im Referat für Jugend, Familie, Senioren und Soziales darüber, welche Verantwortung die Stadtgesellschaft für die seelische Gesundheit ihrer Bürgerinnen und Bürger trägt.
Oberbürgermeister König begleitet die Woche erneut als Schirmherr, unterstützt von den Referentinnen Britta Walthelm und Elisabeth Ries. „Seelische Gesundheit ist eine grundlegende Voraussetzung für ein gutes und selbstbestimmtes Leben“, erklärt König auf der Seite des Gesundheitsamts. Gerade in Krisenzeiten sei es wichtig, offen über psychische Gesundheit zu sprechen.
Was die Stadt nicht beziffert
Das Gesundheitsamt schreibt, psychische Gesundheit habe angesichts gesellschaftlicher Herausforderungen in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen; das zeige sich auch in der täglichen Arbeit des Amts. Konkrete Zahlen nennt die Stadt in ihren Unterlagen zur Aktionswoche nicht, weder zur Zahl psychisch erkrankter Menschen in Nürnberg noch zu Wartezeiten auf einen Therapieplatz.
Auch die Entwicklung der Woche selbst lässt sich nur eingeschränkt vergleichen.
Anfang Oktober 2024, zehn Tage vor Beginn der zweiten Ausgabe, meldete das Gesundheitsamt 76 Veranstaltungen an 103 Terminen. Die Zahlen für 2026 sind ebenfalls ein Stand vor Beginn; wie viele Menschen die Angebote nutzen, wird erst eine Bilanz zeigen.
Hilfe in akuten Krisen: Krisendienst Mittelfranken
Wer sich in einer akuten seelischen Krise befindet, findet beim Krisendienst Mittelfranken rund um die Uhr Unterstützung. Er ist über die bayernweit einheitliche, kostenlose Rufnummer 0800 655 3000 erreichbar, regional unter 0911 424855-0. Der Krisendienst berät auch Angehörige und bietet Online-Beratung an. Bei unmittelbarer Gefahr gilt der Notruf 112.
Häufige Fragen
Wann ist die Woche der seelischen Gesundheit 2026?
Die Nürnberger Woche der seelischen Gesundheit findet vom 10. bis 20. Oktober 2026 statt. Die Auftaktveranstaltung ist am Freitag, 9. Oktober 2026, von 17 bis 19 Uhr im Schönen Saal des Rathauses Nürnberg, Rathausplatz 2. Organisiert wird die Aktionswoche vom Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg.
Was bietet die Woche der seelischen Gesundheit in Nürnberg?
Laut Gesundheitsamt Nürnberg sind 121 Veranstaltungen an 112 Terminen eingetragen (Stand: 2. Oktober 2026). Dazu gehören Vorträge, Ausstellungen, Workshops, Selbsthilfe- und Beratungsangebote sowie Tage der offenen Tür, etwa im Klinikum Nürnberg. Viele Angebote sind kostenlos; das Programm steht im Online-Veranstaltungskalender und als PDF auf nuernberg.de.
Wie erreiche ich den Krisendienst Mittelfranken?
Der Krisendienst Mittelfranken ist rund um die Uhr unter der kostenlosen, bayernweit einheitlichen Rufnummer 0800 655 3000 erreichbar, regional unter 0911 424855-0. Er hilft Menschen in seelischen Krisen und ihren Angehörigen, auch online. Bei unmittelbarer Lebensgefahr gilt der Notruf 112.
Was ist das Zentrum für seelische Gesundheit in Nürnberg?
Das Zentrum für seelische Gesundheit ist ein Neubau des Klinikums Nürnberg am Campus Nord, der sich derzeit im Bau befindet. Während der Woche der seelischen Gesundheit gibt das Klinikum am 13. Oktober 2026 im Haus eckstein einen Ausblick auf das Zentrum, am 16. Oktober führt ein Rundgang um die Baustelle.
Foto: Nadine Riedel, Psychiatriekoordination für Kinder und Jugendliche / Gesundheitsamt Stadt Nürnberg





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