Vom grauen Durchgangsort zur grünen Altstadt-Oase – wie der Obstmarkt seinen Wandel schafft
- Kevin Kienle

- vor 18 Stunden
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Es ist ein vertrautes Motiv in der Debatte um Nürnbergs Innenstadt: Die Altstadt braucht Räume, die zum Verweilen, zum Beisammensein, zum Leben einladen – und nicht länger vorrangig Verkehrsadern sind. Genau das verspricht die umfassende Neugestaltung des Obstmarkts zwischen Hauptmarkt, Theresienstraße und Spitalgasse. Nach Jahren der Planung und jahrelangen Diskussionen tritt das Projekt nun sichtbar in seine Umsetzungsphase. Eine Informationsveranstaltung am 21. Januar 2026 im Feuerbachsaal der IHK markiert den Auftakt für eine neue Gesprächsrunde zwischen Stadtverwaltung, Fachämtern und Bürgerinnen und Bürgern über den laufenden Umbau und die nächsten Schritte.
1. Warum der Obstmarkt? Ein Platz mit Potenzial
Der Obstmarkt galt lange als funktional geprägter Verkehrsraum – ein Übergang zwischen dem pulsierenden Hauptmarkt und den engen, historischen Gassen der Altstadt. Heute wird der Platz als Teil der „guten Stube“ Nürnbergs beschrieben, dessen gegenwärtiger Zustand dem städtebaulichen Erbe und den Erwartungen an einen lebendigen Stadtraum nicht mehr gerecht wird.
Stadtplaner und Verantwortliche sehen im Umbau eine Chance, aus dieser Verkehrsachse einen attraktiven öffentlichen Ort zu schaffen: mit vielen neuen Bäumen, Ruhebereichen, weniger Autoverkehr und Raum für Begegnung. Bereits jetzt stehen Klimaaspekte im Fokus: Die Planung wurde 2021 überarbeitet, um den Herausforderungen des Klimawandels – Hitze, Starkregen, urbane Erwärmung – besser zu begegnen.
2. Was ist geplant? Grün, Wasser, Begegnung
Die Vision klingt nach urbaner Oase: Zwischen Theresienstraße und Spitalgasse entstehen breite Aufenthaltsbereiche, mehr Grünflächen, Sitzgelegenheiten und Wasserflächen, die Schatten spenden und zum längeren Verweilen einladen sollen. Statt der überdimensionierten Fahrbahn bekommen Fußgänger, Außengastronomie und flexible Nutzung Vorrang. Der Blick auf den Chor der Frauenkirche soll wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Etwa 40 neue Bäume sind vorgesehen – zusätzlich zu den bestehenden Bestandsbäumen – und innovative Entwässerungskonzepte der „Schwammstadt“ setzen auf Regenwasserversickerung statt Kanalüberlastung.
Die tatsächliche Umgestaltung der Oberfläche beginnt voraussichtlich Mitte 2026, doch zuvor werden umfangreiche Untergrundarbeiten durchgeführt: Die Erneuerung von Kanal-, Strom-, Gas- und Wassernetz steht seit Juni 2025 im Fokus und dauert voraussichtlich bis Juni 2026. Die gesamte Bauzeit soll bis Mitte 2029 andauern.
3. Verkehrskonzept und Alltag in der Bauphase
Mit dem Umbau geht auch eine neue Verkehrsführung einher. Der Obstmarkt bleibt – zumindest während der Bauphasen – für den Autoverkehr weitgehend gesperrt, Ausnahmen gelten für Lieferverkehr und bestimmte Parkbereiche. Öffentliche Nahverkehrslinien sind angepasst, teils mit Ersatzhaltestellen, teils mit Wegfall einzelner Haltepositionen. Auch für Passantinnen und Passanten sowie den Einzelhandel vor Ort bedeutet dies jahrzehntelange Veränderungen im Alltag, die in der Informationsveranstaltung thematisiert werden sollen.
4. Bürgerbeteiligung: Mehr als Information
Die Informationsveranstaltung am 21. Januar 2026 ist mehr als ein Termin im Kalender: Sie soll den Dialog zwischen Stadtplanung, Fachbehörden (Stadtentwässerung, Umweltanalytik, Energieversorgung, Servicebetrieb Öffentlicher Raum) und der Öffentlichkeit vertiefen. Im Mittelpunkt steht der Bauprogrammplan für 2026, aber auch die Perspektiven der Anwohner, Gewerbetreibenden und Altstadtbesucher.
Dieses Format knüpft an frühere Beteiligungsphasen an, in denen Zahlen, Kommentare und Rückmeldungen der Bürgerinnen maßgeblich in die Planung eingeflossen sind. Dass jetzt zum Jahresanfang wieder eingeladen wird, zeigt: Die Stadt will den Umbau nicht als top-down-Projekt, sondern als gemeinsames Vorhaben gestalten.
Der Umbau des Obstmarkts steht für einen Paradigmenwechsel in Nürnbergs Innenstadtentwicklung: Weg von der Verkehrsdomäne, hin zu einem lebendigen, urbanen Aufenthaltsraum, der historische Identität mit klimafitter Zukunft verbindet. Die Informationsveranstaltung am 21. Januar 2026 markiert einen wichtigen Moment im partizipativen Prozess – und bietet die Gelegenheit, Erwartungen, Chancen und Sorgen im Blick auf den Umbau offen zu benennen und gemeinsam weiterzudenken.
Für eine Altstadt, die nicht nur schön ist, sondern auch zum Bleiben, zum Treffen und zum Leben einlädt.
Informationsveranstaltung am 21. Januar 2026 der Stadt Nürnberg zur Umgestaltung des Obstmarktes
Wo: Feuerbachsaal der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Mittelfranken, Eingang über den Seiteneingang der IHK in der Winklerstraße 22
Wann: 21.01.2026, 18:00 Uhr
Quelle Bilder: Stadt Nürnberg










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