Sachsen-Anhalt-Wahl: AfD bei 42,1 Prozent im Wahltrend
- Gagandeep Singh (Romy)

- vor 5 Stunden
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Zwei Wochen vor der Landtagswahl diskutiert der Nürnberg-Times-Podcast, warum die absolute Mehrheit rechnerisch möglich ist.
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 kann die AfD nach dem Wahltrend vom 12. August 2026 stärkste Kraft mit deutlichem Abstand werden. Die Umfrage von wahlen.de sieht die AfD bei 42,1 Prozent, die CDU bei 22,9, die Linke bei 13, die SPD bei 6,6, die Grünen bei 4,6, das BSW bei 4,4 und die FDP bei 2,9 Prozent. Im Podcast von The Nuremberg Times diskutieren Moderator Kevin Kienle, Romy Singh und Paul Arzten, was diese Ausgangslage für die Regierungsbildung, für Ostdeutschland und für den bundesweiten Umgang mit der Partei bedeutet. Umfragen sind keine Wahlergebnisse — die Werte können sich bis zum Wahltag verschieben.
Warum die absolute Mehrheit an wenigen Prozentpunkten hängt
Für Paul Arzten ist der Ausgang der Wahl im Kern bereits entschieden: „Entweder schafft die AfD die absolute Mehrheit oder nicht. Das ist die einzige Frage, die noch ungeklärt ist für mich." Entscheidend ist dabei nicht der eigene Zuwachs, sondern die Fünf-Prozent-Hürde bei den kleineren Parteien. Scheitern SPD und Grüne, reichten der AfD nach Arzners Rechnung 42 bis 43 Prozent für die absolute Mehrheit der Mandate. Ziehen beide in den Landtag ein, wären rund 45 Prozent nötig.
Hinzu kommt ein struktureller Vorteil: Die AfD mobilisiere Nichtwählerinnen und Nichtwähler besser als jede andere Partei, sagt Arzner — ein Mechanismus, den die demokratische Konkurrenz bislang nicht entschlüsselt habe.
Was passiert, wenn die AfD in Regierungsverantwortung kommt?
Bei 42 Prozent führt nach Einschätzung der Runde kaum ein Weg an einer AfD-geführten Regierung vorbei. Die Alternative wäre ein Bündnis aus CDU, SPD, Grünen und Linken — für Arzten politisch unrealistisch. Kevin Kienle hält es aus Demokratieverständnis für kaum vertretbar, der stärksten Kraft das Amt des Ministerpräsidenten zu verweigern. Auf die Hoffnung, Regierungsverantwortung werde die Partei entzaubern, setzt in der Runde niemand: Kienle verweist auf Donald Trump, dessen Rückhalt in der eigenen Partei trotz Kritik stabil geblieben sei.
Konkret würde eine AfD-Regierung das Innenministerium und damit die Aufsicht über den Landesverfassungsschutz übernehmen — eine Behörde, die die Partei laut Podcast als rechtsextrem einstuft. Romy Singh nennt zudem den angekündigten Ausstieg aus dem Rundfunkstaatsvertrag und den Zugriff auf Kunst und Kultur als Felder, in denen „Pflöcke" eingeschlagen würden, die sich später kaum zurückholen ließen.
Warum klassische Gegenstrategien versagen
Singh zieht seine Diagnose aus einem Wahlkampfauftritt, bei dem der ZDF-Satiriker Fabian Köster den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund konfrontierte: „Die kriegst du weder inhaltlich noch kabarettistisch in irgendeiner Form gepackt." Ihr Fazit: „Mit der herkömmlichen Kommunikation werden wir diese Partei nicht klein bekommen. Wir werden sie auch nicht klein bekommen, indem wir die Inhalte dieser Partei kopieren." Ein Verbotsverfahren in Karlsruhe hält er inzwischen für politisch kaum noch durchsetzbar.
Kienle setzt einen anderen Fokus: „Welche Politik sollten wir machen, damit die Bürger nicht zu einer AfD rennen?" Arzten verweist auf ein Glaubwürdigkeitsproblem, das über Programme hinausgeht: Wenn Wahlversprechen im Osten über Jahrzehnte folgenlos blieben — „Warum sollte das dann beim 21. Mal klappen?"
Was der Blick nach Bayern und Schleswig-Holstein zeigt
Als Gegenbeispiele nennen beide Bayern und Schleswig-Holstein, wo die AfD schwächer abschneidet und die Regierungschefs nach Singhs Einschätzung „klare Kante gegenüber der AfD" zeigen. Arzten Schlussfolgerung ist unspektakulär und langfristig: Politik beginne vor Ort, in Vereinen, Feuerwehren und im Ehrenamt — „klingelt mal zwei Jahre vorher bei den Nachbarn". Taktikaufrufe einen Monat vor der Wahl kämen zu spät.
Den lokalen Bezug stellt Singh selbst her: Dass das Thema Kunst und Kultur in Nürnberg inzwischen im Referat des Oberbürgermeisters angesiedelt sei statt in einem eigenen Referat, zeige, wie stark Kulturpolitik als Hebel der Meinungsbildung verstanden werde.




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