70 Sitze neu verteilt: So setzt sich der Nürnberger Stadtrat 2026 künftig zusammen
- Kevin Kienle

- vor 4 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
CSU gewinnt klar – Nürnberger Stadtrat verschiebt sich politisch
Die Stadtratswahl 2026 hat die politischen Kräfteverhältnisse im Nürnberger Rathaus deutlich verändert. Die CSU wird mit großem Abstand stärkste Kraft und erhält 24 der 70 Sitze, während SPD und Grüne deutlich verlieren. Gleichzeitig steigt die AfD mit acht Mandaten zur viertgrößten Fraktion auf.
Insgesamt nahmen 193.677 Bürgerinnen und Bürger an der Wahl teil, von 379.322 Wahlberechtigten. Damit wurden über 12,2 Millionen gültige Stimmen abgegeben – eine Besonderheit des bayerischen Kommunalwahlrechts, bei dem Wähler Stimmen auf viele Kandidaten verteilen können.
Die neue Sitzverteilung zeigt ein deutlich fragmentierteres politisches Bild als noch vor sechs Jahren.
Die neue Sitzverteilung im Nürnberger Stadtrat
Von den 70 Stadtratssitzen entfallen nach dem vorläufigen Ergebnis auf die Parteien:
CSU: 24 Sitze
SPD: 13 Sitze
Grüne: 10 Sitze
AfD: 8 Sitze
Die Linke: 5 Sitze
Freie Wähler: 2 Sitze
politbande: 2 Sitze
ÖDP: 1 Sitz
FDP: 1 Sitz
LINKE LISTE Nürnberg: 1 Sitz
Tierschutzpartei: 1 Sitz
Piraten & Humanisten: 1 Sitz
Volt: 1 Sitz
Mehrere kleinere Listen bleiben ohne Mandat.
Damit ziehen 13 politische Gruppierungen in das Nürnberger Stadtparlament ein – ein Zeichen für die zunehmende Zersplitterung der kommunalen Parteienlandschaft.
CSU bleibt dominierende Kraft im Rathaus
Mit über 4,1 Millionen Stimmen und 24 Sitzen baut die CSU ihre dominierende Stellung im Nürnberger Stadtrat weiter aus.
Angeführt wird die Liste vom amtierenden Oberbürgermeister Marcus König, der mit über 103.000 Stimmen auch das stärkste Einzelergebnis innerhalb der CSU erzielt.
Neben ihm sichern sich zahlreiche bekannte Kommunalpolitiker erneut Mandate, darunter etwa Andreas Krieglstein, Max Müller, Catrin Seel oder Rainer Nachtigall.
SPD bleibt zweitstärkste Kraft – verliert aber deutlich
Die SPD erreicht 2,23 Millionen Stimmen und 13 Sitze und bleibt damit zweitstärkste Kraft im Nürnberger Stadtrat. Dennoch bedeutet das Ergebnis einen deutlichen Rückgang im Vergleich zur vergangenen Wahlperiode.
Spitzenkandidat Dr. Nasser Ahmed erzielt mit über 71.000 Stimmen das stärkste Ergebnis innerhalb der SPD-Liste.
Neben Ahmed ziehen unter anderem Michael Ziegler, Yasemin Yilmaz, Thorsten Brehm sowie Sozialreferentin Elisabeth Ries erneut ins Rathaus ein.
AfD mit acht Sitzen
Besonders auffällig ist das Abschneiden der AfD, die mit 1,38 Millionen Stimmen acht Sitze erhält.
Zu den gewählten Kandidaten zählen unter anderem Roland-Alexander Hübscher, Michael Feder und der Landtagsabgeordnete Matthias Vogler.
Grüne verlieren – bleiben aber zentrale Kraft
Die Grünen kommen auf 1,81 Millionen Stimmen und zehn Sitze.
Damit bleiben sie eine wichtige politische Kraft im Rathaus, verlieren jedoch gegenüber der letzten Wahlperiode an Gewicht.
Angeführt wird die Liste von Umweltreferentin Britta Walthelm, gefolgt von Stadträtinnen und Stadträten wie Andrea Friedel, Natalie Keller oder Cengiz Şahin.
Eine jüngere Generation rückt ins Rathaus
Neben den etablierten Kommunalpolitikern bringt die Wahl auch eine Reihe jüngerer Kandidatinnen und Kandidaten in den Nürnberger Stadtrat. Mehrere Parteien schicken damit bewusst eine neue Generation kommunaler Entscheidungsträger ins Rathaus.
Bei der SPD zieht etwa der Jurist Anil Altun (Jahrgang 2000) erstmals in den Stadtrat ein. Ebenfalls vergleichsweise jung ist Linda Reinke (1996), die als Projektmanagerin ebenfalls ein Mandat erhält.
Auch bei den Grünen rücken jüngere Kandidaten nach. Der Verkehrsingenieur Alexander Kahl (2001) gehört zu den jüngsten gewählten Stadträten, während Claudia Hammerbacher (1996) ebenfalls neu ins Gremium einzieht.
In der CSU zählen Theo Deinlein (1996) sowie der Lehrer Daniel Frank (1993) zu den jüngeren Mitgliedern der neuen Fraktion.
Auch kleinere Parteien schicken junge Vertreter ins Rathaus: Für die politbande zieht Hannah Diemer (1994) in den Stadtrat ein, während Isaura Süssner (1998) für Volt künftig eines der jüngsten Mitglieder des Stadtparlaments stellt.
Diese personellen Veränderungen deuten auf einen schrittweisen Generationenwechsel in der Nürnberger Kommunalpolitik hin – auch wenn weiterhin viele erfahrene Stadträte das Gremium prägen werden.

Viele kleine Parteien bleiben Teil der Kommunalpolitik
Neben den großen Fraktionen bleibt der Nürnberger Stadtrat stark pluralistisch.
Mehrere kleinere Parteien sichern sich jeweils einzelne Mandate – darunter ÖDP, FDP, Volt, Piraten & Humanisten, Tierschutzpartei und die LINKE LISTE Nürnberg.
Auch die lokale Liste politbande bleibt mit zwei Sitzen vertreten.
Diese Vielfalt zeigt die besondere Dynamik kommunaler Wahlen: Anders als auf Bundes- oder Landesebene können kleinere Gruppierungen auf lokaler Ebene dauerhaft politische Präsenz erreichen.
Kommunalwahl mit besonderem Wahlrecht
Die hohe Gesamtzahl abgegebener Stimmen – über 12 Millionen – erklärt sich durch das bayerische Kommunalwahlrecht.
Wählerinnen und Wähler verfügen über 70 Stimmen, die sie frei auf Kandidaten verteilen können. Dabei sind sowohl Kumulieren (mehrere Stimmen für einen Kandidaten) als auch Panaschieren (Stimmen über mehrere Listen hinweg) möglich.
Dieses System stärkt einzelne Persönlichkeiten und führt häufig dazu, dass Kandidaten auch von hinteren Listenplätzen ins Rathaus gewählt werden.
Fragmentierter Stadtrat erschwert Mehrheiten
Mit 13 vertretenen Gruppierungen wird der Nürnberger Stadtrat künftig noch fragmentierter.
Für stabile politische Mehrheiten bedeutet das zusätzliche Komplexität. Klassische Zweierkoalitionen werden schwieriger, während wechselnde Mehrheiten oder breitere Bündnisse an Bedeutung gewinnen könnten.
Gleichzeitig bleibt die CSU mit großem Abstand stärkste Kraft – ein entscheidender Faktor für die künftige Machtbalance im Nürnberger Rathaus.




Kommentare