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Nürnberg vor der Kommunalwahl 2026: FDP-Kandidat Ümit Sormaz setzt auf Verwaltungseffizienz, Verkehrsgleichgewicht und Integrationschancen

In der Woche der Kommunalwahl skizziert der FDP-Politiker im Podcast seine Agenda: weniger Bürokratie, digitale Stadtverwaltung, faire Verkehrspolitik – und Kritik an Bundesentscheidungen bei Integrationskursen.


Nürnberg steht vor einer richtungsweisenden Kommunalwahl. Im Podcast von The Nuremberg Times formuliert Ümit Sormaz von der FDP Nürnberg seine zentralen Forderungen: eine effizientere Stadtverwaltung, konsequente Digitalisierung, Ausgabendisziplin statt Steuererhöhungen – und eine Verkehrspolitik, die Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger und ÖPNV gleichberechtigt behandelt. Zugleich warnt er vor den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen eingeschränkter Integrationskurse.


Integrationskurse: Halbierter Zugang, doppelte Folgen

Sormaz leitet ein Nürnberger Bildungsunternehmen mit Schwerpunkt auf Umschulungen und Integrationskursen. Seit Oktober 2025 – so schildert er es – seien die Zuweisungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge deutlich zurückgegangen. Vor wenigen Wochen sei dann bekannt geworden, dass Integrationskurse nur noch einem enger gefassten Personenkreis offenstehen.


Die Folge beschreibt er drastisch: Der Markt für Integrationskurse sei faktisch um rund 50 Prozent eingebrochen. Für private Träger, Volkshochschulen und andere Anbieter bedeute das massive Umsatzeinbußen. Noch gravierender seien jedoch die gesellschaftlichen Konsequenzen: Wer keinen Zugang zu Sprachkursen erhalte, habe geringere Chancen auf Arbeitsmarktintegration – und laufe Gefahr, später genau dafür kritisiert zu werden.


Die Darstellung basiert auf seinen unternehmerischen Erfahrungen; konkrete bundespolitische Beschlüsse oder Zahlen nennt er im Gespräch nicht. Unstrittig ist jedoch: Sprachkompetenz bleibt eine zentrale Voraussetzung für Teilhabe – ökonomisch wie sozial.


„Ein Nürnberg, das funktioniert“: Verwaltung als Standortfaktor

Das Leitmotiv des FDP-Wahlprogramms lautet: „Ein Nürnberg, das funktioniert.“ Gemeint ist damit vor allem eine leistungsfähige, bürgernahe Verwaltung. Somas verweist auf lange Wartezeiten bei Ämtern, auf komplexe Verfahren und auf strukturelle Ineffizienzen.


Sein Vergleich ist international: In anderen Ländern ließen sich viele Verwaltungsleistungen per App erledigen. Nürnberg solle sich nicht am bundesdeutschen Durchschnitt messen, sondern an digitalen Vorreitern.


Besonders aus Unternehmersicht kritisiert er ein „Ungleichgewicht“ zwischen staatlichen Fristen und behördlichen Reaktionszeiten – etwa im Verhältnis zwischen Finanzamt und Betrieben. Auch wenn er den Personalmangel in Behörden ausdrücklich anerkennt, fordert er mehr Symmetrie im Umgang.


Die Stoßrichtung ist klar: Verwaltung soll nicht nur rechtsstaatlich korrekt, sondern auch serviceorientiert und planbar sein. Für eine exportorientierte, mittelständisch geprägte Stadt wie Nürnberg ist das mehr als Komfort – es ist ein Wettbewerbsfaktor.


Haushaltslage: Ausgaben prüfen statt Einnahmen erhöhen

Angesichts hoher Schulden und begrenzter Spielräume positioniert sich Sormaz deutlich gegen Steuer- oder Gebührenerhöhungen. Stattdessen setzt er auf strukturelle Effizienzgewinne.

Ein Ansatzpunkt: unbesetzte Stellen in der Stadtverwaltung. Von rund 12.000 Mitarbeitenden seien etwa 1.000 bis 1.500 Stellen vakant. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels plädiert er dafür, freiwerdende Stellen nicht automatisch nachzubesetzen, sondern Prozesse durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz zu automatisieren.


Zugleich stellt er eine Grundsatzfrage: Muss die Stadt alle Dienstleistungen selbst anbieten – auch in Bereichen, in denen private Anbieter existieren? Hier deutet sich ein klassisch liberaler Ansatz an: Konzentration auf Kernaufgaben wie Gesundheitsversorgung, Rückzug aus wettbewerblichen Feldern.


Als Beispiel nennt er die Übernahme der defizitären Klinik Hallerwiese-Cnopfsche Kinderklinik durch die Stadt. Im Gesundheitswesen sei öffentliche Daseinsvorsorge legitim – auch wenn sie Zuschüsse erfordere. In anderen Bereichen sieht er dagegen Prüfbedarf.


Konkrete Einsparvolumina oder priorisierte Projekte benennt er nicht. Die Debatte bleibt programmatisch.


Verkehrspolitik: Gleichberechtigung statt „T-Konto“

Kaum ein Thema polarisiert stärker als der Verkehr. Sormaz wählt bewusst zugespitzte Formulierungen wie „Autofahrer schützen“, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.


Sein Kernargument: Verkehrspolitik dürfe kein Nullsummenspiel sein. Die Bevorzugung des Autos in früheren Jahrzehnten rechtfertige nicht die systematische Benachteiligung heute. Er plädiert für eine gleichberechtigte Behandlung aller Verkehrsträger – abhängig von städtebaulichen Gegebenheiten.


Kritisch sieht er etwa das Entfernen von Parkplätzen zugunsten temporärer Maßnahmen wie aufgestellter Baumkübel, wenn diese aus seiner Sicht keine substanzielle ökologische Verbesserung bringen. Gleichzeitig betont er die Notwendigkeit eines attraktiven, sauberen und eng getakteten ÖPNV.


Die Konfliktlinie verläuft weniger zwischen Verkehrsträgern als zwischen politischem Stil und Prioritätensetzung: Symbolpolitik versus langfristige Planung.


Fahrerlose Shuttles: Innenstadt neu denken

Für die Nürnberger Innenstadt schlägt Sormaz fahrerlose Shuttle-Systeme vor. Ziel ist eine höhere Aufenthaltsqualität bei reduziertem Individualverkehr. Autonome Fahrzeuge könnten – so seine Idee – auf klar definierten Routen verkehren und durch geringere Personalkosten wirtschaftlich betrieben werden.


Rechtliche und regulatorische Fragen seien teils noch offen, räumt er ein. Sein Verweis auf die Corona-Zeit zeigt jedoch sein Politikverständnis: Wenn politischer Wille vorhanden sei, ließen sich Verfahren beschleunigen.


Ob und in welchem Zeithorizont ein solches Projekt realistisch wäre, bleibt im Gespräch offen. Als Vision fügt es sich in die Digitalisierungsagenda der FDP ein.


Repräsentation und Beteiligung: „Upgrade“ für Nürnberg

Ein weiteres „Upgrade“ sieht Sormaz in der stärkeren Repräsentation von Menschen mit Migrationshintergrund in leitenden Positionen der Stadtverwaltung. In einer Stadt mit über 50 Prozent Bevölkerung mit Migrationsbezug (so seine Angabe im Gespräch) müsse sich diese Vielfalt auch in Amtsleitungen widerspiegeln.


Zudem wirbt er für höhere Wahlbeteiligung. Bei der letzten Kommunalwahl lag sie unter 50 Prozent – eine Zahl, die er ausdrücklich problematisiert.


Frankenschnellweg: Rechtsstaat versus Bürgerbegehren

Zum umstrittenen Ausbau des Frankenschnellwegs positioniert sich Sormaz klar: Er kritisiert das erneute Bürgerbegehren nach gerichtlicher Bestätigung des Projekts.


Sein Argument ist weniger inhaltlich als verfahrensbezogen: Wenn gerichtliche Entscheidungen nach langen Planungsprozessen immer wieder politisch infrage gestellt würden, drohe ein Stillstand. Das Instrument des Bürgerbegehrens sei wichtig – müsse aber verantwortungsvoll eingesetzt werden.


Hier berührt die Debatte eine bundesweite Grundfrage: Wie viel direkte Demokratie verträgt komplexe Infrastrukturplanung – und wie lässt sich Planungssicherheit mit Beteiligung vereinbaren?


Fazit: Effizienz, Eigenverantwortung, marktwirtschaftliche Logik

Ümit Sormaz präsentiert sich als wirtschaftsnaher Pragmatiker. Seine Agenda folgt einer klaren Linie: weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung, Ausgabendisziplin statt Einnahmeerhöhungen, gleichberechtigte Verkehrspolitik und integrationspolitischer Realismus.


Konkrete Umsetzungspläne oder belastbare Finanzzahlen bleiben im Gespräch teilweise vage. Doch die Richtung ist eindeutig: Nürnberg soll effizienter, digitaler und wirtschaftsfreundlicher werden – ohne dabei seine soziale Infrastruktur aufzugeben.


Ob diese Mischung bei den Wählerinnen und Wählern verfängt, entscheidet sich am Wahltag.

Quelle Bild: Ümit Sormaz

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