top of page

Metz startet TV-Produktion in Nürnberg – Umzug aus Zirndorf

vor 4 Stunden
4 Min. Lesezeit

Der Fernsehhersteller Metz Consumer Electronics produziert seit dieser Woche in Nürnberg. Am Donnerstag, 10. September, hat das Unternehmen seine neue Fertigungslinie in der Sigmundstraße 189 offiziell in Betrieb genommen; die ersten Geräte laufen dort nach Unternehmensangaben ab sofort vom Band. Es ist der erste große Meilenstein eines Umzugs, mit dem Metz nach fast sieben Jahrzehnten seinen Sitz in Zirndorf aufgibt.


Der Schritt fällt auf, weil er gegen den Strom läuft. Die Nürnberger Nachrichten werten den Produktionsstart als „starkes Signal" in einer Zeit, in der viele Betriebe ihre Fertigung ins Ausland verlagern. Auch die Stadt Nürnberg, die zur Eröffnung mit ihrer Wirtschaftsreferentin Dr. Andrea Heilmaier vertreten war, spricht von einer Stärkung des Industriestandorts.

Bis Ende 2026 soll der gesamte Standortwechsel abgeschlossen sein. Die Belegschaft, so das Unternehmen, geht den Weg nach Nürnberg vollständig mit.


Eine 96 Meter lange Linie und ein Sondermodell zum Auftakt

Metz hat die Verlagerung genutzt, um seine Fertigung neu zu ordnen. Die bisher auf zwei Linien verteilte TV-Produktion wird in Nürnberg in einer einzigen, 96 Meter langen Fertigungslinie gebündelt. Ergänzt wird sie durch einen Manufakturbereich für besonders großformatige Geräte, wie das Unternehmen in seiner Mitteilung vom 10. September schreibt.


Das erste Gerät, das offiziell vom Band rollte, ist das limitierte Sondermodell „Metz Cubus compact R", ein 32-Zoll-Fernseher. Zur Eröffnung begrüßte die Geschäftsführung neben Heilmaier auch Zhang Hongjun, President der Shenzhen Chuangwei-RGB Electronics Co Ltd, aus dem Mutterkonzern Skyworth, sowie Vertreter des Planungsbüros Fischer Planen und Bauen. Der Bayerische Rundfunk war ebenfalls vor Ort.


Untergebracht ist die Fertigung in einem Bestandsgebäude, das für Metz umfassend umgebaut wurde. Energetisch wurde es nach Unternehmensangaben mit einer neuen Heizungsanlage, einer Photovoltaikanlage und Maßnahmen an der Gebäudehülle modernisiert. Das Fachportal ELEKTRObranche.at berichtete Anfang September von einem Mietvertrag über 15 Jahre – ein Zeichen, dass Metz sich langfristig in der Metropolregion bindet.


„Die ersten Metz Fernseher, die heute in Nürnberg vom Band laufen, markieren für uns einen ganz besonderen Moment", sagte Metz-Geschäftsführer Dr. Norbert Kotzbauer zur Eröffnung. „Wir beginnen an einem neuen Standort und führen gleichzeitig das fort, was Metz seit Jahrzehnten auszeichnet: hochwertige Fernseher, entwickelt und gefertigt in Deutschland."


Der Rest des Unternehmens folgt bis Jahresende

Mit der Produktion ist erst ein Teil des Unternehmens umgezogen. Entwicklung, Qualitätssicherung, Verwaltung und After-Sales-Service sollen in den kommenden Monaten sukzessive folgen. Ziel ist es laut Metz, künftig alle Unternehmensbereiche unter einem Dach zusammenzuführen – mit kürzeren Wegen und optimierten Abläufen.


Der Zeitplan ist auch durch äußere Umstände gesetzt: Nach Angaben von ELEKTRObranche.at läuft der Mietvertrag für das bisherige Werk an der Ohmstraße in Zirndorf zum Jahresende 2026 aus. Die neue Adresse liegt rund sechs Kilometer entfernt, zehn Autominuten, wie das Portal schreibt.


Eine Änderung gibt es allerdings: Die Logistik für Fertigwaren wird künftig ausgelagert. Mit einem Personalabbau sei das nicht verbunden, betont Metz – alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden übernommen. Wie viele Beschäftigte der Umzug betrifft, nennt das Unternehmen nicht. Auch zur Höhe der Investition in den Umbau des Nürnberger Gebäudes liegen bislang keine Angaben vor.


Chinesischer Eigentümer, deutsche Fertigung

Dass Metz überhaupt noch in Franken produziert, ist keine Selbstverständlichkeit. Das 1938 gegründete Unternehmen meldete im November 2014 Insolvenz an. Anfang 2015 wurde es aufgeteilt: Der chinesische Elektronikkonzern Skyworth übernahm die Fernsehsparte, die seither als Metz Consumer Electronics GmbH firmiert; Blitzgeräte und Kunststofftechnik gingen an einen anderen Eigentümer. Die Nürnberger Nachrichten hatten zu Jahresbeginn 2025 an das zehnjährige Jubiläum dieser Rettung erinnert.


Der Umzug hat darüber hinaus eine historische Note. Nach der Firmenchronik gründete Paul Metz das Unternehmen 1938 in Nürnberg, bevor es nach Zirndorf ging. Mit der Sigmundstraße kehrt die Marke also an ihren Gründungsort zurück.


Unter dem Dach von Skyworth führt Metz heute zwei Marken. „Metz Classic" steht laut Unternehmen für Premium-Fernseher „Made in Germany"; „METZ blue" umfasst Smart-TVs mit Google TV oder Roku TV. Nürnberg wird nach den Angaben der Mitteilung zur Produktionsstätte der Marke Metz Classic. Wo die Geräte der Marke METZ blue gefertigt werden, geht aus der Mitteilung nicht hervor.


Aus Sicht des Mutterkonzerns, so heißt es in der Mitteilung weiter, markiere der Produktionsstart einen wichtigen Schritt für die weitere Entwicklung des Unternehmens und seiner Produkte. Kotzbauer selbst formulierte es so: „‚Made in Germany' bleibt der wesentliche Teil unserer Identität."


Was das für Nürnberg bedeutet

Für die Stadt ist der Zuzug in doppelter Hinsicht willkommen: Eine Bestandsimmobilie wird revitalisiert, und ein Industriebetrieb kommt hinzu. „Mit dem neuen Standort gewinnt unsere Stadt ein traditionsreiches Unternehmen, das Entwicklungskompetenz, industrielle Fertigung und qualifizierte Arbeitsplätze in der Region verbindet", sagte Wirtschaftsreferentin Heilmaier bei der Eröffnung. Dass die ersten Fernseher nun in Nürnberg vom Band liefen, zeige, „dass industrielle Wertschöpfung ‚Made in Germany' hier eine Zukunft hat".


Das fügt sich in das Bild, das die Stadt selbst von ihrem Standort zeichnet. In der im Juni vorgelegten „Positionsbestimmung 2026" bezifferte das Wirtschaftsreferat die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Nürnberg auf rund 320.600 und die Gewerbesteuereinnahmen des Jahres 2025 auf 714 Millionen Euro – nach eigener Darstellung ein Höchststand. Nürnberg behaupte sich als bedeutender Industrie- und Digitalstandort, hieß es damals.


Der Wert des Zuzugs liegt dabei weniger in der Zahl der Arbeitsplätze – die nicht öffentlich ist – als in der Botschaft: Ein Konsumelektronik-Hersteller mit chinesischem Eigentümer entscheidet sich für eine langfristige Fertigung in Franken.


Offen bleibt, was mit dem bisherigen Areal an der Ohmstraße in Zirndorf geschieht; aus den vorliegenden Informationen geht dazu nichts hervor. Ebenso unbeantwortet ist, in welchem Umfang die Nürnberger Linie künftig ausgelastet sein wird. Metz hatte bereits 2025 angekündigt, am neuen Standort neben Fernsehern auch andere Produkte herstellen zu wollen; welche das sind, präzisiert die aktuelle Mitteilung nicht.


Faktenkasten: Der Metz-Umzug im Überblick

  • Neuer Standort: Sigmundstraße 189, Nürnberg (umgebautes Bestandsgebäude, Mietvertrag laut ELEKTRObranche.at über 15 Jahre)

  • Bisheriger Standort: Ohmstraße, Zirndorf; Mietvertrag läuft Ende 2026 aus

  • Produktionsstart: 10. September 2026; erstes Gerät: Sondermodell „Metz Cubus compact R" (32 Zoll)

  • Fertigung: eine neu organisierte, 96 Meter lange Linie plus Manufakturbereich für großformatige Geräte

  • Zeitplan: Entwicklung, Qualitätssicherung, Verwaltung und After Sales folgen bis Ende 2026

  • Belegschaft: zieht vollständig mit; Fertigwarenlogistik wird ausgelagert, alle Beschäftigten werden übernommen; Beschäftigtenzahl nicht genannt

  • Eigentümer: Skyworth (China), seit 2015

Kommentare


bottom of page