top of page

Max-Morlock-Stadion: Vorzugsvariante für Vollumbau steht

Die Planer des Nürnberger Stadionvollumbaus haben eine Vorzugsvariante für das künftige Max-Morlock-Stadion vorgestellt. Sie sieht ein Stadion mit rund 50.000 Zuschauerplätzen vor, bei internationalen Spielen mehr als 40.000 Sitzplätze. Die Laufbahn entfällt, die Tribünen rücken näher an das Spielfeld. Das Konzept wurde am 3. Juli auf einer Pressekonferenz präsentiert und wird dem Stadtrat als Grundlage für die weiteren Beratungen vorgeschlagen.


Den Startschuss für die konkrete Planung hatte der Stadtrat mit der Vergabe der Vorplanung im Dezember 2025 gegeben. In den Monaten danach entwickelten und bewerteten das Stuttgarter Planungsbüro asp, die Stadt Nürnberg, der 1. FC Nürnberg und zahlreiche Fachplaner mehrere Varianten. Das nun vorliegende Ergebnis soll zeigen, dass innerhalb des vorgesehenen Kostenrahmens ein Stadion entstehen kann, das in allen Bereichen leistungsfähiger ist als das heutige.


Ein umlaufendes Achteck mit zwei Rängen

Kern der Vorzugsvariante ist das namensgebende Achteck, umlaufend als zweirangige Tribüne ausgeführt. Die Zielkapazität liegt bei 50.000 Plätzen. Mit dem Wegfall der Laufbahn sollen die Ränge enger an das Spielfeld heranrücken und damit, so die Planung, eine intensivere Fußballatmosphäre schaffen. Vorgesehen sind zudem mehr Stehplätze, bessere Sichtverhältnisse sowie zusätzliche Kioske und Toiletten.


Die Haupttribüne soll wirtschaftlich optimierte und multifunktional nutzbare Hospitality-Bereiche aufnehmen, einschließlich eines sogenannten Tunnelclubs. Insgesamt sind rund 3.000 Hospitality-Plätze eingeplant. Vor der Nordkurve ist ein großer Vorplatz vorgesehen; eine eigene Ebene E+1 soll als Verteiler, für die barrierefreie Erschließung und als Begegnungsort dienen.



Barrierefreiheit wird deutlich ausgebaut

Bei der Barrierefreiheit sieht die Planung einen spürbaren Ausbau vor: Die Zahl der Rollstuhlfahrerplätze soll von 90 auf 250 steigen. Auch verbesserte Laufwege und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und den Radverkehr sind Teil des Konzepts.

Für die Energieversorgung ist ein Anschluss an die Fernwärme der N-ERGIE vorgesehen. Beim Nachhaltigkeitskonzept setzt die Vorzugsvariante nach Angaben der Stadt auf den Erhalt bestehender Bausubstanz, ressourcenschonende Baustoffe, Regenwassernutzung und moderne Gebäudetechnik. Für die Einsatzkräfte von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sind größere und modernere Flächen geplant.


Denkmalwand bleibt — und der Club zieht ein

Prägende Elemente des heutigen Stadions sollen erhalten bleiben. Ausdrücklich Teil der Planung ist der Erhalt der denkmalgeschützten Stadionwand, ergänzt um Freitreppen und ein Atrium in der Haupttribüne.


Zugleich soll das Stadion stärker zur Heimat des 1. FC Nürnberg werden. Vorgesehen sind Fanräume, ein Vereinsmuseum sowie Flächen für die Geschäftsstelle des Clubs. Ziel ist eine engere Verbindung zwischen Verein und Stadion, die den Club auch außerhalb der Spieltage erlebbar macht. Als weitere Zusatzbausteine nennt die Präsentation eine Mantelbebauung und einen Sport Innovation Campus.


Sportbürgermeister Andreas Krieglstein ordnete die Vorplanung als Etappenziel ein: „Mit der Vorplanung haben wir aus vielen Ideen und Zielsetzungen ein konkretes Zukunftsbild entwickelt. Die Empfehlung der Planer zeigt, dass wir innerhalb des vorgesehenen Kostenrahmens ein Stadion bauen können, das den Fans ein besseres Erlebnis bietet, wirtschaftlich leistungsfähiger ist und gleichzeitig seine Identität bewahrt. Das ist ein ganz wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu unserem neuen Achteck.“


Bewusste Fokussierung — was nicht kommt

Die Vorzugsvariante konzentriert die Investitionen nach Darstellung der Stadt auf jene Funktionen, die für den künftigen Betrieb den größten Mehrwert schaffen sollen. Diese Fokussierung bedeutet zugleich, dass eine Reihe zunächst diskutierter Elemente nicht weiterverfolgt wird.


Nicht weiter berücksichtigt werden laut Präsentation eine Parkpalette oder ein Parkhaus, eine kommerzielle Mantelbebauung, eine Sporthalle, ein Bundesstützpunkt Ringen sowie eine Stadion-KiTa. Auch Einzelhandel und ein Hotel sind nicht Teil der Vorzugsvariante. Die Streichungen begründet die Stadt mit der Einhaltung des Kostenrahmens und dem Verzicht auf Sonderwünsche.


Wirtschaftlichkeit als Leitlinie

Über den Spielbetrieb hinaus zielt die Planung auf eine ganzjährige, wirtschaftliche Nutzung — von Tagungen bis zu Großkonzerten. Genannt werden ein modernerer VIP-Bereich, mehr Drittveranstaltungen, ein effizienterer Betrieb und eine bessere Vermarktung. Als nächsten Schritt zur Bewertung der Ertragskraft nennt die Stadt einen Businessplan.


Finanzvorstand Stefan Heim vom 1. FC Nürnberg betonte die Einbindung der Anhänger und den Nutzen über den Fußball hinaus: „Wir sind der Stadt sehr dankbar, dass unsere Fans aktiv in die Gestaltung ihrer neuen Heimat eingebunden wurden. Gleichzeitig eröffnet die Vorzugsvariante Möglichkeiten für Nutzungen, die weit über den Fußball hinaus einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Deshalb sind wir überzeugt, dass dieses Projekt ein großer Gewinn für Nürnberg, die Region und den 1. FC Nürnberg sein wird.“


Krieglstein verwies auf die veränderten Anforderungen an ein Stadion dieser Größenordnung: „Ein Stadion dieser Größenordnung muss heute mehr leisten als alle zwei Wochen Fußball zu ermöglichen. Es muss wirtschaftlich funktionieren, ganzjährig genutzt werden können und den Menschen in Nürnberg dauerhaft einen Mehrwert bieten.“


Am 22. Juli entscheidet der Stadtrat

Mit der Vorstellung der Vorzugsvariante ist die Vorplanung noch nicht abgeschlossen. Am 22. Juli wird der Stadtrat über das vorgeschlagene Bauprogramm beraten. Auf Grundlage dieses Beschlusses soll das Planungsbüro die ausgewählte Variante weiter vertiefen und die Kosten detailliert ermitteln. Parallel dazu erstellt die Stadt einen Businessplan, der die wirtschaftlichen Perspektiven aufzeigen und eine Grundlage für die weiteren Finanzierungsentscheidungen bilden soll.


Wie hoch die Investition insgesamt ausfällt, geht aus den bislang veröffentlichten Unterlagen nicht hervor; genannt wird lediglich ein „vorgesehener Kostenrahmen“, ohne konkrete Summe. Auch ein Zeitplan für Baubeginn und Fertigstellung ist in der vorliegenden Präsentation nicht ausgewiesen. Als weitere Schritte nach der Ausplanung nennt die Stadt Kostenschätzung, Finanzierung, die Vergabe der Totalunternehmerleistung sowie Planung und Bau.


Faktenkasten: Die Vorzugsvariante im Überblick

  • Kapazität: rund 50.000 Plätze; bei internationalen Spielen mehr als 40.000 Sitzplätze

  • Bauform: umlaufendes Achteck als zweirangige Tribüne, Wegfall der Laufbahn

  • Hospitality: rund 3.000 Plätze, Haupttribüne mit Tunnelclub

  • Barrierefreiheit: Rollstuhlplätze steigen von 90 auf 250

  • Erhalt: denkmalgeschützte Stadionwand mit Freitreppen und Atrium

  • Für den Club: Fanräume, Vereinsmuseum, Geschäftsstelle

  • Energie: Fernwärme (N-ERGIE)

  • Gestrichen: Parkhaus/Parkpalette, kommerzielle Mantelbebauung, Sporthalle, Bundesstützpunkt Ringen, Stadion-KiTa, Einzelhandel/Hotel

  • Nächster Termin: Stadtratsberatung am 22. Juli


Quelle Bild: Stadt Nürnberg

Kommentare


bottom of page