Iran in der Krise: Proteste, Repression – und Solidarität auf dem Nürnberger Jakobsplatz
- Kevin Kienle

- vor 3 Tagen
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Seit Ende Dezember 2025 erlebt der Iran eine der schwersten Krisen seiner jüngeren Geschichte. Aus zunächst wirtschaftlich motivierten Protesten ist eine landesweite Bewegung geworden, die zugleich die Legitimität des Regimes in Frage stellt. Die staatliche Reaktion – von umfassenden Kommunikationssperren bis zu tödlicher Gewalt gegen Demonstrierende – hat zu internationalen Besorgnissen und Solidaritätsbekundungen geführt. Am heutigen Samstag versammelten sich auch in Nürnberg rund 300–400 Menschen zu einer friedlichen Demonstration am Jakobsplatz, bei der laut Polizei alles ruhig verlief.
Was im Iran passiert – Hintergründe und Entwicklungen
1. Auslöser und Dynamik der Proteste
Die Protestwelle begann am 28. Dezember 2025, zunächst als Reaktion auf eine tiefgreifende Wirtschaftskrise mit hoher Inflation, stark steigenden Lebenshaltungskosten und einem dramatischen Wertverlust der Landeswährung. Schnell weitete sich der Protest zu einer breiten Bewegung mit politischen Forderungen aus, die über die reine Ökonomie hinausgehen und die bestehende Staatsordnung infrage stellen.
Die Unzufriedenheit erstreckt sich über alle Bevölkerungsgruppen und Regionen: Straßenproteste wurden zu Massenbewegungen in vielen Städten, und es kam wiederholt zu Streiks und Basarschließungen.
2. Gewalt und Repression
Die staatliche Reaktion war – laut Menschenrechtsorganisationen – brutal und systematisch. Sicherheitskräfte setzten Schusswaffen, Tränengas und andere Mittel ein, um Protestierende zu zerstreuen. Internationale Beobachter berichten von Tausenden Toten, wobei genaue Zahlen aufgrund einer fast landesweiten Internet- und Kommunikationsblockade schwierig zu verifizieren sind.
Schätzungen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) gehen von mindestens über 3.000 Toten aus, während staatliche Medien niedrigere Zahlen nennen; die Spreizung der Schätzungen ist ein Hinweis auf die eingeschränkte Informationslage.
Hinzu kommen Massenverhaftungen: Nach internationalen Beobachtern wurden über 22.000 Menschen festgenommen, teils unter harten Anklagen, darunter „Krieg gegen Gott“ – ein Delikt, das im Iran die Todesstrafe nach sich ziehen kann.
3. Informationskontrolle und Internetsperren
Seit dem 8. Januar 2026 ist ein nahezu vollständiger Internet-Blackout in Kraft, der den Zugang zum globalen Netz stark einschränkt oder blockiert. Diese Maßnahme erschwert unabhängige Berichterstattung, behindert Familienkontakte und reduziert die internationale Wahrnehmung der Lage vor Ort.
Aktuelle Recherchen deuten darauf hin, dass iranische Behörden sogar eine dauerhafte Trennung vom globalen Internet anstreben, um künftig stärker kontrollierte, staatliche digitale Netze durchzusetzen.
4. Internationale Reaktionen
Die internationale Gemeinschaft reagiert gespalten:
Der UN-Sicherheitsrat erörterte die Lage auf Antrag mehrerer Staaten, und der UN-Generalsekretär rief zu Zurückhaltung und Schutz von Zivilisten auf.
Führende Demokratien verurteilten das harte Vorgehen; die USA haben zusätzliche Sanktionen angekündigt, während europäische Staaten zu diplomatischem und wirtschaftlichem Druck auf die iranische Führung raten.
Iranische Führungsfiguren wiederum werfen externen Mächten vor, die Unruhen anzuheizen.
Demonstration in Nürnberg: Solidarität vor Ort
Parallel zu den Ereignissen im Iran zeigten am Samstag den 17. Januar 2026 rund 300–400 Menschen am Jakobsplatz in Nürnberg ihre Solidarität mit der protestierenden Bevölkerung. Die Polizei beschreibt die Kundgebung als friedlich und ohne Zwischenfälle. Solche lokalen Demonstrationen spiegeln die breite internationale Resonanz wider – von Menschenrechtsgruppen bis hin zu Bürgerinnen und Bürgern in vielen Städten weltweit.
Die Lage im Iran ist zugleich politisch, gesellschaftlich und humanitär brisant. Aus einer wirtschaftlichen Protestwelle entstand eine landesweite Bewegung, die das autoritäre System und seine Legitimation infrage stellt. Die staatliche Reaktion – von Repression bis zu Informationssperren – hat zu schweren Menschenrechtsverletzungen geführt und weckt weltweit Besorgnis. Gleichzeitig wächst der Druck von außen, und Solidaritätsbekundungen wie die heutige Demonstration in Nürnberg zeigen, dass die Entwicklungen im Iran auch in Deutschland ernst genommen werden.




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