„In Lauf geht mehr“: SPD-Kandidat Daniel Illauer setzt auf kommunalen Wohnungsbau, digitale Verwaltung und neue Bürgerbeteiligung
- Kevin Kienle

- vor 6 Stunden
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Der 37-jährige SPD-Politiker will das alte Bauhofareal selbst entwickeln, die Stadtverwaltung radikal digitalisieren und Vereinen ein gemeinsames Zuhause geben. Kurz vor der Kommunalwahl 2026 positioniert er sich als wirtschaftsnaher Sozialdemokrat mit Reformanspruch.
Wenige Tage vor der Kommunalwahl 2026 tritt Daniel Illauer erstmals als Kandidat für das Bürgermeisteramt in Lauf an der Pegnitz an. Der 37-jährige Personalmanager und SPD-Politiker formuliert einen klaren Anspruch: weniger Verwaltung des Status quo, mehr aktive Stadtentwicklung. Seine Prioritäten: kommunaler Wohnungsbau auf städtischen Flächen, eine konsequent digitalisierte Verwaltung mit hybriden Beteiligungsformaten und ein zentrales „Vereinsheim“ für das Ehrenamt.
Wohnen als zentrale soziale Frage
Illauer identifiziert bezahlbaren Wohnraum als drängendstes Problem der 26.000-Einwohner-Stadt. In sozialen Netzwerken suchten viele Menschen verzweifelt nach Wohnungen; in den vergangenen Jahren sei zu stark auf Investoren gesetzt worden. Förderprogramme seien oft ausgeschöpft gewesen, Projekte nicht realisiert worden.
Sein Gegenentwurf: Das zentrale, sogenannte alte Bauhofareal soll nicht weiter ausgeschrieben, sondern von der Stadt selbst entwickelt werden. Neben Wohnraum plant Illauer dort Flächen für Vereine und Kultur. Auch ein weiteres städtisches Grundstück an der Simonshofer Straße soll kommunal bebaut werden.
Darüber hinaus fordert er:
aktives Leerstandsmanagement,
stärkere Nachverdichtung,
eine Bebauungsverpflichtung für ungenutztes Bauland.
Letzteres zielt auf Eigentümer, die Grundstücke als Spekulationsobjekte zurückhalten. Illauer vermeidet zwar den Begriff „Zwang“, spricht aber offen über Satzungsänderungen, um Bauland tatsächlich in Wohnraum zu überführen.
Erbpachtmodelle schließt er nicht aus, insbesondere wenn dadurch langfristig kommunaler Einfluss gesichert werden kann.
Sozialdemokratie auf kommunaler Ebene
Illauer definiert eine „soziale Stadt“ nicht über Gleichheit der Ergebnisse, sondern über vergleichbare Chancen. Wohnen sei ein zentraler Hebel. Daneben betont er konsumfreie Räume, günstige oder kostenfreie kulturelle Angebote – etwa Bücherei oder Industriemuseum – als Instrumente sozialer Teilhabe.
Der Ansatz ist klassisch sozialdemokratisch: kommunale Infrastruktur als Garant für Teilhabe – auch in einer wirtschaftlich stabilen Mittelstadt.
Wirtschaft: Stabilität und Planungssicherheit
Lauf ist kein Großstandort, sondern geprägt von Mittelstand, Handwerk und einzelnen international erfolgreichen Unternehmen. Illauer versteht sich ausdrücklich als wirtschaftsnah – auch mit Verweis auf seine berufliche Tätigkeit als Abteilungsleiter in einer international tätigen Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Schwerpunkt Digitalisierung von Personalprozessen.
Seine wirtschaftspolitischen Leitlinien:
Stabiler Gewerbesteuerhebesatz,
frühe Einbindung von Unternehmen in Planungsprozesse,
Stärkung der Wirtschaftsförderung – personell wie finanziell,
Förderung von Start-ups und Innovationstransfer.
Er verweist auf bestehende Initiativen wie das Technologietransferzentrum und das Unternehmensnetzwerk „Win2“, die Wissenschaft und Wirtschaft verknüpfen.
Die Nähe zu Nürnberg bewertet er als klaren Standortvorteil – infrastrukturell, arbeitsmarktpolitisch und institutionell.
Digitalisierung als Strukturreform
Den deutlichsten Reformanspruch formuliert Illauer bei der Verwaltung. Zwar seien bereits Online-Formulare etabliert worden, doch das reiche nicht. Ziel müsse ein vollständig digitaler „End-to-End-Prozess“ sein – von Antragstellung bis Genehmigung.
Analoge Angebote sollen bestehen bleiben, aber als Ergänzung. Digitalisierung bedeute:
schnellere Abläufe,
ortsunabhängige Dienstleistungen,
barriereärmere Teilhabe.
Zugleich sieht Illauer Reformbedarf im Organisationsaufbau des Rathauses. Die Verwaltung sei noch stark nach traditionellen Hierarchiemodellen strukturiert.
Bürgerbeteiligung neu gedacht
Kritisch sieht Illauer die klassische Bürgerversammlung. Rund 100 Teilnehmende seien zu wenig, junge Menschen erreiche man so kaum.
Sein Modell: hybride Beteiligungsplattformen. Digitale Formate sollen Problemanalyse und Lösungsentwicklung breiter ermöglichen – ohne die Entscheidungshoheit des Stadtrats infrage zu stellen. Beteiligung wird hier nicht als Ersatz parlamentarischer Demokratie verstanden, sondern als vorgelagerter Konsultationsprozess.
Illauer argumentiert zudem demokratietheoretisch: Mehr Beteiligung könne populistische Ränder schwächen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt er kategorisch aus.
Marktplatz, Verkehr und Kompromissfähigkeit
Beim Thema Verkehrsberuhigung des Marktplatzes zeigt sich Illauer kompromissbereit. Ursprünglich habe er eine vollständige Verkehrsberuhigung befürwortet, sei jedoch angesichts wirtschaftlicher Interessen und Mehrheitsverhältnisse davon abgerückt.
Diese Position signalisiert politischen Realismus – und markiert zugleich einen möglichen Konfliktpunkt zwischen Stadtentwicklung, Gewerbe und Aufenthaltsqualität.
Vereinsheim als Identitätsprojekt
Ein bislang wenig beachtetes Thema rückt Illauer ins Zentrum: Viele Laufer Vereine verfügten über kein eigenes Zuhause. Sein Konzept eines zentralen „Vereinsheims“ – integriert ins Bauhofareal – soll ehrenamtliches Engagement strukturell stärken.
In Zeiten rückläufiger Vereinsbindung könnte ein solcher Ort identitätsstiftend wirken – vorausgesetzt, Finanzierung und Flächenverfügbarkeit lassen sich realisieren. Konkrete Kosten- oder Zeitpläne benennt Illauer bislang nicht.
Ein wirtschaftsnaher Sozialdemokrat mit Reformanspruch
Illauers Kampagne verbindet klassische SPD-Themen – Wohnen, Teilhabe, soziale Infrastruktur – mit einem betont wirtschaftsfreundlichen Profil und einem starken Digitalisierungsschwerpunkt. Sein Leitmotiv „In Lauf geht mehr“ richtet sich gegen eine Politik, die er als zu verwaltend beschreibt.
Ob der kommunale Wohnungsbau in einer finanziell begrenzten Mittelstadt realistisch umsetzbar ist, wird maßgeblich von Haushaltslage, Förderkulisse und Mehrheiten im Stadtrat abhängen. Klar ist: Illauer setzt auf aktiven Gestaltungseifer statt Haushaltsneutralität um jeden Preis.
Quelle Bild: Daniel Illauer




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