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Fünferplatz: Gesundheitsamt Nürnberg gibt Trauma-Fachstelle auf

vor 16 Stunden
5 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze


  • Das Gesundheitsamt Nürnberg beendet die Trauma-Fachstelle für Geflüchtete in ihrer bisherigen Form zum 1. Januar 2027; für neue Therapien gilt bereits ein Aufnahmestopp.

  • Der städtische Zuschuss für den Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR) soll 2027 auf 132,19 Millionen Euro steigen, 5,43 Millionen Euro mehr als 2026.

  • Der Freistaat Bayern kürzt mit der neuen Beratungs- und Integrationsrichtlinie ab 2027 die Förderung für Flüchtlings- und Integrationsberatung in Nürnberg.

  • Die neu besetzte Opernhaus-Kommission hat sich am 14. Oktober 2026 erstmals mit dem Kulturgroßbauprojekt Kongresshalle befasst.

  • Der Nürnberger Stadtrat selbst tagte in dieser Woche nicht; die nächste Vollversammlung ist am 28. Oktober 2026.


Der Nürnberger Stadtrat hat in der Woche vom 12. bis 16. Oktober 2026 in fünf Ausschüssen und Kommissionen getagt. Die folgenreichste Nachricht kam aus dem Gesundheitsausschuss am 15. Oktober: Das Gesundheitsamt gibt die Medizinische und Trauma-Fachstelle für Geflüchtete in ihrer bisherigen Struktur zum Jahresende auf. Eine Abstimmung gab es dazu nicht, die Verwaltung legte einen Bericht vor.


Die Entscheidung der Woche: Das Ende der Trauma-Fachstelle für Geflüchtete

Die Medizinische und Trauma-Fachstelle für Geflüchtete beim Gesundheitsamt Nürnberg wird ab dem 1. Januar 2027 nicht mehr in der bisherigen Form fortgeführt. So steht es im Bericht des Gesundheitsamts an den Gesundheitsausschuss vom 15. Oktober 2026. Für die Trauma-Fachstelle gilt nach Angaben der Verwaltung grundsätzlich bereits ein Aufnahmestopp. Laufende Therapien können längstens bis zum Jahresende fortgeführt werden.


Erhalten bleiben die Pflichtaufgaben. Die Erstuntersuchungen und Impfungen für Geflüchtete, die neu in Gemeinschaftsunterkünfte kommen, übernimmt künftig der Bereich Medizinische Dienste des Gesundheitsamts. Die Fachstelle ist seit dem 1. August 2026 von der Lina-Ammon-Straße in die Burgstraße 4 umgezogen. Dort kann auch das vorgeschriebene Tuberkulose-Screening im selben Gebäude stattfinden.


Die Verwaltung begründet das Ende mit Geld, vor dem Hintergrund der Haushaltssperre vom Juli 2026. Der Haushaltsbeschluss für 2026 habe weder für das Personal noch für die Sachmittel ausreichende Mittel ergeben. Zugleich gehen die Kostenerstattungen für Pflichtuntersuchungen zurück, weil weniger Geflüchtete direkt in Nürnberger Unterkünfte kommen. Statt der geplanten Erträge von rund 250.000 Euro rechnet das Amt für 2026 nur noch mit 26.000 Euro.


Auch der Versuch, Fördermittel zu gewinnen, scheiterte. Das EU-Programm AMIF (Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds) fördert nach den neuen Kriterien keine direkte Diagnostik und Therapie. Eine Beteiligung an einem bayerischen Programm war nicht mehr möglich, weil der Freistaat den Zuschlag bereits dem Diakonischen Werk Bayern erteilt hatte. Eine Spende von 10.000 Euro reichte nach Einschätzung der Verwaltung nicht für eine dauerhafte Finanzierung.


Ab 2027 fallen drei befristete Stellenanteile weg: eine volle Psychiater-Stelle, eine halbe Arztstelle und eine halbe Stelle für Medizinische Fachangestellte. Der Bedarf war laut Leistungsstatistik erheblich. Zwischen dem 1. Januar und dem 6. August 2026 verzeichnete die Fachstelle im Trauma-Bereich 367 Arzt- und Therapeutenkontakte. Diese Leistungen waren freiwillig, eine Kostenerstattung gab es dafür nicht.


Das Gesundheitsamt verweist auf andere Angebote in Nürnberg. Genannt werden das Netzwerk Refugee Mental Care.net des Diakonischen Werks Bayern mit dem Psychosozialen Zentrum Nürnberg, das Traumahilfezentrum Nürnberg und die Mutter-Kind-Tagesklinik des Klinikums Nürnberg.


Politisch ist der Schritt eine Kehrtwende. Der gemeinsame Gesundheits- und Sozialausschuss hatte am 22. Mai 2025 noch empfohlen, einen Einsparvorschlag von 600.000 Euro auszusetzen und die Fachstelle bis Ende 2028 weiterzuführen. Die Verwaltung schreibt nun selbst, das fachliche Mandat des Ausschusses bestehe, im Haushalt des Gesamtstadtrats sei es aber nicht abgesichert worden. Die SPD-Stadtratsfraktion hatte im November 2025 vom Freistaat eine dauerhafte Finanzierung der Fachstelle gefordert. Ob Fraktionen in den Haushaltsberatungen für 2027 erneut Mittel beantragen, ist offen.


Was Stadtrat und Ausschüsse in Nürnberg diese Woche beraten haben

Werkausschuss SÖR, 14. Oktober 2026. Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum legte den Wirtschaftsplan 2027 vor. Der städtische Zuschuss für die Leistungen von SÖR soll auf 132,19 Millionen Euro steigen. Die Investitionen sinken von 66,06 auf 20,61 Millionen Euro, weil der Bau der neuen Betriebszentrale „Am Pferdemarkt“ ausläuft; die Übergabe ist für 2027 geplant. Der Ausschuss gab ein Gutachten ab, das Ergebnis ist noch nicht veröffentlicht. Beschließen soll der Stadtrat am 19. November 2026.


Außerdem behandelte der Ausschuss einen Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen-Volt zum Umgang mit Totholz (siehe unten). Auf der Tagesordnung standen außerdem der Personalbericht 2025, die Widmung und Einziehung von Straßen sowie neue Regeln für Personalbefugnisse der Werkleitung.


Opernhaus-Kommission, 14. Oktober 2026. Die vom neuen Stadtrat am 22. Juli 2026 wieder eingesetzte Kommission tagte erstmals. Die Verwaltung gab einen Überblick über das Kulturgroßbauprojekt Kongresshalle seit den Grundsatzbeschlüssen vom Dezember 2021. Der Bericht wurde mündlich vorgetragen; Details sind in den Unterlagen nicht enthalten.


Gesundheitsausschuss, 15. Oktober 2026. Neben der Trauma-Fachstelle legte das Gesundheitsamt die Zuschüsse für 2027 vor. Mehrere Träger beantragen deutlich mehr Geld, etwa die Stadtmission für ihren Sozialpsychiatrischen Dienst 212.000 Euro statt bisher 24.000 Euro. Der Haushaltsentwurf sieht in diesen Fällen den bisherigen Betrag vor. Entscheiden wird der Stadtrat in den Haushaltsberatungen. Zudem schloss das Amt sein Digitalisierungsprojekt DIGiN ab, gefördert mit rund 3,4 Millionen Euro.


Kommission für Integration, 15. Oktober 2026. Die Verwaltung berichtete mündlich über die neue Beratungs- und Integrationsrichtlinie des Freistaats für 2027 bis 2029. Laut Vorlage kürzt Bayern bei der Zahl der förderfähigen Stellen für Flüchtlings- und Integrationsberatung, bei den Integrationslotsinnen und -lotsen und bei besonderen Maßnahmen. Außerdem stellten Caritas und AWO einen Zwischenbericht zu ihrer Sozialberatung im Kulturladen Röthenbach vor, ein Pilotprojekt bis Ende 2026.


Kulturausschuss, 16. Oktober 2026. Die Verwaltung berichtete über eine Tagung am 26. und 27. September 2026 zum Konzept „Haus der Demokratie“ im ehemaligen „Gauhaus“ am Willy-Brandt-Platz. Drei Punkte zu Gebühren und Entgelten des Bildungscampus, darunter die Gebührensatzung der Stadtbibliothek, wurden zurückgezogen.


Anträge der Fraktionen in dieser Woche

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen-Volt hatte am 15. Juli 2026 beantragt, nach dem Sturm im Juni umgestürzte Bäume im Marienbergpark teilweise als Totholz liegen zu lassen. Die Verwaltung antwortete im SÖR-Ausschuss, dies entspreche bereits langjähriger Praxis, soweit die Verkehrssicherheit es zulasse. Im Norden des Marienbergparks seien drei eingezäunte Totholz-Bereiche angelegt.


Zahl der Woche: 132,19 Millionen Euro

So viel soll die Stadt Nürnberg 2027 an den Servicebetrieb Öffentlicher Raum zahlen. Das sind 5,43 Millionen Euro mehr als 2026. Der Zuschuss deckt Straßenunterhalt, Grünflächen, Bäume, Spielplätze und Winterdienst. Laut Wirtschaftsplan sind für 2027 keine weiteren Kredite vorgesehen, nachdem 2026 zwei Kreditaufnahmen nötig waren.


Ausblick: Diese Sitzungen stehen in der kommenden Woche an

Tag

Datum

Uhrzeit

Gremium

Dienstag

20.10.2026

13:00

Personal- und Organisationsausschuss (vorgezogen vom 27.10.)

Mittwoch

21.10.2026

15:00

Ausschuss für Recht, Wirtschaft, Arbeit und Wissenschaft

Donnerstag

22.10.2026

09:00

Sozialausschuss

Donnerstag

22.10.2026

ca. 11:00

Werkausschuss NürnbergStift

Freitag

23.10.2026

13:00

Werkausschuss NürnbergBad

Freitag

23.10.2026

ca. 14:00

Werkausschuss Frankenstadion


Die Tagesordnungen waren bei Redaktionsschluss noch nicht veröffentlicht. Alle Sitzungen finden im Großen Sitzungssaal des Rathauses am Fünferplatz 2 statt.


Häufige Fragen

Wie ist der Nürnberger Stadtrat zusammengesetzt?

Der Nürnberger Stadtrat hat 70 Mitglieder, dazu kommt Oberbürgermeister Marcus König mit Stimmrecht. Laut Stadt Nürnberg (Stand: 1. Oktober 2026) verteilen sich die Sitze so: CSU 24 und FDP 1, die zusammen die stärkste Fraktion bilden; SPD 13; Bündnis 90/Die Grünen-Volt 8 (7 Grüne, 1 Volt); AfD 8; Die Linke 5; Ökologische Fraktion mit ÖDP 4; Freie Wähler 2; Politbande 2. Hinzu kommen drei Einzelstadträte von Linker Liste, Tierschutzpartei sowie Piraten & Humanisten. Die Wahlperiode läuft vom 1. Mai 2026 bis 30. April 2032.


Wann tagt der Stadtrat Nürnberg das nächste Mal?

Die nächste Sitzung des Nürnberger Stadtrats ist am Mittwoch, 28. Oktober 2026, um 15 Uhr im Rathaus. Den Wirtschaftsplan 2027 des Servicebetriebs Öffentlicher Raum soll der Stadtrat am 19. November 2026 beschließen.


Grundlage: Ratsinformationssystem der Stadt Nürnberg (Tagesordnungen und Vorlagen der Sitzungen vom 14. bis 16. Oktober 2026), Pressemitteilung der SPD-Stadtratsfraktion vom 24. November 2025 (Stand: 17. Oktober 2026, 16 Uhr). Eigene Einordnung.


Quellen



Titelbild: Großer Sitzungssaal im Nürnberger Rathaus. Bild © Birgit Fuder / Stadt Nürnberg


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