Einsamkeit im Alter: Nürnberg setzt auf seine Seniorennetzwerke
Das Wichtigste in Kürze
Beim achten Nürnberger Demografieforum am 15. Oktober 2026 im Saal Heilig-Geist ging es darum, wie sich Einsamkeit im Alter verringern lässt.
Fachleute nannten wohnortnahe Angebote als besonders wichtig und wiesen auf das erhöhte Isolationsrisiko pflegender Angehöriger hin.
Die Nürnberger Seniorennetzwerke bestehen seit 20 Jahren und erreichen nach Angaben der Stadt heute nahezu das gesamte Stadtgebiet.
Sozialreferentin Elisabeth Ries will die Netzwerke trotz angespannter Haushaltslage fortführen.
Gegen Einsamkeit im Alter setzt die Stadt Nürnberg weiter auf ihre Seniorennetzwerke in den Stadtteilen. Das ist die zentrale Botschaft des achten Nürnberger Demografieforums, das am Donnerstag, 15. Oktober 2026, im Saal Heilig-Geist stattfand. Die Stadt hat die Ergebnisse am 22. Oktober 2026 veröffentlicht. Das Forum stand unter dem Titel „Mehr zusammen, weniger allein – Nürnberg vernetzt gegen Einsamkeit“.
Thema war, wie Teilhabe, Begegnung und ein selbstbestimmtes Leben im Alter gestärkt werden können. Das Forum ist Teil eines fortlaufenden Dialogs, mit dem die Stadt ihr seniorenpolitisches Gesamtkonzept weiterentwickelt.
Warum ist Einsamkeit im Alter ein eigenes Problem?
Einsamkeit ist mehr als Alleinsein. Darauf wies Prof. Frieder Lang vom Lehrstuhl für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hin. Psychogerontologie ist die Wissenschaft vom seelischen Erleben und Verhalten im Alter. Im hohen Alter, so Lang, erschwerten gesundheitliche Einschränkungen, Pflegebedürftigkeit oder der Tod nahestehender Menschen soziale Kontakte. Wohnortnahe Angebote seien deshalb besonders wichtig.
Prof. Dorothea Geuthner vom Stadtseniorenrat Nürnberg lenkte den Blick auf eine Gruppe, die oft übersehen wird: pflegende Angehörige. Sie seien einem erhöhten Risiko sozialer Isolation ausgesetzt, weil die Pflege kaum Zeit für eigene Kontakte lasse. Einsamkeit wirke sich zudem auf das gesamte soziale Umfeld der Betroffenen aus.
Was sind die Nürnberger Seniorennetzwerke?
Die Seniorennetzwerke sind Zusammenschlüsse in den Nürnberger Stadtteilen, die Angebote für ältere Menschen bündeln, Kontakte vermitteln und als verlässliche Anlaufstellen dienen. Es gibt sie seit 20 Jahren; nach Angaben der Stadt erreichen sie heute nahezu das gesamte Stadtgebiet. Neben Vereinen, Verbänden und Ehrenamtlichen kommt ihnen beim Demografieforum eine Schlüsselrolle gegen Einsamkeit zu.
Wie viele Netzwerke es gibt und wie viele Menschen sie erreichen, nennt die Stadt in ihrer Mitteilung nicht.
Sparkurs: Was die Stadt zusagt
Elisabeth Ries, Sozial- und Seniorenreferentin der Stadt Nürnberg, hob die Bedeutung verlässlicher Strukturen im Wohnumfeld hervor. Die Seniorennetzwerke ermöglichten es, Angebote für ältere Menschen direkt vor Ort zu vernetzen. Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage betonte Ries, die Netzwerke zeigten, wie mit begrenzten Mitteln eine große Wirkung erzielt werden könne. Diese Entwicklung wolle die Stadt fortschreiben.
Konkrete neue Maßnahmen oder Haushaltszahlen kündigte die Stadt im Zusammenhang mit dem Forum nicht an. Wie die Seniorennetzwerke im kommenden Haushalt ausgestattet werden, bleibt damit offen.
Einordnung
Das Demografieforum fällt in eine Phase, in der die Stadt Nürnberg wegen ihrer Finanzlage an vielen Stellen spart. Dass die Sozialreferentin die Seniorennetzwerke ausdrücklich als wirksames und vergleichsweise günstiges Angebot hervorhebt, lässt sich als Signal in der laufenden Spardebatte lesen. Eine verbindliche Finanzierungszusage ist es nicht.
Häufige Fragen
Was kann man gegen Einsamkeit im Alter tun?
Beim Nürnberger Demografieforum nannten Fachleute vor allem wohnortnahe Angebote und Netzwerke im Stadtteil, die Begegnung und Teilhabe ermöglichen. In Nürnberg übernehmen das unter anderem die Seniorennetzwerke, dazu Vereine, Verbände und Ehrenamtliche.
Wer ist besonders von Einsamkeit bedroht?
Neben hochaltrigen Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen nannte Prof. Dorothea Geuthner vom Stadtseniorenrat Nürnberg pflegende Angehörige, denen die Pflege oft kaum Zeit für soziale Kontakte lässt.
Was offen ist
Wie viele Seniorennetzwerke es in Nürnberg gibt und wie viele Menschen sie erreichen.
Wie die Netzwerke im nächsten städtischen Haushalt finanziert werden.
Ob aus dem Forum konkrete neue Angebote gegen Einsamkeit folgen.
Mehr zu sozialen Themen lesen Sie in der Rubrik Gesellschaft.
Grundlage: Pressemitteilung der Stadt Nürnberg Nr. 1180 vom 22. Oktober 2026 („Demografieforum: Gemeinsam gegen Einsamkeit“). Eigene Einordnung.
Titelbild: Podium beim Demografieforum am 15. Oktober 2026 im Heilig-Geist-Saal, von links Prof. Dorothea Geuthner, Beate Zwermann, Prof. Frieder Lang, Elisabeth Ries und Anja-Maria Käßer – Seniorenamt / Carolin Quaas





Kommentare