CSU-Parteitag: Söder wirbt für Aigner, Merz schweigt zur Kandidatur
Das Wichtigste in Kürze
Auf dem CSU-Parteitag in München hat Parteichef Markus Söder erneut für Landtagspräsidentin Ilse Aigner als nächste Bundespräsidentin geworben.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ging in seiner Rede am Samstag, 24. Oktober 2026, auf die Frage nicht ein.
Die CDU erhebt nach eigenen Angaben den Anspruch, einen eigenen Kandidaten oder eine eigene Kandidatin zu benennen.
Die Bundesversammlung wählt am 30. Januar 2027 die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.
Der CSU-Parteitag in München hat den Streit in der Union um die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier offen sichtbar gemacht. CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder warb am Freitag, 23. Oktober 2026, zum Abschluss seiner gut 70-minütigen Rede erneut für Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach am Samstag vor den Delegierten rund 50 Minuten – zur Bundespräsidentenfrage sagte er nichts.
Aigner wäre die erste Frau im höchsten Staatsamt. Gewählt wird das Staatsoberhaupt von der Bundesversammlung am 30. Januar 2027.
Was hat Söder auf dem CSU-Parteitag zu Aigner gesagt?
Söder hatte Aigner nach Berichten von ZDFheute bereits Ende April erstmals für das Amt ins Gespräch gebracht. In München wiederholte er seinen Vorschlag, zeigte sich aber zurückhaltend, was die Entscheidung angeht. Die falle „woanders“, sagte Söder, und fügte hinzu: „Das wäre eine tolle Sache.“ Aigner saß in der ersten Reihe, stand auf und winkte den Delegierten zu, die ihr lange applaudierten.
Die CDU hält dagegen. Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärte die Partei am Freitag, sie habe „durchaus den Anspruch, einen eigenen Kandidaten oder eine eigene Kandidatin“ zu benennen. Für eine Mehrheit in der Bundesversammlung ist die Union zudem auf die SPD angewiesen.
Wie hat sich Merz auf dem Parteitag positioniert?
Merz begann seine Rede mit den Worten „Lieber Markus Söder, liebe Ilse Aigner“, was im Saal Applaus auslöste. Ein Wort zur Kandidatur folgte nicht. Merz hatte im Sommer angekündigt, nach den Landtagswahlen eine Entscheidung zu treffen.
Inhaltlich warb der Kanzler für „Zukunftsmut“: Deutschland solle aufhören, sich schlechtzureden, und Probleme lösen statt sie nur zu beschreiben. Er griff die AfD und die Linke scharf an und kündigte ein härteres Vorgehen gegen den Missbrauch von Sozialleistungen an. Zu den schwachen Umfragewerten der Bundesregierung sagte er: „Wir schauen nicht jeden Tag auf die Umfragen.“ Söder überreichte Merz zum Abschluss das Modell einer Rakete.
Welche Botschaften setzte Söder?
Söder rief Union und Parteien der Mitte zum gemeinsamen Kampf gegen Extremisten von links und rechts auf. „Es geht jetzt um die Existenz der Volksparteien“, sagte er. Die Lage beschrieb er mit den Worten: „Wenn wir ehrlich sind, sind wir mitten im Orkan.“
Konkret kündigte Söder an, gemeinsam mit Baden-Württemberg und Hessen eine „Extremistenklausel“ im Länderfinanzausgleich anzustreben. Länder mit extremistisch geprägten Regierungen sollen demnach kein Geld mehr aus dem Ausgleich erhalten. Söder nannte dabei Berlin für den Fall einer von der Linken geführten Koalition und Sachsen-Anhalt für den Fall einer AfD-Regierung. Ein AfD-Verbotsverfahren lehnte er ab: „Eine Verbotsdiskussion löst das Problem nicht, sie verstärkt es sogar noch.“
Wie steht die Union in den Umfragen?
Laut dem ZDF-Politbarometer, auf das ZDFheute verweist, liegt die AfD mit 26 Prozent vor CDU/CSU mit 23 Prozent. Die SPD kommt auf 14, die Grünen auf 13, die Linke auf 11 und die FDP auf 3 Prozent. Eine Mehrheit für die schwarz-rote Koalition ergibt sich daraus nicht.
Einordnung: Was bedeutet das für Bayern und Nürnberg?
Für den Nürnberger Markus Söder ist die Personalie Aigner auch eine Machtfrage innerhalb der Union. Setzt sich die CSU durch, wäre das ein Prestigeerfolg für die kleinere Schwesterpartei. Gelingt es der CDU, eine eigene Kandidatur durchzusetzen, wäre es ein sichtbarer Dämpfer für Söder, der sich früh und öffentlich festgelegt hat.
Was offen ist
Wann die Union sich auf eine Kandidatur festlegt, ist offen. Ebenso unklar ist, ob die SPD eine Kandidatin Aigner mittragen würde. Ob sich Merz vor der Bundesversammlung am 30. Januar 2027 öffentlich festlegt, ließ er in München offen.
Weitere Berichte zur Landes- und Bundespolitik finden Sie in der Rubrik Politik.
Grundlage: Berichte von ZDFheute vom 23. Oktober 2026 („CSU-Parteitag: Söder wirbt für Aigner und Kampf gegen Extreme“) und 24. Oktober 2026 („Friedrich Merz auf CSU-Parteitag“), von Euronews und t-online vom 24. Oktober 2026. Eigene Einordnung.
Titelbild: Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags, Archivbild (2017) – Michael Lucan / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0 DE





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