Times Podcast: AfD bei 30 Prozent – Streit um ein AfD-Verbot
Die Union fällt in der INSA-Umfrage auf ein Rekordtief. Im Times Podcast ringen drei Hosts um die Frage, ob ein Verbotsverfahren jetzt noch hilft.
Das Wichtigste in Kürze
In der INSA-Sonntagsfrage für „Bild“ vom 3. Oktober 2026 liegt die AfD bundesweit erstmals bei 30 Prozent, CDU und CSU fallen auf 18 Prozent.
In Hamburg käme die CDU laut Trend Research für Radio Hamburg (veröffentlicht am 30. September 2026) nur noch auf 12 Prozent und wäre damit kleinste Fraktion der Bürgerschaft.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) sucht im Bundesrat eine Mehrheit für ein AfD-Verbotsverfahren; nötig sind 35 Stimmen.
Im Times Podcast von The Nuremberg Times halten Paul Arzten und Kevin Kienle ein AfD-Verbot für zu spät, Romy Singh verteidigt es als Gebot der wehrhaften Demokratie.
Die AfD erreicht in der INSA-Sonntagsfrage vom 3. Oktober 2026 erstmals 30 Prozent, die Union fällt mit 18 Prozent auf ihren niedrigsten INSA-Wert. Im Times Podcast von The Nuremberg Times diskutieren Romy Singh, Paul Arzten und Kevin Kienle, was diese Zahlen bedeuten und ob ein AfD-Verbot noch der richtige Weg ist. Zwei der drei Hosts halten den Zeitpunkt für verpasst, einer hält das Verfahren für zwingend.
Was zeigen die aktuellen Umfragen?
Die INSA-Erhebung für „Bild“ wurde vom 28. September bis 2. Oktober 2026 unter 1.202 Personen durchgeführt, die Fehlertoleranz liegt bei plus/minus 2,9 Prozentpunkten. Das Ergebnis im Überblick:
AfD: 30 % (INSA Bund, 3.10.2026) · 14 % (Trend Research Hamburg, 30.9.2026)
CDU/CSU bzw. CDU: 18 % (INSA Bund, 3.10.2026) · 12 % (Trend Research Hamburg, 30.9.2026)
SPD: 14 % (INSA Bund, 3.10.2026) · 29 % (Trend Research Hamburg, 30.9.2026)
Grüne: 14 % (INSA Bund, 3.10.2026) · 18 % (Trend Research Hamburg, 30.9.2026)
Linke: 10 % (INSA Bund, 3.10.2026) · 15 % (Trend Research Hamburg, 30.9.2026)
BSW und FDP liegen in beiden Erhebungen unter fünf Prozent. Andere Institute messen bundesweit etwas andere Werte: Im ARD-DeutschlandTrend kurz zuvor lag die AfD bei 27 und die Union bei 20 Prozent. Umfragen bilden eine Stimmung ab, kein Wahlergebnis.
Merz wollte die AfD halbieren
Kevin Kienle eröffnet die Folge mit einem Satz, den Friedrich Merz im November 2018 veröffentlichte, als er sich um den CDU-Vorsitz bewarb: Die Union könne wieder bis zu 40 Prozent erreichen und die AfD halbieren. Kienle spitzt zu, man könne heute böswillig sagen, Merz habe die AfD verdoppelt und die Union halbiert. Paul Arzten wertet das Ergebnis als Armutszeugnis für den Kanzler. Der Versuch, Themen der AfD zu übernehmen, etwa bei Abschiebungen oder beim Verbrennungsmotor, habe nichts gebracht. Seine These: „CDU, CSU hat kein Profil mehr.“
Romy Singh kritisiert die „brutale Naivität“ der Union, die AfD „klein regieren“ zu wollen. Als Beispiel für Glaubwürdigkeitsverluste nennt er die gescheiterte Wahl von Richterinnen zum Bundesverfassungsgericht im Sommer 2025.
Ist ein AfD-Verbot noch realistisch?
Über ein AfD-Verbotsverfahren gehen die Positionen im Podcast deutlich auseinander. Den politischen Anlass liefern mehrere Ministerpräsidenten: Cem Özdemir (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, führt nach eigenen Angaben permanent Gespräche im Bundesrat und hält einen Antrag erst für sinnvoll, wenn die nötigen 35 Stimmen absehbar sind. Gemeinsam mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte er sich zuvor für ein Verfahren ausgesprochen. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) fordert eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die ein Verbot ergebnisoffen prüft.
Kevin Kienle hält das für zu spät. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 kam die AfD auf 43,8 Prozent. „Ich glaube der Zug ist da abgefahren“, sagt Kienle. Paul Arzten ergänzt, ein Verbot würde rund ein Drittel der Wählerschaft ausschließen, und fragt: „warum hat man das dann nicht früher gemacht“. Er befürchtet, dass viele Menschen über TikTok und Instagram nie erfahren würden, warum die Partei verboten wurde.
Romy Singh widerspricht. Er komme zu dem Schluss, „dass eine Demokratie wehrhaft sein muss gegen Feinde von außen und innen“. Als Gründe für ein Verbotsverfahren nennt er die Einteilung von Menschen in sogenannte Pass- und Biodeutsche, die er für grundgesetzwidrig hält, sowie den Vorwurf, AfD-Politiker gäben Informationen an Russland weiter. Kienle räumt ein, ein Verbot würde die Strukturen der Partei zumindest auf Eis legen, die Wählerinnen und Wähler aber nicht zurückgewinnen.
Protest oder Überzeugung?
Singh widerspricht der These, AfD-Wähler seien vor allem Protestwähler: „Die AfD, das ist kein Protest. Das ist eine tiefe Überzeugung.“ Paul Arzten hält Deutschland dagegen für ein grundsätzlich konservatives Land, nicht für ein rechtsextremes. Als Gegenbeispiele nennt er Berlin, wo die Linke bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 mit 25,7 Prozent erstmals stärkste Kraft wurde, und die stabile SPD in Hamburg. Parteien gewännen dort, wo sie eine klare Zielgruppe ansprechen.
Kienle sieht ein Vakuum, wo früher Union und SPD standen, und bringt neue Parteien mit den Urwerten beider ins Spiel: Die AfD habe es seit ihrer Gründung 2013 in 13 Jahren geschafft. Singh hält das für Wunschdenken, weil Strukturen vom Bund bis in die Ortsvereine Jahrzehnte bräuchten, und kritisiert eine „Konsumentenhaltung“ gegenüber Parteien.
Was Nürnberg damit zu tun hat
Den lokalen Bezug liefert die Nürnberger Politbande. Arzten führt sie als Beispiel einer jungen Gruppe an, die bei der Kommunalwahl 2026 erfolgreich war. Singh nennt sie eine Bubble, die mit dem Bürgerentscheid zum Frankenschnellweg nicht über ihr Milieu hinaus mehrheitsfähig gewesen sei; beim Entscheid am 28. Juni 2026 stimmten 53,1 Prozent für den Ausbau. Für ein bundesweites Problem wie die AfD tauge dieser Ansatz nicht.
Zur CSU sind sich die Hosts näher. Singh hält die Partei für fest auf demokratischem Boden: „Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt Markus Söder aus und das finde ich auch richtig.“ Arzten fragt, was nach Söder kommt. Die Folge endet mit einer Einladung an den bayerischen Ministerpräsidenten in den Times Podcast.
Häufige Fragen
Wie steht die AfD in der aktuellen INSA-Umfrage?
In der INSA-Sonntagsfrage für „Bild“ vom 3. Oktober 2026 liegt die AfD bundesweit bei 30 Prozent, CDU und CSU kommen auf 18 Prozent. Für beide Parteien sind das innerhalb der INSA-Reihe ein Höchst- beziehungsweise Tiefstwert. SPD und Grüne liegen bei je 14 Prozent, die Linke bei 10 Prozent (Stand: 3. Oktober 2026).
Wollte Friedrich Merz die AfD halbieren?
Ja. Friedrich Merz (CDU) erklärte im November 2018, als er sich um den CDU-Vorsitz bewarb, die Union könne wieder bis zu 40 Prozent erreichen und die AfD halbieren. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte die AfD 20,8 Prozent, in der INSA-Umfrage vom 3. Oktober 2026 liegt sie bei 30 Prozent.
Ist ein AfD-Verbot möglich?
Ein Parteiverbot kann nur das Bundesverfassungsgericht aussprechen; beantragen können es Bundestag, Bundesrat oder Bundesregierung. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) sucht dafür eine Mehrheit von 35 Stimmen im Bundesrat, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) will ein Verbot zunächst in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe prüfen lassen. Bundeskanzler Friedrich Merz sieht nach eigenen Worten eine sehr hohe Hürde (Stand: 4. Oktober 2026).
Warum wird ein AfD-Verbot gefordert?
Befürworter wie Cem Özdemir halten die AfD für eine rechtsextreme Partei, die die demokratische Grundordnung beseitigen wolle. Im Times Podcast von The Nuremberg Times begründet Romy Singh seine Unterstützung mit der Einteilung von Menschen in sogenannte Pass- und Biodeutsche und dem Vorwurf der Zusammenarbeit mit Russland. Paul Arzten und Kevin Kienle halten ein Verbot dagegen für zu spät, weil die AfD bundesweit rund 30 Prozent erreicht.
Quellenhinweis: Dieser Beitrag basiert auf einer Folge des Times Podcast von The Nuremberg Times. Umfrage- und Wahlergebnisse wurden anhand von INSA/„Bild“, Trend Research/Radio Hamburg, der Landeswahlleitung Berlin, der Stadt Nürnberg sowie dpa-Berichten geprüft. Einschätzungen der Hosts sind als solche gekennzeichnet.





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