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Volksbad Nürnberg: Sanierung auf der Zielgeraden – sichtbare Fortschritte und Eröffnung für Herbst 2026 geplant

Sanierung sichtbar fortgeschritten – Eröffnung für Herbst 2026 angesetzt

Das Nürnberger Volksbad steht im Frühjahr 2026 in einer entscheidenden Phase seiner Sanierung: Erste historische Räume werden wieder sichtbar, parallel schreitet der Innenausbau voran. Nach aktuellem Bauablaufplan soll das Gebäude in der zweiten Jahreshälfte 2026 wiedereröffnet werden. 


Damit bestätigt sich eine Entwicklung, die sich bereits 2025 abgezeichnet hatte: Nach mehreren Verzögerungen gilt der neue Zeitplan als stabil, das Projekt befindet sich nach Angaben der Stadt im vorgesehenen Rahmen. 


Auch Nürnberger Medien führen das Volksbad inzwischen explizit als eines der zentralen Projekte, die 2026 fertiggestellt werden sollen


Neue Einblicke: Innenräume und historische Rekonstruktion

Aktuell zeigt sich der Fortschritt besonders im Inneren des Gebäudes. In einzelnen Hallen wurden Gerüste entfernt, wodurch restaurierte Decken und architektonische Details erstmals wieder sichtbar sind.


Diese Entwicklung markiert einen wichtigen Übergang: von der strukturellen Sicherung zur gestalterischen Vollendung. Ziel ist es, die ursprüngliche Gestaltung der Jugendstilarchitektur so weit wie möglich wiederherzustellen.


Parallel dazu laufen weiterhin Arbeiten an zentralen Bauteilen. So erhält etwa die zweite Schwimmhalle schrittweise ihr historisches Erscheinungsbild zurück, während auch der markante Turm rekonstruiert wurde und wieder Teil der Silhouette ist. 


Umfeld wird Teil des Projekts: Bäume, Patenschaften, Stadtklima

Die Transformation des Volksbads beschränkt sich nicht auf das Gebäude selbst. Auch das direkte Umfeld wird neu gestaltet – mit klarer stadtpolitischer Zielsetzung.

Entlang der Rothenburger Straße werden elf neue Bäume gepflanzt, für die gezielt Patenschaften vergeben werden. Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen können sich finanziell beteiligen; eine Spende sichert Pflanzung und Pflege und wird vor Ort sichtbar gemacht. 


Dieses Modell verbindet Finanzierung, Beteiligung und Sichtbarkeit – und steht exemplarisch für eine neue Form kommunaler Projektentwicklung.


Der Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel betont in diesem Zusammenhang die größere Dimension des Projekts: Es gehe nicht nur um die Sanierung eines Gebäudes, sondern um die Schaffung eines „modernen Gesundheits-, Bade- und Begegnungszentrums“ für die Stadt. 


Nutzungskonzept: Vom Bad zur urbanen Infrastruktur

Das künftige Volksbad wird deutlich breiter aufgestellt sein als sein historisches Vorbild. Geplant ist eine Kombination aus:

  • öffentlichem Schwimmen

  • Schul- und Vereinssport

  • Sauna- und Wellnessangeboten

  • Gastronomie und Veranstaltungsflächen

Ein neues Pächterteam für die Gastronomie steht bereits fest und soll den Betrieb nach der Eröffnung begleiten. 


Damit verändert sich die Funktion des Volksbads grundlegend: Es wird nicht mehr nur als Infrastruktur verstanden, sondern als sozialer und kultureller Ort innerhalb der Stadt.


Komplexes Großprojekt: Sanierung unter Denkmalschutz

Die Bauarbeiten laufen seit 2021 und zählen zu den anspruchsvollsten kommunalen Projekten Nürnbergs. 


Die Herausforderung liegt in der Verbindung zweier Anforderungen:

  • Erhalt der denkmalgeschützten Substanz

  • Integration moderner Technik und Nutzungskonzepte

Dazu gehören unter anderem neue Energie- und Versorgungssysteme sowie ergänzende Neubauten, etwa für ein Lehrschwimmbecken. 


Die Gesamtkosten liegen weiterhin bei rund 55 bis 56 Millionen Euro, getragen von Stadt, Freistaat Bayern und Bund. 


Historisches Fundament: Ein Bad für die Stadtgesellschaft

Das Volksbad wurde zwischen 1911 und 1913 errichtet und 1914 eröffnet. 


Es war Teil einer breiten sozialen Bewegung: Öffentliche Badeanstalten sollten Hygiene für alle ermöglichen – zu einer Zeit, in der private Badezimmer noch nicht selbstverständlich waren.

Architektonisch orientiert sich das Gebäude an römischen Thermen und gilt als eines der bedeutendsten Jugendstilbäder Deutschlands. 


Mit mehreren Schwimmhallen, Wannen- und Duschbädern sowie ergänzenden Einrichtungen war es eines der modernsten Bäder seiner Zeit.


Zerstörung, Wiederaufbau und Stilllegung

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Volksbad zu großen Teilen zerstört, der Wiederaufbau zog sich bis 1959 hin. 


In den folgenden Jahrzehnten verlor es zunehmend an Bedeutung. Neue, funktionalere Bäder entstanden, während das Volksbad technisch veraltete.

1994 wurde der Betrieb endgültig eingestellt. 


Es folgten Jahrzehnte ohne dauerhafte Nutzung – ein Zustand, der das Gebäude zwar zum Mythos machte, aber auch seinen Verfall beschleunigte.


Politische Wende und Wiederbelebung

Erst ab den 2010er-Jahren setzte ein Umdenken ein. Eine Machbarkeitsstudie bestätigte die Möglichkeit einer Reaktivierung, Fördermittel von Bund und Land machten die Umsetzung realistisch. 


Mit dem Stadtratsbeschluss von 2020 wurde die Sanierung endgültig beschlossen.

Heute gilt das Volksbad als eines der wichtigsten Stadtentwicklungsprojekte Nürnbergs – nicht zuletzt wegen seiner symbolischen Bedeutung.


Ausblick: Ein neuer urbaner Ort

Mit dem aktuellen Baufortschritt wird erstmals sichtbar, was lange nur Planung war: die Rückkehr eines zentralen Ortes in die Stadtgesellschaft.


Die Kombination aus historischer Architektur, neuer Nutzung und neugestaltetem Umfeld deutet darauf hin, dass das Volksbad künftig mehr sein wird als ein Schwimmbad.


Ob es gelingt, diesen Anspruch dauerhaft einzulösen, wird sich nach der Eröffnung zeigen. Der Stand im April 2026 legt jedoch nahe: Nürnberg ist auf dem Weg, eines seiner prägendsten Gebäude nicht nur zu erhalten – sondern neu zu definieren.


Medien: Christian Vogel

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