Nowaja Gaseta: Unabhängige russische Zeitung gibt nach 33 Jahren auf
Das Wichtigste in Kürze
Die unabhängige russische Zeitung Nowaja Gaseta hat am 30. Oktober 2026 angekündigt, ihre Arbeit nach 33 Jahren einzustellen.
Am 9. November 2026 will die Moskauer Redaktion ihre Räume verlassen und die Server abschalten.
Die Redaktion macht russische Behörden und Geheimdienste für das Ende verantwortlich; eine Stellungnahme der Behörden lag zunächst nicht vor.
Gegründet wurde die Zeitung 1993, ihr Chefredakteur Dmitri Muratow erhielt 2021 den Friedensnobelpreis.
Die Nowaja Gaseta, eine der letzten unabhängigen Zeitungen Russlands, gibt auf. Die Moskauer Redaktion kündigte am Freitag, 30. Oktober 2026, das Ende ihrer Arbeit an. Am 9. November sollen die Server abgeschaltet werden, danach gibt es die Zeitung nach eigenen Angaben nicht mehr. Eine letzte Ausgabe soll noch erscheinen.
„Die russischen Behörden und die russischen Geheimdienste zwangen die Redaktion, die Arbeit einzustellen“, heißt es nach Angaben des ORF in der Erklärung der Redaktion. Deren Titel wird in deutschen Übersetzungen mit „Man hat uns getötet“ wiedergegeben.
Warum die Nowaja Gaseta schließt
Nach Darstellung der Redaktion haben Banken die Zusammenarbeit beendet, und das System für Spenden von Leserinnen und Lesern wurde abgeschaltet. Das berichtet die Berliner Zeitung unter Berufung auf die Erklärung und das unabhängige Portal Mediazona. Bis zum 9. November muss die Zeitung demnach ihre Räume in Moskau räumen. Die Redaktion macht auch den Inlandsgeheimdienst FSB verantwortlich; dass er die Maßnahmen gezielt gesteuert hat, ist unabhängig nicht bestätigt.
Bereits am 4. September 2026 hatte das russische Justizministerium das Online-Angebot der Zeitung nach Angaben der Berliner Zeitung als „ausländischen Agenten“ eingestuft. Mit diesem Etikett belegen russische Behörden Medien und Organisationen, denen sie Einfluss aus dem Ausland vorwerfen.
Druck auf Journalisten der Nowaja Gaseta
Der Druck auf die Redaktion hatte sich in diesem Jahr verschärft. Im April 2026 durchsuchten Sicherheitskräfte laut Berliner Zeitung die Moskauer Redaktion und nahmen den Investigativjournalisten Oleg Roldugin fest. Ihm wird der unrechtmäßige Umgang mit personenbezogenen Daten vorgeworfen, er bestreitet das und steht unter Hausarrest. Am 15. Oktober wurde demnach die Wohnung von Chefredakteur Sergej Sokolow durchsucht.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine gehen die Behörden laut ORF verstärkt gegen die Zeitung vor. Im März 2022 setzte die Nowaja Gaseta ihre gedruckte Ausgabe aus, später entzogen Gerichte ihr die Medienregistrierung.
Was die Nowaja Gaseta bekannt gemacht hat
Die Zeitung wurde 1993 gegründet. Ihre Recherchen galten Korruption, dem Krieg in Tschetschenien, dem Machtapparat von Präsident Wladimir Putin und Übergriffen von Sicherheitsbehörden. Mehrere Menschen aus dem Umfeld der Redaktion wurden getötet, darunter die Reporterin Anna Politkowskaja, die am 7. Oktober 2006 in Moskau erschossen wurde. Chefredakteur Dmitri Muratow erhielt 2021 gemeinsam mit der philippinischen Journalistin Maria Ressa den Friedensnobelpreis.
Aus dem Exil arbeitet weiterhin die Nowaja Gaseta Europe, die frühere Mitarbeitende 2022 gegründet haben. Sie sitzt nach Angaben der Berliner Zeitung in Riga in Lettland und ist von der Schließung in Moskau nicht direkt betroffen.
Häufige Fragen
Wann schließt die Nowaja Gaseta? Die Redaktion will am 9. November 2026 die Server abschalten und ihre Moskauer Räume verlassen. Angekündigt hat sie das Ende am 30. Oktober 2026.
Wer hat die Nowaja Gaseta gegründet? Die Zeitung entstand 1993 in Moskau. Ihr langjähriger Chefredakteur Dmitri Muratow erhielt 2021 den Friedensnobelpreis.
Was offen ist
Ob die letzte Ausgabe wie angekündigt erscheint und was mit dem Archiv der Zeitung geschieht, ist offen. Eine Reaktion der russischen Behörden lag zunächst nicht vor. Weitere internationale Nachrichten finden Sie in der Rubrik Welt.
Grundlage: Bericht von ORF.at vom 30. Oktober 2026, Bericht der Berliner Zeitung vom 30. Oktober 2026, Meldung der Nachrichtenagentur Reuters vom 30. Oktober 2026. Eigene Einordnung.
Titelbild: Der Kreml in Moskau mit Spasski-Turm am Roten Platz, Symbolbild – Dmitry Ant / Unsplash, Unsplash-Lizenz





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